Aber wir in Deutschland machen doch nur 2 % der weltweiten CO₂-Emissionen aus?
Ja, deshalb ist Klima-Politik auf der Ebene der EU vielleicht viel mühsamer, aber viel wirkungsvoller. Die EU macht immerhin knapp 10 % der weltweiten CO₂-Emission aus.
Unabhängig davon basiert dieses Argument auf der falschen Prämisse, dass die Verantwortung für den Klimawandel proportional zur aktuellen nationalen Emissionsmenge ist.
Tatsächlich sind die entwickelten Industrieländer – und damit auch Deutschland – für den allergrößten der Teil Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich, denn sie emittieren die Treibhausgase ja bereit seit dem Beginn der industriellen Revolution, als seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts (ca. ab 1760). Die großen Emittenten wie China, Indien oder Brasilien emittieren Treibhausgase in größeren Mengen erst seit kurzer Zeit und sind daher sehr viel weniger verantwortlich für die Klimakrise. Sie haben damit gute Argumente dafür, dass die etablierten Industrienationen beim Klimaschutz in Vorlage gehen müssen. Unter anderem auch dieses: „Ihr habt Euren Wohlstand unter anderem auf Kosten des Klimas erreicht. Ihr könnt jetzt nicht von uns erwarten, dass wir nicht mehr ein ähnliches Wohlstandsniveau erreichen können, um die Klimakatastrophe, die im Wesentlichen Ihr angerichtet habt, abzuwenden“.
Davon unbenommen ist die Klimakrise ein globales Phänomen, das von allen Ländern gemeinsam angegangen werden muss, um sie effektive und effizient zu lösen.
Dazu kommt, dass der Deutsche im Durchschnitt ungefähr doppelt so viel CO₂ ausstößt wie im globalen Durchschnitt.
Gerade, in dem entwickelte Länder in Vorleistung gehen, werden Technologien und Verfahren entwickelt, die dann die sich entwickelnden Länder übernehmen können, um „das fossile Zeitalter“ überspringen zu können. Gleichzeitig bietet sich damit den Unternehmen in den entwickelnden Ländern Geschäftschancen für solche Technologien und Verfahren; dies sind verbunden mit entsprechenden Arbeitsplätzen und Einkommen.
Wenn die entwickelten Länder zeigen, dass und wie gut eine dekarbonisierte (Kreislauf)Wirtschaft und Gesellschaft funktioniert, setzen sie ein Vorbild, von dem sich andere Länder inspirieren lassen.
Wenn wir uns weigern, voranzugehen, wird dies andere Länder davon abhalten, die notwendigen Schritte zu übernehmen.
Wenn allein die G20 (von insgesamt 195) Staaten aktiven Klimaschutz verfolgen würde, wären schon mal 81 % der weltweiten CO₂-Emissionen abgedeckt.
Die EU und auch Bundeskanzler Scholz sprechen sich für einen Klima-Club aus, der aus der EU und weiteren Staaten besteht, die eine aktive Klima-Politik betreiben. Dieser Klima-Club führt den o.g. Klima-Zoll ein. Dadurch entsteht ein möglichst großer Markt, der andere Nationen, die auf diesem Markt Waren und Dienstleistungen absetzen möchten, ein ganz erheblicher Anreiz darstellt, selbst eine CO₂-Bepreisung einzuführen.