Hier die Daten für die Landtagswahlen:
Schon bei der höchsten Landtagswahlbeteiligung Sachsen-Anhalts 1998 bekam die rechtsextremistische DVU 192.352 Stimmen, also nicht viel weniger als die AfD 2021 (221.487).
Nun könnte man natürlich jetzt speziell für Sachsen-Anhalt alle Wählendenwanderungen einzeln durchgehen und dann gucken, welche Wählenden jeweils wohin gewandert sind, und vielleicht stellt man dann für diese kleine Bundesland, welches gerade mal drei Prozent der bundesdeutschen Wahlberechtigten beheimatet, dann auch fest, dass allerhand ehemals SPD- und Linke/PDS-Wählende möglicherweise bei der AfD gelandet sind.
Ausschließen will ich das gar nicht, da ja die Fremdenfeindlichkeit im Osten generell stark verbreitet ist:
Die Studie ergab […] eine hohe Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen in den ostdeutschen Bundesländern. Chauvinistische und ausländerfeindliche Aussagen würden nur von einer Minderheit der Befragten abgelehnt, betonten die Projektleiter.
Dass man diese Wählendenwanderung von SPD und Linken dann aber auf die Bundesrepublik insg. übertragen kann, stelle ich infrage.
Es ist ja doch ein erheblicher Unterschied, ob man eine kleine Gruppe nimmt oder ob man das Gesamtbild betrachtet.
Darum ging es mir.
Und Leute, die vielleicht vor über einem Vierteljahrhundert mal in Sachsen-Anhalt SPD gewählt haben, sie rutschte ja schon von 1998 auf 2002 um knapp 16 Prozentpunkte ab*, als SPD-Wählende, die dann im letzten Jahrzehnt die rechtsradikale AfD gewählt haben, zu bezeichnen halte ich dann doch für sehr weit hergeholt. Abgesehen davon, dass Wahlforschende für den Osten ja immer wieder eine sehr viel höhere Volatilität festgestellt haben, sodass man von eher Stammwählenden ohnehin nur in begrenztem Umfang ausgehen kann.
Diese Gleichmacherei, dass nämlich in vergleichbaren Größenordnungen von Mitte-Links-Parteien ins rechtsextreme Lager gewechselt würde, ist zumindest für Deutschland insg. nicht nachweisbar - und das ist das Entscheidende, abgesehen davon, dass es auch logisch ist.
*Nimmt man die Zweitstimmendifferenz (2002 zu 1998) als Maßstab, ist die SPD sogar um 57 Prozent, also um mehr als die Hälfte, eingebrochen. Das ist allerdings schon zwei Dutzend Jahre her.
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Schaut man auf die Scharnierstelle, also auf die Landtagswahl 2016, bei der die rechtsradikale AfD das erste Mal antrat, stellt man per Saldo Folgendes fest:
Bei der SPD überwiegt die Abwanderung zu demokratischen Parteien (35.000) die Abwanderung zur AfD (20.000) deutlich.
Bei der Linken hingegen überwiegt die Abwanderung zur AfD (20.000) die Abwanderung zu demokratischen Parteien (10.000) deutlich.
Bei der nachfolgenden Wahl 2021 ist es dann saldiert so:
Bei der Linken überwiegt die Abwanderung zu demokratischen Parteien (27.000) die Abwanderung zur AfD (2.000) sehr deutlich.
Bei der SPD kommt zur Abwanderung zu demokratischen Parteien (18.000) eine Abwanderung von der AfD (2.000) und der Linken (3.000), die natürlich auch ins demokratische Spektrum gehört, hinzu.
Nimmt man jeweils beides zusammen, wanderten …
- von der Linken zur AfD 22.000, aber zu demokratischen Parteien 37.000,
- von der SPD zur AfD 18.000, aber zu demokratischen Parteien 50.000.
Den insg. 87.000 zu demokratischen Parteien Abgewanderten stehen also 40.000 zur AfD Abgewanderten gegenüber, also weniger als die Hälfte.
Zu mehr als zwei Dritteln blieb die Wanderung also im demokratischen Spektrum.
Jetzt kann man auch noch den Durchschnitt der prozentualen Wahlergebnisse 2016 und 2021 mit dem Durchschnitt der letzten beiden Wahlumfrageprojektionen für Mitte-Rechts (CDU und FDP) und Mitte-Links (SPD, Linke und Grüne) vergleichen.
Die Verluste von Mitte-Rechts würden demnach 32,5 % (also knapp ein Drittel) betragen, die Verluste von Mitte-Links 15,9 % (also die Hälfte davon).
Der Anstieg der rechtsextremistischen AfD würde nach derselben Berechnungsweise 84 % betragen.