.Was mich ein wenig überrascht hat: Im Block zu den Rentenreformen kam kein Wort zur geplanten faktischen Abschaffung der Minijobs vor.
Ich fürchte, dass dieser Punkt medial komplett unterschätzt wird.
Im Moment gibt es rund 7 Millionen Minijobber. Natürlich wird ein Teil dieser Stellen tatsächlich in reguläre Beschäftigungsverhältnisse überführt werden. Aber davon auszugehen, dass mindestens 30 bis 50 Prozent dieser Jobs tatsächlich wegfallen werden, halte ich nicht für zu hoch gegriffen.
Minijobs haben für Arbeitgeber den Vorteil, dass sie durch niedrigere Sozialabgaben verhältnismäßig hohe Nettolöhne zahlen können. Konkret kostet ein Nettolohn von 15 Euro pro Stunde den Arbeitgeber weniger als 20 Euro pro Stunde.
Durch den Wegfall der Minijob-Regelung steigt das Arbeitgeber-Brutto — je nach steuerlicher Situation des Mitarbeiters — auf 30 bis über 40 Euro pro Stunde. Alternativ fällt der Nettolohn des Arbeitnehmers massiv.
Konkret trifft das zwei Gruppen von Minijobbern besonders hart:
den klassischen Zweitjob
Ehefrauen im Ehegattensplitting, deren Partner gut verdient
Ich beschäftige beide Varianten bei mir und habe die Abschaffung der Minijob-Regelung durchgerechnet. Bei unverändertem Bruttolohn komme ich nur noch auf 7,50 bis 10 Euro netto pro Stunde. Dafür kann ich von niemandem erwarten, dass er für mich arbeitet.
Gleichzeitig würde eine Anhebung des Lohns auf einen auskömmlichen Nettolohn für mich einen Anstieg des Arbeitgeber-Bruttos um 35 bis 100 Prozent bedeuten. Das ist für mich und viele andere Betriebe nicht tragbar.
Kurz gesagt:
Der Wegfall der Minijob-Regelung wird Millionen Menschen genau diesen Minijob kosten und Millionen weiteren Menschen schmerzhafte Einbußen beim verfügbaren Einkommen bringen.
Auf der Suche nach Schuldigen für diese massive Verschlechterung ihrer persönlichen Situation werden sich viele dieser Wähler von den demokratischen Parteien abwenden und der AfD zuwenden. Diese hat das Thema in bester populistischer Manier bereits besetzt. Und schon 3 Millionen der 7 Millionen Minijobber entsprächen einem zusätzlichen Wählerpotenzial von rund 6 Prozent für die AfD.