Also in “der Wissenschaft” braucht es dafür keine anekdotische Erzählung eines Unternehmers, dessen Geschichte äußerst ausführlich auf YouTube protokolliert ist
Für das konkrete Beispiel gibt es beispielsweise schon Seminare an Unis (bspw. Kassel) in denen sich mit dem konkreten Fall beschäftigt wird um das Baurecht zu verstehen (Firma Nordwolle hat aber kein Interesse an Mitwirkung am Seminar gehabt)
In der Planungswissenschaft (aber auch in der Politikwissenschaft) ist der Fall ansonsten nicht besonders, sondern einfach nur ein Beispiel für ein Dilemma in das wir immer wieder rennen:
Wenn Prozesse zu eng definiert werden fehlt individueller Handlungsspielraum und die Sachbearbeiter*innen werden zu willenslosen Zahnrädchen, wir kritisieren das dann als Bürokratie und die Selbstwirksamkeit geht scheinbar verloren
Auf der anderen Seite würden wir es als Willkür und Bevorteilung empfinden wenn Einzelentscheidungen nicht zueinander passen und das Ergebnis eines Behördenvorgangs von der persönlichen Stimmung des Bearbeitenden, dem heutigen Kantinenangebot im Rathaus etc. abhängig ist
Zwischen diesen beiden Extremen schwankt man immer - am besten sieht man das an Beispielen wie dem Brandschutz, wo bis zum Unglück in der Schweiz alle für Lockerungen waren und jetzt plötzlich zurückgerudert wird…
Grundsätzlich ist es meiner Meinung nach richtig, das Behörden sehr genau am Prozess arbeiten, weil diese Prozesse (solange sie nachvollziehbar und transparent sind) dafür sorgen, dass Verfahren gleich sind und nach Möglichkeit ähnliche Chancen für alle bestehen.
Wenn es bei Nordwolle gebrannt hätte, der einzige Fluchtweg durch den Rauch eines hölzernen Schuhregals im Treppenhaus verraucht ist und es dann Opfer gäbe würden wir uns fragen wie es sein kann, dass da nicht durchgegriffen wird - solange das nicht passiert und wir Marco Scheel sympathisch finden nehmen wir die Verwaltung eher gängelnd und unnötig starr war - all das ist in “der Wissenschaft” bekannt und beschrieben, wie man damit umgeht ist eine rein politische Frage und lässt sich nicht mit einem wisschenschaftlich bestimmten Optimum lösen