Der Diskurs neigt in meiner Wahrnehmung dazu, sich auf wenige Punkte zu verengen, die wiederum sehr ausführlich mit zahlreichen Quellen und Studien unterfüttert werden.
Legitim, aber es wiederholt sich schnell und führt selten zu neuen Aspekten und Erkenntnissen.
Ich setze im kleinen meinen pädagogisch geprägten Ansatz möglichst gut informiert fort und versuche viele Fragezeichen bei entsprechenden Gesprächspartnern zu erzeugen, wähle demokratisch und warte mal die Wahl im September ab.
Woran liegt das? Weil die Vertreter:innen des gesprächstherapeutischen Ansatzes immer wieder die gleichen ollen Kamellen herauskramen und wissenschaftlich nicht belegen.
Das kannst du ja tun. Da bin ich mal gespannt, wie erfolgreich du sein wirst.
Wow, 38 Prozent der Die Linke-Wählen sind latent fremdenfeindlich, selbst 20 Prozent der Grün-Wählenden. Das Problem scheint doch weit über die AfD hinauszureichen.
Die bei der AfD das Verbotsverfahren in Rede steht, wie soll da vorgegangen werden? Und wieso schaffen es Die Linke und die Grünen nicht, alle ihre Wählenden von der positiven Wirkung des Fremden zu überzeugen?
Das eine schließt das andere nicht aus. Gibt halt auch Grüne, die sich für was besseres halten, auf andere abschätzig herunterblicken und im Urlaub in der DomRep meinen, dass es sicher mit dem Klimaschutz schon besser stehen könnte, wenn der Einheimische weniger Plastik kaufen würde und die Marmelade beim Frühstück im Glasschälchen statt im fertigen Portionierer angeboten wäre.
Was zeigt, dass man auch latent fremdenfeindlich sein und trotzdem demokratisch wählen kann. Es ist wirklich nicht schwer, keine Rechtsextremisten zu wählen. Nur die AfD-Wähler schaffen das nicht. Aber das hat mit dem Startthema bestenfalls noch am Rande zu tun, würde ich sagen.
Du kannst ja mal die Probe aufs Exempel machen. Du fragst einen AfD-Wählenden, wie wichtig ihm Recht und Gesetz sind. Dann fragst du, was er von Volksvertreter:innen hält, die dagegen verstoßen. Dann erklärst du ihm, dass es in der AfD mehr Abgeordnete gibt, die kriminell sind, als es Migrant:innen gibt, die kriminell sind.
Du wirst dann erleben, wie die kriminellen Rechtsverstöße von AfD-Abgeordneten sehr schnell relativiert werden - trotz einer zuvor wahrscheinlich geäußerten Law-and-Order-Haltung.
Klar wird also ziemlich schnell, dass dein Gegenüber mit zweierlei Maß misst.
Und dieses Mit-zweierlei-Maß-Messen ist genau das Grundproblem dieser Leute, ganz gleich ob es um Kriminalität oder um die allgemeine und somit gleiche Menschenwürde geht.
Selbstverständlich. Etwas anderes habe ich auch nie behauptet.
Der Unterschied zwischen jenen, die AfD wählen, und jenen, die das dauerhaft nicht tun, ist aber zumindest, dass Letztere trotz ihrer Fremdenfeindlichkeit nicht bereit sind, deswegen eine rechtsradikale Partei zu wählen.
Müssten sich dann nicht Die Linke und die Grünen von diesen Wählenden abgrenzen. So im Sinne von: „Du bist latent fremdenfeindlich? Dann wähle uns nicht, denn wir stehen dem diametral entgegen“?
Nein. Denn das Wählen von dezidiert nicht (substanziell) fremdenfeindlichen Parteien zeigt ja zumindest, dass diese Wählenden ihre (latente) Fremdenfeindlichkeit nicht priorisieren, wie das fraglos bei AfD-Wählenden der Fall ist.
Entscheidend ist ja letztlich immer, was Menschen tun.
Auch wenn ein Rassist für Ärzte ohne Grenzen spendet, was ja im Einzelfall vorkommen kann, obwohl es unwahrscheinlich ist, müssen die diese Spende nicht zurückweisen.
Nein. Fremdenfeindlichkeit und alle anderen problematischen Einstellungen sind immer dann ein Problem, wenn sie in Handeln übersetzt werden.
Das Handeln ist das Problem. Das Handeln ist verurteilenswert.
Natürlich muss sich eine Partei, die für Menschenwürde einsteht, ein z.B. Mitglied, das sich rassistisch äußert (Handeln), vor die Tür setzen vice versa.
Manche sehen es auch selber ein, wie bspw. die unsägliche Antje Hermenau (ehem. Spitzengrüne), die kürzlich auf der Bühne zugegen war, als Steimle sich um Kopf und Kragen redete.
In Auseinandersetzung mit dem neuen Bauhaus-Manifest hat sich Peter Richter auf SZ+ mit den geschichtlichen Ambivalenzen des Bauhauses beschäftigt. Er schließt:
Und so geschichtslos, ortsunabhängig, industriell und internationalisierbar, wie Gropius die Bauhaus-Ästhetik Mitte der Zwanziger darstellte, war sie zur Gründung 1919 keineswegs. Da ging es vielmehr um imaginäre Dome, ekstatische Gotik, ein idealisiertes Mittelalter mit zünftigen Bauhütten, auf die sich ja auch der Name Bauhaus bezog; hier wirkten noch kunstnationalistische Kämpfe nach. Zu „undeutsch“? Eher im Gegenteil. Hier waltete teutonischer Gesamtkunstwerkswille wie bei Wagneropern: die Meisterwerkler von Weimar.
Gropius, der ein zweifelhafter Architekt, aber unzweifelhaft ein Großmeister der Propaganda war, musste den völkischen Rechtsextremen und bohèmepanischen Provinzspießern („für ein Schwabing ist eine Stadt wie Weimar zu klein“…), die von der Gründung des Bauhauses an dagegen anwetterten, im Grunde fast dankbar sein: Unter dem Druck ihrer Dauerangriffe rückte sein gäriger Haufen zumindest in der Außenwahrnehmung erst auf die internationalistische, rationale, tendenziell linke Spur, die dann die Rezeption bestimmte. Wer weiß, vielleicht würde Gropius dem kulturpolitischen AfD-Sprecher in Sachsen-Anhalt heute Handküsse schicken für seine ähnlich wirkenden Dienste.
Dieser Mann heißt Hans-Thomas Tillschneider, ist in Rumänien geboren, in Baden-Württemberg aufgewachsen und trat in Sachsen-Anhalt auch schon als Alpenländler kostümiert ans Pult. Wenn der zum Bauhaus nun die Tiraden des Spitzdach-Apostels und NS-Politikers Paul Schultze-Naumburg wiederholt, erinnert das unweigerlich an Alexander Eichwald, diesen jungen Russlanddeutschen, der wegen seines Hitlersounds sogar der AfD zu unheimlich wurde. Überkompensation von Fremdheit unter Fremdenfeinden? Man müsste mal einen Psychologen fragen.
Aber was patriotisch daran sein soll, gegen eine deutsche Marke zu agitieren, die immerhin die ganze Welt kennt und halbwegs schätzt, dürften einem nicht mal die Nationalisten von der AfD erklären können. Ist immerhin so, als würde ein deutscher Politiker plötzlich gegen Mercedes und Volkswagen wettern. Aber nicht etwa, weil die auch dunklere Kapitel in ihrer Geschichte haben. Sondern weil die keine Pferdefuhrwerke bauen.
Na ja, klatschen bringt jetzt glaube ich nicht so viel. Inklusion ist aber im Prinzip sinnvoll, Ausgrenzen und Verteufeln treibt die Leute nur noch mehr in die Arme der AfD. Die Politik muss halt versuchen, die Abwanderung in Richtung AfD zu stoppen oder umzukehren.
Für keine gute Strategie halte ich, sich einfach nur zurückzulehnen und auf ein AfD-Verbotsverfahren zu setzen, das womöglich niemals erfolgreich ist.
Ich schätze was ich sagen wollte ist: diese Leute sind nicht inhärent fremdenfeindlich, sondern haben in der Vergangenheit wahrscheinlich anders gedacht. Sie haben sich möglicherweise durch Konsum AfD-freundlicher Medien radikalisiert und sehen Probleme bezgl. Migration heute in deutlich überzogener Form.
Schon klar. Aus diesem Grunde wird sich die Nachfolgeorganisation schlicht nicht als solche bezeichnen, sondern wird neue Strukturen aufbauen und einfach die gleiche rechtspopulistische Programmatik übernehmen - minus der Punkte, auf die sich das Verbotsurteil stützt.
Ich denke, es wird nur teilweie personelle Überlappungen geben und die rechtspopulistischen Positionen (wie migrationskritische Haltung) sind ja per se nicht verboten. Es wird hier Parteien geben, die das Vakuum füllen.
Ist immer die Frage, wie man die Studien interpretiert. Also ich bin da noch nicht überzeugt.