Insbesondere in Bezug auf die Klimapsychologie stimme ich zu - und das Problem ist noch deutlich größer.
Generell hat sich „die Psychologie“, die Frau Brakemeier vertritt und meint, auf einen Ansatz zurückgezogen, der der Situation der Menschheit nicht gerecht werden kann. „Die Psychologie“ definiert sich so, dass sie außerhalb steht:
Hier der Versuchsleiter, dort die Versuchspersonen. Hier die Forscherin, dort die Daten, die sie analysiert. An einer gewissen Objektivität und Messbarkeit wird festgemacht, ob es sich um wissenschaftliche Psychologie handelt - oder nicht.
Ferner soll das, was man macht, NICHT Soziologie, Politologie oder Geschichte sein.
Das Ergebnis ist in der Regel und auch hier: Gutmeinende und engagierte Kolleg:innen wie Frau Brakemeier versuchen, aus dem, was diese Psychologie bietet, das herauszuquetschen, was uns hilft.
Daraus ergibt sich dann aber die Übertragung von Individualpsychologie auf Gesellschaft. Und es kann nichts anderes dabei herauskommen. Und das ist nicht befriedigend.
Die objektive Situation in der Klimakrise ist eine grundlegend andere: ALLE, also auch Psycholog:innen und Psychologen, sind als Menschen Teil der Katastrophe, die wir machen. Wir können nur „teilnehmende Beobachtung“ betreiben.
Alles, was wir behaupten, muss auch uns selbst beinhalten. Nicht „die anderen“ sind das Problem. In einem Industrieland leben heißt in der Regel, „Täter-Opfer“, also Teil des Problems zu sein. Wir haben das, was uns möglich ist, nicht richtig austariert. Vielleicht müssen wir uns „weiterentickeln“.
Wenn es uns gelingt, NICHT auf andere zu zeigen, kommen wir voran. Wenn wir verstehen, dass wir z.B. als Kanzler oder Abgeordnete einer Partei mit deren Biographie und Lebenssituation in etwa genauso handeln würden, wie diese es aktuell tun, kommen wir weiter.
Es ist unsere Menschheit, unsere Spezies, wenn auch in verschiedenen Rollen und Positionen, die die aktuellen Systeme (zu allererst den Kapitalismus) aufgebaut hat und weiterbetreibt.
Eine Psychologie - die es praktisch kaum gibt - die eine solche Perspektive zugrundelegt, wäre interessant und hilfreich. Sie wäre weniger trivial. Und übrigens mMn wissenschaftlicher. Denn sie begänne damit, die eigenen Grundkategorien (historisch-) kritisch zu betrachten.
Konkret im Podcast, eher am Anfang: Menschen haben durchaus mehr oder weniger gute Gründe, sich gegen eine Wärmepumpe oder ein E-Auto zu entscheiden.
Reaktanz ist nicht Trotz. „Trotz“ hat den Beigeschmack von unvernünftig und dümmlich. Ich würde Reaktanz so erklären: Wir wollen unsere Freiheit verteidigen und wenn wir zu sehr zu etwas gedrängt werden, konzentrieren wir uns irgendwann nur noch darauf. Gute Gründe kriegen wir dann nicht mehr mit. Aber beides ist okay: Das Verteidigen der eigenen Freiheit hat seine Berechtigung - genauso, wie die Ratio, die gute Gründe anerkennt.
Ich finde grundfalsch, was Fossil-Lobbyisten und Merz und Reiche tun. Das liegt aber auch daran, dass ich eine völlig andere Biographie mitbringe. In Anerkennung dieser komplexen Situation kommen wir weiter.