Wie kann Klimaschutz/-politik sexy werden?

Springer und andere rechte Pöbelmedien erfinden übrigens immer wieder Strohleute, um Energiepolitik kulturkämpferisch zu missbrauchen, wie Christian Stöcker heute in seiner Kolumne beschrieben hat:

Aber zurück zu den guten Nachrichten:

Die Zahl ‌der Beschäftigten rund um ‌erneuerbare Energien ist in Deutschland auf einen Höchstwert geklettert. In der Branche arbeiteten 2025 rund 436.000 Menschen und damit knapp 4 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2023, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Die Au­to­r:in­nen warnen jedoch, dass der sich abzeichnende energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung Tausende dieser Arbeitsplätze gefährden könnte.

„In Zeiten wirtschaftlicher Krise, ‌in denen wir um jeden Job kämpfen, sollten wir die Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen“, sagte Roman Wink, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung. Der Ausbau der erneuerbaren Energien dürfe kein weiteres Mal abgewürgt werden. „Es geht um Jobs, um mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen und letztlich um unsere Wettbewerbsfähigkeit.“

Zum Vergleich:

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Danke für den Hinweis. Ich habe mal recherchiert, wie gut dieses eigentlich ja intuitiv ja einleuchtende Argument in der Sozialwissenschaft empirisch gestützt wird, und tatsächlich:

Empirische Studien aus Sozialpsychologie und Verhaltensökonomik zeigen, dass Menschen ihr eigenes Regel- und Kooperationsverhalten stark an wahrgenommenen sozialen Normen ausrichten: Wenn sie glauben, dass viele andere unethisch handeln oder Regeln brechen, sinkt ihre eigene Bereitschaft zur Kooperation und Normbefolgung. Umgekehrt belegen Experimente und großangelegte Studien, dass der Eindruck, andere hielten sich überwiegend an inklusive und kooperative Normen, Toleranz, Gemeinsinn und die Bereitschaft zu Beiträgen für das Gemeinwohl deutlich erhöht. Gilt übrigens genauso für Steuerhinterziehung.

Dennoch glaube ich nicht, dass das persönliche Abwerten von Abweichung von Regel und Kooperation zielführend ist: Damit vertreibt man den Gegenüber nur in seine Wagenburg. Man muss die Menschen abholen, wo sie sind. Immer eine Gratwanderung.

Gleichzeitig bedeutet das: Politik und Medien sollten immer wieder deutlich machen, dass die große Mehrheit sich an Regeln hält und kooperiert (natürlich nur, sofern das der Fall ist), weil dies positives Verhalten stärkt und mehr Menschen motiviert, mitzumachen.

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Man kann besonders krasse Normverstöße schon kritisch thematisieren. Unter Verweis darauf, dass es sich um ein Minderheitenphänomen handelt.

Das sehe ich genauso. Aber das geht letztlich auch über Kontrastierung.

Es gibt ja grob gesprochen drei Gruppen, die (besonders) Engagierten, die ‚Bystander‘ und diejenigen, die sich (ganz bewusst) antisozial verhalten.

Die ersten beiden bilden zusammengenommen eine Mehrheit.

Den sprichwörtlichen Diesel-Dieter wirst du nicht überzeugen können.

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Daher wäre ich dafür, die große Gruppe der tendenziell wohlwollenden ‚Bystander‘ mit der K.I.S.S.-Methode (s.o.) zu umwerben und gleichzeitig die mehrheitliche Wohlgesonnenheit immer wieder hervorzuheben.

Ein Problem ist ja, dass Bürger:innen die Bereitschaft für Klimaschutzmaßnahmen ihrer Mitbürger:innen deutlich unterschätzen, wobei diese Annahme bei Politiker:innen besonders ausgeprägt ist:

Das kommt aber m.E. nicht daher, dass über Klimaschutzverweigerer:innen berichtet wird, sondern dass diese Berichte nicht einordnen, dass es sich nur um eine Minderheit handelt.

Es fehlt also eine angemessene Kontextualisierung.

So wird medial der falsche Eindruck erweckt, weil diese Minderheit eben sehr ‚laut‘ ist.

Auch herrscht m.M.n. die grundsätzlich falsche Vorstellung vor, dass man jede:n mitnehmen müsse.

So wird den Verweigerer:innen eine Macht zuteil, die sie eigentlich gar nicht haben.

Es geht ja ums Signal, dass man solche offensichtlichen Extremdevianzen nicht einfach achselzuckend hinnimmt.

Hier gilt außerdem ganz schlicht Kants Kategorischer Imperativ. Die Frage, ob ein Verhalten okay ist, hängt auch davon ab, ob es zum allgemeinen Gesetz werden könnte, also verallgemeinerbar ist. Und das ist hier eindeutig nicht der Fall.

Wie oben gezeigt, hängt beides zusammen. Politiker:innen wie Merz, Reiche & Co. ghören mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu denjenigen, die die Bereitschaft für Klimaschutz in der Bevölkerung massiv unterschätzen.

Wenn über 83 Millionen statt ca. 10 t CO2 pro Kopf und Jahr - sagen wir - 30 Tonnen wie die Kreuzfahrtoma ausstoßen würden, wäre das immer noch in Summe sehr viel mehr als die ca. 171 hiesigen Milliardäre.

Das ist also kein Argument.

Es geht nicht ums gegenseitige Shamen, sondern darum, krass antisoziales Verhalten als solches öffentlich zu kritisieren.

Doch ist es. Denn das Problem sind nicht 80 Mio Menschen, die hypothetisch Kreuzfahrten unternehmen könnten, sondern der reale C02 Ausstoss hier und heute in Kombination mit einer untätigen Regierung. Das passiert hier gerade wirklich. Ich bleibe also dabei: die alte Frau auf Kreuzfahrt ist eine Strohfrau.

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Wenn das komplett irrelevant ist, braucht sich ja nichts zu ändern und alle machen weiter, wie bisher.

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Jetzt plündern die Koalitionäre erstmal den KTF und lassen 2,6 Mrd. Im allgemeinen Haushalt versickern. Man steht auch selbstbewusst dazu, dass das genauso richtig ist. Kein Klimaschutz ist für die Regierung kein Problem, immerhin hört die Union mal auf, so zu tun, als ob es anders wäre. Middelhoff heute im DLF: „Wachstum (für meine Autolobby) oder nix.“ Natürlich fügt sich auch Reiche in dieses Gesamtbild ein. So kurz kann der Rock des Klimaschutzes niemals sein, dass die Regierung es „sexy“ findet.

Aus der Dlf App | Interviews | Interview mit Mathias Middelberg, Unions-Fraktionsvize Haushalt 2027 im Kabinett - Interview mit Mathias Middelberg, Unions-Fraktionsvize

Sie arbeiten am Klimawandel, den ihre Wähler verdienen.

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Die geplanten Änderungen betreffen Balkonsolar aktuell nicht.

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Genau, und außerdem sind wir ja nur für 2% des Co2-Ausstoßes der Weltbevölkerung zuständig! Das bringt gar nichts, wenn Deutschland was macht. Der Ökologische Fußabdruck ist eh eine Erfindung der kapitalistischen Ölkonzerne. Ich hau soviel raus, wie es geht. Ich bin doch nur einer von 80 Millionen. Das macht gar nichts. Und wehe, es weist mich einer auf meinen Überkonsum hin, dann bin ich beleidigt und haue aus Trotz noch mehr raus.

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Demokratietheoretisch mag es vielleicht interessant sein, wenn möglichst viele Leute zur Wahl gehen. Für das Wahlergebnis eines Landes wie DE hingegen ist es vollkommen unerheblich, ob einzelne Menschen zur Wahl gehen oder nicht. Meine Stimme macht eh nur ein 50 Millionstel aus. Dementsprechend sollten wir Nicht-Wähler nicht shamen.

Genauso wie Steuerhinterzieher. Bei hunderten Millarden ist es doch im Ergebnis vollkommen egal, ob ich Steuern zahle oder nicht. Also kann ich es auch sein lassen und mir mit den gesparten Euros ein schönes Leben machen. Machen andere auch so.

OK, Provokation beendet. Du siehst aber vielleicht, worauf ich hinaus will.

Wir kommen immer wieder in den argumentativen Loop:

  1. Ich alleine kann ja nichts machen, der Staat muss ran und das generell regeln. (Alternativ: Die Unternehmen müssen ran, denn wenn die Unternehmen nichts anbieten würde würde es ja auch nicht konsumieren).
  2. Der Staat trifft eine Regelung.
  3. Ich fühle mich in meiner Freiheit beschränkt, ich will eigene Verantwortung.
  4. Der Staat rudert zurück.
  5. Ich erfülle meine Verantwortung nicht, denn siehe 1.

Irgendwo muss jemand den Cycle durchbrechen, und das können nur wir selbst sein, aus unserer eigenen Verantwortung heraus. Genauso wie ich wählen gehe, obwohl es runtergebrochen auf meine eigene Stimme nichts bringt, und genauso wie ich Steuern zahle, obwohl von meinen Steuern allein kein Meter Schiene gebaut wird. Und das müssen wir tun, auch wenn es physikalisch nichts bringt.

Und natürlich gibt es jede Menge Bereiche des Lebens, in denen wir fremdbestimmt sind und nicht unmittelbar selbst tätig werden können. Wir können aber nicht erwarten, dass irgendjemand das Problem für uns löst, wenn wir nicht zumindest den Entscheidungsspielraum nutzen, den wir haben.
Die allermeisten Menschen müssen nicht jeden Tag Fleisch essen. Die allermeisten Menschen werden nicht dazu gezwungen, irgendwo hin zu fliegen. Das sind Hebel, die jeder von uns heute in der Hand hat. Und ich kann das „Wir können ja nicht alle, dewegen muss ich auch nicht“-Argument genauso nicht mehr hören.

Ich für meinen Teil werde, wenn ich mich in 20 Jahren ein junger Menschn fragt, warum wir damals denn nichts gemacht haben, niemanden in Schutz nehmen. Weder mich selbst noch irgendwelche Apologeten.

So Rant beendet.

Zum Thread: Wie kann Klimaschutz sexy werden?
Ich würde sagen: indem man sich in Communities gegenseitig bestärkt.
Das eigene Heim mit nachhaltiger Energie zu versorgen macht vielleicht Spaß. Noch viel mehr Spaß macht es, das mit andernen Menschen zu teilen und gemeinsam eine postive Energie zu entwickeln. Also das Gegenteil von dem, was ich grade mache.
Aber auch sonst kann jeder von uns was tun: Man kann sich wenn der Veganer mit der Seitan-Wurst zum Grill kommt den dummen Spruch verkneifen. Man kann Leuten, die Schritte nach vorne gewagt haben, befragten, wie sie das geschafft haben, anstatt sich lustig zu machen. Man kann beim eigenen Bürgermeister mal nachfragen, wie es denn um das Hitzeschutzkonzept ausschaut und selbst Vorschläge einbringen.

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Also Christian Ulmen abholen, da wo er ist. Unmoralisches und asoziales Verhalten nicht mehr als solches benennen, um niemanden mehr auf die Füße zu treten. Ulmen ist auch nur Systemopfer des Patriachats und kann nichts für sein Verhalten.

Ich sehe es anders.

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Christian Ulmen mit einem Fleischessenden oder SUV-Fahrenden gleichzusetzen, halte ich für eine unlautere Argumentation, schon weil sie eigentlich den anderen be-shamen soll.

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