Ich bin mir unklar, welche Motive hinter Katharina Reiches Verhalten stehen: Welche Motive ich ihr auch unterstelle, ich gelange ständig an Widersprüche, bei denen meine Erklärungsversuche dann plötzlich enden.
Versuch: Sie findet alles doof, was „erneuerbar“ im Namen trägt. Das würde zwar viel erklären, aber es ist unglaublich teuer, also definitiv kein Verhalten einer Wirtschaftsministerin (nur mal ein paar offensichtliche Nachteile: Die vielen Arbeitsplätze in der regenerativen Industrie werden gefährdet, der technische Vorsprung und dadurch der Wettbewerbsvorteil abgegeben (vermutlich an China), die Abhängigkeit von Autokraten und vom Weltmarkt erhöht, hohe Strafzahlungen drohen etc).
Eine Erklärungsmöglichkeit: Es gibt gar keine Motivation. Die würde ja ein gewisses Grundverständnis voraussetzen. Meine Hypothese ist nun, dass sie auf diesem Posten einfach überfordert ist. Auf den vorherigen zwar nicht, aber die letzte Beförderung war eine zu viel.
Aber ich kann ihr Verhalten dennoch einfach nicht verstehen. Ich spreche nicht von gutheißen, sondern von verstehen.
Gibt es weitere Möglichkeiten der Erklärung?
Man kann natürlich nur Vermutungen anstellen, aber ich würde annehmen, dass hier vieles zusammen kommt, was sich aber im Kern aus ihrer Biografie erklärt. Hauptgeschäftsführerin VKU, Vorsitzende der GF von Westenergie, Nationaler Wasserstoffrat, Staatssektretärin unter Altmeier.
Ich würde mal behaupten, dass sie schlicht die Talking-Points der Fossilindustrie verinnerlicht hat. Was nach außen natürlich wie offene Korruption aussieht (und auch so geahndet werden müsste, hätten wir einen brauchbaren Paragraphen zur Abgeordnetenbestechlichkeit) ist aus meiner Sicht tatsächlich Überzeugung. Es ist Überzeugung, dass der Staat sich aus der Wirtschaft rauszuhalten hat und die Überzeugung, dass wir die Fossilen brauchen.
Ich habe die Folge von „Alles gesagt“ mit ihr gehört, und aus der Familiengeschichte scheint sie eine klare Ablehnung von allem was in Richtung Links/Vergesellschaftung etc geht mitgenommen zu haben. Da ihre Eltern ihr Unternehmen in der DDR irgendwann an den Staat verloren haben.
Das wird es nicht alleine sein, aber könnte ein Baustein sein.
Leider haben die Hosts relativ wenig nachgebohrt, wieso sie das Thema Netze/Erneuerbare so gegen die Wand fährt.
Also sprich, die Nummer 1 Motivation ist „Erneuerbare sind doof“, und es gibt keine Nummer 2.
Sie ist allerdings Ministerin für Wirtschaft, ihre Nummer 1 sollte eigentlich die nationale Wirtschaft sein, und es sollte eigentlich auch Nummer 2 und 3 geben.
Mir stellt sich immer noch die Frage, ob sie mit ihrem Posten nicht doch überfordert ist.
Was nur los wäre, wenn ein Grüner diese Mehrwertsteuererstattung Peinlichkeit gebracht hätte, will ich mir gar nicht vorstellen. Bis heute muss ich diese quatsch Argumente hören, dass Habeck nicht wüsste, was Insolvenz bedeuten würde.
Aber wenn jemand von der Union eine Steuererstattung für den Mittelstand vorschlägt, von dem der Mittelstand tatsächlich gar nichts hat, bleibt der Aufschrei aus, weils die Springer Presse nicht interessiert. Schließlich macht Reiche und die Union insgesamt ja Politik für das Geschäftsmodell der Springer Presse, siehe KKR Fossilindustrie usw..
Ich denke, es stellt sich nicht mehr die Frage, ob alles um „erneuerbare“ an China verloren geht. Das ist verloren gegangen (und wird auch nicht mehr zurück zu holen sein). Alleine die Produktionskosten sind unschlagbar.
Also spielt sie die einzige Karte die sie hat. „Was früher funktioniert hat, funktioniert auch weiter“ (bei einer Menge Selbsttäuschung). Sie ist halt auf der Selbstvermarktungsschiene unterwegs, statt auf der „zuerst das Amt“ (und kopiert damit K.T.).
Ich glaube, man muss sich von dem Idealbild verabschieden, dass Menschen zwangsläufig ein komplett konsistentes Weltbild mit logisch daraus folgenden Motivationen hätten, an dem sie oder andere ihre Taten messen können.
Entsprechend gilt auch für dem Wachstum verschriebene Konservative, dass diese nicht zwangsläufig erneuerbare Energien gut finden müssen, auch wenn es das wirtschaftlich richtige wäre. In der Union kommt de facto nur nach oben, wer fossile Energie für wichtig hält und die Erneuerbaren lieber nur langsam ausbaut (siehe auch das Abwürgen der Klimaunion, gibt es die überhaupt noch?). Warum das so ist, darüber kann man viel spekulieren. Ich glaube aber nicht, dass die Ebene individueller Charaktereigenschaften („sie findet erneuerbare doof“, „sie ist überfordert“) dafür die richtige Ebene ist.
Siehe auch:
Alles in allem, so wie ich es verstanden habe: sie findet zwar nicht erneuerbare doof, sondern fossile toll. Und deshalb werden die halt forciert, wie es bereits seit Jahrzehnten erfolgreich (das ist zwar zu bestreiten, aber nicht in ihrem Weltbild) betrieben wird.
Wie erklärt sich damit der Widerstand gegen das Befüllen der Gasspeicher, der erst kürzlich widerwillig nach außen aufgegeben wurde?
Weil sie dafür jetzt Mio. an die Speicherbetreiber zahlen muss. Das wollte sie vermeiden. Hat nur nicht geklappt, weil ein Speichermarkt nicht funktioniert, wenn die Preise gleichbleibend hoch sind, es keine gesetzlichen Vorgaben gibt und nur allein der Preis regelt. Versorgungssicherheit ist teuer und wird nicht bezahlt. Also macht man den Speicher nicht voll. Und die Speicherbetreiber haben natürlich auf die Staatshilfe gehofft, wenns dann doch mit der Versorgungssicherheit etwas brenzlich wird.
Ich denke eher, dass sie ein sehr offenes Ohr für die vergangenen Arbeitgeber, die Netze betreiben. Und auch in deren Denkweise drin steckt.
Netzbetreiber haben Netzausbau verpennt. Klagen jetzt über Eingriffe, weil EE fluktuierend sind. KR hat hier sicher noch direkte Kontakte, die ihr ihr Leid klagen.
Batteriespeicher brauchen Netzanschlüsse = viel Aufwand für Netzbetreiber
Mehr Erneuerbare einspeisen können = Netzausbau und Netzdigitalisierung = Teuer für die Netzbetreiber
Deshalb schwarzer Peter an die EE, die zu viel seien und eben Netz und Digitalisierung benötigen. Ansonsten wird das Gesamtsystem ineffizienter. Gaskraftwerk = einfache zentrale Lösung für Stromlücken und Infrastruktur, weil sie einfach an den Kohlestandorten gebaut werden oder wenige neue Netzanschlüsse brauchen im Vergleich zu Batteriespeichern.
Die Netzbetreiber machen Geld mit abgeschriebener Infrastruktur. Nicht mit neuen Investitionen.
Drehtür Ministerin. Industrie => Politik => Industrie
In der Politik Phase macht sie das Gleiche wie in der Industrie, die Gewinne von eon und co maximieren
EE womöglich in bürgerhand sind Gift für die Bilanz eon
Und eine Wärmepumpe zahlt auch nicht in das gasnetz ein.
Eine Hypothese von mir wäre noch der Kern von dem, was eine konservative Weltsicht bedeutet:
Bewahren was funktioniert, keine überstürzten Experimente.
Bevor also ein jahrzehntelang funktionierendes System radikal umgebaut wird, müssen sich Alternativen erstmal als überlegen beweisen.
Für den Fall der Energieversorgung bedeutet das, dass so lange an dem Status Quo festgehalten wird, bis absolut klar ist, dass Erneuerbare mindestens die gleiche Netzstabilität haben und wirtschaftlich sinnvoller sind. Dann erfolgt ein behutsamer Umstieg, der lieber sicher als schnell ist.
Und genau das sehen wir jetzt: Seit wenigen Jahren sind Erneuerbare und Batterietechnik in der Lage die fossilen Kraftwerke zu ersetzen. Der Umstieg erfolgt, aber mit Sicherheitsfaktoren wie Gaskraftwerken und ohne die Gefahr z.B. die Netzinfrastruktur durch zu schnellen Ausbau zu überfordern.
Ich mag sie ehrlich gesagt nicht psychologisieren. Sie macht ihren Job objektiv schlecht. Das ist für eigentlich alle von uns zunehmend ein Problem, die nicht sehr viel Geld mit fossilen Energieträgern verdienen.
Weshalb sie ihren Job schlecht macht, ist mir - solange nicht eine Straftat wie Korruption im Raum steht - bei einem der höchsten Ämter dieses Landes relativ egal. Sie macht ihn schlecht. Das ist entscheidend.
Korruption
Meinst du man kann die Diesnste von Katharina Reiche über Karl Theodor zu Guttenberg buchen?