Wer wählt warum AfD? - Überblick über aktuelle Forschung

Auf Zeit+ und Welt+ wurde das Thema jüngst noch mal aufgegriffen.

Auf Welt+ heißt es noch einmal unter Bezug zur hier auch schon thematisierten Studie:

Die sogenannte Modernisierungsverliererthese beinhaltet unter anderem, dass AfD-Anhänger die Rechtsaußen-Partei aufgrund wachsender Ungleichheit unterstützten und eine sozial abgehängte Gruppe seien. Als typischer Anhänger wird häufig etwa ein gering gebildeter Arbeiter beschrieben.

In der Wissenschaft ist diese These bereits seit Langem umstritten. In der multidisziplinären Fachzeitschrift „Plos One“ ist nun eine Studie der Sozialwissenschaftler Martin Schröder, Moritz Rehm und Anja Röcke erschienen, deren Ergebnisse dieser These erneut deutlich widersprechen. Demnach spielt die Sorge über Zuwanderung für die AfD-Unterstützung eine weitaus größere Rolle als ökonomische Not oder die Angst davor.

Wer über die Zuwanderung nach Deutschland besorgt ist, hat laut Studie eine etwa zehnfach erhöhte Chance, die AfD zu unterstützen – und zwar unabhängig davon, wie zufrieden, reich, gebildet oder zuversichtlich diese Person ist. Dies zeigt eine Analyse von mehr als 110.000 Befragungen von knapp 32.000 Personen aus dem Sozio-oekonomischen Panel, einer repräsentativen Wiederholungsbefragung von Privathaushalten in Deutschland. Die Daten wurden zwischen 2014 und 2024 erhoben.

Die Daten zu Personen, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig befragt wurden, zeigen zudem: Wenn eine Person sich stärker benachteiligt fühlt als zuvor, geht damit nicht eine höhere Wahrscheinlichkeit einher, die AfD zu unterstützen. „Umgekehrt unterstützt sie im Durchschnitt die AfD nicht weniger, wenn sie sich weniger benachteiligt fühlt als zuvor“, heißt es in der Studie. Anders sieht es bei den Einwanderungssorgen aus: Wenn dieselbe Person im Zeitverlauf stärker über Einwanderung besorgt ist, steigt für sie die Wahrscheinlichkeit, die AfD zu unterstützen, deutlich.

Die Ergebnisse hinterfragen grundsätzlich, ob tatsächliche oder befürchtete Benachteiligung überhaupt eine signifikante Rolle bei der Unterstützung der AfD spielt. „Kein anderer Indikator sagt die AfD-Unterstützung in jedem einzelnen Jahr so signifikant und konsistent voraus wie die Sorge über Einwanderung“, heißt es in der Studie.

Sogar wer sich in der höchsten Einkommensgruppe befindet, über die höchste Bildung und höchstmögliche Zufriedenheit mit dem Leben verfügt, hat die doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, die AfD zu unterstützen, wenn er sich besorgt über Migration äußert, wie jemand, der nicht über Einwanderung besorgt ist, aber vollständig benachteiligt ist.

Das Ergebnis bestätigen auch weitere Studien, über die Zeit+ berichtet:

Den aktuellen Stand bildet eine Studie der Soziologin Céline Teney ab. Die Professorin von der FU Berlin zeigt anhand von Daten des Gles-Panels aus dem vergangenen Jahr, dass sich die Wählerinnen und Wähler der AfD zuletzt in drei Gruppen einteilen ließen: konservative Hardliner, radikal-rechte Autoritäre und moderate Konservative.

Die konservativen Hardliner haben laut Teney mit etwa 67 Prozent den größten Anteil in der AfD-Wählerschaft. Hierbei handelt es sich meist um eher mittelalte Menschen aus Klein- und Mittelstädten. Migration ist für sie nach wie vor das entscheidende Thema, sie wollen sie maximal begrenzen – auch wenn die Asylzahlen immer weiter gesunken sind. Andere Themen wie die wirtschaftliche Lage oder die Außenpolitik sind für diese Gruppe nicht so relevant.

In ihrer Fokussierung auf die Zuwanderung sind die konservativen Hardliner durchaus radikal; bei anderen Merkmalen sind sie moderater – zumindest im Vergleich zur mit etwa 20 Prozent Anteil zweitgrößten AfD-Wählergruppe, den radikal-rechten Autoritären. Mitglieder dieser Gruppe sind laut Teneys Auswertung eher älter, geringer gebildet und leben häufiger auf dem Land. Auch sie sind in ihrer Ablehnung von Zuwanderung extrem, neigen einer autoritären Führung sowie antisemitischen Positionen zu. »Dieses Profil ist dasjenige mit der stärksten Distanz zu demokratischen und pluralistischen Grundnormen«, schreibt Teney.

(Fortsetzung folgt)

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Die dritte Gruppe der AfD-Wähler bilden in Teneys Typologie mit knapp 13 Prozent die moderaten Konservativen. »Im Vergleich zu den anderen AfD-Profilen weisen sie die geringste Neigung auf, Minderheiten auszugrenzen und Deutschland abzuschotten«, heißt es in der Studie von Juni 2026. Auch stimmen die moderaten Konservativen innerhalb der AfD-Wählerschaft am seltensten autoritären und antisemitischen Positionen zu.

Echte Unterschiede gibt es also weniger bei Sachfragen als vielmehr beim Ausmaß der Radikalität. Die AfD-Wählerschaft in dieser Hinsicht durchaus heterogen, es gibt nach wie vor nicht den einen typischen Rechtsaußen-Anhänger. Die verschiedenen Einstellungen decken das komplette rechte Spektrum von gemäßigt bis extrem ab. Allerdings gibt es in der Migrationspolitik einen deutlichen Hang zum Radikalen: Die grundsätzlich Gemäßigten sind hier wie insgesamt in der Minderheit. Dazu passt, dass die AfD einer Studie des Soziologen Julius Kölzer und seiner Kollegen (PDF) zufolge dort besonders stark ist, wo rechtsextreme Parteien historisch gesehen stets punkten konnten.

Warum ist Zuwanderung für den größten Teil der AfD-Wählerinnen und -Wähler weiterhin so wichtig, obwohl die Zahlen beständig rückläufig sind und das Thema die Agenda zuletzt weniger bestimmte?

Dazu gibt es keine expliziten neuen Studien, liest man die Forschung aber im zeitlichen Verlauf quer, lässt sich eine Verschiebung erkennen: War die Zuwanderung zur Hochzeit der sogenannten Flüchtlingskrise für die AfD-Anhänger (wie für das das Gros der gesamten Wählerschaft) ein zentrales sachpolitisches Thema, ist es mittlerweile zu einem symbolischen Metathema geworden. Aktiv bespielt durch die Partei, kommen hier alle Sorgen und manche Einstellungen der AfD-Wählerinnen und -Wähler zusammen: die Angst vor Kontroll- und Statusverlust, vor vermeintlicher kultureller Veränderung (Stichwort »Umvolkung«), in Teilen Rassismus und Angst vor »Fremden« sowie ein grundsätzliches Misstrauen in staatliche Institutionen. So betrachtet spielt es kaum eine Rolle, inwieweit Zuwanderung noch stattfindet. Für die anderen Parteien hat das die weitreichende Folge, dass es bei diesem Thema keinen von ihnen hergestellten Zustand geben kann, der weite Teile der AfD-Anhängerschaft befriedigen würde.

Regionale Unterschiede werden zudem folgendermaßen erklärbar:

Entscheidend für den Erfolg der AfD ist […] vor allem die demografische Lage in einem Landkreis.

Das war schon vorher bekannt. Die Soziologin Katja Salomo etwa wies bereits 2019 anhand einer Fallstudie über Thüringen darauf hin, dass die ostdeutsche Kombination aus vielen Alten, wenigen Frauen und wenigen Geburten weltweit einmalig negativ für die Lebensumstände in einer Region sei. Vom DIW wird dieser Faktor nun als entscheidend markiert: »Dort, wo besonders viele Menschen über 60 Jahre leben und junge, gut ausgebildete Leute wegziehen – wodurch auch die Abiturquote der Zurückbleibenden deutlich sinkt –, erzielt die AfD deutlich mehr Stimmen«, heißt es in der Auswertung vom Juli 2026.

Aus dieser Dynamik entsteht ein Teufelskreis. Strukturschwäche und steigende AfD-Wahlergebnisse führen dazu, dass noch mehr Menschen abwandern, insbesondere die Jungen, Gebildeten – und die Frauen. Die Forschung zeigt, dass mittlerweile gerade in ländlichen ostdeutschen Gegenden ein Männerüberschuss vorherrscht, wobei die AfD auch diesen Aspekt mit Erzählungen über Migranten, die den Deutschen die Frauen wegnähmen, gezielt bespielt. Ein weiterer Effekt ist, dass weniger Zuzug stattfindet, auch und gerade von Migranten – in regionalen AfD-Hochburgen sind sie kaum vertreten.

Wie sollten die anderen Parteien mit diesen Entwicklungen umgehen? Dazu gibt es in der Forschung erstaunlicherweise kaum nennenswerte neue Empfehlungen. Der Politikwissenschaftler Johannes Hillje etwa fordert, es mit mehr Emotionen und einer positiven Zukunftserzählung zu versuchen. Damit könne ein erklecklicher Teil der Bevölkerung angesprochen werden. Auch die vielen, die AfD wählen wollen?

Gut belegt ist immerhin, was die anderen Parteien nicht tun sollten: Versuche, die AfD rechts zu überholen oder ihr die Themen wegnehmen zu wollen, sind zum Scheitern verurteilt. In dieser Hinsicht ist der Stand der Forschung recht eindeutig.

(Hervorhebungen durch kursiven Fettdruck von mir)

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Interessant sind die Größenordnungen, die in der Studie von Martin Schröder, Moritz Rehm und Anja Röcke, die auf SOEP 2014–2024 aufbaut, herausgearbeitet werden:

  • Die Einstellung zur Zuwanderung allein erklärt etwa 75% der erklärbaren Variation bei der AfD-Sympathie und sogar 90% der erklärbaren Variation beim tatsächlichen AfD-Wahlverhalten.
  • In Fixed-Effects-Modellen führt eine Zunahme der Immigrationssorge bei derselben Person zu einem starken Anstieg der AfD-Wahrscheinlichkeit (ca. +20 Prozentpunkte pro einer Standardabweichung mehr Sorge)

Auch interessant, wie verschiedene Betrachtungswinkel und Datengrundlagen unterschiedliche Sichten erzeugen:

Studie / Quelle Zeitraum / Daten Wichtigste Treiber (Rangfolge) Was ökonomische Faktoren beitragen
PLOS ONE (Schröder et al., 2026) SOEP 2014–2024, Längsschnitt 1. Sorge um Zuwanderung (stärkster Effekt, +2,4 pp zwischen Personen; +20 pp innerhalb Person bei Zunahme) journals.plos
2. Bildung (negativ) journals.plos
3. Wirtschaftssorgen (deutlich schwächer) journals.plos
Einkommen, Lebenszufriedenheit, Deprivationsmaße haben kleine direkte Effekte; erklären nur wenig zusätzlich zur Immigrationssorge. journals.plos
WSI-Studie (Hövermann & Kohlrausch, 2025) WSI-Erwerbspanel, 2020–2025 1. Krisen (Corona, Inflation, sozial-ökologische Transformation) als Entfremdungstreiber wsi
2. Benachteiligungsgefühl („Ich bekomme nicht, was mir zusteht“) wsi
3. Flüchtlingsbewegungen & emotionale Ansprache durch AfD wsi
Jobsorgen v. a. bei Männern/Arbeiter:innen; Eltern fühlten sich durch Kitas/Schulschließungen alleingelassen – wirkt als Verstärker, nicht als alleinige Ursache. wsi
Universität Trier (Heinze & Scheuer, 2025) Junge Wählende 18–24, Ostdeutschland, 2024 1. Hohe Parteiidentifikation mit AfD nachrichten.idw-online
2. Nativistische Einstellungen (Nation nur für „Einheimische“) nachrichten.idw-online
3. Migration als zentrales Thema nachrichten.idw-online
Sozioökonomik wird nicht als Hauptfaktor hervorgehoben; Normalisierung von Rechtsaußen und Identifikation dominieren. nachrichten.idw-online
ARD-DeutschlandTrend extra (2025) Repräsentativbefragung, Nov. 2025 1. Enttäuschung über Politik anderer Parteien / Regierung (60% aller Befragten, 39% der AfD-Anhänger als Hauptgrund) tagesschau
2. Politische Konzepte der AfD (25% der AfD-Anhänger) tagesschau
3. Art des Umgangs der AfD-Politiker (23%) tagesschau
AfD-Wähler:innen haben deutlich stärkere Zukunfts- und Sicherheitsängste (Wohlstand, Altersabsicherung, öffentliche Sicherheit) – aber Inhalte/Protagonisten der AfD sind sekundär gegenüber Enttäuschung über andere. tagesschau
Civey-Umfrage (April 2026) ~5.000 aktuelle & potenzielle AfD-Wähler 1. Unzufrieden mit der Regierung (44%) morgenpost
2. „AfD hat gute Ideen“ (44%) morgenpost
3. Ablehnung von Zuwanderung (40%) morgenpost
Bei 18–29-Jährigen: Werte-Übereinstimmung und „gute Ideen“ vorne (je 39%), Unzufriedenheit mit Regierung (33%), Ablehnung Zuwanderung erst danach (24%). morgenpost

Du stellst Umfragen auf eine Stufe mit sozialwissenschaftlichen Studien? Ernsthaft?

Statt sich random von KI was zusammenfassen zu lassen, sollte man schon die Quellen selbst konsultieren.

Im WSI-Paper heißt es:

[Es] ist davon auszugehen, dass unter AfD-Wählenden ein selektives Verständnis des Wohlfahrtsstaats weit verbreitet ist, bei dem insbesondere Menschen aus prekären sozialen Schichten und Migrant*innen als nicht legitime Empfänger*innen staatlicher Leistungen markiert bleiben (vgl. Diermeier/Niehues 2024). Entsprechend wird das hier sehr relevante Gefühl der relativen Deprivation (Runciman 1966) – also das empfundene Ungerechtigkeitsgefühl, dass einem selbst (oder der eigenen Gruppe) viel weniger zuteilwird als anderen gesellschaftliche Gruppen sowie die Einstellungen zu Bürgergeld-Empfänger*innen zusätzlich für die Analysen herangezogen.

Vergleicht man die Einstellungen zu Geflüchteten zum aktuellsten verfügbaren Zeitpunkt (Ende 2024) zwischen den verschiedenen AfD-Wählenden- und Anhänger*innengruppen sowie mit den ehemaligen AfD-Anhänger*innen (Abbildung 11), so werden folgende Befunde ersichtlich. Zunächst gilt es festzuhalten, dass alle Befragten, die in einer der vorherigen Wellen eine AfD-Wahlpräferenz angegeben haben, mit deutlich negativeren, pessimistischeren und ablehnenderen Einstellungen auffallen als dies für den Durchschnitt der Befragten gilt. Hier sind sich also neue, etablierte und selbst ehemalige AfD-Anhänger*innen relativ einig und unterstreicht die Relevanz des Themas für die AfD-Wählerschaft.

Es handelt sich [selbst] bei ehemaligen AfDAnhänger*innen […] keineswegs überwiegend um Menschen, die bei dem Thema [Einwanderung] keine restriktiven Einstellungen teilen […].

Bei der Frage danach, ob Deutschland durch Zuwanderung bereichert wird – ob es genauer gesagt „zu einem besseren Ort zum Leben“ wird – unterscheiden sich die Antworten der AfDWählenden deutlich von den Wählenden anderer Parteien […].

Auch hier ist […] anzumerken, dass selbst unter den AfD-Neuwählenden und neuen AfDAnhänger*innen eine sehr stark verbreitete Ablehnung dieser Aussage vorliegt […].

Betrachtet man als zweites die Zustimmung zur abwertenden Aussage gegenüber Sozialhilfe und Bürgergeldempfänger*innen zeigt sich, dass das recht scharf formulierte, abwertende Stereotyp des „Sozialschmarotzers“ insgesamt weit verbreitet ist […].

Erneut ist die starke Zustimmung unter AfD-Wählenden deutlich am verbreitetsten (66 Prozent) im Vergleich zu BSW-Wählenden (52 Prozent) und Wählenden anderer Parteien (37 Prozent).

Sowohl etabliertere als auch neue Anhänger*innen der AfD – und im Übrigen auch ehemalige AfD-Anhänger*innen sind sich hier weitgehend einig in der relativ starken und verallgemeinernden Abwertung von Sozialhilfe- und Bürgergeldempfänger*innen.

Betrachtet man abschließend die Frage danach, ab wann Zugewanderten in Deutschland soziale Rechte gewährt werden sollten, ergeben sich für AfD-Wählende die restriktivsten Einstellungen […].

Usw.

Zudem wurden die Befragten Ende 2024 gebeten, anzugeben, inwieweit sie der Aussage zustimmen „Menschen wie ich werden systematisch vernachlässigt, während andere Gruppen mehr bekommen, als sie verdienen“.

Die Zustimmung der Befragten zu dieser Aussage und damit das Gefühl relativ depriviert zu sein, erweist sich als ebenfalls verbreitet unter Erwerbspersonen, da knapp jede*r Dritte (31,6 Prozent) hier eine der drei Extremausprägungen der Zustimmung („8“-„10“) wählte.

Auffällig ist dabei, dass das Gefühl der relativen Deprivation zwar relevant ist und Befragte, die hier ein starkes Ausmaß äußern, deutlich überdurchschnittlich negativ antworten, jedoch AfD-Wählende nochmals ablehnender bezüglich Zugewanderter und Bürgergeldempfänger*innen antworten als Befragte mit stark ausgeprägter relativer Deprivation.

Die Studie von Hövermann et al. bestätigt also Fremdenfeindlichkeit als Hauptfaktor.

Dazu kommt noch, was dann Psycholog:innen wesentlich genauer als narzisstische Rivalität bezeichnen:

Die Studie zeigt, dass Wähler, die ein hohes Maß an narzisstischer Rivalität als Persönlichkeitsmerkmal aufweisen, also andere abwerten, um sich selbst aufzuwerten, dazu neigen, rechtsradikale populistische Parteien zu wählen.

https://presse.uni-mainz.de/zusammenhang-zwischen-narzisstischer-persoenlichkeit-und-rechtspopulismus-aufgedeckt/

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Auch aus den Welt Artikel:

Der Professor für Soziologie an der Universität des Saarlandes verweist auf die dänischen Sozialdemokraten, die erkannt hätten, dass ihre Kernwählerschaft kulturell konservativ sei. „Es würde einen Unterschied machen, solche Menschen in ihren Moralvorstellungen zu hören und ihnen nicht zu sagen, sie seien schlechte Menschen, wenn sie nicht eine Million Syrer willkommen heißen wollen", sagt der 45-Jährige. „Wenn Menschen das Gefühl haben, ein CSD-Attentäter geht dem Staat durch die Lappen, während die Polizei bei einer Politikerbeleidigung vor der Haustür stehen kann, passt das nicht zusammen."

Mal unabhängig davon, dass es ein gleitender Übergang von „kulturell konservativ“ zu rechtsradikal ist, zeigt die Aussage denke ich schon ein Missverständnis der Medien und übrigen Parteien. Die erzählen uns nach wie vor vom abgehängten, männlichen AfD Wählern, die aus Unzufriedenheit rechtsradikal werden. Das passt natürlich perfekt zum ostdeutschen Stereotyp. Die naive Lösung bestünde dann in der Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit.
Wenn Parteiprogramme analysiert werden, stellt man dann ganz verblüfft fest, dass die Forderungen der AfD gar nix für Niedrigverdiener bringen würden.
Nur ist das eben kein Widerspruch, wenn man sich eingesteht, dass ein großer Teil der Bevölkerung einfach „kulturell konservativ“ ist und wohl - ganz unabhängig von der eigenen Lage - einfach keinen Bock auf Asylbewerber hat. Mit progressiven Reformen wird man die jedenfalls nicht zurückbekommen, selbst wenn diese die Lage dieser Wähler tatsächlich verbessern würden.

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CSD-Attentäter - Angriff auf die linke Gesellschaft
Polizei wegen einer Beleidigung vor der Tür - da fallen mir ganz viele linke, aber ganz wenige rechte Fälle ein. Wieso stehen linke Parteien nicht bei der absoluten Mehrheit, wenn das zu radikalen wählen führt?

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Es gibt ja zwei Arten von „kulturell konservativ“, einmal die, dass jeder sein Ding machen kann (die Konservativen auch ihrs), das wäre dann die pluralistische Variante, und dann die, dass alle sich doch den eigenen engstirnigen Vorstellungen unterzuordnen hätten, das wäre dann die autoritär-fremdenfeindliche Variante.

AfD-Wählende gehören zur zweiten Sorte.

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Look who’s talking :smiley:

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Im Allgemeinen schaue ich mir die verlinkten Quellen schon an, bevor ich KI-Zusammenfassungen poste.

Ergänzt sei noch, dass bei den „Themen, die AfD-Wählenden wichtiger sind als Wählenden von BSW und anderen Parteien“, „mit besonders großer Differenz“ die „Begrenzung der Zuwanderung“ hervorstach. (Vgl. Hövermann et al., S. 45)

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Wenn die Studie Umfragen als Grundlage hat, macht sie das dann unseriös?

Ich sage, dass ist ein MUSS! Aus anderem Thread weißt Du, dass ich Dein Vertrauen in die Fähigkeiten von KI nicht teile.

Das tut sie eben nicht. Die Studie sagt aus, dass AfD-Wählende nochmals ablehnender bezüglich Zugewanderter und Bürgergeldempfänger*innen antworten als Befragte mit stark ausgeprägter relativer Deprivation**.**

Das macht es aber nicht zum Hauptfaktor. Es nützt nichts, Studientschnipsel zu kopieren und dann doch zum falschen Schluss zu kommen. Bsp.: Nur weil Männer durchschnittlich mehr Bier trinken als Frauen, macht es das (in aller Regel :wink: ) nicht zu ihrem Hauptnahrungsmittel.

Deinen Fehlschluss dann mit einer stark ausgeprägten narzisstische Rivalität als Prädisposition für Fremdenfeindlichkeit, unterfüttern zu wollen, funktioniert natürlich nicht. Den Grund zu kennen (Männer mögen den herben Geschmack von Bier lieber als Frauen), erhöht sein Ranking nicht; Es wird also deshalb nicht zum Hauptnahrungsmittel.

Da ziehe ich es doch vor eine solide Recherchen, ohne Verfälschen der Aussagen zusammenzufassen. Auch automatisiert.

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Ein zentraler Unterschied ist, dass wissenschaftliche Erhebungen auf in Pretests validierten Items und wissenschaftlich unterfütterten Forschungsdesigns und (Auswertungs-)Methoden basieren.

Doch. Du ignorierst lediglich die weiteren von mir angeführten Auszüge.

Nichts dergleichen habe ich getan. Wie du hier meine Ausführungen entstellst (s. ‚Bier als Hauptnahrungsmittel‘), ist schon atemberaubend.

Am nachgewiesenen Nach-unten-Treten im Allgemeinen, das hier mit subjektiver sozialer Deprivation (in der Studie meist als relative Deprivation bezeichnet) ausgewiesen wird, zeigt sich narzisstische Rivalität.

Hättest du auch nur die Zusammenfassung gelesen, wäre dir klar gewesen, dass das „Benachteiligungsgefühl“ lediglich als „Verstärker“ von den Forschenden angenommen wird.

Genauso übrigens wie „die Corona-Politik“, die von AfD-Wählenden vorübergehend als besonders belastend empfunden wurde (vgl. S. 33 ff.).

Allerdings:

Schließlich äußerten sie zudem deutlich überdurchschnittlich häufig Skepsis und Zweifel sowie Zustimmung zum Verschwörungsmythos, dass „hinter der Pandemie eine Elite steht, die eine neue Weltordnung schaffen will“.

Auch in anderen Studien wurde diese Affinität zu Verschwörungsgläubigkeit für Rechte nachgewiesen.

Eine Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung ergab z.B. 2022 folgendes Bild für gut 5.500 Befragte:

(„Inwiefern stimmen Sie der Aussage zu, dass es geheime Mächte gibt, die die Welt steuern?*(nach Parteipräferenz)“)

Zu finanziellen Sorgen in der „Hochinflationsphase“ wird ausdrücklich angemerkt:

Hierbei ist zu betonen, dass diese subjektiv empfunden sind und somit nicht zwangsläufig mit objektiven Benachteiligungen einhergehen müssen […] [- und zwar] trotz gleicher objektiver Haushaltseinkommen (Hövermann 2025a).

Bzgl. solcher Faktoren wird auch lediglich auf der Grundlage einer zeitlichen Koinzidenz mit steigenden AfD-Umfragewerten argumentiert, das ist dann doch recht wenig.

„Job-Sorgen wegen der Digitalisierung (16,4 Prozent) und […] wegen der Auswirkungen der Klimapolitik (23,6 Prozent)“ wurden im Übrigen nur von deutlichen Minderheiten der AfD-Wählenden (im Maximum weniger als ein Viertel) geteilt.

Hinzu kommt noch, dass es sich um eine nicht bevölkerungsrepräsentative Stichprobe handelt („Erwerbspersonenpanel“). Usw.

Zu Heinze & Scheuer 2025 noch:

„Unsere Befragungen ergaben, dass vor allem die hohe Parteiidentifikation mit der AfD und nativistische Einstellungen eine Rolle spielen“, erklärt die Politikwissenschaftlerin. Nativismus beschreibt die Vorstellung, dass ein Staat nur von Mitgliedern der einheimischen Bevölkerung (der „Nation“) bewohnt sein sollte, und dass nicht-einheimische Personen und Ideen eine Bedrohung für den homogenen Nationalstaat darstellen. Vor diesem Hintergrund ist Migration für junge AfD-Wähler:innen das zentrale Thema.

So steht es in der IDW-Zusammenfassung.

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Weil das meterlange Kopieren von (auch bereits bekannten) Inhalten ohne Weiteres und anschließendem „Also ist es so:…“ nichts bringt. Dazu das random Dazumixen von Quellen, was die Sache noch undurchsichtiger macht. Wenn Dir nicht eingeht, dass dieselben Quellen zu unterschiedlichen Interpretationen führen können, ist das so. Die Schlussfolgerung, dass das nur an mangelndem Lesevergnügen Deiner Beiträge liegen kann, entspricht Dir. Wenn sich die Autoren der WSI Studie, doch nur so sicher wären wie Du. Dann hätten sie im Fazit vermerkt: „Und der Hauptgrund AfD zu wählen ist Fremdenfeindlichkeit.“

We agree to disagree.

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Obwohl es kein richtiges Fazit der Studie im engeren Sinne gibt, so heißt es doch unmissverständlich (S. 54):

Zuwanderungsbegrenzung wird von AfD-Wählenden eindeutig als das wichtigste Thema genannt, um das sich die neue Bundesregierung kümmern sollte – und zwar von nahezu all ihren Wählenden, ob reich oder arm, jung oder alt, männlich oder weiblich.

Was genau ist daran misszuverstehen?

@JohanneSAC: Deine Vermutung hat ins Schwarze getroffen.

Noch was Positives:

Meiner Erfahrung nach sind Anhänger sämtlicher Parteien heterogener als man denkt. Die verlinkte Umfrage bzgl. der AfD scheint das ja auch nahezulegen. Dieses Weltbild, wonach es (zugespitzt) gute und böse Konservative gibt und letztere in der AfD sind, ist mir daher zu einfach. Gerade wenn diese Wählerschaft in Umfragen 30% der Bevölkerung repräsentiert.

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Geht es auch weniger persönlich?

Dass man in der Sache klar und vielleicht auch mal hart ist, finde ich okay. Sowas aber nervt.

Vielleicht mal ein bisschen weniger schreiben, dafür auch bedenken, wo wir hier sind und was wir eigentlich machen.

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Auf welche wissenschaftlichen Studien gründest du deine Aussagen/Vermutungen?

Die reine Quantität hat nichts zu bedeuten, zum Ende der Weimarer Republik bekamen die Nazis anteilig noch mehr Stimmen.

Aber wo hast du die „30 %“ überhaupt her?

Offen gestanden ignoriere ich sowas einfach. Bin da nicht so leicht zu verärgern.

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Das als Beleg für Deine These zu sehen, nimmt wieder das einfache Resultat aus komplexeren Korrelationen und ignoriert das Zustande kommen dieses Resultates. Die Deprivation, erzeugt ein Bedürfnis nach Gerechtigkeit und einem „gerechten" Umgang mit Ressourcen. Da dieses Gefühl oft durch den Vergleich mit anderen Gruppen entsteht, werden Migranten (oder Bürgergeldempfänger oder wer auch immer geeignet scheint) fälschlicherweise als die Gruppe identifiziert, die „zu viel bekommt" und die eigene Gruppe „benachteiligt". Die AfD mobilisiert genau diese Emotionen, indem sie Migration als Ursache für die eigene Benachteiligung darstellt.

Und daraus ergibt sich dann Zuwanderungsbegrenzung, als wichtigstes politisches Thema. Die Studie erwähnt es nicht explizit, legt aber nahe, dass ohne das Gefühl der Deprivation das Thema Migration nicht mehr das dominierende Top-Thema wäre.

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Wie bereits erwähnt, die rein subjektive Deprivation, das Benachteiligungsgefühl „trotz gleicher objektiver Haushaltseinkommen“, wird von den Studienautor:innen sogar selbst lediglich als „Verstärker“ interpretiert.

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Ok in den aktuellen Umfragen sind es 28% und ich hatte das als knapp 30% im Kopf. War etwas flapsig von mir dahingesagt und ja, mir ist klar dass es auch noch Nichtwähler etc. gibt. Wäre aber eh egal gewesen, denn du wolltest meinen Punkt eh nicht richtig auffassen. Argument war lediglich, dass, wie von dir beschriebene, super homogene politische Beweggründe bei so einer großen Anzahl an Wählern unrealistisch sind. Die hier diskutierte Untersuchung zeigt, dass Abneigung gegen Migration die Hauptmotivation ist, aber eben nicht woher diese kommt. [Strohmann-Zitat entfernt Mod.]

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