Ich bin 24 Jahre alt. Teil der sogenannten Generation Z. Ich arbeite hart, ich arbeite viel, und ich habe trotz meines Alters schon einiges in meinem Beruf erreicht. Aber egal, wie sehr ich mich anstrenge: Es fühlt sich an, als würde es mir nichts bringen. Alles, was wir uns erarbeiten, wird uns wieder genommen, durch Krisen, durch politische Entscheidungen, durch ein System, das längst nicht mehr für uns gemacht ist.
Wir hören ständig dieselben Phrasen: „Starke Schultern müssen mehr tragen.“ „Wir sitzen alle im selben Boot.“ „Wir müssen zusammenhalten.“ Aber am Ende läuft es immer auf dasselbe hinaus: Wir, die Jungen, zahlen. Wir finanzieren Wahlgeschenke. Wir finanzieren Krisen. Wir finanzieren ein Rentensystem, das für uns selbst niemals funktionieren wird. Wir zahlen, damit Konzerne Rekordgewinne machen können, während unsere Lebenshaltungskosten explodieren.
Deutschland ist kein Land, das Zukunft denkt. Deutschland ist ein Land, das Gegenwart konserviert, koste es, was es wolle. Und dieses „koste es“ heißt: koste es die Zukunft der Jüngeren.
Schauen wir uns das Rentensystem an. Jeder Experte, jede Kommission, jeder noch so vorsichtige Ökonom sagt: Es ist unbezahlbar. Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner finanzieren. Und was macht die Politik? Statt ehrlich zu sein, beschließt sie Rentenerhöhungen. Warum? Weil die ältere Generation die Mehrheit der Wähler stellt. Politik macht nicht das, was richtig ist, sondern das, was Stimmen bringt. Das Ergebnis: Wir Jungen schuften in einem gesetzlichen Schneeballsystem, aus dem wir nicht aussteigen dürfen, und das uns am Ende selbst keine Sicherheit mehr bietet.
Dann das Thema Klimaschutz. Alle wissen, dass wir handeln müssen. Alle wissen, dass die nächsten Jahre entscheidend sind. Aber statt mutige Schritte zu gehen, wird weiter auf Zeit gespielt. Warum? Weil Klimaschutz kurzfristig unbequem ist und Wählerstimmen kosten könnte. Also lieber noch ein paar Jahre weiterwursteln, auf Kosten unserer Zukunft.
Oder die Infrastruktur. Bröckelnde Brücken, marode Schienen, kaputte Schulen. Jahrzehntelang wurde verschlafen, investiert wurde fast gar nicht. Heute fehlen Milliarden, um das Land wieder auf Vordermann zu bringen. Und wer zahlt am Ende die Rechnung? Natürlich wir, die Generation, die nichts von all dem verbockt hat, die aber die Schäden tragen muss.
Deutschland ist längst keine Demokratie der Generationen mehr. Es ist eine Gerontokratie. Die Politik richtet sich nach den Alten, nicht, weil sie klüger wären oder mehr Weitsicht hätten, sondern schlicht, weil sie die Mehrheit sind. Sie stellen die größte Wählergruppe, also werden ihre Interessen bedient.
Für sie gibt es Rentenerhöhungen. Für sie gibt es Steuererleichterungen. Für sie gibt es immer wieder Sonderrechte und Schonungen. Und für uns? Für uns gibt es steigende Abgaben, steigende Beiträge, steigende Preise. Für uns gibt es die Ansage: „Sorgt privat vor. Arbeitet mehr. Konsumiert, damit die Wirtschaft wächst.“ Aber zurückbekommen? Tun wir nichts.
Das ist es, was viele nicht verstehen: Es geht nicht nur ums Geld. Es geht ums Lebensgefühl.
Was macht es mit einer Generation, wenn sie schon mit Anfang 20 das Gefühl hat, dass alles keinen Sinn hat? Wenn man das Gefühl hat, egal wie hart man arbeitet, man bleibt immer der, der zahlt, nie der, der profitiert? Wenn man merkt, dass die eigene Zukunft auf dem Altar der Gegenwart geopfert wird?
Kein Wunder, dass so viele von uns resignieren. Kein Wunder, dass wir keine Nachrichten mehr ertragen, weil es immer nur noch schlimmer wird. Kein Wunder, dass wir kaum noch Vertrauen in Politik und Institutionen haben. Wie soll man auch Vertrauen haben, wenn man weiß: Wir zählen nicht. Wir sind nur die Melkkühe eines Systems, das sich längst gegen uns richtet.
Es wäre schon schlimm genug, wenn die Alten wenigstens dankbar wären. Aber oft begegnen sie uns mit Misstrauen, mit Verachtung, mit Feindseligkeit. Jeder kennt Geschichten von Rentnern, die die Polizei rufen, weil Jugendliche irgendwo sitzen oder Musik hören. Jeder kennt diese Blicke, dieses Kopfschütteln, dieses „früher war alles besser“.
Früher war nicht alles besser. Früher wurde alles verbraucht. Früher wurde auf Pump gelebt und wir dürfen jetzt die Rechnung begleichen.
Die Wahrheit ist: Wir sind die geopferte Generation. Wir sind die Generation, die zahlen darf, aber nichts zurückbekommt. Wir sind die Generation, die Probleme lösen muss, die andere verursacht haben. Wir sind die Generation, der man die Zukunft genommen hat.
Und ja, das ist ein Verrat. Ein Verrat an unserer Generation, an unserer Lebenszeit, an unseren Chancen.
Viele von uns haben längst aufgegeben. Wir funktionieren einfach. Wir arbeiten, wir zahlen, wir konsumieren, aber wir glauben nicht mehr daran, dass es jemals besser wird. Und das ist vielleicht das Bitterste: Dass ein Land seine jüngste Generation so weit bringt, dass sie die Hoffnung verliert, noch bevor das Leben richtig angefangen hat.
