Für mich ist nur Gewalt gegen Personen illegitim und natürlich sowieso nicht legal. Die letzte Generation trainiert ihre Mitstreiter*innen aber im Sinne von Gewaltfreiheit und Kommunikation. Sie respektieren das Grundgesetz und die Demokratie. Um Legalität geht es an dieser Stelle in erster Linie nicht. Deshalb ist hier nur die Rede von Legitimität, denn ob eine Aktion rechtswidrig ist oder nicht, möchte ich den Gerichten überlassen. Legitim ist für mich alles bis auf deine Nummer 6. und 7. Nr. 5 finde ich ebenfalls sehr schwierig, weil es auch die Aktivisten selbst ins Unglück stürzt.
Die „normalen“ Proteste wie du ihn unter 1. und 2. beschreibst, hat zwar etwas bewegt, aber noch überhaupt gar nicht zu ausreichenden Maßnahmen im Sinne von Klimaschutz und Klimagerechtigkeit geführt. Aus diesem Grund ist es aus meiner Sicht notwendig, Proteste disruptiver im Sinne von störender zu gestalten. Die Zeit drängt. Wir haben keine Zeit mehr.
Die Frage, ob auch diese Art von Protesten sinnvoll ist, würde ich ganz klar mit „ja“ beantworten. Denn auch all diejenigen, die sich aufregen, die die Sinnhaftigkeit verneinen, beschäftigen sich endlich bewusst mit dem Thema. „Nicht mit dem Thema Klima“ würdest du jetzt sicher antworten, aber das sehe ich anders. Viele Veränderungen in der Geschichte wurden durch genau solchen zivilen Widerstand in Gang gesetzt. Wirklich im eigenen Alltag oder im eigenen Sinn für Ästethik gestört zu werden, bewirkt ein „Aufrütteln“, Wachrütteln. Das ist nie angenehm. Denn wenn es angenehm ist, stört es niemanden und bewirkt wenig. Und übrigens stört es anscheinend niemanden, dass er sowieso aus anderen Gründen im Stau steht. Dass man als Kind, als Rollstuhlfahrer, als Kranker, als alter Mensch mit Rollator, als Radfahrer ständig von PKWs blockiert wird: auf Gehwegen, mit Parken in zweiter Reihe, mit der selbstverständlichen Inanspruchnahme von unglaublich viel Platz, mit der schlechten Luft, die nachweisbar gesundheitsschädigend für die Anwohner*innen ist.
Ich unterstütze die letzte Generation in ihren bisherigen Aktionen, auch wenn ich mich nie selbst auf eine Straße kleben würde.
Warum regen sich nicht alle über die Bundesregierung und unseren Bundestag auf, die unser Grundgesetz nicht beachten? Die das Pariser Klimaschutzabkommen nicht einhalten? Die die Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts den Schutz künftiger Generationen nicht beachten?
Wo sind die täglichen Klimainformationen in den öffentlich-rechtlichen Sendern (z.B. Klima vor 8)?
Was anscheinend viele nicht begreifen: Man kann sich von den Protestaktionen gestört fühlen in seinem Alltag, aber es kommen größere Störungen auf uns zu, und zwar mit riesen Schritten. Es ist eine Illusion zu glauben, dass alles weitergehen kann wie bisher. In ein paar Jahren werden Klimaaktivisti unser geringstes Problem sein.