Mit der Gründung Israels als „jüdischen Staat“ kam es zwangsweise dazu, dass die Palästinenser nicht den ihnen zuvor (1915) von den Briten versprochenen Arabischen Staat gründen konnten, zumindest nicht in der Größe, die ihnen ursprünglich versprochen war. Natürlich war die Gründung Israels für die arabische Bevölkerung dort bereits ein massiver Nachteil, ob „Leid“ es trifft ist da eher Semantik.
Hier verweise ich auf meine Differenzierung zwischen Letztverantwortung und Zustandsverantwortung aus diesem Thread:
Du machst hier den typischen Fehler, nur die Letztverantwortung, die klar die Hamas trägt, zu betrachten, nicht die Zustandsverantwortung.
Dass die arabische Bevölkerung im Hinblick auf die letzten 70 Jahre einen massiven Hass auf Israelis (und damit vereinfacht: die Juden) entwickelt hat, darf uns nicht überraschen. Ebenso wie es nicht überraschen darf, dass sich in der Ukraine ein massiver Hass auf alles Russische und in Taiwan teilweise ein Hass auf alles Chinesische entsteht. (Und nein, ich setze diese Fälle nicht gleich, ich will nur zeigen, dass ein starker Konflikt wie ein Krieg (Ukraine) oder langfristiger, schwelender Konflikt (Taiwan) zur Ablehnung der als Feind auftretenden Gruppe führt.
Die Frage, die man sich tatsächlich stellen muss, ist:
Wären es nicht israelische (größtenteils) Juden, die Gaza die letzten 70 Jahre so behandelt haben, sondern Deutsche/Amerikaner/Inder/Chinesen/Russen/Whatever. Würde eine Organisation wie die Hamas anders reagieren?
Ich denke, die Antwort ist nein. Wenn die als Feinde wahrgenommene Seite nicht jüdisch wäre, hätten sich dennoch extremistische Organisationen wie die Hamas gegründet und würden mit dem gleichen Terrorismus gegen diese „Feinde“ oder „Besatzer“ (jeweils aus deren Sicht!) vorgehen. Die Tatsache, dass dieser „Feind“ in dem Fall Israel ist, gibt der Hamas mit dem Antisemitismus lediglich ein historisch besonders starkes, weil vielfach „erfolgreich“ verwendetes, Narrativ an die Hand, sodass sie vielleicht geringfügig erfolgreicher ist.
Die Beziehung zwischen Islam und Judentum ist nicht so feindselig, weil es irgendeine „natürliche Ordnung“ gäbe, dass Muslime Juden hassen müssen. Es ist so feindselig, weil die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort dazu geführt haben.