Nur anekdotisch. Demnach gibt es häufig eine Gemengelage unterschiedlicher Haltungen, die ich mal schlagwortartig aufzählen will
a) konservativ-liberale Haltung mit Wunsch nach klarerer inhaltlicher Abgrenzung von der AfD
b) Ablehnung der AfD aus habituellen oder konfessionellen Gründen, aber weniger wegen der Inhalte
c) Die „verlorenen Schafe“ werden quasi automatisch zur „Mutterpartei“ zurückfinden, wenn die CDU die AfD nur gut genug kopiert, will sagen: erfolreicheren Populismus macht
d) Die CDU muss die AfD durch „Einbindung“ zähmen und langfristig spalten
Die Ergebnisse einer vor allem auf den CDU-Kurs von Merkel vor dem Sommer 2015 bezogenen Befragung würde ich in der gegenwärtigen Situation als begrenzt ansehen.
Friedrich Merz will nun mehr emotionalisieren:
„Wir müssen versuchen - ich selbst auch - die Menschen in ihrer ganzen Emotionalität stärker zu erreichen“, sagte der CDU-Vorsitzende am Montag nach den Gremiensitzungen seiner Partei in Berlin.
Schon vor gut einem Jahr hatte er das Thema aufgeworfen:
Die Ankündigung von Friedrich Merz in der Sendung von Caren Miosga Mitte April kam überraschend. „Menschen zu begeistern“, „Pathos und auch mal das gesunde Nationalbewusstsein zu zeigen“, das habe er sich für seine Kanzlerschaft vorgenommen. „Ich kann auch Emotionen“, pointierte Merz.
Oha!
Wie sagt Dr. med. Wurst so schön:
Das kann ja Eiter werden.
Wie gut, dass führende Unionspolitiker bisher noch nie mit emotionalisierenden Aussagen aufgetreten sind…
„Keine Experimente“
„Freiheit statt Sozialismus“
„Blühende Landschaften“
„Wir schaffen das“
waren halt alles nur Einzelfälle…
Nachweislich zum Scheitern verurteilt:
generell wundert mich die Wahl in SA gar nicht. Ich hab mir fast jedes Duell angeschaut, jedes Interview etc. Einfach um wirklich einen Eindruck zu gewinnen:
Für mich hat die CDU 90% der Sprechzeit genutzt, vor der AFD zu warnen, egal ob Inhaltlich (kein bezahlbarere Haushalt) oder auch personenbezogen (Böse Rechte, Anfänger etc)
Siegmund hingegen hat seine Vision dargestellt. Hat sogar immer wieder in den Duellen gesagt „Sagt die CDU auch mal, was sie machen will“ etc… Man kann nicht jemanden von sich überzeugen, indem man nur sagt, die anderen sind die doofen. Das war zum Scheitern verurteilt. aber klar, wenn man inhaltlich kaum Ideen hat, dann wird das auch schwer
Die ostdeutsche Schriftstellerin Anne Rabe ist eine der wenigen, die klar analysiert (Bluesky):
Gestern, musste ich Beatrix von Storch bei RTL in einer Sache zustimmen. Viele Menschen wollen eine andere Politik.
Aber das, was sie wollen, ist mit keiner demokratischen Partei vereinbar. Auch nicht mit der CDU.
Das konnte man auf allen Wahlveranstaltungen sehen und auch im Programm lesen.
Und diese Unvereinbarkeit zwischen dem, was die meisten AfD-Wählenden wollen, und dem, was demokratische Parteien anbieten können, ist auch der simplen Tatsache geschuldet, dass Ersteres schlicht nicht verfassungskonform ist - und zwar nicht irgendwie, sondern den Kern der Verfassung betreffend.
Dieses Faktum wird allerdings sowohl von Rechten als auch von Linken innerhalb des demokratischen Spektrums nur allzu oft geleugnet.
Fast alle sitzen der Mär auf, dass die AfD-Wählenden doch eigentlich ganz anders wären, als sie sich zu erkennen geben.
Wer diese Lebenslüge perpetuiert, wird scheitern.
Also meine Wahrnehmung war eine deutlich andere. Sobald es konkret wurde hat Siegmund Nebel geworfen und sich ins rhetorische Unterholz aus Standard AfD-Satzbausteinen geflüchtet. Was ich aber ähnlich wahrgenommen habe, war eine Union die im Wahlkampf irgendwie nicht so richtig „den Arsch hoch“ bekommen hat. Bisschen lahm, bisschen lustlos, bisschen resignativ schon Monate vor der Wahl. Im Vergleich dazu hatte nicht nur die AfD einen engagierteren Eindruck gemacht.
hast du das Gefühle, dass die Parteispitze nach rechts gerückt ist?
Ich würde hier eher sagen:
- Ankündingung/Sprache: Deutlicher Ruck nach rechts, aber auch deutlich konservativer, weniger Staat, weniger Hilfe, „nur wer leistet, bekommt etwas“
- Tatsächliche Änderungen: Kaum, außer die lächerlichen Grenzkontrollen, die eh nicht wirksam sind.
Für mich ist die CDU kein bisschen konservativer geworden, außer in den Ankündigungen.
meine Wahrnehmung war auch, dass das sehr „nebulös“ war, aber es war immerhin eine Vision. Ein Zielbild, sehr wage, und kaum erklärt, wie man da hinkommt, aber ein Zielbild.
Die CDU hatte nur den Status Quo und mehr oder weniger die Message „Ist halt so“. Ehrlich, dafür wirst du nicht gewählt, insb. nicht dann, wenn die Wirtschaft gerade am Kämpfen ist. in wirtschaftlichen Aufschwung Zeiten ist das ein guter Pitch, aber aktuell eine Katastrophe.
Nein, Siegmund hat gesagt, er wird nur MP, wenn die AFD eine absolute Mehrheit hat.
Was seine Wähler wohl sagen werden, wenn er am ersten Tag sein Versprechen zurücknimmt.
Hier noch einige Daten aus der oben verlinkten, 2022 erhobenen Studie von Forschenden der Uni Leipzig:
Nur 33,7 % der repräsentativ befragten Sachsen-Anhalter:innen stimmen der „Demokratie, wie sie in der Bundesrepublik Deutschland funktioniert“, zu. Das ist selbst für den Osten der niedrigste Wert.
Mit 46 % ist Sachsen-Anhalt dagegen auch unter den ostdeutschen Ländern (und dem Ostteil Berlins) spitze bei der Verschwörungsmentalität.
Im Osten insg. fühlt sich übrigens weniger als ein Viertel als „Verlierer der deutschen Einheit“.
Trotz im Erhebungszeitraum schon längst bestehender ‚Energiekrise‘ schätzte in Sachsen-Anhalt nur ein gutes Drittel die wirtschaftliche Lage als schlecht ein, die eigene wirtschaftliche Lage sogar lediglich 15,2 %.
Ein Drittel der im Sachsen-Anhalt-Monitor 2025 (s.o.) Befragten stimmte folgender Aussage zu. Je rechter desto häufiger:
Gleichzeitig wird mehrheitlich ein autoritäres Mindset sichtbar:
Das Überfremdungsitem wurde 2025 anscheinend nicht erhoben, aber dafür im Sachsen-Anhalt-Monitor 2023:
2/3 der befragten Personen, 64 Prozent, nehmen Deutschland als „durch Ausländer gefährlich überfremdet“ wahr.
Also ich hab es gerade nochmal nachgehört
Ja, du hast recht, er formuliert es zunächst äußerst klar (ab 9:10 Minute).
ABER: Ganz am Ende macht er die Tür auf, durch die die AfD sofort nach der Wahl gegangen ist. Quasi Plan B (ab 11:05 Minute).
Nebenbei: Fragwürdig geführtes Interview. Genau dieser Stil der Medien ist meiner Meinung nach Teil des Problems beim politischen Kampf gegen die AfD.
Was in dem Zusammenhang auch noch mal wichtig ist:
Die Auswirkungen sehen wir nicht bloß regional (z.B. in Sachsen-Anhalt), sondern global.
Puzzlestück um Puzzlestück fügt sich zusammen.
Ganz zentral ist dabei, was die Wissenschaftler:innen der Bielefelder Mitte-Studien als Ideologie der Ungleichwertigkeit bezeichnet haben. Da passt Soziale Dominanzorientierung genauso rein wie narzisstische Rivalität (andere abzuwerten, um sich selbst aufzuwerten (s.o.)) oder das Folgende:
[E]s gibt Studien, die zeigen, dass Menschen, die besonders stark auf eigene Benachteiligung reagieren („Opfer-Sensible“), eher zu typisch konservativen Einstellungen und Wertorientierungen neigen: rechtsgerichteter Populismus, Ablehnung von Migration, Skepsis gegenüber Klimapolitik. Menschen, die stärker auf Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Personen reagieren („Beobachter-, Nutznießer, oder Täter-Sensible“), neigen eher zu liberalen Einstellungen und Wertorientierung und haben eine Präferenz für Solidarität, Inklusion und Umweltschutz (Nicolai et al., 2022; Rothmund et al., 2017, 2020).
In den Studien 2 und 3 sagten sowohl die Werte für die „Individualisierende Ingroup-Präferenz“ als auch für die „Bindende Ingroup-Präferenz“ eine stärkere Einstellungsvoreingenommenheit und eine stärkere negative Einstellungsvoreingenommenheit gegenüber Einwanderern (Studien 2 und 3), eine stärkere implizite Voreingenommenheit (Studie 3) sowie eine stärker wahrgenommene Bedrohung durch Einwanderer (Studien 2 und 3) voraus. Wir konnten zudem nachweisen, dass zunehmender Linksliberalismus mit einer geringeren Einstellungsvoreingenommenheit und einer geringeren negativen Voreingenommenheit gegenüber Einwanderern (Studien 2 und 3), einer geringeren impliziten Voreingenommenheit (Studie 3) sowie einer geringeren wahrgenommenen Bedrohung durch Einwanderer (Studien 2 und 3) assoziiert war.
(Übers. unter Nutzung von DeepL)
Die Befunde zeigen effektstarke Differenzen zwischen den Anhängern der AfD und denen anderer Parteien hinsichtlich der Persönlichkeitsmerkmale Autoritarismus, Soziale Orientierung und Aggressivität. AfD-Sympathisanten weisen erhöhte Autoritarismus- und Aggressivitätswerte und erniedrigte Werte in der FPI-Skala Soziale Orientierung auf.
Usw. usf.
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Deine Diagramme von der Forschungsgruppe aus Leipzig zeigen vor allem, dass es keinen wirklich deutlichen Unterschied in den Fragestellungen zwischen Sachsen Anhalt und Gesamtdeutschland gibt.
Ob der Wunsch nach einer starken Partei, die das was einige für den Volkskörper (aka die Mehrheit) ansehen, verkörpert bzw. für ihn eintritt ein guter Prädikator für rechtsextremes Denken ist, darf ebenso bezweifelt werden wie die Frage nach den Reparationsforderungen der Nachfahren enteignerter Juden. Da gibt es einige Fälle, in denen es nicht um die Wiedergutmachung von Unrecht ging, sondern um schiere Bereicherung. Man erinnere sich an den Fall in Rangsdorf.
Die Unzufriedenheit mit der Demokratie mag daran liegen, dass die Menschen in Sachsen Anhalt (aber auch anderswo) ihre Interessen nicht vertreten sehen. Demokratie allein hilft halt wenig, wenn 9 von 16 überwiegend darüber übereinstimmen, dass die Interessen der anderen 7 keine oder weniger Berücksichtigung finden sollten. Kleine, wirtschaftlich schwache Flächenländer sprechen in Deutschland sicher nicht auf Augenhöhe mit Bayern, NRW oder BW.
Und damit möchte ich nicht sagen, dass ich die zitierten Ansichten teile. Ich kann aber nachvollziehen woher sie kommen. Und gleichzeitig habe ich keine Ahnung wie man diesen Konflikt auflösen könnte, denn natürlich sollten sich nicht 80 Mio Deutsche nach den Wünschen von 2 Millionen Menschen aus Sachsen Anhalt richten.
Mit Ausnahme der CDU im Bezug auf inhaltliche Gespräche, ist mir nicht bekannt, dass mit der Linken ähnlich umgegangen wurde. Falls du andere Informationen hast, gerne her damit.
Pressereaktionen aus dem Ausland.
Man macht sich Sorgen. Auch das es in Europa um sich greift.
Was schreibt man eigentlich in Russland dazu?
„ Moskau jubelt nach AfD-Wahlsieg: „Deutschland ist erwacht“
In Russland selbst herrscht unterdessen große Freude über den AfD‑Triumph in Sachsen-Anhalt. „Der historische Sieg der AfD entlarvt die Arroganz, Engstirnigkeit, Kriegstreiberei, Unfähigkeit und Heuchelei der diskreditierten deutschen Regierungskoalition“, schrieb etwa Kirill Dmitrijew, Sondergesandter von Kremlchef Wladimir Putin, bei X.
„Die Deutschen haben gesprochen, und Deutschland ist erwacht“, fügte der Russe hinzu. Kanzler Merz sei „gedemütigt“ worden, so Dmitrijew. In einem weiteren Beitrag behauptete der Putin-Gesandte zudem, die AfD werde „Deutschland und Europa wiederherstellen“.





