LdN475: Arbeitnehmer und Rente

Dann tut aber auch die gesamte Beamtendiskussion nichts zur Sache. Ich wollte wissen, warum sich bestimmte Gruppen aus der gesetzlichen Rentenkasse verabschieden dürfen obwohl sie angestellt sind.

@vieuxrenard hat ausgeführt, dass diese sich ja irgendwann mal selbständig machen könnten, aber das würde für mich als Maschinenbauingenieur ja auch gelten, dennoch ist mir keine Möglichkeit bekannt meine rund 1500 Euro monatlicher Rentenbeiträge statt dessen in einen ETF zu pumpen. Gäbe es diese Möglichkeit, könnte ich als Multimillionär in Rente gehen…

@der_Matti schreib dass das nur für Leute gilt, die ihr Arbeitsverhältnis vor 1995 begonnen haben. Ich habe meine befreundeten angestellten Ärzte bisher nicht wieder getroffen, aber ich hake beim nächsten persönlichen Treffen noch mal explizit nach.

@ThomasAnderson schreibt: ich, als Maschinenbauer sollte diese Möglichkeit der privaten Rentenversicherung ohne gesetzliche Rentenbeiträge nicht haben, denn das würde ja die Rentenkasse aushöhlen…
Aber das ist ein unfaires Zirkelschluss-Argument, denn entweder sollten alle die Möglichkeit haben oder keiner!

Wenn alle implizierten Schulden von Bund, Ländern und Kommunen explizit gemacht würden, wäre die Staatsverschuldung 350% des BIP.

Willst du diese Schulden direkt über die Notenpresse aufnehmen? (Spoiler: geht nicht, weil die BRD keine eigene Währung hat) oder über die Finanz- und Kapitalmärkte? Was glaubst du, welche Zinssätze dann gefordert werden würden?

Nein, das habe ich nicht behauptet. Du hast das Gesetz verlinkt und ich habe es zitiert. Da steht ganz klar „Berufsgruppe“.

Mein Punkt war doch der, dass man in der Sendung nicht einfach stumpf erklären kann, Beamte sollen mit in die GRV einzahlen. Die rechtlichen Voraussetzungen sind völlig andere, das Alimentationsprinzip ist im Grundgesetz verankert und nicht einfach mal eben so weg wischbar und in Folge 431 wurde bereits aufgerechnet, dass es eine Minusrechnung ist.

Wer hier davon erzählt , dass die obersten Gehaltsklassen der Beamten zu viel verdienen, verkennt, dass nur wenige diese Besoldungsklasse erreichen. Das sind Leute die 5-6 Jahre studiert haben und es werden gefühlt Vergleiche zu Kassierern gezogen.

Meine These also:

  1. Wenn in Folge 431 schon Experten in der Sendung sind, die differenziert dass Problem erörtern, kann man wenige Folgen später nicht mit dem Gegenteil und lediglich mit einem Halbsatz drüber bügeln. Das meinte ich mit Platitüde.
  2. Platitüde dieser Art führen das Thema nicht weiter sondern lediglich in Neid-Debatten: “Beamte kriegen gemessen an ihr Gehalt viel mehr als ich.” Genau damit räumt die Sendung 431 eigentlich auf. Umso erschütternder diese Meinung jetzt hier wieder zu lesen.

Dass die Rente reformiert werden muss, unstrittig. Leider wird es an der Selbstverantwortung nicht vorbei kommen. Die Rentenleistung ist schon jetzt Hauptausgabenlast des Haushalts. Meiner Meinung nach geht es schon längst nicht mehr an Grundrente mit Eigenleistung (Vorsorge in Sparpläne insb. ETF) vorbei. Skandinavier machen es vor. Das hätte aber schon vor 20 Jahren gemacht werden müssen. Politikern ohne höhere mathematische Kenntnisse hätte damals schon klar sein müssen, dass die Rente eben nicht sicher ist. Leider regiert man (außer Habeck) aber nur auf 4jahres-Sicht und nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Sollen sich doch die Nächsten um meine Schulden kümmern.

Nochmal: Die Diskussion hier zeigt mir, dass die Platitüde um die Beamten völlig deplatziert und am Thema vorbei war.

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Kannst du die Punkte aus LdN431 vielleicht noch mal wiederholen? Ich erinnere mich nur, dass es mich nicht überzeugt hat. Und ohne die Argumente ist es nur ein Appeal to Authority.

Volle Zustimmung. Sollten abgewickelt bzw. zu Zusatzversicherungen werden. Wird sich aber niemand trauen. Leider.

To be fair: gerade bei der Rente hatte das auch Müntefering (SPD) seinerzeit mit der berüchtigten „Volksschule Sauerland“ erkannt. Aber seine eigene Partei hat das zusammen mit der Union ja praktisch rückabgewickelt.[1]


  1. ↩︎

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… Der Logik zur Folge müssten Frauen höhere Rentenbeiträge zahlen, weil Frauen statistisch die längere Lebenserwartung haben.

Die Rentenversicherung basiert auf einem Punktesystem, worin jeder Punkte erwerben kann. Besserverdienende erhalten mehr Punkte, weil mehr eingezahlt wird. Dadurch erhalten diese einen höheren Anspruch. Man darf hier nicht vergessen, wie hoch der Steuerzuschuss ist, welcher jedes Jahr aus dem Bundeshaushalt an die Rentenkasse geht. Dort findet auch der Vermögensausgleich statt. Die Rentversicherung ist nicht verfassungsrechtlich nicht für eine Umverteilung von Vermögen bestimmt. Das soll und muss zwingend über Steuern geschehen.

Die Basis-Rente würde dazuführen, dass Besserverdienende mehr Guthaben anderweitig anlegen können, wo sie wahrscheinlich mehr Rendite erzielen, als in der Basis Rente. (Siehe Niederlande).

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An der Unlogik, dass Frauen keine höheren Beiträge zahlen müssen, kann man nichts ändern. Das wurde sogar den privaten RV gerichtlich verboten, noch mehr gilt es für die gesetzliche RV. Da Frauen auch nicht systematisch höhere Renten bekommen als Männer (tatsächlich ist das Gegenteil der Fall) ist das auch nicht schlimm. Ärgerlich ist es nur, wenn Besserverdienende, die systematisch eine höhere Lebenserwartung haben, dadurch also schon zu den Gewinnern des Systems gehören, diesen Gewinn dank systematisch höherer Renten auf Kosten der Niedrigrenten mit der geringeren Lebenserwartung noch weiter erhöhen.

Wenn die mit der langen Lebenserwartung auf den freien Markt gehen, um dort private Rentenversicherungen abzuschließen, ist keineswegs gesagt, dass sie da bessere Renditen erzielen. Im Gegenteil: Unsere Gesellschaft ist weitgehend gesättigt. Viel Wachstum bekommen wir nicht mehr hin, entsprechend niedrig werden die Renditen am freien Markt sein. Mehr Wachstum könnten wir nur schaffen, wenn die Besitzenden denen, die weniger haben, einen größeren Anteil am Kuchen gönnen würden. Das tun die aber nicht, die Schere geht eher immer weiter auseinander. Solange das so bleibt, wird das Wachstum immer weiter gegen 0 gehen, und die Renditen am Kapitalmarkt auch.

Außerdem wissen die Privaten Rentenversicherungen, dass hauptsächlich Menschen mit höherer Lebenserwartung zu ihnen kommen, und kalkulieren entsprechend. Also auch von daher: Die Besserverdienenden müssten zur Absicherung ihres Lebensstandards mehr Geld ausgeben, als bisher, die Basisrentner weniger.

Was man befürchten könnte: Die Niedrigverdiener denken so wie Sie, dass die Besserverdienenden von der Basisrente profitieren würden, die Besserverdienen befürchten eher, dass sie das Geld kostet. Dann sind alle unzufrieden. Eine Win-Win-Situation für die AfD.

Disclaimer: Als junger Mann habe ich Anfang der 90er, nach dem Börsenboom-Jahrzehnt in den 80ern mich auch geärgert über die Zwangsversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Nach über 30 Jahren würde ich im Rückblick sagen: Die Rendite in der gesetzlichen Rentenversicherung ist zwar nicht berauschend, aber sie ist sicherer als die am Kapitalmarkt. Und das ist, wenn es an den Übergang in den Rentenbezug geht, ein sehr beruhigender Gedanke.

Wenn wir Politiker hätten, die diese etwas komplexeren Zusammenhänge allgemeinverständlich kommunizieren könnten, dann hätte die AfD nicht so leichtes Spiel. Aber auch von denen, die wenigstens mit Sprache einigermaßen umgehen können, also den Medien, hört man eher platte Parolen, als griffige Analysen von komplexen Problemen.

Ich seh schon, auf mein ursprüngliches Thema habt Ihr keine Lust :smiling_face:

Und den Teil müssen wir denke ich komplett neu denken. Eine Versicherung sollte gerade nicht einen relativen Vermögensstandard absichern, sondern jedem einen „netten“ Lebensabend ermöglichen. Mehr aber auch nicht.

Das funktioniert aber nur wenn der Staat das mit ähnlichen Lebensbedingungen in ganz Deutschland flankiert. Die Sicherstellung von Essen, Trinken, Schlafen Atmen und medizinischer Versorgung sollten meiner Ansicht nach vom Markt ausgeklammert und durch staatliche Eingriffe reguliert werden, so dass man diese eben von einer „Basisabsicherung“ bezahlen kann.

Ich bin in diesem einen Punkt mit Kanzler Merz einig, nur sehe ich nicht wie man so etwas ohne harte Marktbeschränkung erreichen könnte.

Tatsächlich? Welche Meinung hat er denn zu diesem Thema? Wenn er tatsächlich am Äquivalenzprinzip rütteln möchte, würde ich das Zitat gerne schwarz auf weiß bekommen.

Wie zitiert: wir haben hier ein Gewohnheitsrecht für Altfälle. Der Gesetzgeber hat das mittlerweile unterbunden. Ehrlich gesagt weiß ich auch niemand, der gerne in sein Versorgungswerk einzahlt. Grundsätzlich haben sie langfristig die gleichen Probleme wie die Rentenkassen. Nur trifft es da halt durchweg Besserverdienende. Da tut es dann nicht so weh.
Hier noch ein netter Beitrag zu dem Thema:

Prinzipiell wird es ja mit einer starren Beibehaltung des bisherigen Rentensystems nicht funktionieren.
Grundsätzlich ist die Idee einer „Basisrente“, ggf. angepasst an die Inflation, zur Absicherung eines Mindestlebensstandard, nicht völlig abwegig.
Nur braucht es dann verlässliche weitere Standbeine, wie eine „verpflichtende signifikante Betriebsrente“ sowie einen dritten Baustein, den der Arbeitnehmer selbst beeinflussen kann. Ohne dabei Zuviel Risiko eingehen zu müssen oder von Versicherungsgesellschaften übervorteilt zu werden.

Dazu sicher die Grundfrage, wie geht man langfristig auch mit Beamten und deren Pensionen um? Was macht da Sinn?

Ich bin auf die Ergebnisse der Kommission gespannt.

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Grad in der Tageszeitung eine Berechnung gelesenen von Verivox.
Wer zehn Jahre lang auf einer halben Stelle arbeitet und entsprechend weniger sparen kann, hat zum Renteneintritt unter Umständen um die 200.000€ weniger an Vermögen als Jemand, der durchgehend in Vollzeit beschäftigt war und deshalb mehr zurücklegen konnte.

Das betrifft bekanntermaßen vor allem Frauen.

Das kann man in einer Ehe/Partnerschaft absichern, aber bei Scheidung oder Tod des Partners sieht es wieder mau es ggf.

Und oft setzt sich der Minderverdienst ja fort (weiter Teilzeit, weniger Einkommen,…)

Außer Anpassung des Ehegattensplitting hab ich da nicht viel an Reformvorschlägen gehört.

Verivox rät dazu, monatlich 100€ anzulegen.
Muss man aber über haben…

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt man in der Regel aber auch in einer Höhe die mit dem aktuellen Einkommen korreliert ab, von Ausnahmen die wirklich nur einen niedrigeren Lebensstandard absichern mal abgesehen.

Denn wer während er arbeitet mehr verdient hat oft auch ein größeres Haus, teurere Hobbies, etc. und die möchte er vieleicht auch noch nach seiner Rente fortführen.

Das könnte natürlich auch privat stattfinden, aber zu sagen eine Versicherung müsse grundsätzlich nur eine Basis absichern ist nicht richtig. Dazu gibt es genug Beispiele wo es anders ist.

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Aber bist Du in dem Punkt offen für Diskussion? Warum sollte eine staatliche Rente so hoch sein, dass sie einem ehemals gutverdienendem in Rente den Erhalt eines Einfamilienhauses (+ Auto? + Urlaub?) ermöglicht?
Vor allem wenn man am unteren Ende Menschen hat deren Renten nicht mal für die Mieten in vielen Städten reichen wird?

In meiner Vorstellung gäbe es eine Basisrente, die einem ein „netten“ Lebensabend ermöglicht. Er müsste es natürlich flankieren mit günstigem staatlichen Wohnraum.

Die Frage ist für welche Diskussion. Denn einfach die aktuellen Einnahmen zu nehmen und statt der Auszahlung analog zu den erworbenen Rentenpunkten eine Einheitsbasisrente für alle auszahlen wäre in meinen Augen ein absolutes Unding, da die Menschen ja mit den erworbenen Ansprüchen geplant haben und nahe der Rente auch keine Chance mehr haben noch privat vorzusorgen um die Lücke zu schließen .

Weil er für diese Versicherung auch analog seine Beiträge zahlt?

Wenn Basisrente mit Einheitsbetrag, dann muss in meinen Fällen auch eine Deckelung der Beiträge auf diesem Niveau erfolgen. Ansonsten haben wir neben der Einkommenssteuer und der Krankenversicherung nur noch ein weiteres Umverteilungsmodell von der Mitte nach Unten, während die wirklich Reichen mit den hohen Vermögen unangetastet bleiben.

Hier muss man aber auch differenzieren. Ich kenne z.B. einige, gerade aus dem Bereich Handwerk und Gastronomie, die jammern über ihre niedrigen Renten, haben aber während ihrer Arbeitsjahre einiges Schwarz gearbeitet, waren selbstständig ohne Beiträge zu zahlen oder waren im Ausland ohne Beiträge zu zahlen. Dass ausgerechnet die Mittelschicht genau denen dann auch noch die Rente aufbessern muss halte ich für Problematisch.

Ich selbst würde wahrscheinlich von einer solchen Basisrente deutlich profitieren, da ich selbst mit späten Eintritt ins Arbeitsleben (vorher in Startup aber geringfügig beschäftigt ohne Rentenbeiträge) und lange geringem Gehalt wegen Startup und zeitnah nochmal Umschulung sehr wenig Rente bekommen werde. Ich habe aber auch stets vor diesem Hintergrund immer noch eine private Altersvorsorge eingeplant, auch wenn die Beiträge dafür teils nur schwer aufzubringen waren und ich zugunsten dieser Beiträge oftmals auf Dinge verzichtet habe.

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Dann fahre ich es halt Stück für Stück zurück?

Dann bindet man die eben mit ein, im Notfall über Steuern und staatliche Zuschüsse.

Aber warum ausgerechnet überhaupt wieder die Mitte mehr belasten? Und wer soll überhaupt von der Basisrente profitieren? Geht es nur darum Geringverdiener mit vielen Beitragsjahren eine Rente ohne Sorgen zu finanzieren oder soll jeder der eine Rente bezieht von dieser Basisrente profitieren, also auch jene die aus welchen Gründen auch immer (Arbeitslosigkeit, Hausfrau, Teilzeit, Auslandsaufenthalt, Selbstständigkeit, etc.) einfach viel weniger Beiträge gezahlt haben?

Wie oft ließt man von irgendwelchen Showgrößen die dann damit in den Medien hausieren, dass sie ja nur 900 € Rente bekämen. Jeder weiß warum die trotz hoher Einkommen nicht mehr bekommen, aber sollen die dann z.B. 1600 € Rente bekommen, finanziert aus der Mittelschicht, weil die Basisrente ja jedem zusteht?

Wie gesagt verstehe ich es noch wenn wir über Menschen mit fast 50 Jahren Vollzeitarbeit bei niedrigem Gehalt reden, aber nicht bei denen die während ihrer Arbeitszeit keine Beiträge gezahlt haben. Showgrößen und Selbstständige mit Millionenvermögen sind da natürlich nur die Extremfälle, aber auch meine Nachbarin, die auch als die Kinder aus dem Haus waren nur Teilzeit weiter gearbeitet hat, weil das mit Wittwenrente und abbezahlten Haus ja zum Leben reicht und sich jetzt über die niedrige zu erwartende Rente beschwert hat ja ganz bewusst die Entscheidung zu Teilzeit getroffen.

Nur damit ich verstehe über was wir überhaupt reden.

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Wen sonst? Den Mindestlohnempfänger?
Solange keiner die BBMG abschafft wird es schwierig.

Vor allem stellt sich ja die Frage, wer nicht profitieren soll. Das ist der, der relativ gut verdient hat und privat vorsorgen konnte und darum eigentlich so eine hohe Rente gar nicht braucht.

Stichwort Vermögenssteuer & Erbschaftssteuer!

Warum möchtest du mir die Frage nicht beantworten, ob diese Basisrente denn dann auch Leuten zustehen sollte die ganz bewusst die Entscheidung getroffen haben keine Beiträge zu bezahlen?

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Weil ich das nicht beantworten kann. Mir stinkt jetzt schon, dass der selbständige Arzt seine Frau für knapp über Minijob beschäftigen kann und dann die ganze Familie krankenversichert ist. Das ist eine Frage der Ausgestaltung.

Joa. Hab ich geschrieben.