LdN484 gefährlichste Punkt der Rentenreform ausgelassen

.Was mich ein wenig überrascht hat: Im Block zu den Rentenreformen kam kein Wort zur geplanten faktischen Abschaffung der Minijobs vor.

Ich fürchte, dass dieser Punkt medial komplett unterschätzt wird.

Im Moment gibt es rund 7 Millionen Minijobber. Natürlich wird ein Teil dieser Stellen tatsächlich in reguläre Beschäftigungsverhältnisse überführt werden. Aber davon auszugehen, dass mindestens 30 bis 50 Prozent dieser Jobs tatsächlich wegfallen werden, halte ich nicht für zu hoch gegriffen.

Minijobs haben für Arbeitgeber den Vorteil, dass sie durch niedrigere Sozialabgaben verhältnismäßig hohe Nettolöhne zahlen können. Konkret kostet ein Nettolohn von 15 Euro pro Stunde den Arbeitgeber weniger als 20 Euro pro Stunde.

Durch den Wegfall der Minijob-Regelung steigt das Arbeitgeber-Brutto — je nach steuerlicher Situation des Mitarbeiters — auf 30 bis über 40 Euro pro Stunde. Alternativ fällt der Nettolohn des Arbeitnehmers massiv.

Konkret trifft das zwei Gruppen von Minijobbern besonders hart:

den klassischen Zweitjob

Ehefrauen im Ehegattensplitting, deren Partner gut verdient

Ich beschäftige beide Varianten bei mir und habe die Abschaffung der Minijob-Regelung durchgerechnet. Bei unverändertem Bruttolohn komme ich nur noch auf 7,50 bis 10 Euro netto pro Stunde. Dafür kann ich von niemandem erwarten, dass er für mich arbeitet.

Gleichzeitig würde eine Anhebung des Lohns auf einen auskömmlichen Nettolohn für mich einen Anstieg des Arbeitgeber-Bruttos um 35 bis 100 Prozent bedeuten. Das ist für mich und viele andere Betriebe nicht tragbar.

Kurz gesagt:

Der Wegfall der Minijob-Regelung wird Millionen Menschen genau diesen Minijob kosten und Millionen weiteren Menschen schmerzhafte Einbußen beim verfügbaren Einkommen bringen.

Auf der Suche nach Schuldigen für diese massive Verschlechterung ihrer persönlichen Situation werden sich viele dieser Wähler von den demokratischen Parteien abwenden und der AfD zuwenden. Diese hat das Thema in bester populistischer Manier bereits besetzt. Und schon 3 Millionen der 7 Millionen Minijobber entsprächen einem zusätzlichen Wählerpotenzial von rund 6 Prozent für die AfD.

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Wir haben bei uns im Winzbetrieb alles:
minijob, midijob, regulär, Azubis, Umschüler, Praktikanten.
Ich habe das gestern mal alles durchgerechnet und finde alles stimmig.

Der Fehlanreiz, dass minijobs für den Arbeitnehmer versüßt werden durch Sonderregeln für SV und Steuern kann gerne weg. Von 603€ kann eh keiner leben, aber derzeit gibt es den Fehlanreiz, da zu verharren.

Ausserdem: wer 2.000€ im Monat verdient, zahlt alles regulär.
Wer einen 600€ plus einen 1.400€ Job hat,
profitiert von den Sonderregeln für mini und midijob.

Es wird weiter Jobs geben, die 8 - 10 Stunden pro Woche sind .

Was du beschreibst, scheint mir, dass die Sonderregeln zu Gunsten des AG eingepreist wurden, statt dem AN zu Gute zu kommen.
Dafür war das nicht gedacht. Bei uns kann ich gut damit leben, wenn der Jobber mit 8 Stunden nun die gleichen Abgaben hat, wie der mit 20 Stunden, weil beide den gleichen Stundenlohn haben. Wir haben das nie ausgenutzt, sondern den Vorteil durchgereicht.

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Nur kosten die Minijobs mit ihrer Nicht-Einzahlung in die Sozialsystem uns alle (ja, auch Dich) ständig geld, das unsichtbar ist. Alle gesetzlich Versicherten zahlen deren krankenversicherung mit, wir alle bezahlen über den Bundeszuschuß irgendwann deren Rente, etc. Ja, dadurch wird dann das Produkt, bei dem diese Menschen beschäftigt sind, günstiger, aber ist es nicht sinnvoller den Käufer bzw der, der die Dienstleistung will, dafür zahlen zu lassen?
Ich möchte Dir nichts unterstellen, aber dieselben Leute klagen sonst darüber, dass zuviel Staatshaushalt für Renten und Sozialabgaben drauf gehen. Irgendwann muss man sich mal entscheiden.

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Das ist schlimm weil? Wieso muss die Gesellschaft dieses Modell finanzieren? Am Ende fehlt jede nicht gezahlte Sozialabgabe in der Zukunft und muss durch Steuern oder die aufgefangen werden, die sozial versicherungspflichtig arbeiten. Höchste Zeit dass das weg kommt.

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Rechenbeispiel für 100€ AN Brutto Minijob: heute kommen davon 96,40€ beim AN an, während der AG insgesamt 131€ bezahlt, die pauschalen Kosten KV 13%, RV 15% Pauschalsteuer 2%, U1,2,3.

Wenn man will, dass der AN keine Einbußen wg der SozialVersAbgaben hat, muss der AG das Brutto auf 123€ anheben.
Dann bekommt der AN immer noch 96,4€ nach Abzug der SozVers, und der AG zahlt 152€.
Also gerade mal 16% mehr als vorher für den AG.

Wer wenig verdient, da gibt es dann auch keinen steuerlichen Unterschied für den AN.

Nur wer gut verdient, sei es ein weiterer eigener, höher bezahlter Job, oder ein gut bezahlter Ehepartner, der bekommt dann die Steuer zu spüren. Statt die „erlassen“ zu bekommen, muss man die zahlen.
Das macht nur Sinn. Deshalb sind Steuern progressiv gestaltet. Dass ausgerechnet Gutverdiener von nem Minijob am meisten profitieren, war schon immer absurd.

Oder wurde vom AG in Form eines zu niedrigen Stundenlohns abgegriffen.

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Minijobs gibt es, weil sie Arbeit billig und „brutto fast netto“ machen – genau das ist jetzt politisch unter Beschuss.

Was sind Minijobs?

  • Geringfügige Jobs bis rund 600 Euro, mit kaum oder keinen eigenen Sozialbeiträgen der Beschäftigten.
  • Keine Beiträge zur Arbeitslosen‑ und Pflegeversicherung, geringe oder abwählbare Rentenbeiträge: viel Arbeit, wenig Absicherung.

Warum will man sie abschaffen?

  • Minijobs führen zu Minirenten und erhöhen das Risiko von Altersarmut, vor allem bei Frauen und Niedriglöhnern.
  • Heute sparen Arbeitgeber und Beschäftigte Sozialbeiträge, später zahlt die Allgemeinheit über Grundsicherung & Co – eine Verschiebung sozialer Kosten in die Zukunft.
  • Ziel der Reform: „ab dem ersten Euro“ normale Sozialversicherung, damit jede Erwerbsstunde echte Ansprüche erzeugt und die Rentenfinanzierung breiter wird.

Was spricht dagegen?

  • Gastronomie, Handel, Handwerk sehen Minijobs als billiges Flexibilitätsinstrument für Abende, Wochenenden, Saisonspitzen.
  • Beschäftigte mögen „brutto fast netto“ und fürchten, dass sich der kleine Nebenverdienst mit vollen Beiträgen weniger lohnt.
  • Kleinbetriebe klagen über mehr Bürokratie und höhere Lohnnebenkosten.

Minijobs sind faktisch Branchen‑Subventionen

Bestimmte Geschäftsmodelle rechnen nur, weil Sozialbeiträge gedrückt werden und spätere Armutsrisiken von der Allgemeinheit getragen werden.

Kernfrage:

Wollen wir wirklich Restaurants, Läden und Dienstleistungen, die nur überleben, wenn wir Altersarmut und unterfinanzierte Renten stillschweigend als Preis akzeptieren?

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Ich lese immer wieder, dass Minijobs billiger seien oder kein Beiträge zu sozial Versicherung leisten würden. Irgendwie verstehe ich das nicht:
Rentenversicherung, AG 15%, AN per default 3,6%. Macht 18,6%, wie bei regulären jobs. Die 15% werden auch abgeführt, wenn der AN opt-out macht.
Krankenversicherung: der AG zahlt 13% pauschal. Ok, da kommt weniger in die Kasse als regulär, aber 13% ist ziemlich nah am regulären Satz.
PV und AV fehlen. Yep.

Aber so krass ist der Unterschied nun nicht.
Die Aufteilung ist nicht paritätisch, der AG zahlt deutlich mehr als der AN und deutlich mehr, als bei einem regulären Job.

Auf jeden Fall ist der Fehlanreiz, unter 603€ zu bleiben, groß. Deswegen und aus anderen Gründen muss die Sonderbehandlung weg.

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Minijobs tragen heute nach Einschätzung verschiedener Analysen „kaum Geld in die Rentenkasse“ und gelten als einer der Treiber von Altersarmut, insbesondere bei Frauen. Heute zahlen nur rund ein Drittel der Minijobber überhaupt freiwillig in die Rentenversicherung ein; der Großteil bleibt beitragsfrei und erwirbt kaum Rentenansprüche.

Das Prinzip, dass die GRV perspektivisch alle Erwerbstätigen umfasst (inkl. Selbstständige, Beamte) verbreitert den Versichertenkreis und stärkt die Äquivalenz von Beiträgen und Leistungen. Minijobs als beitragsfreie Beschäftigung stehen dieser Systemlogik entgegen, weil sie Erwerbstätigkeit ohne oder mit nur sehr geringer solidarische Beteiligung an der Rentenfinanzierung ermöglichen.

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Stimme dir in allem zu.
Allerdings liegt das wenige Geld für die RV am reizvollen Deckel 603€, nicht an den Abgaben selbst. Und an den massiven Steueranreizen insbes für " Ehefrauen".

Krass finde ich, dass soviele opt out machen
Das habe ich bei uns nur der Brasilianerin, die ein Auslandsjahr gemacht hatte, überhaupt erklärt und unterstützt.

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Wie wird es sich verhalten wenn man in seinem Hauptjob bereits über den Beitragsbemessungsgrenzen liegt und privat krankenversichert ist? Dann kommt im der Neuregelung nur noch die Steuer dem System zugute jedoch keine Sozialversicherungsbeiträge oder irre ich mich?

Genau. Dann zahlt man selbst Steuern auf den kleinen Job.

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Ich kann jedem nur den 2. Teil des Podcasts der Tag empfehlen. Da wird deutlich dass weder Rentner noch Studenten Nachteile haben. Es geht nur darum, dass endlich Fehlanreize beendet werden. Passt zur überfälligen Abschaffung des Ehegattensplitting und der kostenfreien Mitversicherung.

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Für uns als kleiner Verein sind nicht die Abgaben an sich das Problem - wie oben schon ausgeführt zahlen die AG schon ordentlich Nebenkosten. Sondern das Problem ist, dass man reguläre Beschäftigung nur mit einem Lohnbuchhalter machen kann, weil alles so kompliziert ist und bei Fehlern krasse Konsequenzen drohen.

Minijobs sind „nur” eine SV Meldung und ein Dauerauftrag an die Knappschaft. Das schaffe ich als ehrenamtlicher Kassenwart selbst. Und für einen Verein einen Lohnbuchhalter zu finden ist schon nicht einfach, von den Kosten ganz abgesehen.

Ich zahle also gerne noch mehr, aber es muss so einfach bleiben oder noch einfacher werden. Aber ich habe die Bedenken, dass gerade das unter den Tisch fällt.

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Wir sind auch ein recht kleiner Verein, aber mit versch. Angestellten. Regulär, midi, mini, Azubi. Manche haben 2 Jobs, macht es auch komplexer.

Das kriegen wir kaum bewältigt, obwohl wir die Lobu über einen Steuerberater machen lassen. Selbst dann kann bei der Betriebsprüfung noch was hochkommen, was wir übersehen haben. Uns würde die Änderung helfen.

Es gibt gute online Lohnbüros, professionell, die mir von mehreren empfohlen wurden, die auch Kleinstbetriebe betreuen, für kleines Geld. Ich habe die auch schon weiter empfohlen, die waren auch glücklich damit.

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Ich führe kein Unternehmen. Ich bin ehrenamtliche Vorsitzende in einem Verein, der einen offenen Kindertreff betreibt und diesen zu 100% von der Kommune finanziert bekommt (als Jugendhilfeleistung nach SGB VIII. Wir beschäftigen die Betreuer auf Übungsleiterpauschale. Für die Fachkräfte, die mehr als 4 Stunden pro Woche arbeiten, reicht das nicht aus, die haben Minijobs.

Ich würde gerne alle sozialversicherungspflichtig fest anstellen. Aber das wird nicht refinanziert. Wenn die Minijobregelung wegfällt, führt das bei uns jedenfalls nicht ht zu sozialversicherungspflichtigen Jobs- solange nicht auch der Zuschuss entsprechend steigt. Erstmal führt es wahrscheinlich dazu, dass wir weniger Angebote machen können und die Öffnungszeiten kürzen müssen.

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Ich verstehe es nicht. Es wird ja nicht verboten, weiterhin Jobs mit wenig Stunden die Woche zu haben.

Die können doch weiterhin ihre 4 Stunden die Woche arbeiten. Es ändern sich die SV Abgaben. Für den AN gehen sie hoch, für euch dagegen runter. Das erlaubt Dir, den Stundenlohn etwas zu erhöhen, ohne dass die AG Gesamtkosten steigen. Damit würdest Du einen Teil des Nettoverlustes für den AN kostenneutral für den Verein abfedern.

Und Sachen wie Festanstellung oder nicht… darauf hat das Ganze überhaupt keinen Einfluss. Es gibt heute auch Minijobber unbefristet oder befristet, und reguläre Jobs unbefristet oder befristet

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Vielleicht hast Du recht und ich mache mir unnötig Sorgen… ich hoffe es. Allerdings ist es eh schon schwer, jemanden zu finden der in dem Bereich arbeiten will. Wenn die Betreuer netto noch weniger verdienen würden, würden wir noch mehr Probleme haben Personal zu finden und zu halten… mal sehen wie es wird.

Vielleicht gibt es dann andere die bereit sind 8 Stunden die Woche zu arbeiten? Aber so ganz verstehe ich es auch nicht, ich hätte gedacht 8 h/w sind auch im Rahmen eines Minijobs möglich.

Du musst den Nettolohn um rd 24% erhöhen, und die AG Gesamtkosten steigen dann um rd. 16%, um die Mehrkosten des AN für die Sozialversicherung auszugleichen.

Darüber hinaus zahlt der AN dann ggf Steuern auf die kleine Stelle, die wurden ihm bisher „erlassen“. Das passiert vorr., wenn der Minijob ein 2.Job war, aber NICHT, wenn der Minijob der einzige Job ist.

Da war schon immer ungerecht, dass jemand, der von 20 auf 24 Stunden aufstockt, auf das Mehrgehalt Steuern und Abgaben zahlt, wer sich aber 4 Stunden als 2.job sucht, das alles erlassen bekommt.

Diese Vergünstigungen waren gedacht für Menschen, die NUR einen Minijob habe, landeten aber über 2 Job und Eheprivileg da, wo bereits Geld ist.

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