LdN484 Rentenreform

Moin.

Im Podcast wird ja ausführlich erklärt, wann und um wie viel das Renteneintrittsalter erhöht wird. (0,67 Jahre pro Jahr Lebenserwartung).

Ich hab mich hierbei gefragt, ob das Geschlechtergerecht ist, vor dem Hintergrund, dass die Lebenserwartung für Frauen fast 5 Jahre über der von Männern liegt. Folglich müssten demnach auch Männer drei Jahre weniger lang arbeiten, bzw. Frauen länger.

Ich wär auf eure Meinungen gespannt. Ich möchte hierbei keine Genderdebatte lostreten, vielmehr frag ich mich, ob auf einem Weg zur Gleichberechtigung nicht auch hier an der Schraube gedreht werden sollte?

Ich möchte hierbei keine Genderdebatte lostreten

Ach nein? Was, glaubst du, ist dein Vorschlag denn anderes? Solange Frauen, die bekanntlich die Beitragszahler der Zukunft gebären, den Löwenanteil der Care-Arbeit und Pflege übernehmen (müssen), die übergroße Mehrheit der Alleinerziehenden stellen, noch immer nicht überall den gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen und weit überproportional von Altersarmut betroffen sind, können wir uns solche Debatten wirklich sparen.

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Dagegen steht das Gleichheitsgesetz. Auch private Versicherungen dürfen Frauen keine teureren Tarife anbieten, sondern müssen das einkalkulieren.
Was möglich wäre, wäre Gutverdiener länger arbeiten zu lassen. Denn auch diese leben länger und verstößt nicht gegen das AGG.

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In dem Maße, wie Frauen arbeiten, rauchen, Alkohol trinken, etc pp, also die Lebensstile der Geschlechter sich angleichen, gleichen sich die Lebenserwartungen seit geraumer Zeit an.

Dh es sind andere Faktoren, die das Lebensalter im Wesentlichen beeinflussen.

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Ich kann mich, korrigiere mich wenn ich irre, erinnern, dass sehr darauf geachtet wurde KEINE geschlechtsspezifischen Unterschiede zu machen und das auch im PodCast erwähnt wurde. Schon wegen „Alle Menschen sind gleich…“. Darüber hinaus gleicht die Reform einige Benachteiligungen, die Frauen bisher -offenbar sogar ein paar Jahre länger als Männer- hinnehmen mussten, aus. Die statistisch etwas höhere Lebenserwartung von Frauen ist auch rückläufig, seitdem sie sich immer weiter der männlichen Lebensweise annähern.

Ich persönlich glaube ja, dass dieses etwas kleinteilige „Unterschiede aufspüren“ nichts Gutes für die Bevölkerung birgt. Das lenkt nur von erheblich schwerer wiegenden Themen ab. Alle Menschen sind gleich, was will man mehr.

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Hallo Zusammen, ich nicke grundsätzlich viel und doll beim Hören der „Lage der Nation“, aber der Beitrag zum Rentenpaket ist insgesamt sehr bescheiden.

Die LdN verbreitet die gleichen konservativen Schreckensgespenster wie die CDU. Die Anzahl der Beschäftigten im Vergleich zu den Rentern hat sich die letzten Jahre kaum geändert. Die Zahl kann man auch nur im Zusammenhang mit Produktivität und Lohnsteigerungen wirklich gut bewerten. Es ist einfach volkswirtschaftlicher Quatsch, dass alle die Veränderung des Verhältnis Arbeiter/Rentner ein Problem ist. „Geld fur die Welt“, „Die Anstalt“, Herr Flassbeck haben das auch in diversen Beiträgen gut aufgearbeitet.

Die 60 Milliarden die nun als zusätzliche Abgabe in den Kapitalmarkt fließen (Rentendepots) fehlen der Wirtschaft nun an Kaufkraft. Würde dieses über ein Umlagesystem dafür sorgen, dass kein Rentner unterhalb der Armutsgrenze lebt, würde das Geld direkt wieder in die Wirtschaft fließen. Zudem wenn jedes Land das nun tut funktioniert es auch nicht, die Erläuterung würde den Post hier sprengen.

Ich verstehe diese wirklich schlechte Einordnung der Rentenreform einfach nicht, bin zum ersten Mal echt entsetzt …

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Durch die obligatorische Anlage der Beiträge am Kapitalmarkt fließen dafür Massen an neuen Investitionsgeldern in die deutsche und europäische Wirtschaft.

Eben nicht, laut der Presseerklärung der Komission soll das Geld in Fonds fließen, die im Ausland anlegen, ganz im Sinne wie es die nordischen Länder machen. Da erhofft man sich eine höhere Rendite.

Es ist generell ein schlechter Zeitpunkt für diese Anlage. Wie @Damian85 schon schreibt, haben alle Angestellten erst einmal weniger Geld in der Tasche. Damit ist wenoiger Geld für die Binnennachfrage vorhanden. Zweitens kommen in den nächsten 20 Jahren die Babyboomer in Rente, also sehr große Jahrgänge. Mehr einzahlen werden wir aber in das Umlageverfahren nach aktuellem Stand nicht. Wer gleicht also das Konto aus, dass ganz sicher tiefer in die roten Zahlen rutschen wird wegen der großen Jahrgänge? Klar, wir alle, durch Geld aus dem Haushalt, also größtenteils aus Steuern oder Schulden.
Also anstatt einfach 2% (je 1% von Arbeitnehmern und Arbeitgebern) für die großen Jahrgänge in das Umlageverfahren zu stecken, müssen wir das durch Schulden und evtl. höhere Steuern ausgleichen. Wäre ich nicht Teil des Umlageverfahrens (also z.B. Selbstständiger oder auch beamter) wäre ich wohl ziemlich verärgert, denn ich muss das ja dann mit finanzieren.

Danke für den Hinweis. Das Risiko Teile der Investitionen zu verlieren, nach mehreren Börsen-Crashs und einer erkennbaren KI-Blase, hatte ich gesehen. Aber was ist das denn für ein Signal, deutsches Rentengeld im außereuropäischen Ausland anzulegen, weil man sich dort höhere Renditen erhofft?

Also noch weitere Jahre mit notwendigen Reformen warten? Dass die Lage der Rente aktuell so desolat ist, liegt ja daran, dass seit Jahrzehnten notwendige Reformen verschleppt werden.

Sind Reformen aktuell teurer, als wenn wir bereits vor Jahren gemacht worden wären? Ja. Sind Reformen notwendig? Ja. Werden Reformen immer teurer, je länger wir sie aufschieben? Vermutlich auch ja.

Gerade ist ein schlechter Zeitpunkt für Reformen. In X Jahren wird noch ein schlechterer Zeitpunkt sein für Reformen.

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Die vermutlich höhere Rendite ist für mich fast schon ein Nebeneffekt. Der eigentliche Vorteil besteht darin, einen Teil der Altersvorsorge von der Entwicklung der deutschen Wirtschaft und Demografie zu entkoppeln. Das ist letztlich klassische Risikodiversifikation.

Warum sollte unsere Altersvorsorge ausschließlich von der heimischen Lohnentwicklung abhängen?

Warum nicht zusätzlich von Kapitalerträgen der globalen Wirtschaft profitieren?

Das Geld verschwindet dabei ja nicht. Es wird lediglich nicht unmittelbar konsumiert, sondern produktiv investiert. Diese Kapitalerträge können langfristig einen Teil der Renten finanzieren und damit den Finanzierungsdruck auf das Umlagesystem reduzieren.

Die Finanzierung über noch höhere Sozialversicherungsbeiträge halte ich ebenfalls für äußerst ungünstig (egal in welcher wirtschaftlichen Lage).

Vorteilhafter wäre meiner Meinung nach eine jährliche Vermögensabgabe mit klarer Zweckbindung für einen deutschen Rentenfonds. Damit könnte man bereits für jeden Bürger zur Geburt einen Betrag investieren und den Zinseszinseffekt über 65 Jahre seine volle Stärke entfalten lassen.

Dazu habe ich vor einiger Zeit hier im Forum mal ein grobes Modell skizziert:


Der Unterschied in der Lebenserwartung ist aber auch kein Naturgesetz, sondern ein reines Männerproblem :sweat_smile:

Exhibit A
Exhibit B
Exhibit C

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Das Risiko Teile der Investitionen zu verlieren, nach mehreren Börsen-Crashs und einer erkennbaren KI-Blase, hatte ich gesehen.

Ein gewisses Risiko besteht natürlich immer. Niemand kann die Zukunft vorhersagen. Aber der Aktienmarkt hat sich bisher nach jeder noch so großen Krise wieder erholt.

Davon abgesehen macht eine Anlage im Ausland nur Sinn. Somit entkoppelt man dieses Investment von der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Wenn das Umlageverfahren schwächelt, würden wohl auch Investitionen in deutsche Unternehmen schwächeln. So verringert man das Risiko.

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@Damian85 Du de-railst diesen Thread, der geschlechterspezifische Rentenfragen diskutiert. Zudem gibt es bereits vier Threads (allesamt umfassend ausdiskutiert, s.u.) zu dem Renten-Kapital aus LdN484. Bitte vor dem Posten die Suchfunktion verwenden.

In zwei Punkten muss ich hier in der Diskussion volkswirtschaftliche Missverständnisse zurechtrücken:

Deine Kernbotschaft, dass man Demografie nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel mit Produktivität, Löhnen und Verteilung betrachten muss, ist wichtig und geht in vielen öffentlichen Debatten tatsächlich unter.

Problematisch wird dein Beitrag aber dort, wo du den Eindruck erweckst, das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Rentnern sei im Grunde nur ein „Schreckensgespenst“ konservativer Politik. In einem umlagefinanzierten System bestimmt dieses Verhältnis ganz elementar, wie hoch Beiträge, Steuerzuschüsse oder Leistungsanpassungen ausfallen müssen; es ist damit keine ideologische Kennziffer, sondern eine der zentralen Stellgrößen des Systems.

Empirisch verlässt du den Boden der Tatsachen, wenn du schreibst, die Anzahl der Beschäftigten im Vergleich zu den Rentnern habe sich „die letzten Jahre kaum geändert“. Seit Mitte der 2000er mag die das Verhältnis einigermaßen stabil wirken, aber langfristig ist der Rückgang massiv: von 6 Beitragszahlern pro Rentner in den 1960ern auf rund 2 heute, mit weiteren Verschlechterungen in den Demografieprognosen. Auch der Altenquotient (Ältere je 100 Personen im Erwerbsalter) ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen und wird nach allen seriösen Szenarien weiter steigen. Wer diese Entwicklung ausblendet oder als Nebensache darstellt, präsentiert kein vollständiges Bild der Datenlage.

Richtig ist, dass aus diesen Trends nicht automatisch folgt, dass die Rente „unbezahlbar“ wird oder das System zwangsläufig kollabiert. Entscheidend sind Produktivität und Verteilung: Wenn die Arbeitsproduktivität stark wächst und die daraus entstehende Wertschöpfung in Löhnen und Beiträgen ankommt, lässt sich eine ungünstigere Altersstruktur durchaus kompensieren oder sogar überkompensieren.

Aber auch hier ist ein Blick auf die empirische Wirklichkeit nötig: Die Produktivitätszuwächse der letzten Jahre sind in Deutschland eher schwach, teils nahe Null, und reichen in dieser Form nicht aus, um die demographische Belastung „einfach so“ zu neutralisieren. Wer so tut, als ließe sich das Problem allein durch „natürliches“ Wachstum lösen, ohne politische Entscheidungen über Beiträge, Steuerzuschüsse, Erwerbsbeteiligung, Renteneintrittsalter oder Zuwanderung, ignoriert die aktuellen Datenlage.

Eine sachliche Diskussion über die Rente braucht beides: die nüchterne Anerkennung der demographischen Trends – und die Einsicht, dass Alterssicherung am Ende eine Frage von Produktivität, Verteilung und politischer Gestaltung ist.

Hier die kürzlichen Renten-Threads

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Das ist eine Misskonzeption, die ich hier im Forum häufig antreffe:

Die 60 Milliarden „fehlen“ nicht einfach der Wirtschaft. Sie werden nur anders verwendet. Wenn der Staat über ein Rentendepot ETFs kauft, zahlt er das Geld an die bisherigen Besitzer dieser Wertpapiere. (@runzelzwo: Nur bei Neuemissionen fließt Geld direkt ins Unternehmen, das ist aber eher die Ausnahme als die Regel).

Was die Verkäufer mit dem Geld machen, wissen wir nicht: Manche werden mehr konsumieren, andere damit investieren oder sparen, ggf. im Wertpapieren, so dass es an einen anderen Börsen-Teilnehmer fließt, oder sie werden es einfach auf ihrem Konto parken.

Die Beitragszahler, die in das Rentendepot einzahlen, haben heute etwas weniger Geld zum Ausgeben – dafür bauen sie Vermögen für später auf. Das ist der Sinn von Vorsorge.

Gleichzeitig bekommen andere Akteure diese 60 Milliarden als Verkaufserlös und können damit ihrerseits konsumieren oder investieren. Es wird letztlich nur zwischen Personen Kaufkraft verschoben.

Aber es ist keineswegs so, dass „die Wirtschaft“ als Ganzes plötzlich 60 Milliarden weniger Nachfrage hätte. Ob unterm Strich mehr oder weniger ausgegeben wird, hängt am Ende davon ab, wie diese Verkäufer mit ihrem Geld umgehen und welche Politik der Staat daneben macht.

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Wirtschaftlich sowie aus der Risikobetrachtung, kann das durchaus stimmen. Tatsächlich sprach ich aber von dem „außereuropäischen“ Ausland. Und es ist aus meiner Sicht ein auffälliges Signal, dass für deutsche Renten in Europa allein, augenscheinlich keine ausreichenden Renditen und/oder keine ausreichende Sicherheit erwartet werden. Sonst hätte man sich auf eben dieses von mir angesprochene außereuropäische Ausland begrenzen könen.

Danke für die (notwendige) Schärfung. Direkt an die Unternehmen geht da tatsächlich nicht viel. Die Investitionen im Sekundärmarkt hat andere positive Effekte und unterstützt die Wirtschaft indirekt. Indem sie für Stabilität und Liquidität sorgen.

Erstens: nein es wird am Zweitmarkt investiert. Und zweitens wenn du ein Unternehmer bist bevorzugst du in der Regel Umsatz als Investments.

Hallo,

zunächst ich bin neu hier und hatte die anderen Threats leider nicht gefunden. Imsgest danke dir für deine sachliche Antwort.

jetzt zum Punkt „das Geld fehlt nicht sondern wird woanders genutzt“. Da würde ich sehr stark wiedersprechen. Rein Unternehmerisch würde es über die Umlage (wenn gut gemacht) fast komplett in den Umsatz und damit in die GuV der Unternehmen und damit auch in den Gewinn fließen. Die Investitionen am Kapitalmarkt sind zum größten Teil Sekundärmarkt Investitionen und fließen nicht den Unternehmen, sondern bestehenden Investoren zu. Wird sich an IPOs beteiligt fliesst es zwar Unternehmen zu, kommt aber mit entweder Zins und Rückzahlungserwartung oder Dividenden Anspruch. Es ist schlichtweg falsch das Gleichwertig zu sehen.

Und zu den anderen Punkten: die Wirtschaft ist jetzt aber um ein vielfaches größer als zu den zeiten von 6:1. Ein vielfaches, aber ja unsere Produktivitätssteigerung in den letzten Jahren (besonders ab 2020) waren mau…

Gemessen am BIP geben wir für Renten (INKLUSIVE dem Steuerfinanzierten Teil) weniger aus als vor 25 Jahren. Wo ist denn da die Krise? Nur weil die Zahlen größer werden? Auch der Anteil am Bundeshaushalt steigt nicht wirklich.

Würde das Geld was jetzt bereits in Riester baV und co „verschwendet“ wird in das Umlagesystem fließen müsste keiner mit weniger als 1400 euro Rente auskommen und wir hätten ca 50 Milliarden mehr Konsum in Deutschland p.a.

Sorry, aber da muss ich weiter widersprechen, und zwar mit dem, was ich schon gesagt habe:

Diese Vorstellung, es gibt einen Menge X im Bereich des produktiven Kapitals (Unternehmen) und eine Menge Y im Bereich der Aktienanlagen, und wenn man in Aktien investiert, entzieht man den Unternehmen Geld, ist falsch! Die Börse ist lediglich eine Umleitung von Geld. Es fließt letztlich wieder in Konsum und Investition und Sparen (und vom letzteren wieder in Konsum und Investition).

Dennoch ist es so, dass gerade an der Börse viel Geld von Menschen liegt, die mehr haben als sie ausgeben können. Darum liegt es da ja.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Geld, das der unteren Hälfte zufließt, konsumiert wird, liegt also um ein Vielfaches höher.