Wer wählt warum AfD? - Überblick über aktuelle Forschung

Eine große europäische Studie von Forschenden der Universität Bielefeld kommt zu folgendem Ergebnis:

Die Ergebnisse bestätigen, dass Personen mit höherer Sozialer Dominanzorientierung (SDO) eher dazu neigen, Einwanderer zu diskriminieren, teils aufgrund stärkerer Vorurteile gegenüber Einwanderern, teils weil sie weniger an Vielfalt glauben.

(Übers. m. DeepL)

Eine große internationale Studie bestätigt:

Die Rolle von Autoritarismus, Sozialer Dominanzorientierung (SDO) und Vorurteilen bei der Vorhersage der Unterstützung für rechtsextreme Kräfte wurde in Europa und den Vereinigten Staaten (USA) untersucht. Eine Metaanalyse zeigt bemerkenswert ähnliche, positive und starke Zusammenhänge zwischen der Unterstützung für rechtsextreme Kräfte und diesen drei Variablen in früheren Studien, die in Europa, im Vereinigten Königreich (UK) und in den Vereinigten Staaten durchgeführt wurden.

(Übers. m. DeepL)

Schon lange weiß man (Pratto et al. 1994):

SDO stand im Zusammenhang mit Überzeugungen hinsichtlich einer Vielzahl sozialer und politischer Ideologien, die gruppenbasierte Hierarchien stützen (z. B. Meritokratie und Rassismus) […].

SDO korrelierte negativ mit Empathie, Toleranz, Gemeinschaftssinn und Altruismus.

(Übers. m. DeepL)

Egalitarist:innen sind empathischer gegenüber benachteiligten Menschen als Antiegalitarist:innen (vgl. Lucas & Kteily 2018).

In der Wikipedia heißt es:

Zusammen mit der politischen Einstellung des Autoritarismus (Right-Wing-Authoritarianism, kurz RWA) bildet SDO das stärkste Prädiktorenpaar für Vorurteile.

In einem Essay über “Autoritarismus” von 2020 hat die politische Psychologin Karen Stenner (gründend auf ihre Forschung) das Ziel der Autoritären als “Minimierung von Unterschieden” beschrieben.

Zurückgeführt werden könne dies auf bestimmte Faktoren:

Das tiefe Bedürfnis von Autoritären nach dem, was ich als „Einheit und Einheitlichkeit“ (“oneness and sameness”) bezeichne, erzeugt dann – auf primitive und weitgehend unbewusste Weise – eine Reihe funktional zusammenhängender Anforderungen an das politische System, ohne dass hierfür eine nennenswerte kognitive Untermauerung erforderlich wäre.

Es scheint zwei entscheidende Determinanten für Autoritarismus zu geben. Die erste ist ein Mangel an „Erfahrungsoffenheit“ (eine der „Big Five“-Persönlichkeitsdimensionen, die selbst zu einem erheblichen Teil erblich ist). Die zweite lässt sich am besten als kognitive Inkapazität beschreiben.

Mangelnde Offenheit und kognitive Inkapazität prädisponieren für Autoritarismus, indem sie die Bereitschaft bzw. die Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen, verringern. Menschen, denen es an Offenheit für Erfahrungen mangelt, mögen keine Abwechslung, Neuheit, Vielfalt und Komplexität und lehnen Unkonventionelles und Unbekanntes ab. Menschen mit kognitiven Einschränkungen bevorzugen natürlich ebenfalls Einfachheit und sind für Komplexität schlecht gerüstet.

Du siehst also, die Empirie ist diesbezüglich eng verzahnt.

Dass reale soziale Benachteiligung (oder auch nur die Angst davor) stärker zum Wählen radikal rechter Parteien führt, hat sich hingegen (auch unter Einbezug der in den ersten beiden Posts erwähnten Studien) nicht bestätigt.

2 „Gefällt mir“