Tempolimit um Öl-Importe 2% direkt zu senken

In der letzten Lage (LdN 282) wurden u.a. die Benzin und Diesel Preise diskutiert. Allerdings wurde das Thema vor allem unter dem Gesichtspunkt der finanziellen Entlastung für Bürger:innen diskutiert. Interessant ist das Thema doch auch im Hinblick auf eine Reduktion des Öl-Imports, auch aus Russland. Über 50% der Ölprodukte werden als Kraftstoff abgesetzt (hauptsächlich Benzin & Diesel, siehe Paper von Greenpeace). Gleichzeitig bezahlt Deutschland jeden Monat für Öl-Importe mehr als 1 Milliarde an Russland und finanziert somit den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg in der Ukraine mit.

Es gibt neben zivilgesellschaftlichen Akteuren (DUH, Greenpeace, DGB) jetzt auch eine Gruppe von Abgeordneten, die sich für ein - erstmal auf die Krisenzeit begrenztes - Tempolimit aussprechen.

Ich fände es interessant, wenn sich die Lage das Thema Tempolimit aus dieser Sicht nochmal anschaut und evtl. sogar mit diesen Abgeordneten spricht, wo es politisch hakt, dass wir die ganze Zeit über Tankrabatte statt über sinnvolle Lösungen reden.

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Das Thema wurde hier schon ausführlich diskutiert:

Kurze Zusammenfassung aus der Studie des Umweltbundesamtes:

  • Die Berechnung des Spritverbrauches ist nicht trivial und der tatsächliche Effekt schwer vorherzusagen
  • Die aktuellen Tempolimits interessieren nur 19% der Autofahrer
  • Der Rest kann ziemlich genau halb halb in Raser und Schleicher geteilt werden. Darum artet die Diskussion über dieses Thema so aus.
  • Die Sicherheit im Straßenverkehr kann erhöht werden. Aber um wie viel, wenn sich kaum jemand für die aktuellen Tempolimits interessiert? Und wie stehen diese Autofahrer zum Rest der StVO?

Fazit:

  • Das Tempolimit bringt vermutlich ein bisschen was für CO2 Einsparung und Sicherheit.
  • Aber es gibt wesentlich bessere Maßnahmen dafür (Energiepreis und mehr Kontrollen zur Einhaltung der StVO)
  • Das Thema ist politisch extrem aufgeladen und erzeugt große Widerstände.
  • Die aktuelle Verteuerung des Spritpreises hat wesentlich mehr CO2 eingespart, als es ein Tempolimit überhaupt könnte.

Aus diesem Grund sind Diskussionen über dieses Thema eigentlich nur Zeitverschwendung bzw. Ablenkungen von wichtigeren Dingen.

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Dir fehlt ein Fazit:

Der Verfolgungsdruck auf die Temposünder muss deutlich erhöht werden.

Gerade das Tempolimit auf Autobahnen könnte automatisiert mit Durchfahrregistrierung sind Zeitmessung überwacht werden.

Wer all zu schnell durch einen Abschnitt fährt wird halt angeschrieben.

Ach ne Datenschutz und Registriernummererkennung, da war ja was…

Dann doch lieber einen Blitzer da aufstellen wo er am meisten Kohle in die Kasse der Kommune spült.

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Das weiss jetzt schon fast Jeder: 100/80/30 würde 2,5 Mio. Tonnen Sprit einsparen, das sind 2,5% ALLER Mineralölimporte und 6,2% aller Ölimporte aus Russland. Das ist doch eine Menge, die ohne irgendeine Einbusse sofort wegkäme und entpsrechend CO2 vermeiden würde. Von Sicherheit fange ich gar nicht erst an.

Das ist eigentlich immer ein schlechtes Argument, wenn problemlos umsetzbare Massnahmen für irgendwas mit dem Hinweis auf wirkungsvollere Massnahmen gleich abgeräumt werden, anstatt eben alle praktikablen Massnahmen gleichzeitig anzuwenden.

Hast du Zahlen? Was man hört und liest, hat sich die Verteuerung nicht ausgewirkt, es wird unvermindert schnell und viel gefahren. Aber wenn es stimmt umso besser, dann müsste sich die Einsparung von russischem Öl zusammen mit dem Tempolimit auf wesentlich mehr als 12% (du sagst ja „wesentlich mehr“) belaufen.

Es gibt fast immer ein wichtigeres Ding als das, was man gerade diskutiert. Logischerweise dürfte man dann immer nur über das allerwichtigste Ding diskutieren, weil die kleineren Themen davon ablenken.

@FlorianR, ich finde deine Beiträge oft sehr differenziert und gut belegt, aber hier habe ich den Eindruck, ein Troll hätte deinen Namen gekapert.

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Funktioniert ja überall im Ausland.

Ich muss @rlinner da beipflichten, das ist schon eine Menge, was man da einsparen könnte!
Gestern bei Hart aber Fair hat Claudia Kemfert, Professorin für Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, auch nochmal gesagt, dass man damit 5-8% der Öl-Importe aus Russland einsparen könnte. Wenn man von den Greenpeace veranschlageten 1 Mrd. € pro Monat für russisches Öl ausgeht sind das immerhin 50-80 Mio. Euro, die Putin weniger für Krieg hat.

Für mich ist ziemlich klar, dass das sachlich einen Beitrag leisten kann. Die Frage ist, woran es politisch hakt und bei der Frage fände ich es spannend Hintergründe sowie Ulf & Philips Einschätzung in der nächsten Lage zu hören :wink:

Die Frage nach den politischen Hindernissen wird mMn auch in der Presse viel zu wenig gestellt. Alle reden davon, Russland zu sanktionieren (was ja gut ist), aber eine vergleichsweise einfache Möglichkeit weniger Geld zu überweisen zieht man nicht in Betracht?

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Diese Frage kommt in unserem politischen System immer wieder auf, wo hakt es? Aktuelle verwundert das Zögern, bzw. die Handlungsunwilligkeit der Ampelkoalition in punkto Tempolimit als eine Maßnahme, die Ölimport aus Russland zu reduzieren.

Sicher wird es massive Proteste seitens der Opposition (das ist ja normal), insbesondere der CSU und AfD geben, sowie von Bild und Automobil-afinen Interessengruppen. Aber das Thema dürfte doch nach einem überschaubaren Zeitraum (eventuell 6 Monaten) erledigt sein, wenn sich

  1. die Autofahrer:innen daran gewöhnt haben (welche Widerstände gab es gegen die Einführung der Gurtpflicht, heute würde niemand auch daran denken, diese Maßnahme in Frage zu stellen)

  2. die Unterstützung oder zumindest Akzeptanz dieses Schritts weit über das ökologische Lager hinaus dürfte doch in Deutschland sehr hoch sein

Die Verändungsresistenz der Politik ist umso verwunderlicher, als wir am Anfang der Legislaturperiode stehen und es ja fast noch 4 Jahre bis zu nächsten Bundestagswahl sind. Da könnte die Ampelkoalition doch so einige zuerst unpopuläre Maßnahmen ergreifen, ohne befürchten zu müssen, dass sie sofort an der Wahlurne abgestraft wird. Bei den anstehenden Landtagswahlen scheint ja gerade die gegenwärtige Inaktivität für die regierenden Parteien zu sein, und nicht anders herum.

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Das Thema ist wirklich interessant. Ich habe heute mal die Klimaschutz-Studie dazu rausgesucht und die paar und zwanzig Seiten mit dem abgeglichen was hier, aber auch in einer ausufernden Diskussion im eigenen Facebook Profil so geschrieben wurde und mir dämmert, dass hier Dinge recht beliebig interpretiert werden und selbst gebildete Menschen ein grundsätzliches Problem mit der Physik dahinter haben - exponentiell ansteigender Energieverbrauch bei Geschwindigkeitssteigerung. Ich nehme es so wahr, dass eher die Fraktion der „groß motorisierten“, unabhängig vom Bildungsstand Verständnisprobleme haben. Vielleicht ist es ähnlich, wie es mal beim Tabak war: Hier wurde ja auch mit Jahrzehnte langen Falschinformationen eine Art Pseudowissenschaftliche Grundlage geschaffen, die heute sehr schwer mit Argumenten zu widerlegen ist. U.a. auch, weil wir uns stark daran gewöhnt haben, dass diverse Diskursstrategien (Strohmannargument, Erweiterung des Arguments etc.) ohne Reflektion aus der „Propaganda“ der Ölkonzerne übernommen werden.

Wenn selbst in Abrede steht, dass langsamer fahren weniger Sprit verbraucht (mit dem ganzen Katalog an Folgen - Raffinerien, Öl aus Russland&Fracking/Katar), dann ist das Thema definitiv noch nicht durch.

Vielleicht findet sich ja jemand, der sich mit der ganzen Produktionskette von Öl gut auskennt und hier mal was zu sagen kann. Es ist ja auch so, dass ‚alte Ölquellen‘ zumindest lange nachbetreut werden müssen und hier ein ähnliches Problem vorliegt wie beim Atomstrom auch. Es wird sich hier der CO2 und Ressourcen-verbrauch schöngeredet - genauso wie die politischen Folgen. Und da sind wir bei Russland.

Es bei der Faktenlage schon sehr erstaunlich, dass ein Christian Lindner genau noch mehr Spritverbrauch fördern will, statt weniger.

An @ FlorianR: Ich kann nur den Kopf schütteln bei solchen Aussagen. Die die Faktenlage einfach nicht korrekt zusammenfassen. Es ist so voll von ungenau definierten Sachen, Strohmannargumenten, Whataboutism und Relativierungen …

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Laut der Studie des Umweltbundesamtes https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2020-06-15_texte_38-2020_wirkung-tempolimit_bf.pdf (darauf bezieht sich aus meiner Sicht die ganze Diskussion bzgl. CO2-Einsparungen durch Tempolimit) können 2,9 Mio t CO2 eingespart werden (Tabelle 3, Tempolimit 120 km/h, bei 130 km/h sind es 2,2 Mio t, Tabelle 4).

Ich habe für die Umrechnung mal nachgeguckt wie man das in Treibstoff umrechnenen kann:
2350 Gramm je Liter Benzin, 2650 Gramm je Liter Diesel (Rechner für den CO2-Ausstoß von Autos)
Das passt nicht zu Deinen Angaben. Der Gesamt CO2-Ausstoß liegt bei 44,3 Mio. Tonnen CO2 (2018), dieser könnte somit um ca. 6.5% verringert werden (infolge des geringeren Spritverbrauchs).

Ich zitiere aus dem Bericht:
Nach Agora (2018) wäre es für eine Treibhausgas-Minderung in Höhe von 1 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente beispielsweise im Jahr 2030 notwendig:
► 0,5 Mio. Elektro-Pkw zusätzlich auf die Straße zu bringen,
► die Energiesteuer für Dieselkraftstoff um 5 Cent pro Liter zu erhöhen,
► den Pkw-Verkehr in Städten um 6 % zu reduzieren oder
► 17% mehr Rad- und Fußverkehr zu erreichen.

Vielen Dank für das Kompliment. Tempolimit hört sich so einfach an. Und es ist ja nicht so, dass das nichts bringen würde. Es ist aber so, dass die Abschätzungen in der Studie nicht trivial sind. Ich will die Studie nicht schlecht machen, das bitte nicht missverstehen. Aber es müssen einfach einge ganze Menge Annahmen getroffen werden, dass wird viel genähert und gemittelt. Da ist aus meiner Sicht bei aller Sorgfalt, beim Ergebnis ein Fragezeichen.
Dazu kommt, dass das Tempolimit heiß umkämpft ist. Ein Tempolimit ist bei Klimagegner extrem unbeliebt. Es ist ein Verbot, eine Freiheitseinschränkung, usw. Wir brauchen einen gesamtgesellschaftlichen Konsens. Und aus dieser Sicht ist es meiner Meinung nach deutlich besser den Klimagegnern entgegen zu kommen indem man kein Tempolimit einführt, sondern die anderen Maßnahmen durchführt.
OK, die Spritpreiserhöhung ist jetzt gerade rausgeflogen.
Aber Elektro PKW ist doch eine gute Maßnahme. Da gibt es kaum Widerstand. Mehr Radwege ist auch super - „endlich keine doofen Radfahrer mehr auf der Straße“. Weniger Verkehr in der Stadt, kann man mit Homeoffice erreichen und das ist auch noch beliebt.

Ich hoffe, dass ich damit etwas darlegen konnte, dass ich kein Troll bin. Der Beitrag war etwas zu harsch, sorry dafür. Vielleicht sind meine Beweggründe dafür jetzt verständlich und auch, warum mich die Diskussion stört, weil sie von den besser aktzeptierten Maßnahmen ablenkt.

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Was genau meinst Du damit? Was passt an der Faktenlage nicht. Meine Argumente stammen aus der Studie des Umweltbundesamtes. Ja sie ist ungenau zusammengefasst, das liegt daran, dass die ausführliche Version irgendwo in dem anderen Topic steckt und nicht alles nochmal detailliert wiedergegeben habe.

Ich zitiere da mal Mickey Beisenherz: „Mir ist ja klar, dass da was passieren muss. Aber ich fahr halt gern schnell Auto. Darum verbietet es mir einfach und gut is.“ Das Problem, solange es kein Verbot gibt, ist doch, dass der Nachbar unvernünftig sein darf, während mein Gewissen mich zur Vernunft mahnt. Da sieht nicht jeder ein, warum er auf sein Gewissen hören soll. Da ist Bevormundung der bessere Weg, auch wenn es bedeutet, dass so mancher AFD-Wähler sich bestätigt fühlt. Mancher muss eben zu seinem Glück (weniger Spritverbrauch und letztendlich mehr im Geldbeutel) gezwungen werden.

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Meine Zahlen beruhen auf Tempo 100 Autobahn, 80 Landstrasse, 30 innerorts. Wie @sebs303 schon sagt, ist eben ein grosser Unterschied zwischen 120 kmh und 100 kmh. Ansonsten haben wir die selben Zahlen als Grundlage. Ist schon klar, dass die Berechnungen und Projektionen unscharf sein müssen wegen der Komplexität, aber genausogut wie die Einsparungen zu hoch berechnet sein könnten, könnten sie auch zu niedrig berechnet sein.

Darauf würde ich keine Rücksicht nehmen. Die sind schwer in der Minderheit, das ist AfD und extreme Unionsleute. Die leugnen praktisch die Physik. Die können doch der Mehrheit nicht die Politik diktieren, auch wenn sie z.B. nichts gegen E-Autos haben.

Die FDP hat sich im Wahlkampf völlig vergaloppiert und kommt jetzt ganz schlecht ohne Gesichtsverlust wieder heraus. Da hatte ich gehofft, der Ukraine-Krieg böte genau diese Gelegenheit (aktive Solidarität, vorübergehendes Tempolimit, dass dann so gut funktioniert, wie es den Betonköpfen als Vorstellung nie beizubringen wäre, dass es auf Dauer bestehen bleibt.) Da muss einfach noch mehr Druck aufgebaut werden.

Wie tausend andere Beschränkungen, die sogar Reichsbürger nicht mal als Beschränkung empfinden. Das ist eine Frage von Gewohnheit.

Ja.

Meinst du? Ich denke eher, dass viele Leute einfach den Komfortverlust fürchten. Viele Leute arbeiten ja im Außendienst und da heißt z.B. Tempo 200 auf der Autobahn morgens länger schlafen und Abends früher zu Hause sein.
Ich glaube schon das diese Leute wissen, dass schnelles Fahren mehr Sprit verbraucht, aber sie nehmen es halt in Kauf.

Könnte das daran liegen, dass aus dem importierten Öl teilweise auch Heizöl und Plastik gemacht wird?

Das ist aber immer so. Entscheiden finde ich bei solchen Bewertungen immer: Was sagt z.B. die Physik. Und die spricht, wie @sebs303 schon angedeutet hat, eindeutig dafür, sowohl was den Energiebedarf angeht (Quelle: Wikipedia):

E = 1/2 m * v²
mit:
E : kinetische Energie
m : Masse (des Fahrzeuges)
v : (zu erreichende) Geschwindigkeit

Die Energie, die ein Fahrzeug besitzt, das z.B. Tempo 200 fährt, ist also um den Faktor

(200/130)² = (2 / 1,3)² = 4 / 1,69 = 2,37

mal höher, als wenn das Fahrzeug nur 130 km/h fährt. Und diese Energie muss bei jedem Bremsen „vernichtet“ und danach wieder „neu aufgebracht“ werden.

Bei Tempo 200 verbrauchen Brems- und Beschleunigungsvorgänge also deutlich mehr Energie. Und falls jetzt jemand denkt, solange das Auto konstant eine Geschwindigkeit fährt, wäre alles gut, dann muss ich denjenigen auch enttäuschen.

Beim Luftwiderstand (Strömungswiderstand) (Quelle: Wikipedia) sieht es nämlich ähnlich aus:

[…] so dass der Widerstand quadratisch mit der Geschwindigkeit zunimmt.

Wer sich das mal genauer ansehen will, gibt es eine schöne Quelle, u.A. mit dieser Tabelle:


und zwar hier:
Kraftstoffverbrauch - elektronikinfo.de

Ich würde also sagen, dass die Annahme, dass wir mit einem Absenken der Höchstgeschwindigkeit eine kleine einstellige Prozentzahl an Kraftstoff einsparen, ist durchaus nachvollziehbar.

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Erster Satz im Dokument:

Die Begrenzung der Geschwindigkeit in Form eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen kann die Klimawirkung des Verkehrs verringern.

Durch ein generelles Tempolimit von 120 km/h auf Bundesautobahnen könnten nach aktuellen
UBA-Schätzungen für das Berechnungsjahr 2018 in Deutschland die Emissionen von Pkw und LNfz
um rund 2,9 Millionen Tonnen CO2 sinken (Basis: Inlandsfahrleistung).

CO2 Ausstoss ist stark an den Spritverbrauch gekoppelt.

  • Die aktuellen Tempolimits interessieren nur 19% der Autofahrer

Das habe ich per Suche nach „19“ nicht gefunden, wo steht das genau?

  • Der Rest kann ziemlich genau halb halb in Raser und Schleicher geteilt werden. Darum artet die Diskussion über dieses Thema so aus.

Raser und Schleicher geben beide als Wort kein Ergebnis in der Volltextsuche. Kann es sein, dass es sich hier um eine Wertung deinerseits handelt?

  • Die Sicherheit im Straßenverkehr kann erhöht werden. Aber um wie viel, wenn sich kaum jemand für die aktuellen Tempolimits interessiert? Und wie stehen diese Autofahrer zum Rest der StVO?

Ich glaube nicht, dass das Dokument diese Fragen offen lässt, es geht aber auf Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung und Geschwindigkeitsübertretungen ein. Es kann im Endeffekt das Mautsystem zum Geschwindigkeitsmesser umgebaut werden. Muss ja nicht immer alle Geschwindigkeit gemessen werden, aber man könnte einfach eine gewisse Prozentzahl der Bereiche Messen und immer wechseln. Da es sich hier u.a, inzwischen um Straftaten (Illegale Autorennen) handelt, ist das vielleicht sogar angemessen wegen Datenschutz und co. Ich empfehel hier die diversen Videos zum Falle JP Kraemer und ‚illegales Rennen mit sich selbst‘.

  • Das Tempolimit bringt vermutlich ein bisschen was für CO2 Einsparung und Sicherheit.
    Ein paar Millionen Tonnen als ‚bisschen‘ zu framen ist spannend und einfach ein Strohmannargument. Im Internationalen Vergleich sind die Bitcoin CO2 Emissionen nur 0.56% des Stroms, aber dennoch so viel wie Finnland verbraucht. Die Bitcoin Bros argumentieren da ähnlich: is t ja auch nur ein bisschen.
  • Das Thema ist politisch extrem aufgeladen und erzeugt große Widerstände.

De facto nutzen nur 23% der Autofahrer Tempos über 130

Ich vermute, die Zahlen der Umfragen, die so ein ‚politisch aufgeladenes‘ Bild ergeben sind etwas verzerrt. :wink: Was soll jemand, der nicht 130 Fährt dann angepisst sein, wenn es verboten wird?

  • Die aktuelle Verteuerung des Spritpreises hat wesentlich mehr CO2 eingespart, als es ein Tempolimit überhaupt könnte.

Das steht nicht im Dokument, weil es von 2020 ist.

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Ja, das Tempolimit ist auch emotional heiß aufgeladen, keine Frage. Wir haben aber in der Klimaschutzpolitik in den letzten mindestens 16 Jahren aber so viel verschlafen, dass wir jetzt kaum noch Zeit für den großen gesamtgesellschaftlichen Konsens haben. Und genau die Zeit ist es auch, die einfach solche Maßnahmen wie ein Tempolimit gebietet. All die von dir alternativ vorgeschlagenen Maßnahmen wirken nämlich nicht jetzt sofort und unmittelbar, sondern in Jahren bis Jahrzehnten. Wir brauchen aber JETZT Maßnahmen, insbesondere wenn es zusätzlich auch noch darum geht, uns sofort unabhängiger von fossilen Rohstoffimporten aus Russland zu machen. Maßnahmen, die in der Zukunft irgendwann Wirkung entfalten helfen uns nicht weiter, sondern verschieben das Problem immer weiter in die Zukunft. Das das nicht mehr sein darf hat ja sogar das Bundesverfassungsgericht mittlerweile festgestellt. Du machst, so zumindest mein Empfinden, einen gedanklichen Fehler: Die Annahme, dass es Maßnahmen geben müsste, die mit weniger Aufwand mehr Erfolg bringen würden, weil das Tempolimit nur zu Reduktionen im Prozentbereich führen würde. Das ist aber eben nicht so - es gibt nicht die eine Maßnahme, die 10% Reduktion aufwärts verheißt und fast keinen Aufwand erfordert… De facto brauchen wir hunderte, vielleicht sogar tausende von Einzelmaßnahmen. Dazu zählt auch ein Tempolimit, das sofort umsetzbar ist und nahezu keinen Finanzierungsaufwand hat.
Unabhängig davon hast du natürlich auch Recht - wir müssten ein Tempolimit deutlich besser kontrollieren, als es jetzt der Fall ist. Nur weil wir aber derzeit eine große Menge Menschen haben, die sich aus egoistischen Motiven nicht an bestehende Geschwindigkeitsbeschränkungen halten, heißt das nicht, dass wir nicht über weitere Beschränkungen nachdenken dürfen - man muss das parallel angehen.

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Das glaube ich gar nicht. Die schlechte Disziplin ist mE mitverursacht durch den häufigen Wechsel von Streckenabschnitten mit verschiedenen Tempolimits und viele überziehen nach Gutdünken (und selbstattestierter „Fahrkunst“). Ausserdem scheint der anachronistische Geist aller deutschen Verkehrsminister bisher so zu wirken, dass die „sportlichen“ Fahrer eine Übertretung als cooles Kavaliersdelikt sehen.

Dagegen würde eine einheitliche Höchstgeschwindigkeit sich praktisch selbst kontrollieren, es sei denn, ALLE fahren gleichviel zu schnell . Wer einen vorschriftsmässig gleichmässiger Strom überholt, ist augenblicklich als Temposünder vor allen anderen Autofahrern exponiert. Und sich exponieren tun selbst Rüpel nicht, die brauchen eine gewisse Menge anderer Rüpel, von denen sie sich verstanden fühlen. Es ist also weniger eine Sache der Kontrolle als eine Frage der Psychologie von Gruppen und Massen. Natürlich geht es nicht ganz ohne Stichproben und saftige Bussgelder. Geht ja überall im Ausland.

Ansonsten komplett Zustimmung.

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Er steigt zwar meist mit der Geschwindigkeit, aber nicht exponentiell. Der Luftwiderstand steigt meist quadratisch mit der Geschwindigkeit. Der Rollwiderstand nicht. Es ist auch zu beachten, dass der Wirkungsgrad des Antriebs nicht konstant ist, Meist hat man bei selber Geschwindigkeit in höheren Gängen eine höhere Effizient (geringere Drehzahl). Die Effizienz des Motors hängt von Drehzahl und Last ab, siehe z. B. Verbrauchskennfeld – Wikipedia .

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Ok, das erklärt das. Aber dieser Vorschlag ist natürlich ziemlich radikal.

Da bin ich anderer Meinung. Ich bin grundsätzlich dafür auch auf Minderheiten Rücksicht zu nehmen und halte auch eine hohe Akzeptanz von Maßnahmen für sinnvoll. Ja man muss auch mal zum Wohl der Gesellschaft etwas gegen Minderheiten entscheiden, aber das ist hier aus meiner Sicht nicht notwendig, da es bessere Alternativen gibt.

Ja man benötigt immer Annahmen, aber es ist doch die Frage in wie weit diese Annahmen sich auf die Fehlerbreite des Ergebnisses auswirken. Und da gibt es doch eine ganze Menge Annahmen, die das Ergebnis doch ganz erheblich beeinflussen können:

  • Es wird mit mittleren Geschwindigkeiten gerechnet, wobei der Mittelwert etwas korrigiert wird, um zu berücksichtigen, dass man nicht immer gleich schnell fährt.
  • Es wird nur zwischen LKW und anderen Fahrzeugen unterschieden, also nicht zwischen Smart, Sportwagen, Pickup oder Van.
  • Es wird nicht zwischen den Kraftstoffen oder Elektro unterschieden
  • Es wird für alle Fahrkzeuge dieselbe Geschwindigkeits-Verbrauch/CO2-Ausstoß Korrelation verwendet
  • Staus werden nicht berücksichtigt, Verkehr nur indirekt

Das ist schon eine Menge an Annahmen, so dass das Ergebnis durchaus eine ordentliche Bandbreite aufweisen kann und es ist halt nicht so eine schöne Beziehung, wie E=1/2 m * v² (leider).

Die Fragestellung ist außerdem eine andere. Dass der Verbrauch ab einer gewissen Geschwindigkeit mit der Geschwindigkeit zunimmt ist selbstverständlich. Aber darum geht es nicht. Wir müssen was gegen den Klimawandel tun. Dafür haben wir begrenzte Zeit, begrenzte Ressourcen, begrenzte Umsetzungskapazitäten und wir müssen das gesellschaftsverträglich machen. Und in der Liste an möglichen Maßnahmen sehe ich da das Tempolimit als Möglichkeit, aber eine Möglichkeit deren Effekt nur mäßig bekannte ist, die viele Kapazitäten in der Kontrolle benötigt und die gesellschaftlich von vielen schlecht akzeptiert ist. Damit ist das Ding nicht auf Platz 1.

Also bei Tempo 200 dürften die meisten Autos schon deutlich jenseits der 3000 UPM sein.

Erst recht, weil es heutzutage viele Autos gibt, deren Getriebe so gebaut ist, dass die Gänge sehr dicht bei einander liegen, damit man vor allem in Ortschaften viel schalten kann um dort den Spritverbrauch runter zu kriegen

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Auf Seite 15 und 17 ist zu sehen, dass sie die Geschwindigkeit in 10 km/h-Schritten einberechnen. Wo soll also diese Mittelung sein?

Wenn man hier beim Gewicht über alle Fahrzeuge mittelt, dann ist das sogar ein Entgegenkommen für die Tempolimit-Gegner.

Denn in der Realität sind es vor allem die schwereren, komfortableren Autos mit entsprechender Motorisierung, die die hohen Geschwindigkeiten fahren, also z.B. die Audis A6 und Mercedes E-Klasse und nicht der leichte VW Up. Und schwerere Autos verbrauchen beim Beschleunigen eben noch mehr Energie und damit Kraftstoff.

Die Studie rechnet mit den Verkehrsdaten von 2010 bis 2014. Da spielten E-Fahrzeuge noch kaum eine Rolle. 2014 sind lediglich etwas über reine 12.000 E-Autos zugelassen worden (Quelle).

Okay hier muss ich dann doch mal direkt deren Datengrundlage posten:

Wie man sieht, gibt es links bei der Achse mit den „Geschwindigkeitsklassen“ die Rubrik „0 < v < 40“. Dort sind also alle Fahrzeuge, die sich in einem Stau bzw. in „zäh-fließendem-Verkehr“ befinden, berücksichtigt.

Kannst du denn begründen, warum diese grob falsch sein soll?