Israel & Nahost-Konflikt

Liebes Lage-Team, ich höre die Lage schon seit 2014 und musste noch nie etwas sagen. Bei diesem Thema kann ich aber nicht schweigen. Es wurde schon angesprochen, aber mir fehlt bei Euch im Podcast die Perspektive und die historische Verantwortung als Deutsche in Deutschland, wenn Brandsätze auf Synagogen geworfen werden und Häuser mit „Judensternen“ markiert werden. Es fiel - im Zusammenhang mit Freiheitsrechten - der Satz „für die Staatsraison muss man nicht auf die Straße gehen“ und ich hoffe sehr, dass dieser wirklich nur in einem allgemeinen Kontext gemeint war und nicht bezogen auf die aktuellen antisemitischen Attacken. Ich stand am Mittwoch nämlich mit 20 Leuten vor der Synagoge in der Brunnenstraße bei der Mahnwache und gleichzeitig waren Tausende in Neukölln und Kreuzberg unterwegs. Das hat mich doch sehr schockiert. Offensichtlich ist es den meisten Deutschen egal, wenn hier lebende Juden bedroht werden. Ich weiß nicht, was Eure jüdischen Freunde dazu sagen - meinen geht es damit nicht gut. Ich würde mich freuen, wenn Ihr das in der neuen Folge noch einmal aufgreift.

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Ich finde, Dein Beitrag insinuiert eine Haltung der Hosts, die sie definitiv nicht haben. Wer dem Podcast nur ein paar Folgen folgt, weiß, das Ulf und Philip sich ebenso klar gegen jeglichen Antisimentismus wie auch gegen das Feiern des Hama-Terrors positionieren.

Konkret was hat Dich irritiert?

Und bitte nicht „… haben nicht betont, dass …“. Das wäre ein unzulänglicher Versuch, jemand in sehr einfach strukturierte Schubladen zu packen.

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Oder war es Anne Will?

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Er sagte aber auch: „Es ist wichtig zu erkennen, dass die Angriffe der Hamas nicht im luftleeren Raum stattfanden.“
… Satz gel. Mod. Ich finde es krass, wie er das so mal eben relativiert, was die Hamas dort angerichtet hat. Wirklich krass.

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Liebes Lage-Team,

ich höre Euren Podcast regelmäßig und schätze Eure Einschätzungen und Interviews sehr.
Wie bei vielen kreisen meine Gedanken in den vergangenen Tagen um die grässlichen Ereignisse in Israel und Palästina und ich habe große Sorge vor einer weiteren Eskalation und deren Auswirkungen - vor Ort aber auch hier bei uns. Wie lässt sich eine sich immer schneller drehende Spirale der Gewalt verhindern? Diese Frage lässt mich nicht zur Ruhe kommen.

Heute kam mir dazu eine konkrete Frage: wieso kontrolliert und liefert Israel die so dringend in Gaza benötigten humanitären Hilfslieferungen nicht selbst??? z.B. über den Seeweg um das Leid der Zivilbevölkerung zumindest etwas zu lindern und damit der Hamas und den Feinden Israels etwas an Zündstoff zu nehmen?

Die Zeitungen sind voll von Kommentaren und Einschätzungen dazu in was für einem grässlichen Dilemma Israel steckt und wie schmal der Grad der Diplomatie Dritter ist. Die Kombination aus Hilfe und Angriff klingt absurd. Aber müssen in Anbetracht der katastrophalen Lage nicht alle deeskalierenden Möglichkeiten in Betracht gezogen werden?
Falls ihr für die nächste Folge ein Interview mit einen Nahost-Experten oder Diplomaten plant, möchte ich Euch dazu anregen, diese Frage zu stellen.

In großer Sorge.
Anatayo

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Ich weiß jetzt nicht, was an Prosors Aussagen ein Eklat ist.

es war diese Sendung ab Minute 31:00.
Neuer Krieg in Nahost – Gibt es noch einen Ausweg? | Das Erste - Anne Will - Videos (ndr.de)

Dass man den Anteil der Unterstützer der Hamas nicht einschätzen kann, ist wahr. Das haben Ulf und Philip auch in Ihrem Podcast als „Dilemma“ für die israelische Armee bezeichnet.
… Abs gel. Mod.

Tipp von mir zum Anschauen im ZDF von gestern Abend:

Eskalation in Nahost - ZDFmediathek

Hoffnung hat mir der Bericht bei „heute“-Sendung gegeben, die das friedliche Zusammenleben von arabischen und jüdischen Israelis zeigt. Ab Minute 5:00.

ZDF heute Sendung vom 24. Oktober 2023 - ZDFheute

Hab mir die Dokumentation angesehen, die zumindest versucht, beide Seiten zu sehen.
Es fehlt allerdings das Attentat an Rabin durch eine rechtsextremen Israeli.

Ich fühle nach dem furchtbaren Morden durch die Hamas so sehr mit Israel und weiß einfach keinen Weg aus dem Dilemma. Nur setzt sich Israel selbst ins Unrecht, indem es völkerrechtswidrig Gaza ohne Rücksicht auf die leidende Zivilbevölkerung weiter bombardiert.

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Ich danke dir, dass du mich darauf aufmerksam machst. Ja, es ist tatsächlich kognitive Dissonanz, dass so viele Menschen jetzt ernsthaft diskutieren - ob Gaza mit 2 Mio Menschen und einem Anteil von 50% Kindern, jetzt weiter bombardiert werden sollte.

Es ist für mich nicht zu ertragen, dass undifferenziert auf Kinder, Frauen, Männer, Ältere, Christen, Muslime, Juden, Menschen mit Behinderung, Sänger:innen, Medizinisches Personal, Künstler:Innen, Haustiere, lebensnotwendige Infrastruktur… Flächenbombardements stattfinden und der Bevölkerung den freien Zugang zu Wasser und Brot verwehrt.

Und nein - Bomben lösen den Konflikt nicht.

Ja du hast Recht - es ist für mich kognitiv nicht nachvollziehbar, dass wir Deutsche, die immer noch die Missachtung von Menschenleben kollektiv aufarbeiten, hier nicht sofort Stellung beziehen und klar sagen: NEIN! Eine Kollektivstrafe verstößt gegen die Genfer Konventionen. Und genau dafür sind sie da - damit nie wieder solche Kriegsverbrechen gibt.

… Abs. gel. Mod.

Jap - ich möchte niemals zu den Menschen gehören, die das OK finden.

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Das ist richtig. Die Beurteilung wie meine Haltung aufgenommen wird, liegt in der Beurteilung meines Gesprächspartners. Nun bin ich aber auch eine privilegierte„deutsche Kartoffel“, die sich normalerweise nicht mit irgendwelchen auf Äußerlichkeiten beruhenden Stereotypen und Vorurteilen herumschlagen muss und der auch erlaubt wird sich noch einmal genauer zu erklären. Angesichts dessen stell ich mir die Frage aber gar nicht nur für mich selbst. Wenn ich mir schon in dieser Ausgangsposition ohne jeglichen persönlichen Bezug in den Nahen Osten die Frage stelle, wie es möglich ist, sich für Menschen- und Völkerrecht einzusetzen, stelle ich mir es noch schwieriger vor, wenn man in Deutschland lebt und Verwandte und Freunde dort hat, um die man sich Sorgen macht. Gerade auf die angesprochene Ventilwirkung bezogen fehlt mir irgendwie eine „neutrale“ Möglichkeit die nicht durch ihr pro eine „Seite“ direkt anti andere „Seite“ ist (ja ich weiß, dass neutral ein utopisches Wort ist). Was mache ich als Mensch, der zuhause sitzt, sieht, wie es seinen Verwandten und Bekannten im Gazastreifen gerade geht und einfach laut sagen möchte „bitte schaut auch dort hin“ ohne dabei Aggressionen gegen Israel äußern zu wollen oder den Terror der Hamas relativieren zu wollen? Wenn man seinem Staat in dem man jetzt lebt „bitten“ möchte sich auch dafür einzusetzen (ohne beurteilen zu können, was der „richtige“ oder „falsche“ Weg ist). Die Seiten sind so aufgeladen, dass zumindest mir es so vorkommt, dass man in dem Falle nur zuhause bleiben und mit seinen eigenen Emotionen klar kommen kann oder aber am Ende doch zu einer pro-palästinensischen Demo geht, weil man eine viel höhere emotionale Beteiligung hat und dann am Ende als der antisemitische „Ausländer“ wahrgenommen wird, da diese Demos leider oft aggressive, pro Hamas und antisemitische Auswüchse haben. Vielleicht übersehe ich aber auch etwas?

Liebe Merrit,

wie würdest DU denn als Staat Israel vorgehen? … Abs. gel. Mod.
LG

Wissen die Diskutanten hier eigentlich nicht, dass die Hamas aus Gaza heraus nach wie vor Raketen auf Israel abfeuert. Israel wird ebenso bombardiert.! Und zwar wahllos und gerne aus zivilen Gebäuden heraus.

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Natürlich. Doch. Schon. Allerdings können die Palästinenser nicht wirklich weichen.

Ehrlich gesagt sehe ich sehr Israels Bedrohungslage, aber auch im Gazastreifen leben so viele Kinder.
Und Wasser und Strom abstellen ist sehr fragwürdig.
Aber das wurde hier im Thread auch schon hinreichend diskutiert.
Ein demokratischer Staat sollte den eigenen Werten entsprechen.

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Oh doch, dass wissen die Diskutant:innen hier. Die Diskutant:innen hier streiten Israel auch gar kein Selbstverteidigungsrecht ab oder Leugnen die weiteren Angriffe auf Israel durch die Hamas und sie haben auch nicht die Lösung parat. Die Diskutant:innen wissen aber auch, das Israel oder auch Deutschland im Gegensatz zur Hamas das „Pech“ haben, dass sie nunmal demokratische Staaten sind, die Völker- und Menschenrecht in ihre Handlungen, Überlegungen und Aussagen einbeziehen müssen und nunmal keine gewalttätige menschenverachtende Terrororganisation, die sich um so etwas nicht schert.

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Das ist ein harter Vorwurf, denn er würde voraussetzen, dass Israel absichtlich die Zivilbevölkerung ins Visier nimmt. Hast du für diese Einschätzung Belege?

Anbei eine Einschätzung des renommierten Völkerrechtlers Professor Talmon.


Quelle: Israel, Hamas, Gaza: Welche Regeln setzt das Völkerrecht? – DW – 19.10.2023

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https://buzzard.org/perspektive/eine-belagerung-des-gazastreifens-verstoesst-gegen-das-voelkerrecht/

Ich sehe das Dilemma. Ehrlich. Ich fürchte nur, dieser Bombenhagel und die Blockade werden die Situation nicht lösen.

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Da machen es sich die Völkerrechtler halt sehr einfach. Klar, ein asymetrischer Krieg, mit Guerillas auf der einen Seite und einer klassichen Armee auf der anderen ist eben auch nicht einfach aufzulösen (vermutlich gar nicht). So geschehen im Vietnamkrieg, so geschehen im Irak, etc. „Collateral Damage“ eben.

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Was genau soll Israel machen?

Bombardierung wird kritisiert, Abriegelung wird kritisiert, Einmarsch/Straßenschlachten will sicherlich auch niemand und würde auch kritisiert werden.
Wie genau kann sich dieser Logik zufolge Israel noch verteidigen? Ich habe das Gefühl, ein nicht unwesentlicher Teil der „Israel darf sich natürlich verteidigen, aber …“-Argumentation, führt am Ende dazu, dass Israel sich doch nicht verteidigen darf.
Und das, während die Hamas nach wie vor israelische Geiseln haben und aktiv auf Israel schießen!

Und ja, das ist absolut ein Dilemma, denn natürlich geht es den Menschen in Palästina absolut dreckig. Die Menschen in Israel leiden aber auch unter dem Terror - von ihnen also einseitig Zurückhaltung zu verlangen, greift daher zu kurz.

Was meinst du damit? Wie äußert sich das in dieser Verteidigungssituation?

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Rechtsstaatlich passt vielleicht besser.

Kinder werden in Bezug auf Gaza immer wieder thematisiert. Grundsätzlich passiert das natürlich auch zurecht und aus verständlichen Gründen, da in Gaza sehr viele Kinder und Jugendliche leben. (Davon, dass unter den Opfern der Hamas auch immer wieder Kinder sind, höre ich dagegen kaum so explizit.)
Es gibt aber insbesondere zwei Punkte, die mich bei der Erwähnung von Kindern als Opfer im Gazastreifen mittlerweile leider etwas skeptisch werden lassen.

  1. „Kindermörder Israel“, „Israelis/Juden trinken das Blut unserer Kinder“ - Das Israel palästinensische Kinder tötet ist ein antisemitischer Topos und eine moderne Weiterführung der Ritualmordlegende. Es wird schon seit Jahrzehnten gezielt dazu verwendet wird, Juden grundßätzlich (Stichwort „Adenochrom“) und insbesondere Israel („Kindermörder Israel“) zudämonisieren. Der Fokus mancher auf Kinder als Opfer Israels passiert also nicht im luftleeren Raum.
  2. Die Zahlen aus dem Gazastreifen zu Toten und Verletzten kommen von der Hamas. In der Regel kommen sie vom Gesundheitsministerium, das aber natürlich in der Hand der Hamas ist. An der Medienschlacht nach dem Raketenabsturz neben dem Krankenhaus hat man gesehen, dass die Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren sind.

Ich will damit nicht leugnen, dass auch Kinder unter den Opfern sind und die ärmere, palästinensische Seite darunter leidet! Dieser Krieg kostet jeden Tag Menschenleben, auf beiden Seiten - aufgrund der militärischen Stärke Israels dort tendenziell weniger (Iron Dome usw)
Ich möchte nur erwähnen, dass die Zahlen erwiesenermaßen von Seiten der Hamas manipuliert werden, da zivile Opfer allgemein und Kinder insbesondere gut von den Hamas als Tätern ablenken und es vereinfacht, Schuld auf Israel zu schieben.
Daher möchte ich möchte betonen, dass die Verantwortung für zivile Opfer auch bei der Hamas zu suchen ist, die sich bewusst in ziviler Infrastruktur verstecken, von dort aus Israel beschießen und so diese Opfer so zumindest in Kauf nehmen!

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