Kulturkrieg der AfD

Man könnte natürlich das Versagen der Bürgerlichen im Umgang mit der AfD, die auch in bürgerlichen Medien (z.B. Zeit) wieder und wieder verbreiteten Nonsensnarrative und hilflosen Argumentationen im Kontext der AfD (jüngst etwa Maischberger) thematisieren, aber das ist einfach langweilig und führt zu nichts.

Dennoch soll der symbolische Ausgangpunkt der Spiegel-Titel „Der gefährlichste Mann Deutschlands“ bilden, denn, dass Ulrich Siegmund das Cover gerne signiert, ist logisch, da die Hassbürger:innen ja gerade wollen, dass die anderen in Angst und Schrecken versetzt werden.

Oder wie der baden-württembergische AfD-Landesparteichefs Markus Frohnmaier es ausdrückte:

Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet.

Was zu oft unter dem Radar läuft, ist, dass sich das Ausmisten ganz zentral auch auf die Kultur bezieht.

Ausgehend von den faschistischen Kreisen in Schnellroda (Götz Kubitschek) und mit Gramscis Idee der „kulturellen Hegemonie“ im Gepäck wird ein regelrechter Kulturkrieg geführt.

Eine frühe Recherche zeigt, wie lange die Strategie schon verfolgt wird:

Eine Recherche von ARD und SZ dokumentiert, wie Theater, Opernhäuser und Museen von der Neuen Rechten unter Druck gesetzt und bedroht werden. Eine Chronik.

Die Akteure aus dem rechten und rechtsextremen Milieu und ihre Mittel sind unterschiedlich. Was sie verbindet, ist die Aversion gegen ein weltoffenes, liberales Kulturleben und der Versuch, Kunstinstitutionen zu diskreditieren.

Die Gefahren in SA sind besonders virulent:

Nun kann man sagen, diese Art von Kultur hat den ressentimentbeladenen AfD-Kleinbürger ohnehin noch nie interessiert und kulturaffine Sachsen-Anhalter:innen werden ihre Bedürfnisse anderorts stillen oder halt wegziehen, aber das unterschätzt m.E. die Sprengkraft eines solchen Ikonoklasmus.

Der ohnehin unter Kürzungsdruck stehende Kultursektor könnte auch andernorts massiv Schaden nehmen, wenn auch - ausgehend von den Erfahrungen in SA - konservative Politiker:innen die Mobilisierbarkeit kleinbürgerlicher Ressentiments gegen die avanciertere Kultur für sich entdecken.

Noch regt sich Widerstand:

Auf Zeit+ heißt es sehr treffend:

Die radikale kulturpolitische Wende der Nationalsozialisten in Thüringen war die Generalprobe für die spätere Machtergreifung. Die Bedeutung der Kulturpolitik wurde in einem Erlass von Fricks Volksbildungsministerium vom 16. April 1930 so begründet: »art- und volksfremde Kräfte« versuchten schon seit Langem, »die geistig-sittlich-religiösen Grundlagen unseres deutschen Denkens und Fühlens zu zerstören, um das deutsche Volk zu entwurzeln und es so leichter beherrschen zu können«.

Die Anklänge an dieses Denken im AfD-Programm von Sachsen-Anhalt sind zahlreich, und sie sind bewusst gesetzt. Es wäre ein Fehler, das nicht zur Kenntnis zu nehmen.

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Das klingt fast nach: es wäre mal spannend zu beleuchten, welche Fehler die progressiven Kräfte im Umgang mit der AfD gemacht haben.

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Was ein Kulturstaatsminister Weimer immer wieder so treibt sehe ich auch als Kulturkampf.

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Ich verstehe ja die Sehnsucht, dass andere etwas am (Wahl-)verhalten der Rechtsextremisten und ihrer Mitläufer ändern könnten. Aber die Logik, warum man nicht diejenigen, die die AfD wählen, endlich ernst und in die Verantwortung für ihre Wahlentscheidung nehmen will, kann ich nicht erkennen. Erwachsene Menschen, die aus persönlicher, häufig kaum sachlich zu begründender Mischung aus Trotz, Enttäuschung und rechtsradikalen bis -extremistischen Erlösungsphantasien Extremisten wählen, haben sich im Amgebot von um die 20 demokratischen Parteien halt für die Rechtsextremisten entschieden. Und daran sollen dann Demokraten Schuld sein und auch noch ausgerechnet die, die dauernd auf die Gefahren, die Lügen, die Verbrechen der AfD hinweisen? Weil sie zu oft, zu deutlich darauf hinweisen?

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Ich hab mich da vor allem auf:

bezogen, weil es auch meine Wahrnehmung ist. Die 100ste Wiederholung von „die CDU macht AfD-Politik“ ist wirklich langweilig. Neu wäre „die Linke macht AfD-Politik“. Vergleiche den alten Journalistenspruch: Hund beißt Mann ist keine Nachricht, Mann beißt Hund schon.

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Da Parteien nicht im luftleeren Raum entstehen, sehe ich da durchaus Potential einer retrospektiven Betrachtung. Habe einen neuen Themenvorschlag verfasst und hoffe auf baldige Freigabe.

Darf man erfahren, was der Grund für die baldige Schließung des Themas ist?

Schon, aber selbst der spricht sich klar gegen eine faschistische Gleichschaltung der Kultur durch die rechtsradikale AfD aus:

Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ein breites Bündnis für die Freiheit der Kunst geschmiedet. In einem „Bauhaus-Manifest 2026“ machen sich Kulturschaffende, Handwerker, Architekten und Kirchen für eine weltoffene Gesellschaft stark – eine klare Absage an die AfD, die das Bauhaus als „Irrweg der Moderne“ bezeichnet.

Der parteilose Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Gemeinsam machen wir deutlich, dass wir das Bauhaus und seine Prinzipien stärken und gegen jede Art von demokratiefeindlichen Angriffen verteidigen wollen.»

Das Manifest unterstützen unter anderem die Akademie der Künste, der Deutsche Kulturrat, der Deutsche Designtag, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Museumsbund, der Zentralverband des Deutschen Handwerks sowie die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland.

Die AfD wird in dem Papier nicht namentlich erwähnt. Dennoch ist es eine direkte Antwort auf die Partei, die in Sachsen-Anhalt eine Alleinregierung anstrebt. Sie fordert eine „patriotische Kulturpolitik“ und will vorwiegend Kunst fördern, die „einen Beitrag zu deutscher Identitätsfindung leistet“. Ihr Vorbild ist Ungarns früherer Ministerpräsident Viktor Orbán.

Das Manifest erinnert an die Anfeindung des Bauhauses durch das Nazi-Regime und mahnt zur Erinnerungskultur. Es heißt darin: «Die Autonomie künstlerischer Leistungen und Institutionen gehört zu den Grundbedingungen einer lebendigen Demokratie. Stärken wir daher Theater, Museen, Bibliotheken, Konzerthäuser und andere Kulturorte als Räume des Perspektivwechsels, des Widerspruchs und des demokratischen Dialogs. Sichern wir ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gegenüber parteipolitischen Interessen und Einflussnahmen.»

Die Unterstützer betonen: «Diese Offenheit ist eine große Stärke deutscher Kultur und bereichert Deutschland. Kulturfeindlichen Nationalismus lehnen wir ab.»

Hier kann man das Manifest unterzeichnen:

Der Deutsche Kulturrat hat übrigens schon 2017 gewarnt.

Auch das „Landtagswahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt von 2016“ findet in der Analyse bereits Erwähnung.

Das ist nichts weniger als die Androhung von Staatszensur und grundgesetzwidrig.

In der Kulturpolitik greift die AfD die im Grundgesetz verbriefte Freiheit von Kunst und Kultur an, will eine neue politische Kunst, die vor Re-Nationalisierung und Instrumentalisierung nicht haltmacht. Das propagierte nationalistisch-völkische Kulturverständnis steht der freiheitlich demokratischen Grundordnung diametral gegenüber.

Sachsen-Anhalt ist die Versuchsstation einer kommenden aggressiven Kulturpolitik von rechts. Das wird in anderen Teilen Deutschlands noch gar nicht wirklich ernst genommen.

Hier die Erklärung der sachsen-anhaltischen Kulturinstitutionen:

Christoph Bartmann hat auch ein Buch („Attacke von rechts: Der neue Kampf um die Kultur“) verfasst, auf NDR Kultur erläutert er Näheres;

Ebenfalls hörenswert:

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Ich gebe dir Recht, dass man die AfD-Wähler ernst nehmen sollte. Aber wie willst du sie „in die Verantwortung für ihre Wahlentscheidung nehmen“?

Natürlich sind die Demokraten nicht schuld daran, dass die Leute AfD wählen. Und auch die aktuelle Regierung (und davor die Ampel) haben keine direkte Schuld. Bei der Wahl der AfD spielen Fakten und Argumente oftmals eine untergeordnete Rolle. Es geht stark um Emotionen und um populistische Mobilisierungsmuster (wie etwa das klassische „Wir gegen die da oben“), die gezielt von der AfD aber auch von „alternative Medien“ im Netz geschürt werden.

Wohin das führen kann, wenn sich eine Gesellschaft immer weiter in gegnerische Lager aufspaltet, sehen wir in den USA. In Deutschland sind wir auf dem besten Weg dahin.

Ich denke, als Demokraten dürfen wir eben gerade nicht den Fehler machen, die AfD-Wähler pauschal auszugrenzen und als Feinde zu betrachten. Damit spielen wir den Populisten in die Hände. Wir sollten stattdessen versuchen, dort, wo es möglich ist, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Und die Politik muss endlich lernen, wirksamer zu kommunizieren. Die Populisten haben die Bedeutung von Kommunikation längst verstanden.

Ich würde die Entwicklung in den USA anders bewerten. Da wurden seitens der Demokraten und anständiger Republikaner Mindeststandards so lange aufgegeben, um die Konfrontation zu bremsen und abzumildern, dass es mittlerweile einfach keine Untergrenzen mehr gibt. Selbstbewusste, offene Lügen, Korruption, Kriminalität sind für Republikaner keine Ausschlusskriterien bei der Personalauswahl (mehr?), sondern eher noch Einstellungsvoraussetzung, die zeigen, wie loyal und entschlossen jemand ist. Selbst wenn es um die Leugnung eines Putschversuchs und die Lügen über Wahlergebnisse geht.

Sind sie mit ihrer Entscheidung. Was hilft es, so zu tun, als wäre das anders? Es wird nichts besser, wenn wir so tun, als wäre das eine komplexe Frage, als gäbe es legitime Gründe für die illegitime Entscheidung. Die AfDlinge unterscheiden sich nicht groß vom Bevölkerungsdurchschnitt. Sorgen, Nöte, Enttäuschungen haben wir alle. Der Unterschied: Nur eine Gruppe beginnt in Reaktion damit, die Demokratie zu zerstören.

Klar. Wo das möglich ist, im Einzelfall bestimmt. Im Großen und Ganzen haben sehr unterschiedliche Parteien sehr verschiedene Personen mit sehr verschiedenen Ansätzen probiert und sind gescheitert. Weil AfD-Wähler eben keine missverstandenen, verirrten Jugendliche sind, denen man die Dinge nur mal gut genug erklären und sie da abholen muss, wo sie stehen. Das sind Erwachsene. Die wollen so behandelt werden, sagen sie immer. Ernst nehmen, nicht erziehen, nicht korrigieren etc. . Erwachsene holt man aber nicht ungefragt irgendwo ab, die müssen selber Verantwortung dafür tragen, wo sie sind und wo sie hinfahren. Und wenn Erwachsene sich konsequent dafür entscheiden, einen Angriff auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschwürde zu unterstützen, ist die richtige Reaktion nicht erstmal lange Ursachenforschung, sondern der Schutz aller anderen vor diesen Gefährdern mittels Parteienverbot. Alles andere kann man danach versuchen, aber erstmal die Gefahrenabwehr.

Weitere Argumente für deine Position und Varianten/Ergänzungen der hier vorgetragenen Gegenargumente findest du über die Suchfunktion im Forum. Bitte hier nicht diese Diskussionen wiederholen.

Der „Kulturkrieg“ der Rechtsextremisten, der Geschichtsrevisionismus sind logische, integrale Aspekte ihres Großangriffs auf unsere Normen und Werte. Welche Politik braucht eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“? Wenn das keine vereinzelte Forderung eines namenlosen Mitglieds ist, sondern von gewählten Vertretern einer Partei nicht nur gefordert, sondern in der Opposition schon umgesetzt wird, sobald sich bei der Union Mittäter finden, braucht man eigentlich die ganzen kleinteiligen Belege nicht, um zu wissen, was für eine Partei das ist, welches Ziel sie anstrebt.

Im Hinblick auf hunderte Beiträge in gefühlt dutzenden Threads, die nichts anderes als die Unterschiede der AfDys zur Durchschnittsbevölkerung aufzeigen wollen, überrascht mich diese Aussage. Da wurden Gründe und Unterschiede im Gehirn, der Moral, der Psyche, der Persönlichkeit und der Wahrnehmung gesucht und gefunden. Im Umfeld? In der geopolitischen Historie? Ja, aber nichts sachliches natürlich; Alles nur „gefühlt“.

Und jetzt sind sie (doch) welche von „uns“?

Erstaunlich und zugleich erfreulich. Dann wäre ja wohl „wir“ gegen „die da von der AfD“ als überhaupt nicht populistisches Muster vom Tisch?

Ein vollständig oder sinnerhaltendes Zitat hätte deinen Beitrag natürlich gegenstandslos gemacht…

Ansonsten die herzliche Einladung hier nicht die gleichen Diskussionen nochmal aufzuführen…

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Weil sie da sind. Zigfach empirisch bestätigt.

Gut möglich, aber für die Beeinflussbarkeit ziemlich irrelevant:

Die ist ja für alle, die hierzulande oder in einem bestimmten Teil Deutschlands aufgewachsen sind, gleich, erklären also für sich genommen weder Einstellungsunterschiede noch unterschiedliches Wahlverhalten oder rechtsradikale Wahlpräferenzen.

Thema dieses Threads ist aber der „Kulturkrieg der AfD“. Und da gibt es dann durchaus Parallelen dies- und jenseits des Atlantiks (DW):

Rechtsextremisten im Umfeld der AfD und den USA kopieren die Strategie des italienischen Kommunisten Antonio Gramsci. Der schrieb einst: Vor der politischen Macht kommt die „kulturelle Hegemonie“. Das Ziel: der Umsturz.

Die Idee: Nur wer die Emotionen und Köpfe der Öffentlichkeit gewinnt, kann am Ende auch die politische Macht übernehmen und sichern. Diese kulturelle Vorherrschaft lasse sich nicht verordnen, sondern sie muss in den Köpfen und Herzen der Menschen erobert werden.

Die Idee ist schon sehr alt. Sie stammt von Antonio Gramsci. Der Italiener lebte von 1891 bis 1937. Er war ein marxistischer Philosoph und der Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens, KPI. Die letzten elf Jahre seines Lebens verbrachte er während des italienischen Mussolini-Faschismus in Haft. Hier schrieb Gramsci seine „Gefängnishefte“. In ihnen entwickelte er sein Konzept der „Kulturellen Hegemonie“.

„Der zentrale Gedanke ist, dass vor einer politischen Revolution, die also ein System zum Kippen bringt, eine geistige Revolution einsetzen muss“, erklärt Armin Pfahl-Traughber im Interview mit der DW. […] „Erst wenn man diese geistige Revolution gewonnen hat, besteht überhaupt die Chance, eine politische Revolution zu gewinnen.“

Ganz im Sinne Gramscis und seines Kampfes um die öffentliche Meinung arbeiten Sellner und die AfD an der politischen Deutungshoheit: Einwanderung wird als "großer Austausch“ und „Umvolkung“ verfemt. Fürsorge und eine solidarische Politik mit Geflüchteten zur „Asylindustrie“ herabgewürdigt. Und die Forderungen nach Massenabschiebungen von Menschen - auch von vor langem eingewanderten Deutschen - werden euphemistisch als „Remigration“ verharmlost. Durch die Flutung des öffentlichen Raumes mit den eingängigen Kampfbegriffen, soll die öffentliche Meinung verschoben werden, so Pfahl-Traughber.

Im Laufe der Jahre wurde die Strategie Gramscis weltweit erfolgreich kopiert. Die US-Wahlkämpfe von Donald Trump wirken wie aus dem Lehrbuch des Gramscismus. Viele Emotionen, viel Pop, viele einfache Botschaften, die anschlussfähig sind: „Wir gegen die“, „Establishment gegen das einfache Volk“, „Wokismus gegen klaren Menschenverstand“. Am Ende wird alles in eine kraftvolle, emotionale Wohlfühlparole verpackt: „Make America Great Again“. Die Medien und sozialen Netze sind voll von Trumps Botschaften, Trumps Lügen, Trumps Peinlichkeiten. Seine Gegner kommen aus der Reaktion kaum noch raus. „Kulturelle Hegemonie“ à la Gramsci.

Vor den Bestrebungen nach einer autoritären Ordnung warnen auch in Deutschland viele Expertinnen und Experten, Sicherheitsbehörden und Politiker, wenn es um die AfD geht. Weil sie immer wieder die von der Verfassung garantierte Gleichbehandlung aller Deutschen in Frage stellt. Und wie auch Donald Trump macht sie ihre politischen Gegner verächtlich und erklärt politische Mitbewerber zu Feinden. Unter Beschuss nimmt sie auch immer wieder die unabhängige Justiz. Der Grund: Wie auch Donald Trump in den USA wurden in Deutschland zahlreiche AfD-Politiker wegen strafbarer Handlungen verurteilt.

Um noch mal den Bogen zum Exkurs zu schlagen: Dass das bei gewissen Leuten verfängt, setzt bei diesen eine Empfänglichkeit voraus.

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Das Thema AfD ist ja nun schon in allen Facetten erschöpfend besprochen worden.

Wo ich noch immer hängen bleibe: Sind wir bei dem Thema Verbot der Partei und Brandmauer nicht etwas zu optimistisch?

Bei einem Verbot wäre die Partei erstmal aus dem Spiel, aber die Wähler existieren ja weiterhin mit Ihrer Einstellung. Ich kann mir immer noch nicht vorstellen das die alle schmollend zuhause auf dem Sofa sitzen bleiben, und bei Wahlen um die 20-30% der Wähler quasi einfach aus dem Rennen sind.
Statt einer Neugründung kann auch eine Unterwanderung von CDU oder anderen etablierten Parteien ein Ziel sein. Soll nicht heißen das eine CDU rechtsradikal wird, aber deutlich nach rechts rücken könnte.

Zudem hadere ich noch mit der Art und Weise der Brandmauer. Inhaltlich zu sagen, die sind undemokratisch und daher verweigern wir jeden Kontakt, scheint ja Menschen nicht davon abzuhalten, der AfD zuzustimmen.
Ähnlich funktioniert ja auch der Unvereinbarkleitsbeschluß der CDU gegenüber der Linken.

Mal hypothetisch: Statt einer Brandmauer setzt man sich mit der AfD zusammen, tauscht die Standpunkte aus, und zerlegt diese argumentativ mit dem Schluß, das man mit dieser Partei rein inhaltlich nicht zusammenarbeiten kann, weil alles kein Hand und Fuß hat und selten finanzierbar ist. Also inhaltlich begründet und belegt.
Wäre das für Wähler überzeugender als eine oft eher emotional vertretene Brandmauer?

Ich suche immer noch eine effektive Art, mit dem Problem der AfD-Wählenden umzugehen.
Aber vielleicht bin ich zu optimistisch.

Ihren Angriff auf die Kultur noch nicht. Aber das Interesse daran scheint auch nicht gegeben zu sein, wie man am geringen Interesse an diesem Thema und den Abschweifungen hier im Thread erkennen kann.

Ja - und von diesen Leuten geht eine konstante Gefahr aus.

Das ist ja kein Argument.

Natürlich.

Wie ich schon schrieb: Demokratieverteidigung ist Daueraufgabe.

Die Brandmauer soll ja auch bloß Rechtsradikale von der Macht fernhalten. Mit den Wahlentscheidungen gewisser Leute hat das erst mal nix zu tun.

Nein.

Im Übrigen geht’s ja auch gar nicht um Finanzierbarkeit o. dgl., sondern um die allgemeine gleiche Menschenwürde und ggf. noch ums Demokratieprinzip.

Wenn Wählende Artikel 1 GG (und die anderen Kernartikel unserer Verfassung) entweder nicht verstanden haben oder einstellungsmäßig bewusst ablehnen, dann kann man nicht dagegen argumentieren, man kann das nur konstatieren.

Ums mal zynisch auf den Punkt zu bringen: Massenerschießungen oder Morde im industriellen Maßstab sind recht preisgünstig zu haben. So gesehen hätte man gegen die Nazis in diesem Punkt kein Argument gehabt, wenn man die Finanzierbarkeit kritisiert hätte.

Womit ich an dieser Stelle zumindest das Threadthema gestriffen hätte, da die AfD (Stichwort: „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“) ja die Erinnerungs- und Gedenkkultur zerstören möchte.

Meinst du eine abschließende oder dauerhafte Lösung? Die gibt es nicht. Weil es - zum Glück - die allgemeine Menschenwürde gibt, kann man nur versuchen, diese Leute immer wieder aufs Neue im Zaum und von der Macht fernzuhalten.

Wenn die Demokrat:innen schlafen/ein Nickerchen machen, reckt das Ungeheuer immer wieder seine Häupter (s. USA, s. Österreich, s. Polen etc. pp.).

Ich denke schon. Was du auch nicht vergessen solltest, ist, dass diese Leute rigide sind:

Noch ein Gedankenexperiment (Stichwort Erinnerungskultur):

Stell dir vor, die NSDAP wäre Ende 1932 verboten worden. Was für Leid wäre der Welt erspart geblieben.

Schon 1930 war die Faktenlage klar („Gutachten über die NSDAP vor 95 Jahren: Der ver­pass­te Nazi-Stopp“).

Bei den letzten freien Wahlen im Jahr 1932 bekam die NSDAP 37,3 % bzw. 33,1 % der Stimmen.

Niemand kann behaupten, dass die Nazis aus ihren menschenfeindlichen Absichten irgendeinen Hehl gemacht hätten. Auch ihre Militanz war offensichtlich.

Und jetzt noch mal dein Satz in leichter Abwandlung:

Ich kann mir immer noch nicht vorstellen das die alle schmollend zuhause auf dem Sofa sitzen bleiben, und bei Wahlen um die [35%] der Wähler quasi einfach aus dem Rennen sind.

Vs.

Ein Verbot hätte zig millionenfach Leid erspart.

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Ich denke, die Frage ist eben einfach komplex und die Wählerschaft heterogen. Von den in Ostdeutschland ~40% AfD-Wählern sind sicherlich einige wirklich rechstextrem, fremdenfeindlich, rassistisch etc. Aber es sind eben auch viele ehemalige Linken-, CDU- und SPD-Wähler dabei, die aus Frustration AfD wählen, oder weil sie - Ergebnis erfolgreicher populistischer Rhetorik - den Etablierten, denen da oben eines auswischen wollen.

Kultur ist ja ein absolut übliches Kernthema bei Rechspopulisten (war es auch schon bei den Nazis). Die deutsche Kultur ist hier Symbol für das „wir“ (wirkliches Volk), gegen die angeblich entfremdeten Eliten, denen liberale, weltoffene, kritische Kunst zugerechnet wird.

Ich denke bezüglich Verbot sind viele hier tatsächlich zu optimistisch.
Zum einen, ob ein Verbotsverfahren überhaupt erfolgreich ist. Ich bin da sehr skeptisch, weil die Hürden hoch sind und die AfD versuchen wird, sich rhetorisch und programmatisch soweit zurückzunehmen, dass sie während der (vermutlich langjährigen Prozesszeit) unterhalb der Verbotsschwelle bleibt.
Und selbst wenn ein Verbot erfolgreich ist, wird sich wohl eine (nicht offiziell so genannte, aber für jeden ersichtliche) Nachfolge-Partei herauskristallisieren, welche die Anhänger aufnimmt.

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Und was ist dann die Konsequenz daraus? Auf den Balkon und für die AFD-Wähler klatschen? Ihr seid nicht vergessen, ihr seid großartig, ihr habt es gerade schwer, aber wir sehen euch?

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Fremdenfeindlich sind mehr oder minder alle AfD-Wählenden, denn es gibt durchweg „in der Migrationspolitik einen deutlichen Hang zum Radikalen“:

Auch andere Studien belegen das (inkl. Nationalchauvinismus):


Bloß weil jemand schon mal CDU/CSU oder SPD oder irgendeine andere Partei gewählt hat, ist das kein Zeichen für Nichtradikalität.

Randnotiz: In Sachsen-Anhalt wollen 44 % lt. Infratest Dimap eiine AfD-geführte Regierung, aber weniger wollen die AfD wählen. Kurzum: Wo siehst du da, dass ein erheblicher Teil der AfD-Wählenden ‚Protest‘-Wählende sein sollen?

Nachfolgeorganisationen fallen automatisch mit unter ein Verbot.

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