Klimanotstand - Handeln jetzt!

Wut hilft da nicht weiter. Wenn wir im Alleingang handeln und Maßnahmen definieren (die final ja ein richtiges Ziel verfolgen), dann lacht sich jedes andere Land ins Fäustchen und nutzt unsere (Deutschlands) Schwäche. Wir ruinieren unsere Industrie - das Rückgrat unseres Wohlstands. Was machen denn Unternehmen, denen die „Regeln“ hier zu streng werden? Sie gehen. Wie oben geschrieben, investieren wir schon seit Jahren nicht mehr nennenswert in Deutschland. Mit dieser Unsicherheit und den tw. abstrusen Forderungen der Klimaaktivisten gehe ich doch als Investor nicht das Risiko ein, in Deutschland in energieintensive (und somit CO2-intensive) Anlagen mein Geld zu stecken. Da gehe ich lieber dorthin, wo mir die Politik Sicherheit signalisiert. Rot-Grün ist dafür alles andere als geeignet.
Wir sollten unsern Fokus darauf richten, dass alle (und wirklich alle) großen Treibhausgas-Emittenten gemeinsam gleiche Regeln aufsetzen. Für ihre Industrien, ihre Verkehrs- und Energiepolitik. Die Klimakonferenzen können da der richtige Ansatz sein. Erst wenn alle (wenigstens die G20) die gleichen Schritte gehen, macht es Sinn. Und dann zählen für Industrie und Investoren auch wieder andere Stärken (Profitabilität, Qualität, Effizienz, …).
…und meine Lebenserwartung liegt - hoffentlich - weit jenseits der 2050.

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Wut ist erstmal nur ein Gefühl. Diese zu verbalisieren ist nichts schlechtes oder verwerfliches.

Ich weiß nicht was du hier mit „Alleingang“, „Maßnahmen“ und „Schwäche“ genau meinst.

Es ist doch so. Energieintensive Unternehmen werden sowieso schon subventioniert (wie in sehr vielen Ländern), ich sehe hier eher ein race to the bottom, davon hat kein Land etwas. Auch haben wir sehr überdurchschnittlich hohe Emissionen, die runter müssen. Hier verlangt aber niemand die Deindustrialisierung. Im Gegenteil. Die nahe Vergangenheit zeigt eher, dass EE ein Standortvorteil sind, daran zu sehen, dass sich Tesla und Intel jetzt in Ostdeutschland ansiedeln und nicht im Süden oder Westen (die den schlechten Energiemix haben).

Auch ist Strom aus Kohle nicht mehr konkurrenzfähig, EE viel günstiger. D.h. entweder, die Unternehmen zahlen mehr für Kohlestrom (weil teurer), oder er muss vom Staat subventikniert werden (was mit vielen Milliarden im Jahr passiert), damit diese nicht abwandern.

Was sehr viele unterschiedliche Gründe haben kann.

Welcher Unsicherheit? Hat die Letzte Generation die gesellschaftliche Ordnung aufgehoben? Gibt es keine Rechtssicherheit mehr? Gibt es Maschinenstürmer, die versuchen Fabriken niederzureißen?

Das ist alles so nebulös formuliert, dass ich langsam zu dem Schluss komme, dass es sich um Nebelkerzen handelt.

Klimaaktivisten sind also plötzlich Schuld daran, dass Investoren nicht investieren. Gewagte These.

Die Emittenten wussten länger von dem Problem als alle anderen (siehe die Leaks von den Exxon Studien). Die Emittenten hatten Jahrzehnte Zeit und es hat sich nichts geändert. Und wir haben leider nicht mehr Jahrzehnte Zeit, und es geht hier um weit mehr als die Wirtschaft.

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Welche Industrie meinst du eigentlich, mal konkret?
Und von welcher „Sicherheit“ sprichst du?
Der in China, Indien, Taiwan, Mexiko, Südafrika, Brasilien, Russland, Estland, …?
Produktion geht dorthin wo die Märkte sind.

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Das frage ich mich auch immer bei derartigen Argumenten. Vor allem, weil ich diese Aussagen nicht mal von der gesamten Statistik gedeckt sehe. Was die Investitionen angeht sieht man den hier auf individueller Ebene genannten Punkt auch nicht. Die Bruttoanlageninveatitionen sind sogar im Gegenteil eher ansteigend: Investitionsquote – Gut leben in Deutschland

Worüber sich gestritten werden kann, ist eher, ob die Investitionen wirklich zukunftsträchtig sind. Da gibt es mehr als genug negative Beispiele, aber even auch positive, wie z.B. erneuerbarer/grüner Stahl (Thyssenkrupp investiert zwei Milliarden für klimaschonende Produktion).

Ich sehe es auch eher so, dass die Gründe der Kosten für erneuerbare eher vorgeschoben sind. Das lässt sich eben gut populistisch verkaufen und lässt die enormen wirtschaftlichen Chancen außer acht, die mit der Transformation einhergehen.

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Vom Konsum her macht es keinen Unterschied ob etwas gemietet oder im Eigentum ist.
Aus klimapolitischer Sicht wäre es also sinnvoll, nicht gewerbliche Vermietung bis zu einer ethisch geregelten Geringfügigkeitsgrenze steuerfrei zu stellen.
Das würde auch zu einer besseren Auslastung der zur Verfügung stehenden Güter beitragen.

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Der Punkt ist: nicht nur hat die Atomkraft gerade einen verschwindenden Anteil am deutschen Energiemix, wir brauchen sie auch nicht. Und zwar weltweit nicht.

Die Technologie ist bekannt (Wind, Water, Solar), wir müssen sie nur entschlossen ausrollen.

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Volle Zustimmung zu Deinem Post - bis auf diesen Teil. Strom aus Kohle ist inzwischen teurer als aus erneuerbaren Energiequellen -zumal in Ländern mit viel Sonne und Wind. Und man benötigt deutlich geringere Investitionen.

Du wirst deinen Lebensstil wohl ändern. Freiwillig oder unfreiwillig. Denn wir alle werden unser Wirtschaftssystem ändern - vorausschauend oder viel zu spät gezwungenermaßen.

Der Witz ist, dass die Maßnahmen, vor denen du Angst hast, auch dein Leben in vielerlei Hinsicht besser machen werden. Wir müssen die Natur schützen und werden die Luft sauber halten und den Aufenthalt auch in Städten angenehm machen, wenn es heiß ist. Dein Versuch, den Status Quo zu erhalten, würde ihn jedoch sicher zerstören.

Leider sitzen wir alle in einem Boot, daher kämpfe ich (ohne Steine übrigens) dafür, dass Du Dich nicht durchsetzet und ich Dir nachher nicht vorhalten kann, dass du Unrecht hattest.

Wir müssen jetzt radikal handeln, um die Katastrophe abzuwenden. Und wenn wir es schaffen, wird es uns allen besser gehen, als vorher.

Ergänzung:

Ich bin nicht überzeugt, dass die Dekarbonisierung zu einem Wohlstandsverlust führt, auch, wenn viele Verzicht predigen.
Im Gegenteil:

Nicht nur glaube ich, dass es mehr Wohlstand sichert, wenn wir Dürren und Hitzewellen und Überschwemmungen und Hungersnöte und Massenmigration vermeiden, als wenn wir uns an Steaks, SUVs und Flugreisen klammern.

Ich bin außerdem überzeugt, dass grüne Energie, langlebige Produkte, Sharing und Kreislaufwirtschaft große Chancen für die deutsche Wirtschaft bieten und so eine Abkopplung von Wohlstand und Ressourcenverbrauch möglich wird.

Man muss aber jetzt die Chancen ergreifen, statt den Status quo zu verteidigen…

  1. Ergänzung:

Aber das machen wir ja nicht. Europa hat einen gemeinsamen Emissionshandel und den Carbon Border Adjustment mechanism, um unfaire Wettbewerbsvorteile „fossiler“ Produkte zu verhindern. Der Binnenmarkt ist groß genug, um weltweit Standards zu setzen. Und andere Länder setzen auch zunehmend auch auf die Dekarbonisierung, s. die USA mit dem inflation reduction act.

Wer heute bei neuen Anlagen Energie- und CO2-Intensität gleichsetzt, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht - und zwar nirgendwo. Mach mal eine Risikoanalyse wie z.B. von der TFCD gefordert. Mit steigenden CO2-Preisen (und sie werden steigen!) ist diese Gleichsetzung ein gefährliches Paradigma! Unternehmen die auf erneuerbare Energie setzen, werden bestehende Industrien „disrupten“.

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Das ist aber nicht die Antwort auf meine Frage. Deine Aussage war, dass beim Eigenheim die Steuerlast niedriger ist als bei der Mietswohnung. Und ich hatte nach einer Begründung gefragt.

Die Steuerlast beim Eigenheim ist mMn nicht niedriger als bei einer Mietswohnung, tendenziell eher höher. Da Du von Eigenheim schreibst, beziehst Du Dich auf private Eigentümer die die Immobilie selbst bewohnen und zusätzlich 1-x Wohnungen in der Immobilie vermieten. Der Eigentümer zahlt Grunderwerbssteuer und anschließend jährlich Grundsteuer B. Ein Mieter zahlt über die Umlage der Betriebs- und Nebenkosten anteilig nur die Grundsteuer B für das Grundstück, sofern dies im Mietvertrag so geregelt ist.

Ich denke, da wird immer die Steuer beim Erstellen des Eigenheims außer acht gelassen.
Ist ja nicht immer alles nur geerbt.

Es macht kaum einen Unterschied in der Steuerlast. Beim Eigenheim fällt halt der größte Teil am Anfang an und bei der Mietwohnung über die Jahre verteilt.

Wieder mal eine provokante Frage: ist ein selbstgenutztes Einfamilienhaus, in dem 2-4 Personen auf im Schnitt 500qm Fläche wohnen, klimatechnisch noxh sinnvoll und verantwortbar?

500qm Wohnfläche? Wäre mir zuviel, aber es hängt wohl eher davon ab, wie man Energie ins Haus bekommt. Wenn das Haus Klimaneutral beheizt, gekühlt und mit Strom versorgt werden kann, warum nicht?

Dazu noch ein schöner großer Garten mit Sträuchern, Bäumen, Insekten, Vögeln, Igeln und Eichhörnchen.

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Gegenfrage: Wie viele dieser Häuser gibt es in Deutschland und welchen Promilleanteil machen sie aus?

Geht es nur um Moral oder um Reglementierung für alle? Was soll alles reglementiert werden? Größe des Autos, Anzahl Schuhpaare, Erlaubte Urlaubsreisen innerdeutsch / europäisch / Übersee, Anzahl Beiträge im Forum …? Jedem Menschen ein persönliches Klimabudget zubilligen und dann … was wenn er dies verbraucht hat?

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Bezogen auf die Einwohnerzahl stößt Deutschland knapp doppelt so viel, bezogen auf die Wirtschaftsleistung weniger als halb so viel CO2 wie der weltweite Durschschnitt aus.

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In der Gesamtsumme ergibt sich durch die Ertragssteuer auf die Mieteinnahmen eine höhere Steuerlast, bzw. erhöhte Steuereinnahmen für den Staat.
Das war aber ein Denkfehler, denn die Vermietung stellt ja einen davon getrennt zu betrachtenden, nahezu CO2-neutralen, Konsumvorgang dar.
Aber bezogen auf den Titel finde ich das ein gutes Beispiel, wo ein „Handeln jetzt“ ansetzen könnte und sollte.
Und wenn das im Rahmen einer COP vereinbart werden würde, könnte eine Besteuerung, die gesamtgesellschaftliche Kosten berücksichtigt, auch grenzüberschreitend angegangen werden.

Genau das wäre die Kernfrage. Wie radikal soll Handeln sein?

Wie Ulf im letzten Podcast richtig sagt betrachten wir jeden klimaschädlichen Aspekt nur sehr isoliert, landen wir fast immer im Promille- oder niedrigem Prozentbereich. Dann bliebe bequemerweise nicht viel, das wir aktiv tun müssten.

Aber wenn wir ehrlich sind, wären schon sehr radikale Massnahmen nötig, um den Klimawandel jetzt noch effektiv zu bremsen. Doch würde die Durchsetzung dieser radikalen Massnahmen unsere demokratischen Strukturen gefährden, weil man dafür kaum Mehrheiten bekommen wird.

Halten wir an den demokratischen Strukturen fest, sind weiterhin nur kleine konstante Schritte möglich, die mehr Zeit in Anspruch nehmen, als uns unser Klima geben kann.

Ist schon ein bissl Teufelskreis…

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Das ist Verklärung der Tatsachen, die von Unternehmen sehr gerne als Argument gegen Regulierung und für Staatshilfen verwendet wird. Für die massive De-Industrialisierung in Deutschland sind aber andere Gründe ausschlaggebend gewesen (Quelle: bpb):

  1. Niedrigere Löhne
  2. Räumliche Nähe zu Absatzmärkten (speziell wohl Automobil-Industrie)
  3. andere Produktionskosten (wohl auch Strom)
    […]

Erst an siebter Stelle stehen Regularien der jeweiligen Länder. Das sieht aber z.B. auch die Unternehmensberatung pwc so:

Und was die Problematik der hohen Energiekosten angeht, wer könnte dafür wohl verantwortlich sein?

Energiekonzern Shell hat seinen Gewinn 2022 verdoppelt - www.handelsblatt.com
RWE mit überraschend starkem Gewinn - spiegel.de

Dass wir die Abwanderung von Industrien mit staatlichen Maßnahmen aufhalten können, darf daher stark bezweifelt werden.

Erst einmal Danke für Ihre Kommentare. Wie ich ganz oben angemerkt habe: ich stelle weder den negativen Einfluss des Menschen auf das Klima noch die Klimakrise selbst in Frage. Und ein gesteuertes, abgestimmtes Handeln ist wichtig - radikale Maßnahmen hingegen sind nicht zielführend. Ich war in Europa und den USA tätig, in der chemischen Industrie - immer im Wettbewerb zu asiatischer und zunehmend indischer Konkurrenz. Auch wenn es (fast) überall Bestrebungen gibt, Energie einzusparen, auf modernere Produktionsverfahren zu setzen und Treibhausgase zu vermeiden, so entscheidet dort sehr oft die Wirtschaftlichkeit einzelner Prozesse, ob klimaschonende Maßnahmen umgesetzt werden, oder nicht. Daher setze ich mich hier und in anderen Foreneinträgen sehr dafür ein, dass Deutschland bei allem Engagement die Wirtschaftlichkeit und letztlich das Überleben der energieintensiven und im internationalen Wettbewerb stehenden Industrien (vor allem die chemische Industrie) nicht aufs Spiel setzt. Wir haben in den letzten Jahren viele Schlüsseltechnologien und auch Basistechnologien wie Chlorierungen und Nitrierungen für Commodities verloren. Das führt Schritt für Schritt dazu, dass wir unsere Industrie schwächen und Kapazitäten verlieren. Das ist auch keine Zukunft, in der ich leben will.

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