Das ist die normale Marktdynamik und nichts schlechtes. Ein Unternehmen X geht pleite weil es den Wettbewerb gegen Unternehmen Y und Z verliert. Unter dem Strich bleibt dabei aber ein Wertzuwachs.
Er [Stefan Kooths] sagt, dass wenige oder einzelne Bürokraten, egal wie intelligent sie sein mögen, niemals bessere Entscheidungen treffen können, als 100.000 Wettbewerbs-Akteure, die einen eigenen Vorteil verfolgen, der sich nur dann erfolgreich durchsetzen kann, wenn er entsprechend nachgefragt wird. Studien führt er nicht an, verweist aber auf das Scheitern von Planwirtschaften der Vergangenheit.
Es geht nicht um Steuervermeidung durch Konsum, sondern darum, dass der Staat gebundenes Kapital versteuert, das er dann anschließend entweder schlechter investiert oder für den Konsum umverteilt.
Thesen sollten begründet oder belegt werden. In den von dir wiedergegebenen Aussagen stehen haufenweise explizite und implizite Annahmen, die ohne Begründung für wahr befunden werden:
Mit welcher Begründung ist es „in jedem Fall ausgeschlossen“, dass der Staat eine bessere Investitionsentscheidung treffen kann, als der Privatsektor
Was ist, wenn der Staat bewusst Investitionen in Bereiche lenken will, in die der Privatsektor von alleine nicht investiert? In diesem Fall ist die Begründung eine politische, keine wirtschaftliche.
Wieso führt eine Erhöhung des Konsums automatisch zu einem Aufzehren des Kapitalstocks?
Wieso sollte es demgegenüber vorzuziehen sein, das Geld in privaten Aktiendepots von Hochvermögenden investiert zu lassen?
Wieso sollte aus Umverteilung automatisch bzw zwangsläufig eine Reduzierung der Arbeitsproduktivität erfolgen?
Vermögenssteuer und Erbschaftssteuer - Einnahmen erhöhen.
Mehrwertsteuer und Sozialabgaben damit senken
Kleinere Reform der Einkommensteuer mit höheren Grundfreibetrag für Kinder, höherer Spitzensteuersatz der aber später greift
Ersteres zielt an auf Reduzierung der Vermögensungleichheit, zweites zielt ab auf die Erhöhung des verfügbaren Einkommens im niedrigen und mittleren Einkommensbereich (vielleicht ermöglicht es Vermögensaufbau, Reduzierung Sozialleistungen (Aufstocker), etc.), drittes reduziert Steuerlast für mittlere Einkommen
Da geht es gar nicht um was macht der Staat mit dem Geld und ist er der bessere Unternehmer. Das muss er gar nicht sein.
Anteilig sind nämlich diese niedrigen Einkommen mit Steuern und Abgaben höher belastet als vermögende Staatsbürger.
Die Frage ist doch aber wie viel? Wenn es zu wenig ist, wird es nicht die Ungleichheit bekämpfen und wenn es zu viel ist, hast du die entsprechend geschilderten “Schäden” der ursprünglich genannten Punkte 1 und 2.
Danke für die Korrektur, da hatte ich glaube was durcheinander gebracht.
Mein Gott, schon wieder solche völlig populistische Verallgemeinerungen. Mein Privatvermögen ist zu sehr großen Teilen in Immobilien investiert und ich verwalte noch eine ganze Reihe Immobilien für Familienmitglieder und das ist eine finanziell extrem lohnenswerte Sache (wenn man dafür das nötige Einstiegskapital mitbringt und nicht beim ersten Mietnomaden finanziell in die Knie geht).
Das ist mit Verlaub gesagt Blödsinn. Wie oben schon vorgerechnet gibt es jede Menge staatlicher Investitionen, die total Sinn machen und ohne die jede andere wirtschaftliche Aktivität unmöglich wird. Und vieles (aber natürlich nicht alles) kann der Staat erwiesenermaßen besser als private Investoren, weil der Staat langfristiges (also über Dekaden gedachten) Wachstum über kurzfristigen Profit priorisieren kann.
Das Geld wird doch nicht weniger, weil es von ärmeren Menschen ausgegeben wird. Der “Kapitalstock” einer Volkswirtschaft bleibt rechnerisch unverändert, egal ob alles Geld einer Person gehört, oder das Geld gleichmäßig unter allen aufgeteilt wird. “Aufgezehrt” wird er höchstens, wenn die grundlegenden Wirtschaftsgüter aufgezehrt werden. Dazu gehört aber auch öffentliche Infrastruktur, Bildung, etc.
Das schöne, wenn man ärmeren Menschen Geld gibt, ist doch gerade, dass die es schnell wieder ausgeben und damit wirtschaftliche Aktivität befördern. Natürlich entsteht der selbe Effekt, wenn ein reicher Mensch z.B. in ein Unternehmen investiert und das Unternehmen dann mehr Menschen beschäftigt. Aber wenn ein reicher Mensch von seinem Geld einfach Kryptowährung kauft, dann passiert mit dem ganzen schönen Kapital einfach gar nichts.
Natürlich können die das. Ob sie ihr Geld auch mitnehmen können liegt völlig im Ermessen des Gesetzgebers. Die USA beispielsweise besteuern ihre Bürger weltweit und zwar egal, wo deren Geld investiert ist oder in welchem Land die angestellt sind.
Es geht nicht um Enteignung, sondern eine neue Balance. Damit man Vermögen nicht mehr nur erben, sondern auch erarbeiten kann.
“Planwirtschaft” und “soziale Marktwirtschaft” sind schon sehr unterschiedliche Konzepte. Erbschaftssteuer =/ Planwirtschaft.
Ich würde den Spitzensteuersatz komplett abschaffen und dafür den Betrag ab dem der Reichensteuersatz greift reduzieren. Kommt aufs gleiche raus aber gibt wohl ein anderes Signal.
Das stimmt. Wer Startkapital hat, kann mit Immobilien weiteres Kapital aufbauen. Was dafür spricht, Menschen die Chance zu geben Kapital ansammeln zu können, um in diese Lage kommen zu können.
Die Annahme, Durchschnittswerte zur Erschwinglichkeit von Wohneigentum in Deutschland geben ein realistisches Bild ab, ist irreführend.
Während Studien wie der Interhyp-IW-Erschwinglichkeitsindex 2025 bundesweit eine leichte Entspannung beim Zugang zu Wohneigentum nahelegen, zeigt sich in den wirtschaftlich stärksten und kostenintensivsten Regionen das genaue Gegenteil. In München, Stuttgart, Berlin oder dem Taunus liegen die Preise für Eigentum vielfach beim zehn- bis fünfzehnfachen des jährlichen Haushaltsnettoeinkommens. Dies stellt eine massive finanzielle Belastung dar, die für viele trotz guten Einkommens aus eigenem Einkommen ohne Erbe nicht realisierbar ist.
Im Gegensatz dazu sind Immobilienpreise in ländlichen oder strukturschwachen Gegenden um ein Vielfaches niedriger, oft nur beim vier- bis fünffachen des Haushaltseinkommens. Diese erheblichen regionalen Disparitäten machen Mittelwerte unbrauchbar, wenn die Lebens- und Arbeitssituation der Betroffenen nicht berücksichtigt wird.
Laut der Bundesagentur für Arbeit und dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) sind Pendlerströme in den großen IAB-Arbeitsmarktregionen konzentriert. Heißt: Viele Menschen mit hoher Qualifikation sind regional gebunden und ziehen nicht einfach um, was die soziale und berufliche Mobilität begrenzt. Salopp gesprochen: Günstiger Wohnraum in Döblitz bringt mir gar nichts, wenn es meinen Job nur in München, Hamburg und dem Taunus gibt. Günstige Immobilien in Strukturschwachen Regionen helfen nicht-Erben auch nicht beim Vermögensaufbau.
Das räumliche Gefälle zwischen erschwinglichen Wohnorten und wirtschaftlich attraktiven Arbeitsplätzen führt somit zu einem Kosten- und Belastungsdruck, der die Chancen auf Vermögensbildung und soziale Aufstiegsmöglichkeiten für viele Menschen ohne Erbe stark beschneidet.
Immobilienbesitz wiederum spielt in Deutschland eine zentrale Rolle für den Vermögensaufbau und den sozialen Aufstieg. Immobilien gelten als eine der stabilsten Anlageformen mit Wertsteigerungspotenzial, besonders in wirtschaftsstarken Regionen. Die Möglichkeit, durch Tilgung eines Hypothekendarlehens Schulden abzubauen, führt bei Eigentümern zu einem sukzessiven Vermögenszuwachs, während Mieter regelmäßig Ausgaben leisten, ohne Vermögen aufzubauen. Zusätzlich bietet Immobilienbesitz Schutz vor Inflation, da die Mieteinnahmen und Immobilienwerte tendenziell mit der Inflation steigen. Eigentümer verfügen in der Regel über ein deutlich höheres Nettovermögen als Mieter, was sich im Laufe der Zeit weiter verstärkt.
Ich kann in ETFs sparen wie ich lustig bin, wenn die Miete von Jahr zu Jahr einen signifikanten und stetig wachsenden Teil meines Einkommens frisst und ich diese Ersparnisse im Alter verkonsumieren muss, nur um weiterhin ein Dach über’m Kopf zu haben. Dies konstituiert keinen Vermögensaufbau oder Aufstieg, schonmal gar nicht für meine Kinder.
Die Behauptung, Erbschaften spielten nur eine marginale Rolle im Vermögensaufbau, widerspricht Studien, die zeigen, dass Erbschaften zu einem wesentlichen Bestandteil von Vermögen in Deutschland geworden sind und soziale Ungleichheiten verstärken. Rund 40% der Bevölkerung profitieren von Erbschaften, die für viele die einzige realistische Einstiegshilfe in Immobilienbesitz darstellen. Dass der Zugang zu Vermögen für Nicht-Erben deutlich schwerer bis aussichtslos ist, ist gesellschaftliche Realität und kein individuelles Versagen, weil die Leute sich mal eine schöne Reise geleistet haben.
Sie und ihre Kinder haben in der Vorfahrenlotterie gewonnen. Dass ihre Kinder von diesem großen Glück ein kleines Stück abgeben sollen, dass ihren Vorsprung für den sie nichts geleistet haben nicht schmälert (wir reden bei Kindern von idR 7% - und hier wird gerne so getan, als würde sich der Staat alles oberhalb der Freibeträge krallen), scheint mir fair.
Nein, ist es nicht. Was du meinst sind Infrastruktur, Gemeinwesen, öffentliche Dienste usw. Das ist ein Rahmen, der Voraussetzungen schafft, ja. Und die sind beim Staat auch gut aufgehoben. Das sind aber, auf der großen, hollistischen Investitionsskala (wo neue Technologien, Produkte und Dienstleistungen entwickelt werden) weder “jede Menge” noch “vieles”. Diese Basis ist indiskutabel und im Rahmen des o.g. Argumentes irrelevant. Wobei die Ironie dieses Argumentes natürlich trozdem ist, dass gerade der Deutsche Staat es aktuell überhaupt nicht unterstreicht, eher im Gegenteil.
Gemeint ist der Kapitalstock im volkswirtschaftlichen Sinne, nicht im betriebswirtschaftlichen. Und dazu zählt Geld eben nicht, sondern ausschließlich Produktionsmittel.
Natürlich, aber es geht bei dem Gedankengang ja genau darum, dass der Staat, wenn er im Rahmen seines Steuermodells dauerhaft in den Kapitalstock greift, diesen entweder wie oben dargelegt aufzehren (lassen) wird, oder, wenn er ihn selbst investiert, sich planwirtschaftlich einmischt.
Nein, für diese These hast du keine eindeutigen, validen Beweise. Bestes Gegenbeispiel ist Schweden, große Vermögen und Vermögensungleichheit, aber bei den Einkommen eine große Gleichheit, hohe soziale Absicherung, sie haben keine Erbschafts- und Schenkungssteuer.
Ich bin mir nicht sicher, ob eine Erbschaftsreform die von dir bevorzugten Wirkungen hat, sprich, dass es weniger Vermögensungleichheit gibt. Ich wäre da vorsichtiger. Unbeabsichtigt kann sogar mehr Vermögensungleichheit entstehen.
Genauso gut kann man behaupten, dass Monopole die Demokratie gefährden. Dem würde ich sogar zustimmen. Das Instrument des Staates dagegen ist das Kartellrecht, man muss es nur anwenden und nicht zaghaft sein.
Statt über das eigene Häuschen zu diskutieren, sollten wir lieber diskutieren, ob alle großen Firmen nun Aktiengesellschaften oder Teil von Aktiengesellschaften sein sollen, die arg kurzfristig denken. Wollen wir den Verkauf von Firmen so aufdrängen?
Eigentümerfamilien.geführte Firmen haben eher ein Interesse daran, langfristig über Generationen zu denken. Man will ja nicht derjenige sein, der Opas oder Omas Firma in den Ruin treibt, so eine Vorstellung kann durchaus diszipilinieren.
Aufbauend auf dem Gedanken einer Vermögensabgabe könnte man das Ganze auch strukturell nutzen, um sowohl Startchancen als auch Altersvorsorge langfristig abzusichern.
Auch wenn ich Folgendes hier bereits vor ein paar Monaten vorgestellt habe, hier quasi die Version 2.0 eines alternativen Modells:
Der Staat legt 50.000 € pro geborenem Kind in einen staatlichen Fonds an.
Der Fonds investiert global breit gestreut und transparent in die Finanzmärkte.
Zusätzlich in renditeabwerfende kritische Infrastruktur in Deutschland (Energie & Wohnraum).
Renditeannahme (inflationsbereinigt): 5 % p.a.
Mit Erreichen des 20. Lebensjahres:
→ Auszahlung von 25.000 € als Startkapital
z.B. für Ausbildung / Studium, Führerschein, Mietzuschuss, etc.
Mit Erreichen des 30. Lebensjahres:
→ Auszahlung von 50.000 € als Stabilisierungskapital
z.B. für Eigenanteil Immobilienkredit, Familiengründung, Firmengründung etc.
Mit Erreichen des 65. Lebensjahres:
→ monatliche Rente von ca. 4.500 € über 20 Jahre (das restliche Kapital arbeitet während der Auszahlungsdauer weiter)
Im Gegenzug können der Bundeszuschuss zur GRV sowie die Rentenbeiträge auf Löhne schrittweise abgesenkt werden (da leider nicht alle Bürger das Rentenalter erreichen oder möglicherweise auswandern → Überschüsse im System). In 65 Jahren wäre die GRV vollständig überflüssig.
Finanzierung:
Eine progressiv gestaffelte Vermögensabgabe auf Vermögen im obersten 1%.
Sie greift etwa ab 2 Mio. € persönlichem Nettovermögen. (selbstgenutztes Eigenheim ausgenommen) Satz: 0,3 % bis max. 1 % jährlich. (die Erbschaftssteuer ginge in dieses Modell über und würde nicht zusätzlich erhoben werden)
Wichtig:
Der Staat führt keine Unternehmen.
Er ist Investor. Gebaut wird weiterhin von privaten Akteuren.
Die Rendite bleibt in der Gesellschaft, statt in Gebührenstrukturen privater Altersvorsorge.
Sämtliche Berechnungen baue ich hier mal ausklappbar ein, sonst wird der Post noch länger:
Ehrlich gesagt kann ich diese optimistische Staatsgläubigkeit nicht teilen, einfach, weil es den Staat nicht gibt, sondern nur Politiker, die leider viel zu oft in Wahlperioden denken.
Hat der Staat denn über Dekaden gedacht, als er den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland verschlafen hat. Plant der Staat in Dekaden, wenn es um ausreichend Lehrer für unsere Kinder geht? Ist der Staat nicht viel eher ein „Umfaller“, z.B. als (auch auf Druck Deutschlands) jetzt der EU-weite Emissionshandel im Bereich Verkehr und Gebäude um ein Jahr nach hinten verschoben wird?
Oder weg von der Wirtschaft: Hat der Staat in Dekaden gedacht, als er die demographische Entwicklung auf unsere umlagefinanzierten Sozialversicherungen zukommen sah? Nicht einmal jetzt, 5 vor 12 ist er zu Reformen fähig.
Ich glaube, viele Privatpersonen, viele …unternehmen planen da viel besser.
Wenn Unternehmen wegen Missmanagement pleite gehen ist das ein Gewinn und was gutes. Wenn eine staatliche Investition suboptimal läuft, der Beweis, dass Milliardenerben nicht besteuert werden sollten.
Erschließt sich mir nicht, kannst du mir mal den Wirkmechanismus darlegen?
Also wenn man eine Milliarde in Aktien erbt und dann 400 Millionen an Steuern zahlt, dann sinken die Löhne?
Auch dann schmilzt der Kapitalstock nicht ab, nur weil er auf mehr Eigentümer verteilt wird. Es gibt ja durchaus auch Konzepte zur Erbschaftssteuer, die eine stille Miteigentümerschaft des Staates (also der Gesellschaft) als Alternative zur direkten Begleichung der Schulden durch die Erben eines Unternehmens vorschlagen.
Ich finde den Begriff “Planwirtschaft” immer noch extrem unpassend und tendenziös. Eine höhere Erbschaftssteuer zu nutzen, um mehr Geld in den Bildungserfolg von Kindern, den Ausbau Infrastruktur oder die Digitalisierung staatlicher Institutionen zu stecken ist kein “Planwirtschaft”.
Und auch, wenn der Staat das Geld “nur” umverteilt (z.B. indem durch Vermögens- und Erbschaftssteuern die Steuern und Abgaben auf Einkommen aus Arbeit gesenkt werden), ist das für eine Volkswirtschaft nicht ruinös – im Gegenteil. Innovation entsteht nicht durch die Akkumulation immer größerer Vermögen. Innovation entsteht dadurch, dass man möglichst vielen Menschen die Chance gibt, ihr Potenzial auszuschöpfen. Wenn mehr als 50% der Gesellschaft kein Netto-Vermögen besitzen, dann ist das Innovations- und Wachstumsfeindlich.
(Natürlich geht es nicht darum, einfach allen das selbe zu geben – auch das setzt keine guten Anreize).
Ja, nachdem über Jahrzehnte neoliberale Wirtschaftswissenschaftler und “besorgte Familienunternehmer” intensiv daran gearbeitet haben, dass der Staat möglichst wenig gestalterische Möglichkeiten und Selbstverständnis hat. Wenn irgendwo auch nur ein Lehrer zu viel eingestellt wird, kriegt der Chef vom Bund der Steuerzahler einen Herzkasper. Aber wenn die Schuldenbremse eingeführt wird und gleichzeitig die Infrastruktur zerfällt, klatscht das gesamte wirtschaftliche Establishment Beifall.
Ich habe auch keine Sympathie für sozialistische oder kommunistische Gesellschaftsmodelle. Und an der Innvoation, Effizienz und Effektivität staatlichen Handelns gibt es enormes Verbesserungspotenzial. Aber ich halte es für unbestreitbar, dass das Pendel derzeit viel zu weit in Richtung “Laissez-Faire-Kapitalismus” geschwungen ist. Es ist volkswirtschaftlich ineffizient, wenn einige wenige Familien ein vielfaches des Vermögens besitzen, das von einer kleinen Gruppe Menschen noch sinnvoll investiert werden kann. Gleichzeitig versauern die Potenziale vieler anderer Leute, weil sie nicht die Bildung, die Infrastruktur und die Ressourcen bekommen, um erfolgreich zu sein.
Unabhängig davon, ob der deutsche Staat dabei derzeit eine gute Figur macht, ist das ein Problem was am Ende nur ein mit angemessenen Ressourcen ausgestatteter Staat beheben kann. Also: Weniger gegen die Erbschaftssteuer agitieren und mehr engagieren (z.B. durch politisches Engagement).
Die Preise sind Indikatoren für die Knappheit von Wohnraum in den verschiedenen Regionen. Es war schon immer teuer in den Metropolen und billiger im ländlichen Raum. Der Wohnraum wird auch nicht mehr in den Metropolen, wenn der Staat Mietbremsen oder Ähnliches einführt. Neubau schafft mehr Wohnraum, aber auch eine bessere Verteilung des vorhandenen Wohnraums. Das wird allerdings durch die staatlichen Eingriffe verhindert. Warum soll ein älterer Mensch in eine kleinere Wohnung umziehen, wenn seine Bestandsmiete sehr niedrig ist und die kleinere Wohnung am Ende mehr kostet. Staatliche Eingriffe haben immer unerwünschte Nebenwirkungen.
Es stimmt heutzutage einfach nicht mehr, dass Immobilien für den Vermögensaufbau notwendig sind. Wer daran zweifelt, soll sich auf YouTube Videos zu dem Thema von Gerd Kommer ansehen. Natürlich werden Leute, die vom Immobilienverkauf leben immer etwas anderes erzählen. Was stimmt ist, dass Immobilienbesitzer sehr lange gezwungen sind, zu „sparen“, in dem sie den Kredit tilgen müssen. Das müssen Mieter nicht, und anstatt das gesparte Geld in die Altersvorsorge zu investieren, konsumieren sie das Geld häufig. Das ist der Grund, der Immobilienbesitzer am Ende besser dastehen lässt. Allerdings wird hier oft das Risiko vergessen, das Immobilienbesitzer tragen (Klumpenrisiko der Immobilie). Das Leben läuft eben häufig anders als geplant und dann kann eine Immobilie die Freiheit sehr einschränken.
Meinst Du mit „staatlichen Eingriff“ die Begrenzung von Mietpreiserhöhungen - in diesem Fall für ältere Mieter?
Na klar, schafft alle mieterfreundliche Mietgesetze ab und die Immobilienunternehmen werden bauen wie die Wutz!
Mag sein. Aber dann kann sich auch der Bestandsmieter ein Leben in der Stadt nicht mehr leisten.
Der städtische Immobilienmarkt ist - allein schon aufgrund der Knappheit von Grund und Boden, aber auch wegen der Schutzbedürftigkeit von Mietern gegenüber Vermieter - kein Mark, der auch auf sich allein gestellt gesellschaftlich gewollte Ressourcenallokation hervorbringt. Ein klarer Fall für notwendige Regulierung. Ob die richtig gemacht wurde, darüber lässt sich streiten. Aber ein Mietmarkt ohne „staatliche Eingriffe“? Nicht Dein Ernst.
Derzeit wird aber gebaut für hohe Mieten. Der Staat muss sonst bauen, über kommunale Baugesellschaft oder Genossenschaften.
In Bremen gibt es ein Modell einer Genossenschaft, die hierfür in einem Quartier geeignete Wohnungsgrößen vorhält und so Wohnraum nach Bedarf ermöglicht. Es scheint hierfür einige Projekte zu geben, jedoch finde ich keinen konkreten Link dazu.
Z.b die Reduzierung des Mietpreises durch ein höheres Wohnungsangebot auf staatlichen Flächen in der Stadt. Damit könnte ich leben. Noch kurz die Anmerkung, Markt hat immer mit staatlichen Eingriffen zu tun. Einen freien Markt haben wir nicht.
Ich finde, dein Beitrag weicht stark vom ursprünglichen Thema ab. Es geht hier nicht um Mietbremsen oder staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt, sondern darum, dass Erbschaften einen erheblichen Einfluss auf die Vermögensverteilung haben. Gerade in Regionen mit extrem hohen Immobilienpreisen bedeutet ein Erbe oft einen enormen finanziellen Vorsprung – einen, für den die Erben selbst nichts geleistet haben.
Übrigens: YouTube ist keine verlässliche Plattform für tiefgehende Finanz- und Gesellschaftsanalyse und Gerd Kommer mag ein seriöserer Finanzexperte sein, als vieleswas auf der Platform sonst so unterwegs ist, steht aber eben auch im Ruf, dass er bei seinen Argumenten etwas selektiv mit Studien umgeht und in seinen Videos durchaus mal Gegenthesen oder die Komplexität aktiv gemanagter Investitionen unterschlägt.
Als Argument gegen eine faire Besteuerung eines leistungslosen Vorsprungs qua Geburt taugt er so oder so nicht. Und die Tatsache, dass Erben dem Dilemma stetig und schneller als die Einkommen steigender Wohnkosten durch ihr Erbe entkommen können und somit deutlich mehr Luft haben, Geld sinnvoll langfristig anzulegen, widerlegt er auch nicht.
Also bleibt weiterhin bestehen: Erben haben einen massiven Vorsprung beim Aufbau von Wohlstand, den Nicht-Erben kaum aufholen können. Wer sich einredet, man selbst habe es als Erbe ja nur durch die eigenen guten Entscheidungen zu Wohlstand geschafft und die erbenlosen Nachbarn sind ja selber schuld, dass sie es nicht geschafft haben, weil die sind ja mal nach Bali geflogen, lügt sich da einfach in die Tasche.
Die Unterscheidung in „Erben“ und „Nicht-Erben“ ist mir hier aber zu schwarz weiß und setzt in erster Linie nur bei den obersten und untersten 10 % an.
Dazwischen gibt es aber ja auch noch sehr viele Ausprägungen. Gehen wir jetzt mal von den 80% dazwischen aus, dann reden wir zu einem überwiegenden Teil nicht von Erbschaften die im Rahmen der geltenden Freibeträge versteuert werden müssten und dennoch ist der Unterschied was Startchancen angeht enorm.
Ein riesiger Punkt ist in Anbetracht des aktuellen Schulsystems z.B. schon die Förderung durch die Eltern. Während Bildungsnahe Haushalte hier im Alltag viel leisten können was die Chancen der eigenen Kinder massiv erhöht sind Bildungsferne Haushalte meist auf die Schule angewiesen und da dort die Kapazitäten zu gering sind bleiben deren Kinder eben auch oft auf der Strecke oder erreichen zumindest weit weniger als mit mehr Unterstützung möglich wäre.
Selbst wenn die Eltern kein Vermögen besitzen und vererben können, so hat dieser Effekt schnell auch einen Millionenwert wenn wir das am späteren Einkommen der Kinder bemessen (einfach z.B. 1700 netto als Hilfsarbeiter vs. 4000 netto nach Studium).
Vorsprung beim Aufbau von Wohlstand ist bei der Mehrheit der Leute wohl eher eine Frage der Bildungschancen als eine Frage der Erbschaft, weil selbst wenn man später mal das Haus der Eltern erbt, dann erst zu einem relativ späten Zeitpunkt ab 40, meist eher 50 bis 60.
Aber natürlich kosten Investitionen in die Bildung auch Geld und hier böte eine Erbschaftssteuer Chancen zur Finanzierung. Ich habe in einem anderen Thread ja schon mal skizziert wie ich das Handhaben würde um vererbte Unternehmen nicht grundsätzlich zu belasten, Erben aber dennoch mehr als heute zu besteuern.
Das denke ich auch und genau das ist auch mein Störgefuhl bei dieser ganzen Diskussion an sich. Es wird von “den oberen 10%” oder “den unteren 20%” stets wie von einer unveränderlichen Masse gesprochen, aus Korrelationen werden sofort Kausalitäten. So als bestünde überhaupt keine Mobilität zwischen den Quantilen. Und vor allem die Versteifung auf den “ungerechten Vorsprung” der Oberen und die Andichtung einer Opferrolle an die Unteren. Ich habe erst kürzlich einen Podiumsbeitrag eines “Marginalisierten” gesehen, der eine gebildete, weiße junge Dame (“auf seiner Seite”) im Publikum äußerst energisch zurechtgewiesen hat, weil er klar machen wollte: “Ich bin kein Opfer und es bist nicht du die mir das einreden muss. Ich habe mein Leben in die Hand genommen und bin aufgestiegen. Das kann jeder. Punkt.”
Ich komme selbst aus einfachen Verhältnissen, ich habe nichts geerbt was mir irgendeinen Start vereinfacht hätte. Ich habe aber eine Schule besucht, Lernen wurde zu Hause ernst genommen, ich habe Abi gemacht, Ausbildung, Studium. Das Studium war so gerade, irgendwie finanzierbar mit Nebenjobs und kleinem Taschengeld meiner Eltern. Lange Rede kurzer Sinn: wir unterstützen unsere Tochter, wo wir können. Wir werden ihr beim Lernen helfen. Wir werden ihr ein Auslandssemester ermöglichen wenn sie möchte, eventuell auch vorher schon einen Highschool-Abschluss oder ähnliches. Und sie wird im Gegensatz zu uns etwas erben. Und ihre Kinder gerne noch mehr. Und dabei sollte man sich schon daran zurück entsinnen, dass dieses Vermögen an einer Stelle der Geschichte aus dem “Nichts” entstanden ist, weil bestimmte Eltern bestimmte Entscheidungen getroffen haben. Daher bin ich eher überzeugt davon am unteren Ende der sozialen Leiter für exzellente Bildungschancen und Qualität zu sorgen, vor allem durch Unterstützung unfähiger Eltern.