Im Grunde wäre die Idee ja, das alle Vollzeit arbeiten und so voll in die Rentenkasse einzahlen, damit auch auskömmliche Rentenansprüche erwerben.
Hieße etwas weiter gedacht, das die Entscheidung, Kinder zu bekommen im wesentlichen davon abhängt, ob das mit einer Vollzeittätigkeit in Einklang zu bringen ist.
Wenn nein, verzichtet man zugunsten einer guten Rente auf Kinder.
Wieviel Politikverdrossenheit (und das völlig berechtigt) willst du schaffen, wenn du für Menschen im Alter 50+x auf einmal die Spielregeln ihrer Altersvorsorge komplett änderst, auf die diese sich verlassen haben?
Die Politik hatte die Probleme, die uns jetzt in den nächsten Jahren ereilen erkannt und unter Schröder und Müntefering auch sinnvoll angegangen. Die schrittweise Einführung der Rente mit 67, ein Abschmelzen des Rentenniveaus durch den Nachhaltigkeitsfaktor begleitet von der staatlich geförderten privaten Vorsorge über Riester/ Rürup-Verträge. Sicher nicht alles ideal (gerade die Renditen) aber langfristig für jeden sichtbar und planbar. Jeder konnte auf diese Veränderungen noch reagieren, jedem wurde die Bedeutung der privaten Vorsorge deutlich gemacht.
Dann hat (insbesondere die SPD) diese sinnvollen Elemente teils rückabgewickelt, z.B. durch das Aussetzen des Nachhaltigkeitsfaktors, diversen Haltelinien und der Rente mit 63. Für viele Menschen ein Zeichen, die Lage ist nicht so ernst, alles kann weitergehen wie bisher.
Und nun 5 Minuten vor der Angst sollen die Menschen tiefgreifende Veränderungen im Rentensystem, auf die sie nicht mehr reagieren können, akzeptieren, nur weil die Politik nach Schröder gegen die Mathematik regiert hat?
Nicht mehr als damals, als die Rente Stück für Stück steuerpflichtig wurde, was ja faktisch eine Rentenkürzung ist. Wurde alles ja schon mal durchgespielt.
Warum?
Wer unter der Mindestrente ist, bekommt Grundsicherung. Irgendjemand wird es immer zahlen müssen, wenn wir Menschen nicht auf der Straße verhungern lassen wollen.
Die Grundsicherung kommt aber aus Steuergeldern und damit überproportional auch von den sehr reichen und sehr hohen Einkommen. Eine Umverteilung der Rente von mittleren bis moderat höheren Einkommen hin zur Basisrente wäre dagegen eher das Gegenteil. Wie gesagt ist ja auch nicht jeder der eine niedrige Rente bezieht bedürftig im Sinne der Grundsicherung, sondern da sind auch Selbstständige dabei die statt Rentenbeiträge eben Eigentumswohnungen bezahlt haben. Da macht eine höhere gesetzliche Rente dann im Sinne einer Gerechtigkeit doch gar keinen Sinn.
In erster Linie bleiben die, die lange bei niedrigem Lohn gearbeitet haben und deshalb unter oder auf Niveau der Grundsicherung liegen. Hier wäre ich offen für eine Mindestrente die aber im Optimalen Fall durch einen Steuerzuschuss bewerkstelligt wird.
Die Rente wird auch jetzt noch Stück für Stück steuerpflichtig. Der Übergang zur nachgelagerten Versteuerung ist 2058 abgeschlossen. Im Gegenzug wurden schrittweise die Beiträge für die Altersvorsorge steuerfrei gestellt, du kannst heute schon 100% deiner Rentenbeträge absetzen.
Daher verstehe ich das Beispiel auch nicht ganz, wenn du die langen Fristen anschaust, über die wir sprechen, kann man hier glaube ich nicht von einem kurzfristigen starken Eingriff sprechen. Da sind Forderungen, die jetzt herumgeistern wie die Aufhebung des Äquivalenzprinzips (was du ja auch befürwortest) oder Renteneintritt nach Beitragsjahren statt nach Alter schon eine andere Hausnummer.
Aber wenn alle im selben Boot sitzen werden vielleicht auch mal Lösungen erarbeitet und nicht nur Kürzungen für Jüngere. Derzeit haben wir zu viele künftige Pensionäre im Bundestag und zu viele, die sich sonst wie aus der Solidarität verziehen. Das ist seit Jahren sozialer Sprengstoff, dass manche übermäßig beschenkt werden im Alter, werden andere polemisch gesagt Falschen sammeln sollen.
Eigentlich 50%. Den Rest setzt mein Arbeitgeber ab. Die Rente versteuere ich dann voll.
Ich habe kein Problem damit, die Rente an Vollzeitäquivalenten festzusetzen. Warum Gehalt und nicht Arbeitszeit? Wichtig ist, dass der Bestandsschutz gewahrt wird. Damit löst man auch das Problem derer, die keine Zeit hatten vorzusorgen.
Wer doppelt so viel wie die Beispielpersonen verdient muss nur halb soviel arbeiten, um die gleichen Rentenansprüche erwerben zu können.
Du kannst über die Rente nicht zur Vollzeitarbeit motivieren, wenn die Höhe des Gehalts den Maßstab setzt.
Aber die politische Forderung ist doch erstmal, das alle, besonders Frauen, möglichst Vollzeit arbeiten sollen, um keine „Rentenlücken“ zu haben.
Die Höhe des Gehaltes war dabei nie wirklich Thema.
Natürlich kann ich 45 Jahre Vollzeit arbeiten und trotzdem hinterher knapp am Existenzminimum sein.
Deswegen sind diese Beispielrechnungen (die ich nur zitiert habe) immer sehr plakativ
Absolut korrekt. Über die Umverteilung von Arm zu Reich wird viel diskutiert, über die durch unser gerontokratisches System befeuerte Umverteilung von Jung zu Alt deutlich zu wenig.
Auch Argumente wie “mit einer kapitalgedeckten Alternative hätte man vor 30 Jahren anfangen müssen” führen in meinem Kopf immer nur dazu, dass ich mich frage, weshalb ich jetzt jedes Jahr 4% Rentenerhöhung für die Babyboomer finanzieren soll, die eben dieses Versäumnis zu verantworten haben.
Aus meiner (sicherlich recht radikalen und durch meine Zugehörigkeit zur Gen Y geprägten) Sicht gibt es hierfür eine einfache Lösung: 30% Rentenkürzung durchsetzen und das Geld in eine zukunftsfähige, demographieunabhängigere und vor allem generationenübergreifend faire Kapitaldecke umleiten.
So bezahlen die Babyboomer nachträglich für ihr politisches und gesellschaftliches Versagen, anstatt über ihre demographische und somit auch demokratische Mehrheit das restliche, jüngere Volk in finanzieller Geiselhaft zu halten und bis zum Schluss auszuquetschen.
Wenn’s nach mir ginge, würde das für alle gelten. Pauschale Kürzung der umlagefinanzierten Rente zu Gunsten einer kapitalgedeckten zweiten Säule. Wenn man das Thema mit großen Schritten angeht, dauert es eben auch nur entsprechend geringe Zeit bis ein relevantes Polster angehäuft ist und man mit der Entnahme beginnen kann. Generell bin ich (und viele jüngere Menschen) der Ansicht, dass ein Ende mit Schrecken besser ist als ein Schrecken ohne Ende.
Als jemand der noch 5-10 Jahre bis zur Rente hat, muss man dann selbst schon einiges investieren in der knappen verbleibenden Zeit, um -30% zu kompensieren.
Das bei der Tatsache, das man diesen Leuten ja mal zugesagt hat, das sich Arbeiten und die damit verbundenen Rentenbeiträge halbwegs auszahlen.
Ich weiß auch keine Lösung, aber das klingt bissl wie „wir kürzen alle Löhne um 30% um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und Arbeitskosten zu senken“.
Könnte man nicht so eine Art „Schuldenschnitt“, Freikauf, oder Sondervermögen III machen?
Der Staat nimmt einen Kredit für eine Bazillion auf, der in einem weiterem parallel zum Bundeshaushalt liegendem zweckgebundenem Sonderschuldentopf liegt.
Die Boomer dürfen sich ein vom Jahrgang abhängiges „Startkapital“ abrufen und in ein Altersvorsorgeprodukt ihrer Wahl stecken. Je weiter weg sie noch von der Rente sind ist das Kapital kleiner, weil man Zinseszinsen und private Beiträge vermuten darf.
Keine staatlichen Sicherheiten dahinter, wenn die Bank, Immobilie, Kryptowährung dahinter hopps geht, dann ist das Geld halt weg und die Altersarmut da.
Im Gegenzug wird die Rente hart auf eine „Basisabsicherung“ geswitcht, Fremdleistungen wie Mütterrente, etc. vom Bund und nicht von der Rentenkasse gezahlt und die jüngeren bekommen im Gegenzug eine gesetzliche Pflicht für eine Betriebsrente, für alle Betriebe ab dem ersten Angestellten.