Zustimmung.
Was mir noch besonders hervorhebenswert erscheint, ist, dass die Performance keine Rolle spielt.
Man ist ja angesichts der vielen Skandale, dem ganzen Sumpf und Filz geneigt, zu fragen, warum all das wirkungslos verpufft. Wenn man aber weiß, dass selbst eine Regierungsperformance völlig egal ist, dann wird einem auch klar, dass de facto nichts das realisierte Wählendenpotenzial signifikant schrumpfen kann.
Ich bin absolute Vertreterin der Brandmauer.
Küpper geht auch auf die regionale (Un-)Zufriedenheit ein:
Achtzig Prozent der Menschen sagen: In meiner Region, wo ich lebe, lebt es sich gut oder sogar sehr gut. Und über zwei Drittel sind auch mit der Daseinsvorsorge relativ zufrieden. […] Je größer die Stadt, desto zufriedener sind die Leute insgesamt mit der Daseinsvorsorge. Auf dem Land im Westen sind die Leute aber insgesamt besonders zufrieden mit ihrem Leben, auf dem Land im Osten vergleichsweise weniger zufrieden, aber auch da sind die Unterschiede gar nicht so groß, wie man vielleicht meint. Auch die Entwicklung wird von vielen Leuten in ihrer Region als gar nicht so schlecht angesehen. […] Wir reden ganz viel über diese maroden Dinge und punktuell kann auch jeder eine schöne Anekdote darüber erzählen, wo er mal wieder im Stau gestanden hat, weil die Brücke kaputt ist, dass die Bahn, der Facharzt … und so weiter. In dem Moment, in dem man ein Problem hat, ist das sehr dominierend in der Wahrnehmung. Im Großen und Ganzen sind die Leute aber offenbar gar nicht so unzufrieden, wie man aus der allgemeinen Debatte meinen mag. […] Grundsätzlich haben wir alle eine in den letzten Jahrzehnten gestiegene Erwartungshaltung, wie toll und wie schnell alles funktionieren soll. Aus einer sozialpsychologischen Perspektive wissen wir, dass die Erwartungshaltung eine sehr große Rolle spielt und die Bewertung von Fakten damit zusammenhängt. […] Meine These ist: Der Populismus sucht und findet sich schon sein nächstes Problem, und wenn es der Poller für die verkehrsberuhigte Zone ist, mit dem ich ganz viel Wut entfachen kann. Klar gibt es faktische Probleme und klar, das Lösen von Problemen ist Aufgabe staatlichen Handels, aber ich fürchte, das hilft nicht gegen den Demokratieverdruss. […] Der Witz an Demokratie ist ja, dass das, was für die einen eine gute Lösung wäre, es für die anderen mitnichten ist. Die Forderung, wir müssten nur die Probleme besser lösen, funktioniert also nicht.