FDP Vorschlag Aktienrente

Hallo LageTeam,

Aufgrund der Schwierigkeiten mit der staatlichen Rentenvorsorge werden ja immer häufiger verschiedene Ideen vorgebracht, wie man das Rentensystem stabilsieren könnte.
Sowohl Merz als auch die FDP schlagen einen sog. Aktienfond wie in Schweden vor.
DIe Linken hingegen wollen ein Rentensystem wie in Österreich.
Vielleicht hat das TeamLage und die Zuhörer Lust sich genauer mit den Vor-und Nachteilen dieses Vorschlags zu befassen.

LG

SZ-Artikel zum Vorschlag der FDP:

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Hatten wir schon, nannte sich Riester-Rente. War ein grosser Schuss in den Ofen, die Einzigen die davon profitiert haben waren die Versicherungen.

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Ihr Kommentar zeigt, dass sie sich mit den vorliegenden, konkreten Vorschlägen in keinster Weise auseinandergesetzt haben. In diesem Forum erwarte ich eigentlich eine andere Diskussionskultur als auf Twitter (Wo Ihr Beitrag so 1 zu 1 rein passen würde).
Mit Ihrer Einstellung und der zugrundeliegenden Fehlerkultur, darf man nichts mehr versuchen wenn etwas auch nur annähernd geartetes schon mal gescheitert ist. Fortschritt geht anders.
In meinen Augen hat die FDP ein innovatives und durchdachtes Konzept eingereicht, dass es sich zumindest differenziert zu diskutieren lohnt, bevor man es mit hohlen Phrasen und der Ideologiekeule erschlägt. Ich würde mich über eine Behandlung in der nächsten LdN freuen. Besonders schön wäre es, wenn die beiden Autoren (Herr Vogel und Herr Dürr) zu ihrem eigenen Vorschlag befragt werden. Konstruktive Gegenvorschläge wären natürlich auch spannend.

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Hätte ich vielleicht getan wenn der verlinkte Artikel nicht hinter einer Paywall gewesen wäre.

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Ich glaube man kann ganz froh sein das der Artikel hinter der Bezahlwand ist und du nicht direkt den FDP-Vorschlag verlinkt hast. Ich will mal nicht auf das Pseudo-Innovationsprech und komische Bildern („Game-Changer“, „Schatz der Deutschen heben“) eingehen.

Die FDP will nach der gescheiterten Riester-Rente also etwas ähnliches nochmal, nur eben nicht freiwillig. Für Geringverdiener heist das - der Staat soll gefälligst „fördern“, also für mehr Nachfrage nach den Aktien sorgen die aktuell - nunja - eben nicht von Geringverdienern gehalten werden. Dadurch will man natürlich Geringverdienern ermöglichen von den „Chancen der globalen Aktienmärkte profitieren und zu Unternehmensteilhaberinnen und -teilhabern (zu) werden“.

Die Aktienrente sei generationengerecht und demographiefest. Nur doof - an der Demographie ändert sich ja gar nichts und auch das staatlich finanzierte aber private Boomer-Aktiendepot kann nicht in der Zeit zurückreisen:

Ein niedrigerer Beitrag zur umlagefinanzierten, gesetzlichen Rentenversicherung führt dort im
Umkehrschluss zu geringeren Einnahmen bei anfänglich gleich bleibenden Ausgaben. Diese
Einnahmeausfälle müssen wenigstens so lange ausgeglichen werden, bis die gesetzliche Aktienrente
die Verkleinerung des umlagefinanzierten Anteils vollständig (über-)kompensiert. (…) Dabei ist der Grundgedanke, die Renditedifferenz zwischen Bundesanleihen und
globalen Aktienmärkten auszunutzen. Hierfür könnte die Bundesrepublik Deutschland
zweckgebunden den Verschuldungsspielraum innerhalb der Schuldenbremse nutzen.

Man kann es übersetzen: Man schließt die Finanzierungslücke die sich aus der Demographie ergibt - für die FDP eigentlich unüblich - über Schulden. Der Staat soll Schulden aufnehmen, damit Aktienpapiere mehr wert sind, um daraus dann individuell Einkommen im Alter zu generieren. Mal ehrlich: Der Vorschlag Schulden aufnehmen um direkt Rentenansprüche zu finanzieren würde interessanterweise bei den gleichen Leuten zur Schnappatmung führen.

Der Zeitpunkt warum das gerade jetzt kommt, und nicht nach der Finanzkrise dürfte auch klar sein - weil der Aktienmarkt und auch der schwedische Fond gerade läuft. Das ist aber nicht immer so.

Sicher ist - die Finanzierung muss sich ändern. Ein Teil kann sicher auch in Aktienmärkte gehen, wer das will, v.a. wenn man die Märkte so reguliert das sie tatsächlich produktiv sind und nicht z.B. ihre Erträge aus Ressourcenverbrauch oder Monopolen generieren. Auch wo es die teils kapital-gedeckte Rente gibt (Schweden, Norwegen), gibt es auch durchaus eine auskömmliche allgemeine Rente. Oder wenn es nicht der Fall ist - die üblichen soziale Probleme.

Und auch - Norwegen hat den Staatsfonds durch Einnahmen aus natürlichen Ressourcen aufgebaut. Pikanterweise durch Öl - aber ohne andere Länder für den entsprechenden Treibhauseffekt und seine Schäden zu entschädigen. Man ist der Auffassung das diese Einnahmen eben jedem Bürger gehören.
Diesen „kollektiven“ Anteil will man laut FDP natürlich nicht. Alles soll „individuell“ bleiben. Abseits dessen - der norwegische Staatsfonds pumpt Geld über Beteiligungen in den den deutschen Immobilienmarkt. Sollen die Deutschen über ihre Fonds anfangen jetzt Sozialwohnungen in Oslo aufzukaufen, um darüber Einnahmen zu erzielen damit sie sich ihre Miete im Alter noch leisten können?

Funktioniert das eigentlich noch wenn alle Länder so handeln?

Für mehr Rentenpolitik siehe u.a. die Seite vom BPB:

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Ohne jetzt den Artikel mir jetzt durchzulesen, da ich mich m.E. schon ausreichend mit dem Model beschäftigt habe. - Das Model ist in jeden Fall dem Riestermodell vorzuziehen.
Das wäre ein ziemlich dickes Brett für die Lage, da das Thema ziemlich komplex (nicht kompliziert!) ist, zumindest wenn man es sauber aufdröseln will.
Das Problem bei der ganzen Sache ist allerdings auch, dass das die gesetzliche Pension in Schweden ähnlich wie das Schweizer Modell Unter- und Obergrenzen kennt, die bei der gesetzlichen Rente ausgezahlt werden können, was in Deutschland derzeit nicht existiert und m.E. zusätzlich anzupacken ist.
@DyingOcean Bzgl. ChristianE: „Don’t feed troll“

Ohne den Artikel gelesen zu haben: der Fehler der Riesterrente ist insbesondere die Zersplitterung der Anlage in viele unterschiedliche Produkte und der individuelle Vertrieb. Beides belastet die Anlage mit hohen Kosten.
Konzepte in anderen Ländern vermeiden diese Fehler.

Finde den Themenvorschlag sehr gut und würde mich über eine Behandlung in einer baldigen Lage sehr freuen!

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Danke für die Artikel. Wenn man das so liest, könnte man den Eindruck gewinnen, das sei alles ganz entspannt. Man müsse nur bisschen streuen und im Alter etwas besser aufpassen, alles easy!

Wir haben inzwischen hoffentlich gelernt, dass der Aktienmarkt alles andere als „sicher“ ist. Im Gegenteil hat sich allein dieses Jahr im Gamestop Fall eindrücklich veranschaulicht wie fragil das Ganze sein kann. Sicherheit gibt es eben nur solange sich alles ohnehin positiv entwickelt.
Wenn der Dax (nur als Beispiel) mal wieder auf Talfahrt geht, ist auch mal ganz schnell einiges an Vermögen vernichtet. Klar, das erholt sich wahrscheinlich langfristig. Aber langfristig zählt für den Rentner vielleicht nicht. Wird der Bürger für solche Verluste dann entschädigt? Ich hab da eine Vermutung.

Es hat auch noch einen eher unscheinbaren Nebeneffekt. Die Interessen des Bürgers werden auf Linie mit den Interessen des Finanzkapitals gebracht. Wenn Bürger mehr und mehr zu Kleinanlegern werden, steigen unterschwellig die Sympathien für alle sonstigen Anleger. Ich sehe schon die Politiker davon sprechen, dass man keine „Behinderung des Marktes“ möchte, weil das ja in letzter Instanz dem Bürger schade.

Und noch ein Gedanke eines Laien: Kann das überhaupt funktionieren, wenn das weltweit Mode wird? Schließlich gibt es nur begrenzte Kontingente von Aktien.

Ich freu mich auf Input

P.S. Kommt die Herren und Damen der FDP nicht mal in den Sinn, dass Länder ihre Fachkräfte vielleicht selbst brauchen könnten?

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Nach dem Lesen des Artikels: Die FDP will 2% der derzeitigen Umlagefinanzierung der Rente in den Kapitalmarkt stecken. Klingt soweit ok, aber ich frage mich: Wer managed den Fond? Macht er das „umsonst“? Was passiert wenn es mal eine Weile bergab geht mit dem Fond? Wer zahlt die Ausfälle, denn auszahlen muss er ja dennoch? Und die Umstellungsphase klingt wieder nach logistischem Chaos.

Ich würde mal behaupten, dass das Geld in der Praxis einfach aus dem Bundeshaushalt kommt und der Fond nur dazu dient, diese Ausgaben auf lange Sicht im Staatsvermögen auszugleichen. So könnte der Fond langfristig Rendite erwirtschaften und die Rente wäre nicht von kurzfristigen Kursschwankungen beeinträchtigt.

Natürlich ist der Aktienmarkt nicht sicher. Aber wenn das Deine einzige Lehre ist, solltest Du vielleicht nochmal ein bisschen recherchieren. Das gute am Aktienmarkt ist nämlich - Kehrseite des Risikos - die potenziell höhere Rendite als sie sichere Anlagen bieten - und über Anlagehorizonte von mehreren Jahrzehnten ist das bisher auch aufgegangen.
Und natürlich investiert man nicht das gesamte Portfolio in wenige spekulative Werte und baut nicht das gesamte Rentensystem auf Aktien.

Und nein, es gibt keine begrenzte Menge an Aktien. Bzw. die Menge an Aktien ist nur begrenzt durch die Menge an Ideen, für die Menschen Finanzierung benötigen können.
(Richtig ist allerdings, dass es oft (besonders bei niedrigen Zinsen) mehr Kapital gibt als sinnvolle Investments.)

Die Fachkräfte-Frage habe ich nicht verstanden.

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Aktien können nicht die Zeit zurückdrehen, aber sie schaffen die Möglichkeit, von einer Wertschöpfung zu profitieren, die entweder maschinell stattfindet oder in anderen Ländern mit ggf. besserer demographischer Struktur. Das kann die umlagefianzierte Rente beides nicht.
Natürlich ist es dabei wichtig, nur in Unternehmen zu investieren, die die Lebensgrundlage der jüngeren Generationen nicht für die Rente der alten zerstört.

Aber warum sollte das nicht global funktionieren? Du tust gerade so, als würde der Besitzer des Kapitals (der Rentner) den Empfänger des Kapitals ausbeuten. Das scheint mir ein marxistischer Reflex. Unternehmer nehmen Kapital auf, weil sie damit einen Mehrwert schaffen und eine Rendite erwirtschaften können, für den Kapitalgeber und sich selbst.

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Bei einem so geringen Anteil der Kapitalanlage an der Rente insgesamt, könnte man die Mindesrendite auch über Optionen absichern. Das kostet natürlich ein bisschen, aber hier geht es ja mehr um Sicherheit als um maximale Rendite…
Ich denke, es gibt doch genügend staatliche Banken, die das übernehmen könnten.

Die Vorteile habe ich nicht bestritten. Meine Bedenken sind damit aber nicht entkräftet.

Klingt ja fast wie eine begrenzte Ressource was du da so beschreibst, oder?

Steht sowohl im Artikel von @Odeceixe als auch im FDP-Original von @Axel_R. 500.000 Einwanderer jährlich plant die FDP zur Stütze des Plans. Natürlich nur die feinsten Fachkräfte. Kann man ja mal Fragen, wo die denn alle herkommen sollen, und ob die Länder ihre Fachkräfte nicht vielleicht lieber behalten sollten.

Ich halte selber Aktien über Indexfonds - was ich schreibe dürfte mit Marxismus wohl nichts zu tun haben.
Aber ist es bei den Top Bewerteten Unternehmen nicht offensichtlich das diese einen erheblichen Ressourcenverbrauch zulasten Dritter haben (Öl, Gas) oder defacto Monopole (Techkonzerne) sind?

Ich sage nicht das es nicht funktioniert, aber es geht nur unter engen Vorrausetzungen. Die Unternehmen müssen tatsächlich produktiv etwas erwirtschaften und unter Wettbewerb stehen. Und man muss sich auch die Frage stellen ab wann schuldenbasiert Geld in Aktienmärkte zu schütten noch produktiv ist, jenseits reiner Kursgewinne die auf der stetigen Ausweitung der Geldmenge basieren.

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Ach, richtig. Das hat eigentlich aber m.E. mit der Aktienrente nichts zu tun, sondern stützt im Gegenteil die Umlage.

Das Abwerben von Fachkräften ist natürlich grundsätzlich moralisch nicht unproblematisch.

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Das kann man so sehen, aber gleichzeitig kennen wir die Grenzen der Erfindungskraft nicht.
Ein Teil des Problems ist natürlich die Kapitalschwemme durch ultraniedrige Zinsen.
Andererseits kann man etwas pointiert sagen, dass seit der Waschmaschine wenig bahnbrechendes erfunden wurde, bzw. die Nachteile dieser Erfindungen oft in einem schlechten Verhältnis zum Nutzen stehen.

Zu den Monopolen: es gibt halt auch und gerade im Tech-Bereich natürliche Monopole. Das muss ja nicht schlecht sein - wenn sie gleichzeitig entsprechend reguliert sind. Das ist aber weniger ein Thema der Rente bzw. Anlagestrategie…

Aber es besteht ja die Notwendigkeit für eine Menge Innovationen in Clean Tech und Gesundheit, die finanziert werden wollen und müssen! Also müsste ein solcher Fonds hier primär investieren.

Allerdings wäre es auch naiv zu glauben, die würden alle dort bleiben, wenn wir sie nicht abwerben. In den USA oder Kanada sind sie im Zweifel willkommen…