Bei einigen gibt es das sicherlich. Aber Steffen Mau hat im Interview auch gesagt, dass die persönliche Lebenszufriedenheit im Osten mittlerweile recht hoch und schon sehr nahe am Westniveau sei. An der persönlichen Lebenssituation kann’s also nicht liegen.
Dass es das auch gibt, bestreite ich nicht.
Okay, gehen wir mal davon aus, dass es diese Leute, die eine diffuse Unzufriedenheit verspüren, aber selbst nicht die Gründe dafür nennen können, gibt. Das unterscheidet sich dann doch sehr von jenen, die als konkreten Grund für ihre Unzufriedenheit „zu viele Ausländer“ angeben.
Beispielhaft mal folgendes Datum:
Fast 39 Prozent glaubten, Deutschland sei „im gefährlichen Ausmaß überfremdet“.
Diese Leute wissen, was ihnen stinkt. (Ohne dass ich solche Einstellungen in irgendeiner Weise rechtfertigen oder verharmlosen will.)
Das spricht auch für deine Annahme der Verbreitung von Rassismus.
Es gibt ja verschiedene Rassismustests, z. B.:
https://implicit.harvard.edu/implicit/germany/takeatest.html
Zumindest beim impliziten Assoziationstest (IAT) wird man sicher extrem hohe Werte für Rassismus in der Gesellschaft finden. Und auch bei Tests, die rassistische Stereotype abfragen, wird man wahrscheinlich eine große Mehrheit von Menschen, die irgendwie rassistisch sind, finden. Ich würde mich da selbst gar nicht ausschließen.
Doch es gibt nicht nur Stammhirnimpulse, sondern auch höhere Hirnfunktionen mittels derer sich der eigene Rassismus ‚zähmen‘ lässt.
Reflektieren gehört sicherlich zu den erfolgversprechenden Gegenmaßnahmen.
Da würde ich aber sagen, es gibt Menschen, die sich freiwillig bemühen, und es gibt Menschen, die ihren Rassismus nicht reflektieren wollen. Zu Letzteren gehören m. E. typischerweise AfD-Wähler.