Neigung zur Wahl rechter Parteien - warum die Anlage-Umwelt-Kontroverse unerheblich ist

Aus der Diskussion, was ursächlich fürs Ausbilden rechtsautoritärer Einstellungen ist, erhoffen sich nicht wenige Aufschluss darüber, ob bzw. wie man Einstellungen zum Positiven beeinflussen kann.

Zwar gibt es eine Fülle an Studien, deren Ergebnisse darauf hindeuten, dass politische Einstellungen erbliche (nicht zu verwechseln mit vererbbare) Komponenten haben, aber es gibt auch eine ganze Reihe von Studienergebnissen, aus denen geschlussfolgert werden kann, dass Sozialisation entscheidend zu politischen Einstellungen beiträgt.

Ganz gleich, ob man nun einen internen Faktor (genetische Prädisposition in den Anlagen) oder externe Faktoren (Sozialisationseinflüsse in einem sehr umfassenden Sinne aus der Umwelt) für gravierender hält, eine weitreichende Beeinflussbarkeit der politischen Einstellungen von außen lässt sich aus beiden nicht ableiten.

Vorab sei noch auf ein verbreitetes Missverständnis eingegangen. Bloß, weil sich neorobiologische Unterschiede messen lassen (wie z. B. statistisch signifikante Unterschiede in der Größe der Amygdala), heißt das nicht - jedenfalls nicht zwangsläufig -, dass diese Unterschiede genetisch disponiert sind. Das Gehirn ist ein Organ, das sich über die Zeit hinweg verändert. Es zeichnet sich durch Plastizität aus. Durch intensives Trainieren bestimmter Fähigkeiten ändern sich nachweislich auch Hirnvolumina in bestimmten Arealen.

Wenn beispielsweise bei Linksliberalen eine höhere neurokognitive Aktivität im anterioren cingulären Kortex (ACC) gemessen wird, was für eine stärkere Verarbeitung von konflikthaften Informationen, die mit Neuheit, Ambiguität und Komplexität zu tun haben, spricht, dann kann das genauso im Laufe eines längeren Sozialisationsprozesses antrainiert worden sein.

Letztlich spielt es für die Frage nach der Beeinflussbarkeit politischer Einstellungen aber keine entscheidende Rolle.

Denn, so meine These, die wird in einer freien Gesellschaft im Erwachsenen-, also Wahlberechtigtenalter zunehmend geringer.

Zu diesem Schluss kommt schon eine bekannte Längsschnittstudie von 1999:

Die Untersuchung der Verläufe individueller Einstellungen zeigt, dass das häufigste Muster eine zeitliche Beständigkeit war. […] Wechsel von einer parteipolitischen Seite zur anderen waren nicht sehr häufig. […] Es gab Belege für eine zunehmende Verfestigung der Einstellungen im Laufe des Lebens, wodurch die grundlegenden Neigungen im Laufe der Zeit eine immer größere psychologische Stärke erhielten.

(Übersetzt unter Nutzung von DeepL)

In einer aktuellen Studie heißt es:

Insgesamt zeigen die Analysen, dass populistische Einstellungen im politischen Denken von 14-jährigen Schüler:innen bereits als gefestigtes politisches Weltbild vorhanden sind. Diese Beständigkeit unterstreicht, dass die ursprüngliche Herausbildung populistischer Einstellungen früh im Leben beginnt […].

(Übersetzt unter Nutzung von DeepL)

Wer also Einfluss nehmen will, muss früh anfangen.

Nun ist aber (vor-)schulische Bildung nur ein Einfluss unter vielen. Oftmals prägender sind die Einflüsse aus dem Elternhaus und der Gleichaltrigengruppe. In heutiger Zeit mag auch noch die mediale Sozialisation eine wesentliche Rolle spielen.

Wenn aber frühe Sozialisationseinflüsse (von den Eltern bis zu Social Media) zu rechten Einstellungen geführt haben, die sich schon im Jugendalter stabilisieren, und gravierende Einstellungsänderungen ohnehin selten sind, weil ja auch die Einflussfaktoren zumeist stabil bleiben, dann besteht wenig Anlass dazu, gesellschaftlich bedeutsame Veränderungen der politischen Einstellungen anzunehmen.

Selbst wenn Bildungseinrichtungen im frühen Lebensalter noch Wunder bewirken könnten (ob das so ist, sei mal dahingestellt), ist die gesellschaftliche Realität ja eine ganz andere.

Deutlich weniger als ein Fünftel der Bevölkerung ist ja überhaupt unter 20 Jahre alt.

Selbst eine mögliche Beeinflussbarkeit der jungen Menschen im Hinblick auf politische Einstellungen fiele also nicht nennenswert ins Gewicht, zumal die Alterskohorten der heute noch nicht Volljährigen ja auch erst peu à peu in den Kreis der Wahlberechtigten ‚eintröpfeln‘.

Hinzu kommt noch, dass sich Menschen gleich welchen Alters ja in ihren Sozialkontakten mit überwiegend Gleichgesinnten wechselseitig bzgl. ihrer politischen Einstellungen stabilisieren.

Und Menschen zwingen, sich ständig gegenläufigen Einflüssen auszusetzen, kann man in einer freien Gesellschaft nicht.

Auf eine interessante Diskussion freue ich mich.

Vielleicht mal ein aktuelles Beispiel:

Zwei Nachbarn unterhalten sich draußen, ich stoße dazu und kriege mit, das sich über Energie und dessen Kosten unterhalten wird.
Der eine Handwerker und Familienvater Ende 30, großer Pickup und SUV vor der Tür. Netter, sehr fleißiger Mann, definitiv kein Rechtsradikaler. Der andere Schweizer Ende 50, lebt mit Frau in Deutschland, arbeitet in der Schweiz als Projektleiter.
Witziger Typ, sehr offen, definitiv kein Rechtsradikaler.

Nun fachsimpeln beide das es mit der Grünen Energiewende ein Irrweg sei, Windräder und Solar gar nicht so umweltfreundlich, alles Sondermüll, und das man unverständlicherweise die Atomkraftwerke abgeschaltet hätte. Wir würden den Solar- und Windstrom verschenken und aus Frankreich Atomstrom kaufen.
Plötzlich fiel der Satz „Wir brauchen weniger Grün, mehr Braun in Deutschland“.

Da schluckt man erstmal, weil unerwartet.
Grätscht man da jetzt mit Fakten rein?
Aber es war deutlich zu spüren, es geht den beiden nicht um Fakten.
Es geht um Unzufriedenheit, um gefühlte Machtlosigkeit („Ich wähle A, und A kommt an die Regierung, und kriege B“) und gefährliches, aber offenbar befriedigendes Halbwissen.
Und die Gefahr ist, das der eine bei der AfD ein Kreuz macht, nicht weil er rechtsradikal ist. (Der Schweizer wählt hier nicht).

Vielleicht mal als Beispiel….

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Eine interessante Schilderung.

Meine persönliche Haltung ist: Warum sollte man nicht widersprechen?

Eine andere Frage ist, ob man mit guten Argumenten durchdringen kann.

Was das angeht, bin ich skeptisch.

Eine Überblicksarbeit verweist auf Folgendes:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die psychologischen Wurzeln des Rechtsautoritarismus von denen anderer schädlicher sozialer ideologischer Haltungen unterscheiden. Dementsprechend sollten nur bestimmte situative Faktoren (nämlich wahrgenommene Bedrohungen der sozialen Ordnung) Rechtsautoritarismus hervorlocken.

Wichtig ist, dass soziale – aber nicht wirtschaftliche – Bedrohungen den Rechtsautoritarismus aktivieren, was wiederum Auswirkungen auf die Beziehungen zwischen verschiedenen Gruppen (zum Beispiel richten sich Vorurteile gegen bestimmte Gruppen statt gegen Außengruppen im Allgemeinen) und auf breitere gesellschaftliche Einstellungen wie Umweltfeindlichkeit [anti-environmentalism], Wissenschaftsskepsis und Verschwörungsdenken hat.

(Übersetzt unter Nutzung von DeepL)

Wenn nun jemand subjektiv seine Vorstellung von sozialer Ordnung bedroht sieht, z.B., weil Klimaschützende und Wissenschaftler:innen sich zu Autoritäten in Fragen der Energienutzung ‚aufschwingen‘ - was ja auch einer persönlichen ‚Entmachtung‘ gleichkommt, weil die Genannten sich ja aus Sicht der Person anmaßen, ihr sozusagen vorzuschreiben, was sie zu machen habe -, dann wird sich diese Gefühlslage ja nicht dadurch ändern, dass du gut begründen kannst, warum bestimmte Schritte bei der Energiewende notwendig sind.

Daher halte ich es für unwahrscheinlich, dass du eine solche Person umstimmen kannst.

M.E. wird derjenige, der so denkt und empfindet, mit hoher Wahrscheinlichkeit Parteien wie z.B. die AfD wählen.

Gegen eine gefühlte Bedrohung kannst du wenig ausrichten.

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Das macht mir ja vor den nächsten Wahlen schon Angst.

Das diffuse gefühlte, aber auch reale begründete Ängste einer Partei wie der AfD zu Macht und Einfluss verhelfen.
Wird es dann noch „schlechter“, hat das wieder niemand dieser Wähler ahnen können und man fühlt sich wieder als Opfer.

Was kommt dann?

Btw…wenn ich den beiden gesagt hätte, dann lasst uns die Windräder rundum abreißen und Kohlekraftwerke bauen, wäre auch doof gewesen…..

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Was die Forschung jedenfalls immer wieder gezeigt hat, ist, dass Bedrohungsgefühle, die bei Rechten eher auftreten (sie nehmen z.B. uneindeutige Gesichtsausdrücke eher als bedrohlich wahr), mit der Tendenz zum Befürworten von Autoritarismus verbunden sind. Dieser Zusammenhang ist in so genannten WEIRD-Ländern ausgeprägter und „besonders ausgeprägt bei Menschen, die sich politisch als rechtsorientiert bezeichnen“.

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Super Aufschlag, @Simsalabeam!
Auch die Ergebnisse einer enorm lehrreichen Podiumsdiskussion letzte Woche zwischen einer Politikwissenschaftlerin mit den Forschungsschwerpunkten Parteienforschung, politische Kommunikation, insbes. Digitalisierung und neue Medien, und vier Vertreter*innen der DFG-Forschungsgruppe Kontroverse Diskurse sprachen sehr klar für Multikausalität. Grundlage waren umfangreiche Textkorpora, u.a. auch von der BLÖD Zeitung. Einer der PIs meinte: Wenn man diese regelmäßig liest, wird einem sonnenklar, warum so viele die AfD wählen.

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Ich habe jemanden in der Verwandtschaft von dem kommen immer wieder ähnliche Dinge, hat allerdings statt Pickup Elektroauto vor der Tür, Nutzpflanzen im Hochbeet und PV auf dem Dach.
Ich weiß, dass er einfach nachplappert, was er von anderen hört, also stelle ich dem meine Fakten entgegen und er knickt dann auch immer schnell ein.
Viele sind politisch desinteressiert, auf die Schiene würde ich dann auch gar nicht gehen. Aber dass PV für einen persönlich eine gute Sache sind, Migranten nicht selbst schuld an ihrer Situation sein können, wenn Dobrindt ihnen keine Sprachkurse mehr gönnt und erneuerbare Energien und Elektroauto trotz hohem Produktionsaufwand (seltene Erden und Gold, wo bereits geforscht wird, wie man dieses wertvolle Gut in den Kreislauf zurückbringen kann), in der Langzeitrechnung besser sind, lässt sich ja auch nur mit viel Ideologie abstreiten. Ja, bei Atomkraftwerken beiße ich dann auch auf Granit. Das Thema ist so komplex, dass sich das mit wenigen Sätzen nicht ausdiskutieren lässt (Wartungsaussetzung Isar2, darum hohe Wiedereinsetzungskosten, Endlagersuche → ich verweise dann gerne darauf, dass der bayerische Wald in der Diskussion ist, wegen besonderer Bodenstruktur…) Mein Opa erzählte immer gerne, dass er mal dort war und eine Führung bekam und dann fragte „und wenn ein Flugzeug drauf fällt?“ und sie antworteten: „das passiert nicht“.

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Ich stelle fest, wenn ich mit Personen spreche, die Argumentationen von AfD oder auch konservativer CDU-Seite wiederkäuen, ich tendenziell immer mehr in den Zynismus abgleite.

Eine Erschöpfungsreaktion?

Selbst wenn ich es als Pädagoge mit Buntstiften erkläre, scheine ich oft (nicht immer) nur in leere Augen zu blicken.
Aufgeben ist keine Option.

Vielleicht sollte ich es mit sowas probieren?

Leider versteht nicht jeder Sarkasmus……

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Das Problem ™ ist in ganz vielen Diskussionen dieser Art, dass Fakten Menschen nicht mehr erreichen, sobald sie sich einmal entschieden haben, etwas anderes glauben zu wollen.
Ich hatte neulich einen solchen Moment bei mir. Meine Freundin wollte mich dazu bewegen einen Fahrradhelm zu tragen. Intuitiv richtig, sinnvoll und warum nicht. Aber ich wollte einfach nicht. Und ich konnte im Grunde live dabei zuhören, wie mein Gehirn seine kognitiven Ressourcen in Stellung brachte, um mich dagegen argumentieren zu lassen. Ich erinnerte mich an einen Podcast, in dem von gefühlter Sicherheit bei Helmen gesprochen wurde. An einen dänischen Stadtforscher, der gegen Helme argumentierte. Ich wollte loslegen damit, dass jetzt in 25 Jahren Radfahren ohne Helm nix passiert sei (wohlwissend, dass Risiko so nicht funktionieret) und es hat mich massive Anstrengung gekostet einfach zurückzutreten und zu sagen: „Okay, Hunny, ich trag den Helm dir zuliebe. Macht bestimmt Sinn.“.

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Vielen lieben Dank! LG

Natürlich nicht.

Tim Meyer hat es im Nachgespräch zur letzten Anstalt-Folge gut auf den Punkt gebracht. Sinngemäß: Es wird eine Zeit kommen, in der es Leuten peinlich ist mal für den Verbrenner/gegen die Wärmepumpe (oder so ähnlich) gewesen zu sein.

Ja, u.a. weil diese Menschen oder die Politiker:innen, denen sie nahestehen, das Thema ‚identitär aufgeladen‘ haben. Die dadurch mitbedingte Reaktanz verhindert dann oft, dass man sich auf rationale Argumente einlassen kann.

Aber, um wieder aufs Thema dieses Threads zurückzukommen, solche Denkblockaden haben ja Ursachen. Ob diese in anlagebedingten Prädispositionen oder in längerfristigen Sozialisationsprozessen liegen, ist fürs Ergebnis, dass jemand dichtmacht, unerheblich.

Beide möglichen Erklärungen machen es - in einer freien Gesellschaft - relativ unwahrscheinlich, dass sich das, was sich auch auf Einstellungsebene messen lässt, durch gute Argumente ändern wird.

Die Beeinflussbarkeit wird also überschätzt.

Bei Energiewende-Themen oder auch beim Sicherheitsgewinn durch Fahrradhelme sehe ich allerdings noch bei Weitem die geringsten Probleme.

Christian Lindner sprach ja mal von „Freiheitsenergien“ oder es gibt ja Memes wie diese:


Viel problematischer ist z.B. die persistente Fremdenfeindlichkeit (s. Mitte-Studien), die durch Bedrohungserzählungen bei dafür empfänglichen Personen immer wieder aktiviert werden kann.

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One Day, Everyone Will Have Always Been Against This

Es ist Markenzeichen bürgerlicher Politik, für die progressiven Weiterentwicklungen der Vergangenheit zu sein, sie mitunter sogar fälschlicherweise als Erfolg für sich zu beanspruchen und gleichzeitig alle aktuellen progressiven Entwicklungen konsequent abzulehnen.

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Teils, teils, würde ich sagen.

Die so genannten Bürgerlichen sind zwar z.T. adaptiv, aber das auch nur selektiv.

Was fürs Frauenwahlrecht und zukünftig vielleicht mal für die Energiewende gelten mag, muss bei der Akzeptanz einer kulturell und ethnisch vielfältigen Gesellschaft keineswegs genauso sein.

Das ist ein wichtiger Aspekt. Manchmal wird ja propagiert, wenn sich die Politiker in eine Richtung bewegen, wird das Wahlvolk schon folgen. Ich glaube, im kleinen funktioniert das wohl, ein Wähler kann ja schließlich nur einer Partei seine (Zweit-) Stimme geben, aber wenn die Distanz zur eigenen Position als zu groß empfunden wird, werden sich viele Wähler nach Alternativen umschauen.

Was kann man tun? Da kenne ich keine leichte Antwort.

  • Ich bin so optimistisch, zu glauben, dass man manche Menschen in manchen Situationen mit guten Argumenten überzeugen kann.
  • Und wenn man die Einstellungen der Leute meist nur wenig verändern kann, sollte man priorisieren, wo man das tun will (Menschenwürde und -rechte, freiheitlich-demokratische Grundordnung, …) und wo man eher Kompromisse schließen kann.
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Fraglos sollte man priorisieren.

Allenfalls erfolgreich erscheinen mir wiederholte Gespräche mit nahestehenden Personen. Die Corona-Pandemie hat allerdings eindrucksvoll belegt, dass selbst die häufig zum Scheitern verurteilt sind.

Verfassungswerte können natürlich nicht zur Diskussion/Disposition stehen. Da bin ich Grundgesetz-Ultra.

Mir leuchtet auch, ehrlich gesagt, nicht ein, warum man gegenüber Abgedrifteten kompromissbereiter sein sollte als gegenüber Othilie Normal. Aber wahrscheinlich hast du das auch so nicht gemeint.

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Man sollte abwägen, wo Kompromisse möglich und sinnvoll sind, und das hängt von der Situation ab und ist oft nicht einfach.

Ich dachte vor allem an Situation wie:

  1. Gespräch mit Andersdenkenden: Da macht es meiner Meinung nach viel Sinn zu priorisieren, wo man versucht, den anderen zu überzeugen. Wenn man in vielen Themen anderer Meinung ist, kann es sinnvoll sein, weniger wichtige möglichst aus der Diskussion zu lassen, weil man andernfalls wahrscheinlich gar keine Meinungsänderung erreichen kann, weil der Gesprächspartner angesichts der vielen Widersprüche „zu macht“.
    Zu Deinen Aspekt: Hier würde man wohl tatsächlich einen „Normalen“ anders behandeln und mit ihm ein Thema kontrovers diskutieren, dass man in der Diskussion mit dem Abgedrifteten lieber aus der Diskussion halten würde, weil man mit dem „Normalen“ in den wichtigeren Themen übereinstimmt. Das halte ich aber für vertretbar, weil dem „Normalen“ daraus eigentlich kein Nachteil entsteht.

  2. Positionierung von Parteien: Generell halte ich es für OK, wenn eine Partei ihre Position anpasst in der Absicht, dadurch mehr Wähler für sich zu gewinnen, solange das nur moderate Anpassungen sind und sie im Bereich des Zulässigen bleiben. Das sind sicher schwierige Entscheidungen, bei denen viel zu berücksichtigen ist.
    Zu Deinem Aspekt: Da sollten die Parteien darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, Abgedriftete würden für Abdriften außerhalb der FDGO belohnt. Das ist langfristig auch in ihrem Interesse, aber schwer abzuschätzen.

  3. Zusammenarbeit politischer Parteien: Gerade in der aktuellen, zersplitterten Parteienlandschaft halte ich es für wichtig, dass Parteien zu Kompromissen bereit sind, bei den Themen, bei denen man Kompromisse machen kann, damit regieren noch möglich ist und die Parteien die gemeinsamen Interessen, insbesondere die, bei denen man keine Kompromisse eingehen kann, verteidigen können. Natürlich will auch die kleinste Partei möglichst viel für sich herausholen, aber im Handeln sollte es doch so sein, dass in Summe Kompromisse gefunden werden, in denen sich alle Beteiligten zu einem gewissen Maße wiederfinden können. Und in der Kommunikation sollte man nicht der Versuchung erliegen, sich social-media-kompatibel vorrangig gegen die Parteien zu positionieren, mit denen man Kompromisse abschließt. Stattdessen sollten der Wert eines Kompromisses in eine pluraler Gesellschaft betont werden, und die Unterschiede zu denen, mit denen man keine Kompromisse eingehen will oder kann.
    Zu Deinem Aspekt: Ich halte es für wichtig, dass die Parteien bei solchen Entscheidungen nicht nur auf die kurzfristige Machtarithmetik für eine Entscheidung schauen, sondern auch auf die moralischen Risiken, wenn sie „abgedrifteten“ Parteien mehr Anteil am Ergebnis gäben als nach ihrem Wahlergebnis als gerecht empfunden wird. Und alles natürlich nur in dem Rahmen, in dem man Kompromisse eingehen kann.

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Dass demokratische Parteien kompromissfähig sein müssen, ist wohl unstrittig.

Hab ich bei meinen Nachbarn zum Glück noch nicht erlebt. Ich würde mit eigenem Vorleben und mit gut gemeinten Tipps dagegen halten. Motto: Aktuell ist keine gute Politik, aber wir sind uns alle einig, dass „braun“ nicht die Lösung ist. Daher kann man nur selbst tun, was richtig ist:

  • Der Handwerker kann PV aufs Dach machen, ggf. auch auf seine Lagerhalle. Kann seinen Pickup gegen einen Elektro-Transporter tauschen und profitiert von den niedrigen Kosten und den Abschreibungsmöglichkeiten. Seine Fahrleistungen „in der Region“ dürften für die Elektro-Transporter ausreichend sein.
  • Der Schweizer kann sich in seiner Heimat umsehen, wie da die Energiewende umgesetzt wird und sich überlegen, wie er das in Deutschland nachmacht.
  • Du kannst mit PV aufm Dach, Batterie im Keller, WP und E-Auto mit Deinen niedrigen Energiekosten prahlen. Wenn ich den Leuten erzähle, was ich für Energiekosten (Heizen, Warmwasser, Haushaltsstrom, Mobilität habe, klappt denen regelmäßig die Kinnlade runter: „so wenig pro Monat?“ - „Ne, pro Jahr!“
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Die Frage ist ja, ob deine guten Argumente durchdringen.

Auch kann niemand sagen, ob XY „definitiv kein Rechtsradikaler“ ist, solange man dessen Einstellungen nicht mit entsprechendem Instrumentarium gemessen hat.

Naja, sowohl der Handwerker als auch ich wohnen zur Miete.
Und rein finanziell können wir beide als „Angestellte“ auch nicht so wahnsinnig auf die Sahne hauen.

Daher finde ich diese gutgemeinten Ratschläge manchmal etwas realitätsfern…

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Ergänzt sei noch:

Die Studie zeigt, dass Wähler, die ein hohes Maß an narzisstischer Rivalität als Persönlichkeitsmerkmal aufweisen, also andere abwerten, um sich selbst aufzuwerten, dazu neigen, rechtsradikale populistische Parteien zu wählen.

https://presse.uni-mainz.de/zusammenhang-zwischen-narzisstischer-persoenlichkeit-und-rechtspopulismus-aufgedeckt/

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