Man kann Verständnis zeigen für das Kind, das denn Lolly geklaut hat, nachdem die Eltern ihm den nicht kaufen wollten. Man wird das aber eher nicht, weil man begreift, dass es hier nicht um den Lolly, sondern um Grundfesten des gesellschaftlichen Zusammenlebens geht.
Ja, es gibt weniger Kapital im Osten, Beamte aus dem Westen werden erst jetzt Stück für Stück mit Ossis ersetzt. Ja es wurde viel falsch gemacht.
Aber wie man rechtfertigen kann, dass sich der Osten jetzt so kindisch verhält, Demokratiefeinde zu wählen, nur weil man damit dem Westen eines auswischen kann (nehmen wir mal an, es wäre so und sie machen das nicht, weil sie einfach Menschenhasser sind), verstehe ich nicht.
Es gibt eine Partei, die sich Umverteilung von oben nach unten auf die Fahne geschrieben hat, auch die ist in Teilen problematisch, auch die ist russisch unterwandert, aber sie wäre die einzige Partei, die wirklich Kapital in den Osten umleiten könnte und würde. Was erwarten sich deine Bekannten denn von der AFD? Was wird nun besser in Sachsen-Anhalt? Gibt es da konkrete Vorstellungen?
Von 2016 bis 2021 waren die Grünen Teil der Landesregierung in Sachsen Anhalt. Wesentlichen Aufschwung habe ich in dieser Zeit nicht wahrgenommen. Im Gegenteil, in dieser Phase wurde das damals boomende Enercon ausgebremst.
Gleichzeitig fiel Grün in Sachen Anhalt weniger auf als die Bundesgrünen, die als Belastung für das chemielastige Sachsen Anhalt wahrgenommen wurden. Kohle-Aus und CO2 Preis kommt halt nicht gut an, in einer Branche, die international tätig ist und oft energieintensive Commodities mit geringer Wertschöpfung herstellt (ich denke bspw. an das Stickstoffwerk in Piesteritz, das Düngemittel herstellt, an Südzucker oder ans Sodawerk bei Bernburg).
Die Landesgrünen haben das erkannt und daher versucht lieber grüne Industrien wachsen zu lassen, statt den existierenden Industrie den Boden wegzuziehen. Das hat der Bund dann bekanntermaßen ausgebremst.
Kein Widerspruch. Das war ihr gutes Recht. Niemand ist seiner Heimat verpflichtet.
Aber man braucht sich auch nicht zu wundern, dass nichts vorangeht, wenn Menschen mit Potenzial abwandern, weil es anderswo einfacher ist. Wirtschaft funktioniert nun mal nach dem Prinzip: Der Teufel scheißt stets auf den größten Haufen. Wo bereits eine starke Basis existiert, wird jede weitere Gründung ebenfalls leichter (Agglomerations-/Netzwerkeffekt).
Ich habe den Eindruck, dass diese Zitate ein klares Bild der Lage zeichnen. Und auch eins das klar macht, warum die CDU da ist, wo sie ist. Ich glaube dass die Menschen, und zwar von Rechts bis Links, nicht nur eine andere Politik wollen, sondern eine andere Welt. Dass die alte Welt bereits untergegangen, die neue aber noch nicht geboren ist, wurde oft genug gesagt.
Und wir haben hier länglich in Threads versucht herauszuarbeiten, ob es nun persönliche Prädisposition, oder Sozialisation ist, die die Menschen eher zu Autoritarismus, oder in die andere Richtung tendieren lässt. Und am Ende ist es egal.
Die letzten 30 Jahre waren für alle eine fucking Zumutung. Jahrhundertereignisse im Jahrestakt. Agenda2010, 9/11, Finanzkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise, Coronakrise, Brexit, Donald Trump und Demografiekrise; dazwischen Wohnkosten, Jahrhundertsommer, -winter, -fluten und -waldbrände. Während wir eine Medienrevolution im Zeitraffer haben und jeder auf seinem Telefon eine Flut genau der Nachrichten bekommt, die am meisten triggern.
Und die Politik begegnete diesen Zumutungen im wesentlichen durch Symbolpolitik. Der Kontrollverlust nationaler Politik im Angesicht dieser für viele Menschen realen Verschlechterung ihrer Leben ist manifest. Nationale Politik kann keines der Probleme lösen und bleibt aber für viele der Bezugsrahmen. Damit muss Enttäuschung über die Politik default werden.
That being said: Nun zur CDU. Die CDU und das gilt wie ich es sehe für die Basis, wie für die Führung will ebenfalls eine andere Welt. Die 80er und 90er, als das Leben noch überschaubar, Deutschland noch halbwegs handlungsfähig und die soziale Hierarchie noch geordnet war, weil man sich einredete kein Einwanderungsland zu sein und alle, die anders aussahen zu recht ganz unten waren. Und im übrigen auch die Zeit vor der .com-Krise als Technologie noch Verheißung war und Leistung noch mit Parties in Bordellen belohnt wurde.
Dahin will man zurück. Und zwar sowohl in der AfD-Wählerschaft (ich glaube in der Führung strebt man noch ein Paar Jahrzehnte weiter zurück), als auch in der gesamten CDU. Und genau deshalb ist nicht zu erwarten, dass die CDU-Führung aufhört die AfD zu imitieren. Sie tun das aus Überzeugung. Ihr Hass auf die Zustände in denen man die Armen und die Ausländer nicht mehr widerspruchslos verachten kann ist real. Nur bietet die CDU im Gegensatz zur AfD keine Erzählung an, die echtes Zurück in diese Welt verspricht, weil man sich hier (noch) weitgehend vom Grundgesetz gebunden fühlt. Somit hat die CDU praktisch NICHTS anzubieten, das den Drang nach einer anderen Welt befriedigt. Und es fehlt bereits am Anerkennen der Tatsache, dass die Welt für viele nicht besser geworden ist.
Dabei wäre es aus meiner Sicht ein wertvoller Schritt, wenn der Kanzler sich hinstellen würde und sagte: „Wir sehen, dass wir aktuell in einer Welt leben, die die Menschen unglücklich macht. Wir sehen, 30 Jahre lang nicht mit den Veränderungen der Welt Schritt gehalten und von Vermögensverteilung und Arbeitsverdichtung, über eine Bürokratie die nicht mehr zeitgemäß ist, bis hin zur Reaktion auf den Klimawandel komplett versagt zu haben.“
So wie es jetzt ist, ist die CDU Teil der Kräfte, die die neue Welt in der alten Welt suchen. Während natürlich alle, die sich eine bessere Welt in der Zukunft vorstellen können, von denjenigen Kräften, deren Assets zur Erreichung dieser umverteilt werden müssten, niedergeschrieben, geschrien und regiert werden.
Kaum einer von uns kann von sich aus seine eigenen Lebensumstände massgeblich verändern. Zumindest nicht mehr groß, wenn wir das Bildungssystem durchlaufen haben. Das wissen wir irgendwie auch alle. Und das merkt man umso stärker, je weniger man in der Tasche hat.
Und unser System bietet dafür den Ausweg: Demokratische Wahlen. Damit soll man seine Lebensumstände auf längere Sicht verändern können. „Wähle X, dann geht es Dir besser.“ Und Ostdeutschland hat das mit quasi allen Parteien bereits probiert. Und es hat nichts gebracht. Und die Afd ist dann die Partei, die es noch nicht versuchen durfte, und da kann es doch nicht verwundern, dass so viele sagen: „Dann lass die mal probieren. Vielleicht geht’s mir dann besser“.
Dass die Afd dabei keine Lösungen hat außer auf „die Anderen“ zu treten (egal ob es nun Migranten, Schwule, Behinderte, links-grün Versiffte, etc sind), ist den Leuten schlicht egal. Und dass sie an der Verteilung im Gini Koeffizienten nichts ändern wird auch nicht (eher im Gegenteil). Es ist die Partei, die man noch nicht hatte. Und unser System hat nur dies als Lösung für Verbesserung der Lebensumstände, zumindest für die allermeisten unter uns.
Das ist ja auch unbestritten, aber es rechtfertigt inhaltlich nicht die Rede von „Bürgern zweiter Klasse“ - die übrigens zeitweise eine Parole der AfD war, um explizit entsprechende Ressentiments und Gefühle zu mobilisieren, aber niemals eine analytische Kategorie.
Das Wirtschaftsministerium lag bei der SPD, nicht bei den Grünen. Und die CDU hat damals schon ganz kräftig geblinkt, einerseits mit Innenminister Holger Stahlknecht, der schon damals für eine Zusammenarbeit mit der AfD geworben hat, aber auch vielfach in inhaltlichen Fragen. Ich kann mich zum Beispiel um eine Debatte um ein abgesagtes Konzert am Bauhaus in Dessau erinnern, bei dem die CDU in der bekannten Mischung aus inhaltlicher Übereinstimmung, aber formaler Abgrenzung ins gleiche Horn geblasen hat wie die AfD, und zwar auch ganz klar gegen die eigenen Koalitionspartner SPD und Grüne.
Ich finde das super auf den Punkt gebracht und würde noch ergänzen wollen, dass auch die SPD - wenn auch mit anderen politischen Zielen - sehr in der Vergangenheit „festhängt“. Bei ihr ist das das gute alte Modernitäts- und Fortschrittsversprechen, was aber durch Jahrzehnte des Neoliberalismus, dem vor allem die Schröder-SPD in Deutschland zum Durchbruch verholfen hat, vollkommen zu einer hohlen Phrase verkommen ist. Wenn ich heutzutage ein SPD-Plakat stehe, auf dem etwas von „Mietenwahnsinn stoppen“ steht, kann ich nicht mal mehr lachen und frage mich ernsthaft, was die denken wer denen das abnehmen soll.
Insgesamt gilt ja, dass eine Gesellschaft sich um so stärker an der Vergangenheit orientiert, je weniger positive Aussichten oder Visionen für die Zukunft es gibt. Und das scheint mir ein weitere gemeinsamer Nenner zu sein, dass mit dem Ende des Glaubens an den Neoliberalisus keine „große Erzählung“ mehr gibt, die irgendwen zu motivieren scheint - es bleiben Nationalismus, Rassismus, Souveränismus und religiöser Fanatismus bzw. eine Mischung aus verschiedenen Elementen. Der Erhalt des Status quo - sei es bei der Demokratie oder sei es beim Klima - scheint nicht wirklich ein Ziel zu sein, das viele mobilisiert.
Womöglich sitzen irgendwo in Sachsen-Anhalt ein paar AfDler:innen, die sich für mega schlau hielten und taktisch das BSW gewählt haben, um es über die 5%Hürde zu bekommen.
Der Gedanke daran, dass die sich jetzt in den Arsch beißen, weil ihre Stimmen der AfD zur absoluten Mehrheit fehlen, erfüllt mich mit einer gewissen Genugtuung und macht das Desaster etwas einfacher erträglich!
So sehe ich es auch. In den Augen der Wählern hatten die meisten Parteien ihre Chance und Veränderungen (in den gewünschten Bereichen, siehe unten) bleiben aus. Es bleibt die AfD. „Und dass ich über Jahre vor denen gewarnt wurde, ist mir jetzt auch egal. In Berlin sitzen auch nur Verbrecher, Lügenbolde und Ideologen und machen komische Sachen, die an meiner Lebensrealität vorbei gehen.“
Und den Menschen hier geht es wohl oftmals nicht primär hierum:
Ich glaube, den Menschen geht es insgesamt materiell gar nicht so schlecht, vielleicht sogar besser denn je. Die großen ideologischen Debatten und geopolitischen Grabenkämpfe, geschlechtergerechte Sprache, Klimaschutz und Vermögensverteilung liegen aber weitab der Lebensrealität und sind Luxusprobleme ferner Eliten. Wenn diese Themen im Fokus der Politik wahrgenommen werden, führt das zu massivem Unverständnis. Wichtig sind eher Themen wie Migration, Lebenshaltungskosten, Renten und der Mangel an Lehrern und Ärzten. Deshalb ist auch der im Zitat vorgeschlagene wertvoller Schritt wahrscheinlich kein besonders schlauer:
Und wenn die AfD an der Macht nur ein einziges der gefühlten Probleme löst (z.B. ein Verbot von Gendersprache), liefert das die Erklärung, warum sich rechte Politik in Regierungsverantwortung selten von selbst entzaubert. Es ist der Gegenentwurf zu einer Politik, die sich in moralischen Grundsatzdebatten, erhobenen Zeigefingern und ideologischen Detailfragen verheddert. Sie kennt keine moralischen Hemmungen, und für sie ist nichts unsagbar. Das macht radikale oder einfache Lösungen oft scheinbar leichter umsetzbar. Genau diese vermeintliche Konsequenz wird vielen Menschen im Alltag imponieren.
Trump ist ein gutes Beispiel hierfür. Hoffnung macht: Diese Politik stößt auch in USA an Ihre Grenzen. Donald Trump’s approval rating falls to lowest yet in FT poll
Ja, das stimmt wahrscheinlich, dass das oft eine Motivation ist. Aber das ändert für mich nichts daran, dass diese Haltung teilweise sehr egoistisch wirkt. Inzwischen frage ich mich sogar, ob es manchen von ihnen weniger darum geht, dass es ihnen selbst besser geht, sondern vielmehr darum, dass es anderen schlechter geht. Gerade die ständige Hetze gegen Migranten finde ich in diesem Zusammenhang sehr problematisch. Das ist etwas, was man mMn auf jeden Fall kritisieren und auch verurteilen kann und soll. Ich verstehe total, dass es vielen Menschen im Osten wirtschaftlich nicht so gut geht. Aber das sollte kein Blankoscheck sein, der rechtfertigt, andere Gruppen abzuwerten.
Und dass gerade im Osten eine Partei gewählt wird, die von Russland unterstützt wird, ist echt schockierend für mich. Wie kann es sein, dass das niemanden stört und so wenig darüber geredet wird? Stockholm-Syndrom einfach? Oder haben wir hier wieder die Einstellung: egal, Hauptsache, den anderen geht es schlechter?
So groß ist das Problem aus deren Sicht m. E. nicht: Entweder der AfD gelingt es, mit Überläufern aus CDU und/oder BSW eine stabile Mehrheit zu bilden oder es gibt Neuwahlen, diese Leute wählen diesmal AfD, die bekommt eine Mehrheit und das BSW ist Geschichte.
Das würde ich den Allermeisten der Wähler der AfD nicht mal unterstellen. Ihnen ist nur zeimlich egal, wer die Zeche zahlt, Hauptsache ihnen und ihren Nachbarn/Freunden/Kindern geht es absehbar besser. Das klassische Zukunftsversprechen, auf dem Deutschland nach dem 2. WK aufgebaut wurde. Das nicht nur gefühlt, sondern real nicht mehr existiert.
Und die aktuelle Regierung tut auch alles dafür, dass es so bleibt bzw die Entwicklung weiter getrieben wird.
Ganz interessant sind noch Ergebnisse einer schon etwas älteren Studie:
Menschen, die die AfD unterstützen, sind zunehmend unzufriedener mit ihrem persönlichen Leben und ihrer finanziellen Situation als Unterstützende anderer Parteien.
Auch diese Studie stellte übrigens fest:
Wir fragen Einstellungen zur Migration ab. Hinsichtlich Prädiktoren ist das die stärkste Variable, die wir haben: Eine kritische Haltung zur Einwanderung auch von qualifizierten Arbeitskräften – das war die Frage, die wir gestellt haben – ist sehr, sehr stark korreliert mit AfD-Unterstützung.
Das bestätigt also noch einmal viele andere Studien.
Das, was Christian Stöcker in seiner letzten Kolumne als verschobene Realitätskonstruktion beschrieb, spielt bei Neuwählenden der AfD allerdings auch eine Rolle:
Schätzungen des Forschungsteams legen nahe, dass eine Person, welche die AfD neu unterstützt, ein zusätzliches Monatseinkommen von rund 2.500–3.000 Euro bräuchte, um wieder das gleiche Wohlbefinden zu erreichen, dass sie vor ihrer Entscheidung, die AfD zu unterstützen, empfand. Allerdings betonen die Forschenden im Podcast explizit, dass es hier keine Kausalität gebe, sondern diese Summe nur dazu diene, um den Grad der Unzufriedenheit bildhaft zu beziffern.
Es ist offensichtlich, dass so gravierende Veränderungen vollkommen unrealistisch sind.
Neu-Unterstützende der AfD, die sich gerade intensiv mit AfD-Themen befasst haben, sind weniger zufrieden als die Kontrollgruppe, die Fragen zum persönlichen Wohlbefinden vor den Fragen zu AfD-Themen beantworten musste. Für Unterstützende anderer Parteien ergibt sich kein vergleichbares Muster. Wer sich seine neue Unterstützung der AfD stärker bewusst mache, nehme sowohl seine persönlichen als auch seine finanziellen Umstände als schlechter wahr.
Die Gründe für den Kausalzusammenhang zwischen AfD-Unterstützung und Verschlechterung des Wohlbefindens vermuten die Forschenden in der negativen Rhetorik der AfD. Wer sich der Partei zuwendet, setzt sich dieser Negativität stärker aus und das schadet dem Wohlbefinden.
Das Beispiel für die ins völlig Unrealistische gesteigerte Kriminalitätsfurcht in SA (vs. SH) hatte ich ja oben schon angeführt (vgl. Stöcker-Kolumne).
Nun kann man das Bombardement an Negativpropaganda seitens der AfD natürlich nicht unterbinden.
Die Forschenden schreiben aber spekulierend:
Unsere Ergebnisse stellen die vorherrschende Annahme in Frage, dass sich die Kausalität unidirektional bewegt, von Lebensunzufriedenheit hin zur Unterstützung populistischer Parteien. Sie lassen außerdem darauf schließen, dass frühe Interventionen, die sich auf positive Botschaften konzentrieren, besonders vielversprechend sind, um Wählende wieder in den Mainstream zurückzugewinnen.
Spekulativ deshalb, da die rechtsradikale AfD ja nicht nur die Gegenwart schlechtredet, sondern sie hat ja auch ein für AfD-Wählende verlockend erscheinendes Heilsversprechen im Angebot, eine Retrotopie, also ein Zurück zu Zuständen, die es nie gab.
Der Spitzenkandidat der AfD-SA Siegmund propagiert bekanntermaßen ein Zurück in die 90er. Dass da - einschließlich der Kriminalitätsraten - vieles schlechter war, hat @JohanneSAC ja noch mal schön vergleichend dargestellt. Dass es Siegmund nur um gefühlte Wirklichkeit geht, hat er in einem der Duelle mehr als deutlich gemacht.
Menschen - und das betrifft wohl die meisten - neigen dazu, Vergangenheit zu idealisieren.
Und das macht sich die AfD mit einer rückwärtsgewandten erfundenen Wirklichkeit zunutze.
Nun kann man beide Zukunftsvorstellungskonzepte mal gegeneinander antreten lassen, die positiv formulierte Zukunft, die wirklich nach vorne zielt und deren Ausgestaltung echte Veränderung bedeutet, da sie ohnehin vonstatten gehende Veränderungen ins Positive zu wenden versucht, versus die AfD-Retropie zurück in eine erfundene Vergangenheit, die bestimmte Leute aber als heimelig empfinden, weil sie sie idealisiert haben.
Und da ist m.E. klar, für welche Vorstellung sich die meisten AfD-Wählenden entscheiden würden.
Man kann also wohl festhalten, dass progressiv in die Zukunft gerichtete Politikangebote bei diesen Leuten gegenüber auf die angebliche Wiederherstellung einer erfundenen Vergangenheit zielende Politikangebote den Kürzeren ziehen werden.
Deshalb blendet die AfD z.B. auch den sehr realen anthropogenen Klimawandel aus. Denn der ermöglicht kein Zurück in eine erfundene, nur empfundene Vergangenheit.
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Die Spekulation, was „Alt-Parteien“ angeblich tun müssten, um attraktiv für AfD-Wählende zu werden, ist müßig.
Denn: Gegen Realitätsverweigerung und die Übermacht bloß gefühlter Wahrheiten lässt sich wenig ausrichten.
Zur gefühlten Realität noch mal folgendes Beispiel (Ifo Dresden):
Politisch rechts orientierte Personen berichten durchweg höhere Kriminalitätsfurcht, unabhängig von Wohnort oder sozioökonomischer Lage.
Ich habe nicht die Zeit hier alles zu lesen, weil es schlicht viel zu viel ist, daher kann es natürlich sein, dass ich etwas schreibe was schon genannt wurde. Um mal rein auf Sachsen-Anhalt zu schauen scheint wohl ein enormer Punkt gewesen zu sein, wie nahbar sich die Parteien gemacht haben. Die AfD macht dort wohl schon seit sehr langer Zeit Event, Grillabende und eben diesen Simson-Kram. Klar kann man darüber lächeln und die Augen rollen, aber wenn zeitgleich der Rest der Politik sich nur kurz vor Wahlen vielleicht mal an einem Stand oder sowas blicken lässt, fühlt sich das schon komisch an. Damit rede ich nicht klein, dass die AfD ein Haufen Rechtsextreme ist und tunlichst nicht unterstützt gehört, aber es gibt nachvollziehbare Gründe und daran sind einzig und allein die Alt-Partien Schuld, die sich meist nur für eine Wahl mal blicken lassen.
Das wurde hier sehr schön thematisiert:
Ab Minute 4, aber eigentlich kann man den ganzen ersten Teil gut hören, weil es von einem Journalisten kommt, der wirklich dort lebt und nicht als privilegierter Bürger aus einem westlichen Bundesland rüber schaut und aburteilt.
Ich bleibe dabei, das große Problem der alten Parteien sind die Blasen, die sie sich selbst aufbauen, egal ob Brüssel, Berlin oder Landesregierungen. Die leben in Strukturen, die nie auch nur im Ansatz mit den Ängsten und Nöten normaler Menschen zu tun hatten und meiner Meinung nach wollen sie es auch mehrheitlich nicht wissen.
Mal ernsthaft: Glaubst du wirklich, dass Themen wie Geopolitik, Klima und Vermögensverteilung reine „Luxusprobleme“ und „komplett unabhängig“ von Migration, Lebenshaltungskosten und Löhnen/Renten sind?
Das ist doch Realitätsleugnung. Klimatische und geopolitische Entwicklungen beeinflussen selbstverständlich ziemlich direkt Migration. Ebenso sind die Folgen des Klimawandels quantifizierbar und teuer, was sich u.a. auf Preise auswirkt. Geopolitik beeinflusst Preise selbstverständlich auch und kann auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben etc.
Es mag sein, dass ein signifikanter Anteil der AfD-Wählerschaft diese Zusammenhänge leugnet. Das macht es aber noch lange nicht richtig.
Für mich einer der größten, wenn nicht der größte Faktor. Die CDU bietet seit mindestens 10 Jahren keine Idee mehr von einer Zukunft an in der es mir und meinem Kind besser gehen wird, als meinen Eltern. Oder auch nur gleich gut.
Und an dieser Stelle besteht glaube ich der fundamentalste Disconnect zwischen Friedrich Merz persönlich (und ähnlichen Charakteren) und der Bevölkerung. Merz glaubt, dass wenn er nur die Perspektive anbietet Wachstum zu schaffen, die Bevölkerung doch erkennen muss, dass es ihr dann besser geht. Weil für ihn und die Menschen mit denen er sich ausschließlich umgibt Wachstum automatisch mehr Cash auf dem Konto bedeutet. Dass das für andere nicht so ist, liegt außerhalb seiner Realität.
Hab grad eine Grafik der ARD gesehen: Durchschnitt-Brutto-Jahresverdienst. Sachsen Anhalt ist damit offizielle das Armenhaus Deutschlands. Dass das zu einer leichten Unzufriedenheit führt - naja, irgendwer muss ja am Ende stehen.
Hier mal eine anschauliche Übersicht von konkreten Lebenssituationen, die einem „Mittelständler“ wie Merz vollkommen fremd sein dürften:
Über den Erhalt des Status Quo hinaus wurde ja in der Klimabewegung viel an neuen Erzählungen gearbeitet, die auch eine positive Wendung nehmen. Vielleicht ist das noch keine Gesamterzählung, aber es gibt Teile in der Postwachstumsbewegung und Klimakollapsbewegung. Auch der „Gegenpart“ - grünes Wachstum - hat bekanntlich einige Anhänger:innen. Allerdings setzen erstere Erzählungen, die nach meinem Verständnis durchaus eine solidarische, kleinteilig-subsidiäre politische Gemeinschaft (oder [ggf. vernetzte] Gemeinschaften) avisieren, Akzeptanz des Endes des Industriekapitalismus voraus und ihre Plausibilität lässt sich durch externe Bedrohungen allzu leicht infrage stellen (wie soll Verteidigung organisiert sein). Das motiviert wohl auch nicht allzu viele Leute. Und die Erzählung vom grünen Wachstum wurde in Deutschland mit Kampagnen vom Hof gejagt, weil man lieber in der Vergangenheit schwelgt.
Sorry falls zu weit vom ursprünglichen Thema weg - finde diesen Diskussionsstrang sogar erbaulicher als die Wahlergebnisse. ![]()
Ich präsentiere Beweisstück 2486 zum Thema: Die CDU tut aus Überzeugung das gleiche, was die AfD tun würde:
Merz unter Druck: CDU will Doppelpass kippen – bevor die AfD Sachsen-Anhalt übernimmt
Die CDU arbeitet weiter daran ganz konkret mein Leben schlechter zu machen. Beeindruckend.