Dem würde ich entgegen halten, dass Religion historisch immer nur eine Begründung, aber nur selten der tatsächliche Auslöser der Probleme war (und das sage ich, obwohl ich Atheist bin…). Es geht immer im Kern um Macht, in fast allen Fällen, in denen religiös begründete Kriege ausbrachen, oft um Macht der jeweiligen religiös-verbundenen Gruppen.
Schaut man sich z.B. an, dass der Iran und Israel bis zur Machtergreifung Chomeinis tatsächlich eine freundschaftliche Handelsbeziehung geführt haben, wird sehr deutlich, dass es nicht die Religion als solche ist, die das Problem ist. Das Problem sind Machthaber, die Religion instrumentalisieren, um damit Menschen dazu zu bringen, dafür zu kämpfen. „Religion“ ist hier nichts anderes als „Nation“ oder „Volk“, ein Konzept, das man nutzt, um den Menschen etwas „größeres als sie selbst“ zu geben, für das es sich „lohnt“, das eigene Leben zu opfern.
Irgendwann glauben vermutlich die religiösen Anführer (bei Taliban, Al’Quaida oder Hamas) auch tatsächlich ihre eigene Propaganda, aber im Kern bleibt es bei Machtpolitik. Und die Möglichkeiten, mit Religion Menschen zu steuern, sind umso stärker, desto weniger weltlichen Luxus eine Bevölkerung hat. Auch das zieht sich wie eine rote Linie durch die Geschichte. Je erbärmlicher es den Menschen geht, desto größer wird die Rolle der Religion in der Gesellschaft - und damit das Rekrutierungspotenzial für religiös basiertem Terrorismus.
Aber nähmen wir an, deine Prämisse stimmt zu und die Religion ist das Problem:
Was gibt es dann für Lösungen, außer gewaltsamer Bekehrung oder Auslöschung der Gegenseite?!?
Natürlich stimme ich dir zu, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle Menschen sich darauf einigen könnten, sich wegen Religion nicht die Köpfe einzuschlagen. Aber die dazu nötige Aufklärung kriegen nicht mal die stärksten Industrienationen (z.B. die USA) richtig hin, das von den Palästinensern zu verlangen ist illusorisch.
Daher lehne ich es ab, der Religion hier einen zu hohen Stellenwert einzuräumen. Der beste Weg, die Religion im Gaza-Streifen zu mäßigen, bleibt eine Verbesserung der Lebensumstände und eine internationale Einbindung des Gaza-Streifens in z.B. universitäre bzw. Schüler-Austauschprogramme und viele andere Projekte.