LdN484 - Rente Vernachlässigung des Faktors Produktivität

Da das Bild immer wieder benutzt wird, dass ja „bald“ nur noch 2 oder wie bei euch in der Sendung 1 Arbeitnehmer für einen Rentner aufkommt, hier nochmal ein Fakt, der mir kürzlich begegnet ist, und ggf auch schon ein paar mal hier erwähnt wurde.

Maurice Höfgen hatte kürzlich ein Video dazu (https://www.youtube.com/watch?v=xKGfdWVzKKk) wo es u.a. auch um die Rente geht und auch wieder dieses Bild bemüht wurde - u.a. weil nicht genügend Kinder geboren werden (bzw. es auch nicht genügend Zuwanderung gibt um dies auszugleichen). Das Problem an sich ist aber nicht zwangsläufig das es zu wenige Arbeitnehmer pro Rentner gibt, sofern man deren sinkende Zahl durch Produktivitätssteigerung auffangen kann. So ist es kein Problem, wenn bspw. 1960 es vielleicht 5 Junge pro Rentner gab (fiktive Zahl) und heute eher 2, sofern diese zwei genau so produktiv sind, wie die 5 um 1960.

Das Problem daran ist eher, dass ein nicht kleiner Teil der Produktivitätssteigerungen eben nicht in das Rentensystem fließen, sondern als Gewinn bei den Unternehmen verbleiben. In so einem Fall wird es dann wirklich zu einem Problem, mit den Effekten, wie ihr sie beschreibt.

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Ohne das Video von Herrn Höfgen gesehen zu haben:

Das Hauptproblem im Umlage verfahren ist selbstverständlich sehr wohl das sich seit Jahrzehnten verschlechternde zahlenmäßige Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern! Wie kann man denn so etwas behaupten?

Hat sich Herr Höfgen denn nicht zur Empirie ausgelassen? Er ist doch Volkswirt und sollte die Zahlen kennen oder leicht eruieren können:

In deutschen umlagebasierten Rentensystem ist das zahlenmäßige Verhältnis zwischen sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmern zu aktiven Rentner seit Anfang der 60er von 6:1 (Beitragszahler:Renter) auf rund 2:1 (heute) gefallen und dürfte in den nächsten zehn Jahren auf grob 1,5–1,7:1 sinken.

Die gesamtwirtschaftliche Arbeitsproduktivität pro Stunde hat sich seit Anfang der 1960er‑Jahren ver-2-3-facht, kann den Rückgang im Verhältnis Beitragszahler:Renter aber nur teilweise kompensieren.

Das ist ist eine ziemlich vereinfacht Darstellung, tatsächlich ist es ziemlich differenziert:

(1) Das reale Produktivitätswachstum hat sich stark verlangsamt und ist inzwischen recht niedrig. Ohne neue Schübe (Digitalisierung, Innovation, Qualifikation) reichen 1% p. a. kaum aus, um sinkende Erwerbstätigenzahlen und steigende Rentnerzahlen aufzufangen.
(2) Produktivitätsgewinne fließen in mehr Freizeit (kürzere Arbeitszeit, Teilzeit), in Unternehmensgewinne und in höhere Löhne - daher nur zu einem geringeren Teil in die Rentenkasse.
(3) Politische Vorgaben (Beitragssatzdeckel, Rentenniveau, Bundeszuschuss, versicherungsfremde Leistungen wie Mütterrente) begrenzen, wie stark Produktivitätsfortschritte die Rentenfinanzierung tatsächlich entlasten.

Deshalb bleibt die demografische Last auch weiterhin deutlich spürbar.

Dass Produktivitätssteigerungen auch in Unternehmensgewinne fließen, erscheint mir erst einmal nicht falsch zu sein. Ursächlich des größten Teil von Produktivitätsgewinnen ist der technische Fortschritt. Diese entsteht durch Investitionen der Unternehmer. Warum sollten sie dafür nicht angemessen entlohnt werden?

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Könnten bitte wenigstens die Threadtitel etwas sorgfältiger verfasst werden?

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Höfgen rechnet dort schon auf, dass das Problem gesamtgesellschaftlich durch die gesteigerte Produktivität theorethisch lösbar wäre. Und ich sehe insbesondere durch KI nochmals einen deutlichen Schub. Es geht hier auch nicht nur um Arbeitsproduktivität pro Stunde, sondern generell um das Volkseinkommen.

Unsere Gesellschaften funktionieren allerdings im Kapitalismus nicht so, dass diese Prdouktivitätsgewinne auch auf die gesamte Gesellschaft inklusive Renten verteilt wird. Seit 1990 entkoppeln sich die Löhne von der Produktivität, mehr haben sich noch die Renten entkoppelt.
Dadurch sind die Renten auch so niedrig. Wären faire Löhne gezahlt worden, hätte man auch höhere Rentenabgaben eingenommen.