Auf Zeit+ und Welt+ wurde das Thema jüngst noch mal aufgegriffen.
Auf Welt+ heißt es noch einmal unter Bezug zur hier auch schon thematisierten Studie:
Die sogenannte Modernisierungsverliererthese beinhaltet unter anderem, dass AfD-Anhänger die Rechtsaußen-Partei aufgrund wachsender Ungleichheit unterstützten und eine sozial abgehängte Gruppe seien. Als typischer Anhänger wird häufig etwa ein gering gebildeter Arbeiter beschrieben.
In der Wissenschaft ist diese These bereits seit Langem umstritten. In der multidisziplinären Fachzeitschrift „Plos One“ ist nun eine Studie der Sozialwissenschaftler Martin Schröder, Moritz Rehm und Anja Röcke erschienen, deren Ergebnisse dieser These erneut deutlich widersprechen. Demnach spielt die Sorge über Zuwanderung für die AfD-Unterstützung eine weitaus größere Rolle als ökonomische Not oder die Angst davor.
Wer über die Zuwanderung nach Deutschland besorgt ist, hat laut Studie eine etwa zehnfach erhöhte Chance, die AfD zu unterstützen – und zwar unabhängig davon, wie zufrieden, reich, gebildet oder zuversichtlich diese Person ist. Dies zeigt eine Analyse von mehr als 110.000 Befragungen von knapp 32.000 Personen aus dem Sozio-oekonomischen Panel, einer repräsentativen Wiederholungsbefragung von Privathaushalten in Deutschland. Die Daten wurden zwischen 2014 und 2024 erhoben.
Die Daten zu Personen, die über einen längeren Zeitraum regelmäßig befragt wurden, zeigen zudem: Wenn eine Person sich stärker benachteiligt fühlt als zuvor, geht damit nicht eine höhere Wahrscheinlichkeit einher, die AfD zu unterstützen. „Umgekehrt unterstützt sie im Durchschnitt die AfD nicht weniger, wenn sie sich weniger benachteiligt fühlt als zuvor“, heißt es in der Studie. Anders sieht es bei den Einwanderungssorgen aus: Wenn dieselbe Person im Zeitverlauf stärker über Einwanderung besorgt ist, steigt für sie die Wahrscheinlichkeit, die AfD zu unterstützen, deutlich.
Die Ergebnisse hinterfragen grundsätzlich, ob tatsächliche oder befürchtete Benachteiligung überhaupt eine signifikante Rolle bei der Unterstützung der AfD spielt. „Kein anderer Indikator sagt die AfD-Unterstützung in jedem einzelnen Jahr so signifikant und konsistent voraus wie die Sorge über Einwanderung“, heißt es in der Studie.
Sogar wer sich in der höchsten Einkommensgruppe befindet, über die höchste Bildung und höchstmögliche Zufriedenheit mit dem Leben verfügt, hat die doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, die AfD zu unterstützen, wenn er sich besorgt über Migration äußert, wie jemand, der nicht über Einwanderung besorgt ist, aber vollständig benachteiligt ist.
Das Ergebnis bestätigen auch weitere Studien, über die Zeit+ berichtet:
Den aktuellen Stand bildet eine Studie der Soziologin Céline Teney ab. Die Professorin von der FU Berlin zeigt anhand von Daten des Gles-Panels aus dem vergangenen Jahr, dass sich die Wählerinnen und Wähler der AfD zuletzt in drei Gruppen einteilen ließen: konservative Hardliner, radikal-rechte Autoritäre und moderate Konservative.
Die konservativen Hardliner haben laut Teney mit etwa 67 Prozent den größten Anteil in der AfD-Wählerschaft. Hierbei handelt es sich meist um eher mittelalte Menschen aus Klein- und Mittelstädten. Migration ist für sie nach wie vor das entscheidende Thema, sie wollen sie maximal begrenzen – auch wenn die Asylzahlen immer weiter gesunken sind. Andere Themen wie die wirtschaftliche Lage oder die Außenpolitik sind für diese Gruppe nicht so relevant.
In ihrer Fokussierung auf die Zuwanderung sind die konservativen Hardliner durchaus radikal; bei anderen Merkmalen sind sie moderater – zumindest im Vergleich zur mit etwa 20 Prozent Anteil zweitgrößten AfD-Wählergruppe, den radikal-rechten Autoritären. Mitglieder dieser Gruppe sind laut Teneys Auswertung eher älter, geringer gebildet und leben häufiger auf dem Land. Auch sie sind in ihrer Ablehnung von Zuwanderung extrem, neigen einer autoritären Führung sowie antisemitischen Positionen zu. »Dieses Profil ist dasjenige mit der stärksten Distanz zu demokratischen und pluralistischen Grundnormen«, schreibt Teney.
(Fortsetzung folgt)
