@Damian85 Du de-railst diesen Thread, der geschlechterspezifische Rentenfragen diskutiert. Zudem gibt es bereits vier Threads (allesamt umfassend ausdiskutiert, s.u.) zu dem Renten-Kapital aus LdN484. Bitte vor dem Posten die Suchfunktion verwenden.
In zwei Punkten muss ich hier in der Diskussion volkswirtschaftliche Missverständnisse zurechtrücken:
Deine Kernbotschaft, dass man Demografie nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Produktivität, Löhnen und Verteilung betrachten muss, ist wichtig und geht in vielen öffentlichen Debatten tatsächlich unter.
Problematisch wird dein Beitrag aber dort, wo du den Eindruck erweckst, das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern sei im Grunde nur ein „Schreckensgespenst“ konservativer Politik. In einem umlagefinanzierten System bestimmt dieses Verhältnis ganz elementar, wie hoch Beiträge, Steuerzuschüsse oder Leistungsanpassungen ausfallen müssen; es ist damit keine ideologische Kennziffer, sondern eine der zentralen Stellgrößen des Systems.
Empirisch verlässt du den Boden der Tatsachen, wenn du schreibst, die Anzahl der Beschäftigten im Vergleich zu den Rentnern habe sich „die letzten Jahre kaum geändert“. Seit Mitte der 2000er mag die das Verhältnis einigermaßen stabil wirken, aber langfristig ist der Rückgang massiv: von 6 Beitragszahlern pro Rentner in den 1960ern auf rund 2 heute, mit weiteren Verschlechterungen in den Demografieprognosen. Auch der Altenquotient (Ältere je 100 Personen im Erwerbsalter) ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen und wird nach allen seriösen Szenarien weiter steigen. Wer diese Entwicklung ausblendet oder als Nebensache darstellt, präsentiert kein vollständiges Bild der Datenlage.
Richtig ist, dass aus diesen Trends nicht automatisch folgt, dass die Rente „unbezahlbar“ wird oder das System zwangsläufig kollabiert. Entscheidend sind Produktivität und Verteilung: Wenn die Arbeitsproduktivität stark wächst und die daraus entstehende Wertschöpfung in Löhnen und Beiträgen ankommt, lässt sich eine ungünstigere Altersstruktur durchaus kompensieren oder sogar überkompensieren.
Aber auch hier ist ein Blick auf die empirische Wirklichkeit nötig: Die Produktivitätszuwächse der letzten Jahre sind in Deutschland eher schwach, teils nahe Null, und reichen in dieser Form nicht aus, um die demographische Belastung „einfach so“ zu neutralisieren. Wer so tut, als ließe sich das Problem allein durch „natürliches“ Wachstum lösen, ohne politische Entscheidungen über Beiträge, Steuerzuschüsse, Erwerbsbeteiligung, Renteneintrittsalter oder Zuwanderung, ignoriert die aktuellen Datenlage.
Eine sachliche Diskussion über die Rente braucht beides: die nüchterne Anerkennung der demographischen Trends – und die Einsicht, dass Alterssicherung am Ende eine Frage von Produktivität, Verteilung und politischer Gestaltung ist.
Hier die kürzlichen Renten-Threads