Neuere Forschungsergebnisse ergänzen das Bild:
Unabhängig davon, ob es sich bei der Ideologie um Politik, Nationalismus oder Religion handelte, war in unseren Untersuchungen stets kognitive Rigidität mit ideologischer Rigidität verbunden. Es geht weniger darum, was eine Person denkt, sondern vielmehr darum, wie sie denkt.
Jüngste Experimente haben gezeigt, dass Menschen mit rechtsgerichteten Ideologien tendenziell größere Amygdalae haben als Menschen mit linksgerichteten Ideologien. Dieses Muster wurde von mehreren Forschungsgruppen auf der ganzen Welt mit Hunderten Teilnehmern repliziert.
Haben Menschen mit einer größeren Amygdala eine neurobiologische Veranlagung, die sie zu rechtsgerichteten Ideologien hinzieht? Oder ist es möglich, dass das Eintauchen in eine Ideologie, die diese Emotionen der Bedrohung, Angst und Abscheu hervorruft, eine Erfahrung ist, die das Gehirn der Anhänger physisch und biologisch verändert?
Möglicherweise treffen beide Fälle zu. Einerseits kann unser Gehirn die Ideologien, für die wir uns entscheiden, beeinflussen. Andererseits könnte die leidenschaftliche Teilnahme an bestimmten Ideologien eine Erfahrung sein, die unser Gehirn zurückverändert.
Allzu viel Optimismus angesichts der Neuroplastizität ist aber nicht angebracht, denn:
[E]s gibt erhebliche individuelle Unterschiede beim Erfolg der Überzeugungsaktualisierung, und die psychologischen Faktoren, die diese beeinflussen, sind nach wie vor unklar. Hier identifizieren wir einen neuen Faktor, der die Aktualisierung von Überzeugungen vorhersagen könnte: Rechtsautoritarismus (RWA), der durch das Streben nach Ordnung, Struktur und der Bewahrung sozialer Normen gekennzeichnet ist. […] In zwei Studien fanden wir übereinstimmende Belege dafür, dass Personen mit hohem RWA-Wert weniger erfolgreich darin waren, ihre falschen Überzeugungen zu korrigieren. Im Vergleich zu Personen mit niedrigem RWA-Wert neigten Personen mit hohem RWA-Wert weniger dazu, ihre Überzeugungen als Reaktion auf einen Vorhersagefehler zu revidieren. Wir argumentieren, dass RWA mit einem relativ engstirnigen kognitiven Stil verbunden ist, der die Aktualisierung von Überzeugungen negativ beeinflusst.
(Übersetzt unter Nutzung von DeepL)
Auch das spricht dafür, keine zu hohen Erwartungen zu haben.
Auf die Anlage-Umwelt-Problematik hatte ich ja schon andernorts hingewiesen.
Der Wunsch nach Vereinfachung aufgrund kognitiver Überforderung würde auch erklären, warum der Zuspruch zum Rechtsautoritarismus ein globales Phänomen ist.