Friedrich Merz wurde für seine Aussage zur Rente, ja von allen Seiten gerügt unter anderem auch von der IG-Metall.
So als Frage: könnte die IG-Metall eigentlich den Rentenspieß einfach umdrehen? Also für ihre eigenen Mitglieder ein Versorgungswerk gründen und sich aus der gesetzlichen Rente verabschieden?
Wenn Ärzte, Anwälte, Architekten Künstler, alle ihr eigenes Ding drehen dürfen, was hindert Facharbeiter und Ingenieure daran, es ihnen gleich zu tun?
Dass einige dieser Versorgungswerke ziemlichen Unfug gebaut haben, weil nicht immer die finanzielle Expertise da war, das Geld gut anzulegen . Da war dann plötzlich einiges Geld weg.
Sinnvoller ist mMn, ein gutes Gesamtsystem zu schaffen. Nicht lauter separate Lösungen nach Berufsständen.
Das hat einen Denkfehler: Ein Versorgungswerk als kapitalgedeckte Rente muss erst mal Jahrzehnte Geld einsammeln, bevor die ersten in Rente gehen können.
Die Gewerkschaften sind heute aktuell aber, auch basierend auf ihrem Mitgliederstamm, eher alt uns fokussieren sich darauf ihre Mitglieder noch bis zur Rente in den Unternehmen zu halten
Die Versorgungswerke sind ebenfalls oft zu einem großen Teil umlagefinanziert. Die Kapitaldeckung löst kaum Probleme der umlagefinanzierten Renten. Der demografische Wandel trifft inländische Kapitaldeckung sowieso gleichermaßen. Dafür bringt die Kapitaldeckung spezifische Probleme mit sich. Aus meiner Sicht ergibt es überhaupt keinen Sinn, den Lebensbedarf von Leuten, die kein Millionenvermögen haben, kapitalgedeckt zu finanzieren. Das ist dann eher ein bisschen Luxus oben drauf, aber nicht gut für die Lebenshaltungskosten.
Die gesetzliche Rente ist bisher für ihre Zecke das beste am Markt. Generell gilt es, glaube ich, nicht, jetzt bei anderen Systemen abzuschauen, die weniger leisten.
Dass Merz seine Aussage vor den Bankenvertretern gemacht hat, würde mich ja nochmal zusätzlich aufhorchen lassen. Die sehr schlechten Rentenreformen der 00er haben ja vorwiegend dabei Nutzen gebracht, Banken und anderen Finanzdienstleistern gute Provisionen für schlechte Finanzprodukte zuzuspielen. Das ist schon beachtlich, dass da ein Kanzler schon wieder die Arbeitnehmer mit privater Altersvorsorge über den Tresen zu ziehen wollen scheint. Mehr Beiträge, nicht mehr Lohn, weniger Rente für gleiche Beiträge, die vom Netto bezahlt werden, wäre keine Lösung zur Vermeidung von Altersarmut.
Ich habe mich gefragt, was Merz eigentlich mit ”Basisabsicherung” meint.
Die Basisabsicherung in Deutschland - und das hat die Union ja noch einmal durch ihre Politik betont, ist die Grundsicherung. Da die Grundsicherung aber ohne vorherige Einzahlung im Prinzip bedingungslos gewährt wird, frage ich mich, welche Höhe die Rente dann als Basisabsicherung haben soll. Der Fairness halber muss es deutlich mehr sein, als die Grundsicherung. Den Lebensstil absichern kann die dann laut Merz aber in jedem Fall nicht. Jemand der als Handwerksgeselle 40 Jahre knapp unter Durchschnitt verdient hat und immer eingezahlt hat, bekommt dann also irgendwas zwischen Grundsicherung und seinem bisherigen, knapp unterdurchschnittlichen Gehalt. Ob da noch ein großer Unterschied besteht, insbesondere wenn man die Wohnkostenhilfe in der Grundsicherung mit bedenkt?
Die Aussage von Merz klingt in meinen Ohren schon fast wie das Eingeständnis, dass die umlagefinanzierte Rente erledigt ist. Ein System, das einen nach jahrzehntelangen Einzahlungen die gleiche Form der Absicherung zukommen lässt, wie die steuerfinanzierte Sozialhilfe ist in meinen Augen am Ende.
Ich würde sagen: Nichts. Es ist Stammtisch-Gelaber.
Bas sagte in der ARD-Sendung Maischberger, sie habe darüber kurz mit Merz gesprochen. Für sie sei nun klar: „Er hat das so nicht sagen wollen.“ In der Koalition habe man das gleiche Ziel. Die Menschen sollten von ihrer Rente leben können.
Das Problem ist, dass gerade im Osten viele nur von der gesetzlichen Rente leben müssen, weil dort nicht genügend verdient wurde und die Betriebsrenten eher selten sind. Dafür braucht es eine Lösung.
Was würde es eigentlich bedeuten, wenn man die Beamten in die Rentenversicherung einzahlen ließ. Mitunter muss der Staat Pensionskosten und Rentenversicherung gleichzeitig bezahlen. Ich glaube, es gibt reale Gründe, wieso da es keine Veränderungen geben wird.
Weil das rückwirkend nicht geht. Für bestehende Beamte muss mit Blick auf das Dienst- und Treueverhältnis das Alterssicherungssystem beibehalten werden.
Bei neuen Beamten wäre eine Umstellung möglich, aber: Beamte sind im Arbeitsleben für den Staat deutlich günstiger als Angestellte. Für Angestellte muss der Staat den Arbeitgeberanteil in die Rentenversicherung einzahlen, was er bei Beamten nicht muss. Dadurch dass die Beamten selbst auch keine Arbeitnehmerbeiträge zur Rentenversicherung leisten müssen, ist ihr Brutto im sogenannten Eckmann-Vergleich reduziert worden. Für das Arbeitsleben des Beamten zahlt der Staat somit 30-50 Jahre nur den vergleichsweise günstigen Sold und keine Sozialabgaben. Dann zahlt er evtl 10-20 Jahre noch 70% vom letzten Sold als Pension. Abseits von Stammtischdebatten weiß das auch jeder Politiker, dass der Staat bei rentenversicherten Beamten üppig drauf zahlt. Deshalb wird da auch nichts passieren.
Zumal die Verbreiterung der Einzahlerbasis das Problem ja nur verschiebt und nicht löst.
Dieses Jahr werden in Deutschland ca. 55,3 Milliarden Euro Dividenden ausgeschüttet. [EY - Deutschland] Bei 21,5 Millionen Rentnern [Statistisches Bundesamt] macht das 2572 € pro Kopf und Jahr, also 214 € im Monat.
Man könnte jetzt noch gegenhalten, dass man ja Zugriff auf den weltweiten Aktienmarkt hat. Das stimmt, aber dann bekommen die anderen halt weniger vom Kuchen.
So funktionieren Kapitalanlagen für kapitalgedeckte Renten nicht. Rentenzahlungen aus kapitalgedeckten Renten werden weitgehend nicht aus Dividenden finanziert.
Vielmehr sparst Du einen Kapitalstock an. Der Vermögenszuwachs erfolgt dann neben Sparleistungen und Dividenden vor allem auch über die Wertsteigerung der möglichst breit gestreuten Aktien in Kombination mit dem Zinseszinseffekt. Einige Jahre vor Renteneintritt ersetzt Du einen Teil der hochdiversifzierten Aktien in sichere Rentenpapiere (Anleihen) (um Dich vor der Fluktuation am Aktienmarkt zu schützen … und dann jedes Jahr wieder) und löst dann Dein Rentenportfolio Monat für Monat auf, um davon zu leben.
Und hier noch der Disclaimer: Mein persönlicher Rentenanspruch aus der gesetzlichen Rentenversicherung liegt nach letzter Rentenauskunft etwas über 3000€ und dazu kommt noch die Betriebsrente aus der Versicherungsanstalt des Bundes und der Länder (vbl) von 1000€. Ich gehöre also zu denen, die von dem gegenwärtigen System massiv profitieren - jedenfalls wenn ich meine statistische Lebenserwartung realisiere. Aber bei bisher zwei deutlich über 100-jährigen unter den Großeltern (die Eltern arbeiten daran, gleichzuziehen) stehen die Chancen nicht so schlecht. Für eine private Rentenversicherung wäre ich dagegen ein “schlechtes” Risiko. Da gibt es nur Beitragsnachlass, wenn man den Alkohol- und Nikotinumsatz glaubhaft nachweisen kann. Noch besser wären härtere Drogen, aber da hülfe nur der Nachweis über entsprechende Einträge im Strafregister. Beim Kauf bekommt man keine verwertbaren Quittungen.
Eine Lösung würde ich noch gerne hinzufügen: Wenn wir heute schon diese Einheitsrente hätten, könnte sie bei gleichem Beitragssatz höher sein, als was ein Rentner mit diesem Beitragssatz heute bekommt. In der heutigen angespannten Situation könnte die Einheitsrente nur ein Entlastungsbeitrag sein, und er würde nicht schnell wirken, weil heutige Rentner ihre Ansprüche mit hohen Beiträgen erworben haben, die man ihnen nicht nehmen kann. Aber perspektivisch würde die Einheitsrente sowohl das gesetzliche Rentensystem als auch den Staatshaushalt entlasten. Wer eine lebensstandardsichernde Rente haben will, muss dann alles, was er über die Basisrente hinaus haben will, privat versichern. Eine Möglichkeit wäre sicher der Staatsfonds, der als Ersatz der Riesterrente geplant ist. Dann entfielen immerhin die hohen Provisionen der Versicherungsvertreter.
Für die oberen Lohngruppen wird es trotzdem teurer, die unteren Lohngruppen müssten halt schauen, ob ihnen dreimal im Jahr Malle wichtiger ist, als eine höhere Rente im Alter.
Mir ist sowieso nicht klar, warum ausgerechnet SPD und Gewerkschaften gegen eine Basis- (Einheits?-) Rente sind.
Es ist doch so: Die gesetzliche Rentenversicherung mit ihrer beitragsbezogenen Rente ist ein gewaltiges Umverteilungssystem von unten nach oben, und das aus zwei Gründen:
Leute, die mehr verdienen, haben eine höhere Lebenserwartung und holen deshalb mehr raus aus der Rente als Leute mit geringer Lebenserwartung.
Leute die mehr verdienen, bekommen wegen der höheren Beiträge ihre Rente nicht nur länger, sondern es sind auch noch höhere Renten, die sie länger bekommen. Bezahlen tun das die, die früher sterben - “sozialverträgliches Ableben” nennt das der Zyniker.
An der ersten Ungerechtigkeit ist schwer etwas zu ändern. Da müssten sich die Menschen besser ernähren und weniger Suchtmittel wie Alkohol und Nikotin konsumieren.
Aber die zweite Ungerechtigkeit wäre man los, wenn die oberen Lohngruppen wenigstens nicht auch auch noch höhere Renten bekämen.
Ich glaube die Gegner der Einheitsrente sind in eine Analogiefalle geraten: Bei der gesetzlichen Krankenversicherung gewinnen tatsächlich die unteren Lohngruppen, weil es für für niedrigere Beiträge die gleichen Leistungen gibt. Deshalb glauben sie, bei der Rente wäre es genauso, wenn die oberen Lohngruppen ordentlich Beiträge zahlen. Die bekommen diese Beiträge aber mit hoher Rendite wieder zurück, während die niedrigen Lohngruppen sie mitbezahlen.
Kapitaldeckung ist mehr als Aktien halten. Aber bei Aktien zeigt sich das Problem ja schön. Wenn ich meinen Kapitalstock verkaufen muss, um meine Lebenshaltungskosten zu bestreiten, dann ist ja nach oben begrenzt, wieviel ich verkaufen kann. Idealiter hat mein Kapitalstock eine Wertsteigerung erfahren. Aber die Wertsteigerung von Aktien wird ja durch nichts als die Dividendenerwartung der am Verkauf beteiligten substantiert. Daher spielen die Dividenden schon eine erhebliche Bedeutung für ein kapitalgedecktes System. Insoweit es auf dem Verkauf von Aktien beruht, lebt es von den Einzahlungen in den Kapitalmarkt der Anleger.
Die privaten Verträge sind ja sehr oft je eingezahltem Euro schlechter gelaufen als die gesetzliche Rente. Die Rendite ist deutlich höher, als das, was sich bei den meisten privaten Versicherungen aus dem Garantiezins ergibt. Eine ganze Reihe Studien zeigt, dass meistens kaum mehr als der Garantiezins herausgesprungen ist. In meinem Beruf habe ich auch viel mit Rentnern zu tun, die denselben Eindruck von ihrer privaten Versicherung berichten; insofern entspricht das auch meiner persönlichen Erfahrung. Die Rendite der gesetzlichen Rente ist höher als das, obwohl von den Rentenbeiträgen noch die versicherungsfremden Leistungen zu einem Teil getragen werden. Dass der Zuschuss des Bundes zur gesetzlichen Rentenversicherung geringer ist als diese Leistungen, kann man unter anderem beim Bundesrechnungshof nachlesen.
Dass meine Aussage als steile These wahrgenommen wird, liegt an der voreingenommenen Berichterstattung. Bestimmte Ökonomen lieben Kapitaldeckung offensichtlich aus ideologischen Gründen und werden viel gehört. Aber haben Sie schon mal Zahlen gefunden, die bestätigen, dass sich Kapitaldeckung für den Lebensbedarf lohnt?
Es gibt aber auch Gründe, warum dieses Ergebnis eigentlich überhaupt nicht verwundern kann. Sowohl bei der Umlagefinanzierung als auch bei der Kapitaldeckung muss die Auszahlung aktuell aus dem Wirtschaftskreislauf bestritten werden. Kapitaldeckung ist keine magische Geldvermehrungsmaschine. Geld kann nur von Staaten durch Ausgaben und den Banken durch Kreditvergabe vermehrt werden. Bei der gesetzlichen Rente wird das Geld von Lohnzahlungen genommen, bei der Kapitaldeckung wird bei anderen Geschäften angesetzt, seien es Zinsen eines Unternehmens oder dessen Gewinne oder andere Vorgänge. Staatszinsen sind zwar auch darunter, insofern neu geschaffene Geld, die Staaten geben aber weniger Zinsen aus, als sie Steuern einnehmen, von daher ist der Effekt vergleichbar.
Am Ende geht es darum, wie die jeweiligen Systeme mit Krisen umgehen. Die Schwankungen am Arbeitsmarkt sind deutlich geringer als die an den Kapitalmärkten. Wenn das Kapital zur Deckung des Lebensbedarfs verwendet werden soll, kann ich es nicht einfach für einige Monate oder Jahre unangetastet liegen gelassen werden. Das kann in der Krise zum Substanzverzehr führen. Dass ich darauf nicht verzichten kann, heißt, dass ich großen Aufwand betreiben muss, um mich gegen diese kurzen Zeiträume abzusichern. Das kostet. Und über die hundert Jahre, in denen die beiden Systeme parallel laufen, hat sich die Umlagefinanzierung bewährt. Der Streit ist so alt wie das Rentensystem. Der demografische Wandel ändert daran nichts.
Es ist eine einfache finanzmathematische Rechenaufgabe, welche Beiträge ich bei einer gegebenen langfristigen Rendite monatlich sparen muss, um ab einem bestimmten Tag des Renteneintritts noch bis zu einem erwarteten Alter meinen gewünschten Lebensstandard durch Kapitalaufzehrung aufrecht zu erhalten. Ja, dann lebst du mit dem Risiko, dass Du älter wirst als Du kalkuliert hast. D.h., Du deckst das sog. Langlebigkseitsrisiko nie zu 100%. Aber das Leben ist nun mal voller Risiken, mit denen v.a. wir Deutschen oft sehr schlecht umgehen können.
Die privaten Rentenversicherungen mit Garantiezins oder Mindestrendite sind nicht die Prototypen der kapitalgedeckten Altersssicherung, sondern deren schlechtesten Alternativen. Tatsächlich sind die Rendite solcher Anlagen wenigstens nicht besser als die Rendite der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Die Rendite der GRK - die liegt irgendwo zwischen mickrigen 3 und 4,5%. Und angesichts der generationallen Bevölkerungsverschiebungen wird dies eher schlechter als besser werden.
Noch so eine steile These. Ich bin Ökonom, aber „liebe“ nicht Kapitaldeckung, sondern halte sie mit guten Gründen für überlegen gegenüber einem Umlagesystem, in dem immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen, die immer älter werden. Ein sehr breit diversifiziertes Aktienportfolio macht seit Mitte des 19. Jahrhundert im langfristigen Durchschnitt zwischen 7 und 8% Rendite - doppelt so viel, wie die GRV. So etwas aufzubauen, war vor 20, 30 Jahren noch aufwändig und ohne teuere Finanzdienstleister kaum möglich. Heute könnte man das sogar selbst machen, aber man findet auch Finanzdienstleister, die das für einen für einen überschaubaren Beitrag an der Rendite übernehmen. Dafür benötigt man gar keine besonderen Produkte - die gibt es längst zu absolut überschaubaren Kosten.
Das Hauptproblem, dass ich sehe, ist, dass sich sehr viele Menschen die notwendigen Sparleistungen gar nicht leisten können bzw. wollen, wenn sie ihnen nicht, wie die GRV, zwangsweise direkt vom Lohn bzw. Gehalt abziehen würde. M.a.W.: Würde man es den Menschen freistellen, ob sie für die Alterssicherung sparen und, wenn ja, ob in Umlageversicherung oder in Kapitalstock: Die meisten würden gar nicht oder sehr viel weniger sparen.
Aus diesem Grund bin ich für eine Zwangsversicherung. Und zwar eine, die vom Staat, also ohne Profitinteressen, organisiert wird (wie z.B. in Schweden). Wenn den Menschen dann freigestellt werden, ob sie in ein Umlageverfahren (bei 3-4,5% Rendite) oder in ihren eigenen Kapitalstock (bei 7-8% Rendite - in Schweden sind es sehr viele mehr) einzahlen: Wofür würden sich die meisten Menschen entscheiden?
Stimmt. So was hat niemand behauptet. Strohmann. Kapitaldeckung ist die Teilhabe am produktiven Kapitalstock der globalen Volkswirtschaft. Solange der wächst (ich seh schon, wie an dieser Stelle auf den Antwort-Button geklickt wird: Wachstum! Gaaaanz schlimm! - das Fass mache ich aber an dieser Stelle nicht auf), ist das Kapitaldeckungsverfahren in Volkswirtschaften, der Bevölkerungen nicht mehr wächst, immer überlegen.