Hallo liebes Lage-Team,
vielen Dank für eure Einschätzungen zu den Vorschlägen der Rentenkommission. Der stärkere Fokus auf einer Kapitalrente erhielt eurerseits viel Zuspruch. Dabei gibt es aus meiner Sicht auch einige Aspekte, die gegen eine Kapitalrente sprechen. Im Sinne einer ergebnisoffenen Debatte daher vier Gegenargumente:
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Wir finanzialisieren einen weiteren Bereich unseres Lebens. Eine zunehmend relevantere Aktienrente führt dazu, dass die Finanzierung unserer Altersvorsorge stärker an den wirtschaftlichen Erfolg großer Unternehmen gebunden ist. Viele der Unternehmen, die in den großen Aktienindizes vertreten sind, haben aber Geschäftszwecke, die ökologisch und sozial durchaus problematisch sind und dem „Gemeinwohl“ eher entgegenstehen. Ein Beispiel: Vonovia ist im DAX vertreten. Angenommen es würde der Politik gelingen, wieder für mehr bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Die Aktie der Vonovia würde dadurch tendenziell an Wert verlieren. Ähnlich könnte man für viele Unternehmen argumentieren, deren Geschäftsmodelle klimaschädlich sind, oder für Digitalkonzerne, deren Aktienkurse bei wirksamer und gesellschaftlich vermutlich sinnvoller Regulierung nachgeben würden. So könnte künftig jeder noch so sinnvollen Regulierung immer das Argument entgegenstehen: „Können wir nicht machen. Dann brechen die Börsenkurse der Unternehmen ein, deren Aktien wir alle halten.“
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Wir müssen keine Aktien halten, um am Unternehmenserfolg beteiligt zu werden. Ein Staat hat die Möglichkeit über die Besteuerung der Unternehmensgewinne zu partizipieren. Zeitgleich die Unternehmenssteuern senken (wie kürzlich entschieden) und dann Aktien (unter anderem) ebenjener Unternehmen zu kaufen, um wieder stärker am Unternehmenserfolg teilzuhaben, ist teuer und aus meiner Sicht auch widersinnig.
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Das Mackenroth-Theorem. Dieses besagt, dass die Sozialausgaben einer Volkswirtschaft immer aus dem laufenden Volkseinkommen erbracht werden müssen – unabhängig davon, ob wir diese via Rentenbeitrag, über Steuereinnahmen oder kapitalgedeckt finanzieren. Anders formuliert: Auch mit einer finanziell gut aufgestellten kapitalgedeckten Rente gilt immer noch, dass wir Pfleger, Ärzte, Wohnraum, Lebensmittel etc. benötigen und eine in Relation zur Zahl der Rentner kleiner werdende Erwerbsbevölkerung diese Leistungen erbringen muss. Dem Kernproblem einer älter werdenden Demographie können wir also auch mit einer kapitalgedeckten Rente nicht entkommen.
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Wir setzen uns noch stärker den Weltmärkten aus. Im Rahmen einer Aktienrente würden man breit gestreut und international investieren. Das bedeutet aber auch, dass unsere Altersvorsorge von der Entwicklung auf den Weltmärkten abhängt. Ob eine KI-Blase platzt oder nicht, ist damit auf einmal hochrelevant für die Finanzierung unserer Altersvorsorge. Man könnte ferner argumentieren, dass Deutschland den Weltmärkten als Export-Nation eh schon zu stark ausgesetzt ist. Eine Aktienrente verstärkt diese Abhängigkeit noch.
Vielleicht wollt ihr diese Argumente in einer der kommenden Episoden aufnehmen. Ich denke, dass das einer ergebnisoffenen Diskussion zur Kapitalrente sicher zuträglich wäre.
Martin
P.S.: Macht weiter so! Toller Podcast!