Das VZB ist die berufsständische Versorgungseinrichtung der Zahnärzt:innen im Raum Berlin, Brandenburg und Bremen.
Es stellt Renten-, Berufsunfähigkeits-, Hinterbliebenenrenten sowie weitere versorgungsrechtliche Leistungen für seine Mitglieder bereit.
Das VZB rechnet derzeit mit einem Verlust in Höhe von rund 1,1 Milliarden Euro.
Ursprünglich betrug das Anlagevermögen etwa 2,2 Milliarden Euro — das heißt: fast die Hälfte des Vermögens könnte weg sein.
Als Ursache nennt das VZB eine problematische und riskante Anlagepraxis der vergangenen zehn Jahre — etwa Beteiligungen an Unternehmen, Start-ups oder Immobilien, oft mit unzureichender Sicherung und hoher Risikobelastung.
Beispiele:
1. rPlanet Earth – US-Plastik-Recycling-Start-up
2. EV Digital Invest AG – Crowdinvesting/Immobilien-Finanz-Plattform unter der Marke Engel & Völkers
3. Beteiligungen an luxuriösen Hotel- und Resort-Immobilien (z. B. auf Ibiza, Sardinien, Schottland)
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Verantwortlich für die Anlagen ist der VZB-Verwaltungsausschuss, üblicherweise sind dort Zahnärzt:innen tätig, die diese Aufgabe der jährlichen Anlage der Gelder in Millionenhöhe ehrenamtlich durchführen.
Ganz unschöne Entwicklung für die Berliner Zahnärzte. Ich selber bin auch eher unglücklich darüber ins Versorgungswerk gezwungen zu werden. Die Probleme der demographischen Entwicklung werden auch die Versorgungswerke ganz schön in Bedrängnis bringen ohne dass der Staat hier mit Steuergeldern einspringen wird. Gleichzeitig werden 1/3 meiner Steuerzahlungen für die Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung verwendet.
Bitte auch den Link von @JuttaK zum RBB beachten. Der ist aktueller, als der von mir. Dort wird vor Allem ein Schreiben der betroffenen Zahnärzte an das Bundes-Gesundheitsministerium erwähnt:
Der Duktus des Schreibens, das rbb 24 Recherche vorliegt, ist dramatisch. „Eindringlich“ wird die Ministerin „ersucht“, die Kontrolle über das in finanzielle Schieflage geratene Versorgungswerk zu übernehmen. Außerdem brauche es dringend ein „Sondervermögen des Bundes“, um den „eingetretenen Schaden auszugleichen und die Funktionsfähigkeit der Einrichtungen dauerhaft sicherzustellen“.
Des weiteren ist von „Systemkollaps“ die Rede. Wenn die Altersversorgung Tausender Zahnärzte nicht vom Bund gesichert werde, drohten „massive Abwanderungsbewegungen insbesondere junger Zahnärztinnen und Zahnärzte“. Damit, so heißt es weiter, „stünde die Sicherstellung der ambulanten Versorgung ernsthaft infrage“.
Ich weiß nicht wirklich, was ich davon halten soll.
Der Hinweis oben auf die staatliche Unterstützung der Rentenzahlungen ist zwar nicht völlig falsch. Andererseits entlasten die Rentenzuschüsse auch die Arbeitgeber zugunsten deren Wirtschaftlichkeit und gleichen Versicherungs-fremde Leistungen aus, wie die Mütterrente, die auch Versorgungswerk-Versicherte erhalten können, ohne jemals in die Rentenkasse eingezahlt zu haben. Außerdem profitierten Versorgungswerk-Versicherte im Allgemeinen von höheren Altersbezügen, die sie in der Rentenversicherung wohl nicht bekommen würden, nehmen aber dafür das System-bedingte, finanzielle Risiko einer Kapitalgedeckten Altersvorsorge in Kauf.
Gerade das letzte Argument aus dem RBB-Zitat, die Warnung vor Abwanderung, finde ich allerdings etwas fragwürding. Teil der öffentlichen Rechtfertigung für die guten Einkommen der Ärzte ist immer auch die hohe Verantwortung, die dieser Berufsstand trägt.
Dazu passt es meiner Meinung nicht wirklich, den Forderungen nach staatlichen Hilfen mit einer Drohkulisse der ärztlichen Unterversorgung Nachdruck zu verleihen.
Das ist ja keine aktive Drohung, die Unterversorgung resultiert aus der drohenden Unattraktivität der entsprechenden Bundesländer durch die nun bekannte Schieflage des Versorgungswerkes. Welcher junge Zahnarzt wird denn jetzt noch freiwillig in Berlin/Brandenburg/Bremen arbeiten, wenn man in einem beliebigen anderen Bundesland mit den gleichen monatlichen Rentenbeiträgen eine deutlich(!) höhere Rente erreichen kann? Gleichzeitig verschärft das natürlich die Probleme des Versorgungswerkes nur noch weiter.
Aus dem RBB-Link schreibt ein betroffener Zahnarzt von seinen konkreten Zahlen:
Der momentane „Regelbeitrag“ für selbstständige Zahnärzte beträgt 1529,50€/Monat - ab Januar werden es 1605,50€/Monat! Bis zum Renteneintritt werde ich ca. 650.000€ eingezahlt haben - erwartete Rente im Jahr 2047 3100€/Monat (Stand 2023) - jetzt sind wahrscheinlich 70-80% weg, dementsprechend Rente in Höhe von 1000-1500€/Monat!
Eine Lösung wird allerdings schwierig. Politisch wird kaum jemand daran interessiert sein hier Steuergelder reinzusetzen (auch wenn ich das angesichts der Zuzahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung am fairsten fände). Der große Wurf wäre vielleicht die Eingliederung aller Versorgungswerke in die DRV.
Was mich stört: wenn die Investition funktioniert hätte, hätte sich jeder gefreut und einen Haken dran gemacht. Nun hat es nicht geklappt und der Staat darf einspringen.
Gewinne werfen wieder mal privatisiert und Verluste verstaatlicht.
Und zu den Zuschüssen: das ist halt leider eine UrbanLegend. Der Staat stützt da gar nichts, sondern entschädigt Fremdleistungen, die er nie über die Rente hätte abrechnen dürfen.
Und mit der Mütterrente2 steht das nächste Projekt schon in den Startlöchern. Die Politik kann die Kosten heute schon nicht quantifizieren und wird das auch in Zukunft nicht können, geschweige denn gerecht mit der DRV abrechnen.
Ich denke, da sollte man jetzt auf Solidarität pochen. Die Versorgungswerke der Zahnärzte aus anderen Bundesländern sollten dem in Not geratenen helfen.
Okay, das hätte ich mich vlt. detaillierter schreiben sollen. Meine Kritik an dem Argument der drohenden Untervorsorgung ist, dass sich hier auf die Absolventen bzw. Berufsanfänger berufen wird. Diese haben aber natürlich noch gar nicht oder nur sehr wenig in das Versorgungswerk eingezahlt. Um für diese angehenden bzw. anfangenden Ärzte die Attraktivität sicherzustellen, würde es reichen, wenn man dafür Sorge trägt, dass deren Altersvorsorge in Zukunft nicht noch einmal so „verzockt“ werden kann. Dafür gäbe es diverse Möglichkeiten.
Von dem vorgeschlagenen Einspringen des Staates (engl. „Bailout“) zu Schulden-Übernahme profitieren aber vor allem die langjährigen Versorgungswerk-Mitglieder, von denen bereits sehr viel Geld durch das Versorgungswerk angelegt war.
Das wichtigste Gegenargument ist aber, dass durch so eine Bailout-Maßnahme die notwendigen Konsequenzen aus einer zu risikofreudigen Anlagestrategie eines Versorgungswerkes ausbleiben und man damit andere Versorgungswerke motiviert, auch solche Risiken einzugehen.
So bitter es auch ist, aber die Konsequenzen müssen die Ärzte jetzt tragen, wie jeder andere auch, der sich mit Investments verzockt.
Es stand den Ärzten überdies ja frei, sich nicht von der Pflichtversicherung in der Rente befreien zu lassen und darüber eine zweite, staatlich garantierte Rente zu bekommen. Und ich kann mich auch nicht erinnern, dass die Kammerberufe schon mal eine größere, öffentliche Debatte über die Abschaffung der Pflichtversicherung in den berufsständischen Versorgungswerken geführt hätten.
MWn sind Vorsorgewerke doch kapitalgedeckt. Wieso sollte sich der Anlagefehler substanziell auf eine Rente auswirken, deren Besparung jetzt erst begonnen wird?
Die Rentner müssen aber doch auch nicht die Konsequenzen tragen, dass die DRV ihr Geld unsachgemäß für die Rente mit 63 verpulvert hat und das gesamte Konstrukt über Jahre (trotz regelmäßigen Warnungen!) nicht an die zu erwartende demographische Entwicklung angepasst wurde. Wie rechtfertigt man denn einen solchen Doppelstandard?
Das ist halt das Äquivalent zu “Hättest du halt zusätzlich privat vorgesorgt…”. Naja.
Die allermeisten Versorgungswerke arbeiten nach einem Mix aus Kapitaldeckung und Umlageverfahren, dem sog. offenen Deckungsplanverfahren, weswegen die Versorgungswerke auf einen Zustrom neuer Mitglieder angewiesen sind. Deswegen kommst du leider auch nicht aus deinem Versorgungswerk raus.
Laut Medienberichten von Focus, Capital und ntv soll das VZB ab 2013 – in der Phase niedriger Zinsen – in rund zwei Dutzend Start-ups aus verschiedenen Branchen investiert haben. Dazu seien noch Beteiligungen an Immobiliengesellschaften, Fonds und Projektentwicklungen sowie Hotels und Resorts, unter anderem auf Ibiza, Sardinien und in Schottland dazugekommen sowie die Beteiligung an einem inzwischen insolventen Versicherungsunternehmen. Auch andere Firmen, an denen das VZB beteiligt gewesen sein soll, sollen inzwischen insolvent oder in finanziellen Schwierigkeiten sein. Das VZB selbst bestätigt riskante Investments. Konkrete Details hat das Versorgungswerk bislang aber nicht öffentlich gemacht.
Was war denn los bei denen? Das ist ein Versorgungswerk nicht der Wolf of Wallstreet.
In der Marktphase von 2013 bis 2025 das eigene Investment zu halbieren, war wortwörtlich schwieriger als Geld zu verdienen. Und das dann auch noch auf Pump bzw. Kredit… unglaublich.
Zum Vergleich die Rendite des MSCI-World seit 2013:
Mich würde generell interessieren, wie Versorgungswerke überwacht werden und was passiert, wenn es ein Versorgungswerk aus der Kurve trägt. Wenn die Versorgungswerke nur durch ihre Mitglieder im Rahmen der Selbstverwaltung überwacht werden, dann dürfte es noch interessant werden. Vielleicht ein Thema für die Lage?
Diese Vorfälle sind Wasser auf die Mühlen derer, die „mit der Rente nicht zocken wollen“ und diskreditiert einen - zumindest teilweisen Wechsel - zu einer Kapitaldeckung bei der Rente.
Wenn bei einem Versorgungswerk mit öffentlichen Gelder eingesprungen werden muss, hoffe ich, dass die Renten wenigstens gedeckelt werden, z. B. auf das was bei der DRV ausgezahlt würde, Gerade wenn die Satzung nicht angepasst wurde, gibt es sehr großzügige Versorgungen, gerade auch für die Hinterbliebenen.
Ein einfaches ETF-Investment hätte sich vermutlich deutlich mehr ausgezahlt. Für die gewerbliche Altersversorgung ist das jedoch komplizierter: Sie darf nur in sehr begrenztem Umfang am Aktienmarkt oder in Aktienfonds investieren, wie ich leider selbst erfahren musste. Mein privater Altersvorsorgefonds bei der Ergo verzeichnete in diesem Zeitraum ebenfalls Verluste, da er nicht ausreichend in die renditestarken Bereiche investieren durfte. Stattdessen überwogen sichere Anlagen wie Staatsanleihen oder Immobilien, die jedoch unter der Inflation litten. Hinzu kamen die Negativzinsen. So stand mein Fonds 2013 bei 32 € und Anfang 2020 (vor Corona) nur noch bei 29 €. Im Gegenzug fiel der Fonds während Corona oder zur Invasion der Russen in der Ukraine aber fast gar nicht.
Egal, nach einem Gespräch mit einem Geschädigten vermute ich, dass das Versorgungswerk in einem Dilemma steckte: Einerseits war die Marktsituation aufgrund der strengen Reglementierung der Altersvorsorge in Deutschland schwierig. Andererseits wollte man mit den wenigen Spielräumen dennoch respektable Gewinne erzielen. Deshalb wurde der spekulativ einsetzbare Anteil sehr risikoreich investiert, mit dem Ergebnis, dass Gelder verzockt wurden. Anschließend versuchte man offenbar, die Verluste zu kaschieren und ging noch riskantere Geschäfte ein, um sie wieder auszugleichen. Wie im Casino endete das meist im Desaster und verschärfte die Probleme nur weiter.
Das Problem hier war eindeutig, dass der zockende Verwaltungsausschuss nicht ausreichend kontrolliert war. Auch die Berliner Senatsverwaltung, eigentlich zuständig für die Kontrolle des Versorgungswerks räumt mittlerweile ein, dass das Investitionsumfeld es den Versorgungswerken zunehmend schwer gemacht habe Gewinne zu erwirtschaften. Deutschlandweit hätten die Versorgungswerke daher zunehmend riskantere Anlageprodukte nutzen müssen. Der abgesetzte Verwaltungsausschuss verweist darauf, dass von der Aufsicht nie Einwände zur Anlagestrategie eingegangen wären.
Auf mich wirkt es als hätten wir ein strukturelles Problem gehabt, das jahrelang sträflich ignoriert wurde. Wir haben zum Zwecke der Eurostabilisierung riesige Summen ins System gepumpt, um Inflation zu erzeugen. Gleichzeitig haben wir stark reglementierten Kapitalbereichen aber kaum Möglichkeiten zur legalen und renditekräftigen Investion ermöglicht. Und dann versagt auch noch die Aufsicht, die fehlerhaftes Verhalten verhindern sollte.
Meinetwegen kann man das VZB Verstaatlichung, alle Assets an die GRV übertragen, künftig alle Zahnärzte in Berlin pflichtversichern und den Zahnärzten 80% einer Rente auszahlen, als wären sie versichert gewesen.
Kann ja wohl nicht sein, dass man jetzt die Verluste privatisieren will… aber natürlich wundert es mich nicht…
Was ja jedem gesagt wird, der in der GRV ist. Drei Säulen und so…
Das war ja nicht die DRV, die ist ja nur eine Behörde und darf so etwas wie die „Rente mit 63“ gar nicht entscheiden. Das machen die Politiker.
Natürlich „baden“ die Rentner das auch mit aus, denn schließlich sinken seit Jahren die Renten bezogen auf das letzte Einkommen.
Die Rente mit 63 steht seit Jahren in der Kritik und könnte demnächst wieder abgeschafft werden.
Hier sehe ich dementsprechend auch keinen Doppelstandard.
Stimmt.
Aber diesen Spruch müssen sich gesetzlich Renten-Versicherte ja auch ständig anhören. Nur das privat vorsorgen mit für Viele mit großem persönlichem Aufwand und auch Risiko verbunden ist. Man muss ich über Aktien, Fonds usw. informieren um eine fundierte Entscheidung über sein Geld treffen zu können. Das Riester-Debakel zeigt ja überdeutlich, was da so schiefgehen kann.
Demgegenüber ist die Mitgliedschaft in der DRV ohne Aufwand möglich. Es hat halt gewisse andere Nachteile, das will ich auch gar nicht komplett verneinen, aber die „mutet“ man den Pflichtversicherten ja auch problemlos zu.
Muss es das denn?
Ja das sind sie.
Zumindest aber mal zeigt das Ganze, dass man für eine Kapitalmarkt-gedeckte Altersvorsorge ein hohes Maß an Kontrolle braucht. Und keinesfalls sollte man es den Versicherten selbst überlasse, die Anlageentscheidungen zu treffen.
Ja, das ist ein Teufelskreis → aber ein komplett selbst gemachter.
Wer kommt denn bitte auf die Idee, ein breites Investment in den Weltmarkt als zu risikohaft abzustempeln, aber dann im Gegenzug einen Großteil in Private Equity zu stecken und das auch noch mit nem Hebel?! In Start-Ups und Hotels → instabiler geht es kaum.
Diese Assets wirken vielleicht weniger volatil, aber nur weil sie deutlich seltener bewertet werden (bei Aktien ist das natürlich sekündlich → bei Private Equity kann das auch nur 1x im Jahr sein).
Gleichzeitig sind die Märkte für diese Assets nicht flüssig. Dafür muss man erstmal einen Abnehmer bzw. Käufer finden. Das geht bei Aktien oder ETFs in Sekunden.
Meine Güte, solche Strategien lese ich normalerweise im Subreddit Wallstreetbets (die nennen sich selber: gehirnlose Affen) und selbst die würden sowas nicht machen! Das ist ein katastrophales Risikoprofil für einen Rentenfonds. Da reißen es die paar Staatsanleihen auch nicht raus.
Sowas nennt man heutzutage: elendig reinhebeln.
Das ist vieles, aber ganz sicher keine passende Form der Kapitalanlage für die Rente.
Absolute Zustimmung. Aber wie gesagt, die strikte Regulierung im Versicherungs- und Altersvorsorgebereich führt dazu, dass nur ein kleiner Teil des Kapitals spekulativ eingesetzt werden kann. Wenn der Großteil trotz Negativzinsen und Staatsanleihen mit Minusrendite in ultrasichere, aber defizitäre Produkte fließen muss, drückt das natürlich das Ergebnis. Muss man dann auch noch, sagen wir, 5 % Wertzuwachs pro Jahr erzielen, um Rentenversprechen einzuhalten, bleibt rein rechnerisch nur der Weg in volatilere Anlagen.
Für völlig naiv halte ich die Leute daher nicht. Zumal Immobilien als relativ sichere Wertanlage gelten – zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Offenbar gab es im Immobiliensektor jedoch auch Interessenkonflikte. Spannend wird, ob strafrechtliche Ermittlungen nachweisen können, dass die Grenze zur Strafbarkeit überschritten wurde.
Den Zahnärzten drücke ich jedenfalls die Daumen. Notfalls sollten die Versorgungswerke fusionieren. Danach könnte man diese überflüssigen Institutionen zusammenlegen oder besser noch in die gesetzlicheente integrieren und deren Kapitalbasis deutlich ausbauen – allerdings mit sinnvollen Regeln.
In Zeiten boomender Wirtschaften infolge von Niedrigzinsen kann man doch niemanden ernsthaft zwingen, überwiegend lieber in defizitäre Staatsanleihen und Ähnliches zu investieren, statt in breit gestreute Aktienindizes.
Edit: Nur zur Klarheit, es ist nur eine Theorie einiger Nachrichtenportale, dass die VZB wegen der Niedrigzinsphase in riskantere Anleihen gegangen ist. Bestätigt hat die VZB das bisher nicht. Die Verluste anderer Versorgungswerke (Bayern, Niedersachsen) im gleichen Zeitraum legen ein schwieriges Marktumfeld allerdings zumindest nahe.
Aber wie oben geschrieben, möglicherweise stecken auch kriminelle Aktivitäten hinter den Verlusten. Das wird man ermitteln müssen.
Kann man das wirklich so ableiten? Meiner Ansicht nach ist nicht unbedingt die Kapitaldeckung das eigentliche Problem, sondern vielmehr die Verknüpfung von Kapitaldeckung und Umlagesystem. Diese sorgt jedoch dafür, dass Verluste, sobald sie auftreten, auch tatsächlich realisiert werden müssen. Denn bestehende Rentner wollen versorgt werden.
Bei individueller Kapitaldeckung würde ich ohne Bauchschmerzen 30 Jahre lang voll in den Aktienmarkt investieren, die Augenverbinden und die Hände hinter dem Rücken fesseln. In den letzten 10-15 Jahren müsste dann langsam umgeschichtet werden.
Individuell hätte ich dann 30-40 überdurchschnittliche Jahre und 10-15 durchschnittliche (oder leicht unterdurchschnittlich). Historisch gesehen war dieses Modell bisher ziemlich safe und deutlich besser als Omas Sparstrumpf.
Hätten sie das Geld nur in Staatsanleihen investiert, wäre es zumindest trotz Inflation wertstabil geblieben. Aber irgendwas muss ja mit dem Geld passiert sein, wenn man in einem Zeitraum von 12 Jahren einen Verlust von 50 % produziert.
Also war das Kapital entweder:
massiv spekulativ investiert (Private Equity → also außerbörslich)
oder es gab… nennen wir es mal Kontrollversagen
Wenn das wirklich „ernst gemeinte Investments“ waren … dann gute Nacht!
Falls am Ende sogar persönliche Bereicherung im Spiel gewesen sein sollte, dann reden wir ohnehin über etwas völlig anderes.
Ich will den entscheidenden Punkt hier nochmal betonen: Der MSCI World hat sich in dieser Zeit vervierfacht.
Das eigene Kapital parallel dazu zu halbieren, ist eine beeindruckend schlechte Leistung.
Sowas passiert nicht durch relativ sichere Wertanlagen mit schlechterer Rendite. Dafür muss jemand über Jahre hinweg extrem hohe Risiken eingegangen sein und das konstant falsch.
Wenn der Vorwurf des Einsatzes von Krediten für die Investments stimmt, erklärt das auch die massiven Verluste. Ein Hebel multipliziert schließlich nicht nur Gewinne…
Egal welches Szenario sich bestätigt: Ein staatlicher Rettungsschirm wäre völlig inakzeptabel.
Das wäre 2008 reloaded.
Wenn du Kapitalmarkt-gedeckte Altersvorsorge großflächig in der Bevölkerung einführst, hast du doch auch immer Menschen, die ihre Verluste (egal ob mit Aktien, Staatsanleihen oder sonst was) realisieren müssen, um davon leben zu können.
Das kannst du nur durch eine Versicherung umgehen, die solche individuellen Verluste fair vergesellschaftet. Aber genau das wollen die Befürworter einer Kapital-gedeckten Altersvorsorge ja offenbar nicht. Das ist auch ein Grund, warum ich Leuten nicht wirklich glaube, dass sie ihre komplette Altersvorsorge nur Kapitalmarkt-gedeckt realisieren wollen, denn der Verlustfall wäre zu schmerzhaft, auch wenn man in Deutschland schlimmstenfalls nur auf das Niveau der Grundsicherung im Alter fallen kann.