Klimawandel - Lösungsansätze für die Stadtplanung
Eines dürfte uns allen in den letzten Tagen klar geworden sein: Der bereits totgesagte Klimawandel ist da. Wenn im Juni in Deutschland Temperaturen von über 40 Grad erreicht werden, kann das nicht mehr geleugnet werden. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen, die Menschen ziehen sich in ihre Häuser zurück. Die Schlafqualität sinkt, und produktives Arbeiten ist oft nur noch für wenige Stunden am Morgen möglich.
Die hohen Temperaturen gehen zudem mit massiven Schäden für die Wirtschaft einher: Straßen und öffentlicher Nahverkehr werden beschädigt, die Hitze führt zu Arbeitsausfällen sowie zu einer deutlichen Zunahme von Krankheiten und Todesfällen.
Auch die Natur leidet unter Hitze und Trockenheit: In Städten zeigt sich bei Bäumen ein vorzeitiger Blattverlust. Häufig stehen sie auf viel zu kleinen Flächen und haben zu wenig Wurzelraum, um eine große Krone auszubilden. Die Folge: Die Bäume werden krank und fallen bei Stürmen leichter um. Ein bloßes „Bäume pflanzen“ reicht hier nicht aus.
Aus meiner Erfahrung in der Bauleitung kann ich berichten, dass in den kleinen grünen „Restflächen“ oft nur noch kleinkronige Bäume – meist fremdländische Arten und Sorten – gepflanzt werden können, da andere Arten unter diesen Bedingungen bereits versagen.
Doch welche Lösungsansätze werden von unseren Politikern vorgeschlagen? Trinkwasserbrunnen und Klimaanlagen. Ist das wirklich ernst gemeint?
Das Problem bei Klimaanlagen ist, dass sie bei Temperaturen über 30 Grad oft nicht mehr effizient arbeiten, bei flächendeckender Nutzung zu Stromspitzen oder sogar Stromausfällen führen, den Energieverbrauch stark erhöhen und die Außenluft zusätzlich aufheizen. In Einzelfällen mögen sie sinnvoll sein – das Stadtbild sollten sie jedoch nicht prägen.
Die einzige dauerhafte, sinnvolle und vielfach kostengünstige Lösung lautet: Flächen entsiegeln, begrünen und Regenwasser in der Fläche zurückhalten – kurz: die Schaffung einer „Schwammstadt“.
Das beginnt bereits bei der Regenwasserrückhaltung. Regenwasser ist viel zu wertvoll, um es schnell in die Kanalisation abzuleiten. Mindestgefälle von 2,5 % bei der Planung von Verkehrsflächen sollten unter klimapolitischen Gesichtspunkten neu bewertet werden.
Zurückgehaltenes Wasser wirkt in der Stadt wie eine natürliche Klimaanlage: Bleibt Regenwasser länger in der Fläche und wird in Grünflächen geleitet, kann es dort langsam versickern. Dabei wird es im Boden gefiltert und steht später wieder als Grundwasser zur Verfügung. Gleichzeitig sorgt die Verdunstung für eine Kühlung der Umgebungsluft.
Regenwasser von Dächern ist vergleichsweise sauber und kann in oberirdischen Tanks – kostengünstig und effizient – gespeichert und zur Bewässerung genutzt werden. Dadurch sinkt der Trinkwasserverbrauch. Begrünte Gebäude tragen zusätzlich zur Reduzierung von Außen- und Innentemperaturen bei.
All diese Maßnahmen entlasten zudem das Kanalsystem bei Starkregen erheblich und verringern die Überschwemmungsgefahr, da der Wasserabfluss verzögert wird.
Ein weiteres Problem sind die Autos. Für sie versiegeln wir enorme Flächen. In Bayern waren bereits im Jahr 2000 mehr als 50 % der Siedlungs- und Verkehrsflächen versiegelt. Jährlich kommt eine Fläche in der Größe des Ammersees hinzu.
Der weitere Ausbau von Verkehrswegen ist teuer und trägt erheblich zur Klimaerwärmung bei. Es stellt sich die Frage, ob dieser Bedarf – auch angesichts von Homeoffice – künftig noch in diesem Umfang besteht.
Zudem haben uns steigende Benzinpreise bereits an alternative Fortbewegungsformen erinnert: Kürzere Wege werden wieder häufiger zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Eine stärkere Förderung des öffentlichen Nahverkehrs könnte das teure Zweitauto überflüssig machen und Raum für die Entsiegelung von Parkflächen schaffen.
Diese Flächen könnten als wertvolle Grünstreifen mit Bäumen genutzt werden. Der Baumschatten sorgt dafür, dass sich Fassaden und Verkehrsflächen weniger aufheizen. Und der Nebeneffekt? Eine bessere Luft, grüne und kühlere Städte, in denen wir uns wieder gerne im Freien aufhalten und begegnen.
Ich fordere daher unsere politisch Verantwortlichen auf, langfristige Lösungsansätze zur Bewältigung des Klimawandels konsequent umzusetzen. Es geht hierbei nicht nur um eine lebenswertere Umwelt für Mensch und Tier, sondern auch um die Stärkung unseres Wirtschaftsstandorts – denn die Folgekosten des Klimawandels steigen bereits heute spürbar an.