Ich habe das Gefühl, die Welt befindet sich grade in einem umfassenden Transformationsprozess.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs gab es im Grunde zwei große Player der Weltpolitik, die USA und die Sowjetunion.
Seit den 90ern quasi nur die USA.
Europa und die USA betrachteten sich lange wirtschaftlich und politisch als Spitze im Weltgeschehen.
Probleme wie Wirtschaftskrisen wurden mit reichlich vorhandenem Geld zugeworfen, auf China und Asien blickte man eher von oben herab, die lagen gefühlt technologisch weit hinter uns.
Nun haben die vermeintlichen Underdogs schnell gelernt, wir sind plötzlich von China in vielen Bereichen abhängig, und technisch haben sie uns in vielen Bereichen überholt und eingeholt.
Die USA als stabiler Machtfaktor zerbröseln grade, Russland meldet aggressiv wieder Großmacht-Ambitionen an, China strebt politisch wie wirtschaftlich nach Dominanz, und auch Indien und Brasilien (wie auch andere Staaten) möchten nicht mehr als abhängig vom „Westen“ gesehen werden, sondern mindestens auf Augenhöhe.
Corona hat uns gezeigt wie verwundbar wir doch eigentlich sind.
Wir stellen also grade fest, das uns viele liebgewonnene Gewissheiten grade flöten gehen.
Die daraus resultierende Angst vor Veränderung führt zu Unzufriedenheit mit den bestehenden (demokratischen) Systemen, denen viele die Schuld an dieser Veränderung und zunehmenden eigenen Bedeutungslosigkeit geben.
Demokratien geraten unter Druck, diese Schwächen nutzen Autokratien natürlich aus, um diese bei Autokraten gefürchtete und unbeliebte Staatsform weiter zu schwächen.
Dazu noch der Klimawandel, der eine grundsätzliche Veränderung unserer Lebensweise erfordert, uns aber überfordert, weil unsere bisherigen Mechanismen und Technikgläubigkeit uns nicht weiterhilft, wir uns aber nicht so weit verändern wollen.
Ich befürchte es läuft auf zwei Alternativen heraus:
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der Druck wird so groß, das wir noch halbwegs die Kurve kriegen. Dabei werden aber viele auf der Strecke bleiben bzw. die Veränderungen werden so tiefgreifend sein und uns nicht alle gefallen.
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es kommt auf irgendeine Art zum großen Knall, und wir sind gezwungen aus dem was übrig bleibt neu anzufangen. Dabei werden noch mehr auf der Strecke bleiben, wenn wir überhaupt noch die Chance auf einen Neuanfang haben.
Ich freue mich jetzt auf ganz viele Gegenstimmen mit positivem und optimistischem Grundtenor.
