Batterie vs. Wasserstoff - Vor und Nachteile

Hallo zusammen,

zur Energiewende gehört auch ein neuer Energieträger. Da wir von den fossilen Energieträgern weg wollen, benötigen wir Ersatz. In der privaten Mobilität ist derzeit die Batterie als kommender Energieträger gesetzt. Doch ist die Batterie in der Mobilität der Weisheit letzter Schluss?

In dem Thread Mobilität ganzheitlich neu denken - geht das in Deutschland? gibt es hierzu bereits eine kleine Nebendiskussion, weswegen ich mir dachte, dass das eines eigenständigen Themas wert ist.

Persönlich denke ich, wird die Batterie als die Lösung nicht lange überdauern. Sie wird sicherlich in gewissen Nischen bleiben, aber als genereller Energieträger für Mobilität sehe ich sie nicht.

Was sind die Argumente pro Wasserstoff?

Das Wichtigste Argument hat @Velligis in dem anderen Thread bereits aufgeführt.

Genau das ist der springende Punkt. Und das nicht nur bei der Elektromobilität, sondern insgesamt bei der Energiewende. Wir haben nach wie vor keinen vernünftigen Energieträger. Und den brauchen wir aus vielerlei Gründen. Nach aktuellem Stand wird das Wasserstoff sein. Nur als Beispiel: Dieses Jahr bereits laufen erste serienmäßige wasserstoffbetriebene LKWs bei Daimler vom Band. Denn für LKWs reicht die Batterie nicht. Und damit reicht sie auch nicht für Busse, Kräne, Bagger, Traktoren, und, und, und. Ein weiterer Vorteil: Wir müssten keine regionalen Bahnstrecken elektrifizieren, sondern die Regionalzüge könnten wasserstoffbetrieben sein. Auch daran arbeitet man schon. Zum Fligverkehr liegen mir keine Informationen vor, aber ich kann mir auch das gut vorstellen. Und der Gründe gibt es allein schon im Verkehrssektor so viele mehr. Über den Verkehrssektor hinaus - Landwirtschaft, Bauwesen, Chemie (Prozesswärme), Schwerindustrie, usw. - gibt es auch unzählige Gründe für einen guten Energieträger.

Ergo: Um die Distribution eines neuen Energieträgers - Wasserstoff - werden wir nicht herum kommen. Das wird zwangsläufig kommen. Und nachdem die Distribution gelöst ist, werden die Vorteile von Wasserstoff seine Nachteile überwiegen. Zumal: Wenn ich, plakativ gesprochen, die Sahara mit Sonnenkraftwerken zupflastere, ist der Wirkungsgrad nachrangig. Was nicht der Fall ist, wenn ich nutzbare Fläche in Mitteleuropa für die Stromerzeugung zupflastere. Die ist ungleich wertvoller, als Wüstenfläche.

Im Moment ist die Batterie das Mittel der Wahl. Auf Dauer spricht gegen die Batterie wirklich viel.

  • Zunächst hat sie das bei weitem schlechteste Energie/Gewicht-Verhältnis. Man muss ihr Gewicht mit transportieren.
  • Ferner müssen Seltene Erden und weitere Rohstoffe aus der Erde geholt werden mit den üblichen zerstörerischen Auswirkungen auf die lokale und regionale Umwelt um die Minen herum. Plus CO2-Emission beim Umbuddeln von Erde in industriellem Maßstab.
  • Das ganze Konzept ist extrem chemie-lastig.
  • Und es benötigt sehr, sehr viel Wasser. Nicht nur in den Minen, auch bei der Herstellung und später bei der Regeneration der Batterie. Dabei ist Süßwasser ist eine zunehmend gefährdete Ressource.
  • Regionale oder überregionale Stromerzeugung ist vonnöten. Transnational ist möglich, aber je größer das Netz, desto größer die Verluste. Transkontinental können wir vergessen.
  • Möchte man die Batterie aus den dann irgendwann Millionen von Autos als Zwischenspeicher für überschüssigen Strom nutzen, benötigt man eine enorm komplexe Infrastruktur. Je komplexer, desto störungsanfälliger.
  • Stromerzeugung und Stromtransport unterliegen auch Verlusten, weswegen der deutlich bessere Wirkungsgrad von Batterie zu Brennstoffzelle kein sauberer Vergleich ist. Dem gegenüber wären Wirkungsgradverluste bei der Erzeugung von Wasserstoff dann vernachlässigter, wenn diese in Wüsten stattfände, wo Sonne und Fläche im Übermaß zur Verfügung stehen.

Sicherlich habe ich das jetzt sehr einseitig formuliert und sicherlich gibt es auch Vorteile der Batterie. ich freue mich auf eine rege Diskussion.

Wasserstoff wird sicher seine Anwendungen haben. Allerdings muss alle Energie, die als Wasserstoff zur Verfügung steht, erst als Strom produziert werden, zu Wasserstoff umgewandelt und dann gespeichert werden (was entweder viel Kühlenergie für Flüssigwasserstoff oder viel Kompressions- und Kühl-Energie für Kompression braucht).

Vom Wirkungsgrad her dürfte es leichter zu machen sein, Strom, der anfällt, in Batterien zu packen und nur dann auf Wasserstoff zu gehen, wenn es halt nicht anders geht, etwa LKWs.

Siehe auch:

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Stromübertragungsverluste sind bei passender Technik aber sehr gering, siehe

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Das ist schlichtweg falsch, bzw. einseitig. Mercedes vertreibt seit Jahren erfolgreich den Actros als vollelektrischen Truck für kurz und Mittelstrecken.
Designwerk hat bereits mehrere Elektro-LKW im Einsatz, darunter einen Elektro-Schwertransport LKW mit bis zu 500km Reichweite.

Oder ein vollelektrischer 42t Auto-Transporter:

Oder der 18-Tonner mit 1099km Reichweite:

Bitte nicht falsch verstehen aber du scheinst hier sehr einseitig informiert zu sein. Während der Wasserstoff-Truck noch nicht produziert ist fahren die ganzen BEV-LKW schon, teils seit Jahren.
Scania und MAN haben bereits letztes Jahr angekündigt Wasserstoff nicht weiter zu verfolgen.

Wirkungsgrad ist NIE vernachlässigbar. Es entscheidet darüber wie viel die Güter kosten. Wasserstoff wird IMMER mindestens 3 mal teurer als direkte Elektrifizierung sein. Kann ja sein, dass H2 bald billiger wird. Aber aufgrund des Wirkungsgrades wird direkte Elektrifizierung IMMER 3 mal billiger sein. Und das lässt die gesamte Infrastruktur noch aus der Rechnung raus.

Braucht es die für Wasserstoff nicht? War da nicht was mit Platin Elektroden? Und kürzlich kam doch eine neue Entwicklung, die Platin ersetzen soll - mit Kobalt. Ein Schelm wer Böses denkt. Bei Batterien Todsünde, bei FCs dann okay.
Seltene Erden sind in Batterien sowieso keine enthalten, da bitte genauer einlesen. In E-Maschinen schon, aber die hat der H2-Truck ja auch.

Kein Plan was das heißen soll…

Aus was stellen wir denn den Wasserstoff her, ich dachte der soll grün sein? Dafür benötigt man sauberste Trinkwasserqualität, während das Solewasser bei der Lithiumgewinning nicht sauber sein muss, ist ja eine Salz-Sole.

Sehe nicht was an dezentralen Hausspeichern komplex ist. Sie Puffern den Tagesverbrauch des Hauses, so dass es weniger Peaks in der Lastkurve gibt. Das funktioniert heute schon einwandfrei. Häuser mit PV und Akku kannst du von März bis Oktober quasi vom Netz trennen, die versorgen sich komplett selbst.

Klar, vergleichen wir mal 10% Verluste im Höchstspannungsnetz mit 50-70% Verlusten bei dem H2 Transport durch mehrfache Umwandlung.

Du machst bei deinen Annahmen hier einige absolut grundlegende Fehler. Ganz im Ernst, du solltest dich wirklich mehr ins Thema einlesen, bevor du hier so steile Thesen raushaust. Ist echt nicht böse gemeint, aber du machst es dir mit einseitigen Infos sehr sehr leicht, auch wenn du es am Ende noch so abbindest.

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Das hat doch in der ganzen Kette schon einen elementaren Denkfehler. Wieso sollte ich Wasserstoff zurückverstromen und dann in eine Batterie einspeichern. Klar ist das nicht zielführend. Aber das ist einfach zu lösen, indem der Strom nach den EE direkt in die Batterie gespeichert wird.

Das ist korrekt. Aber Wasserstoff sollte nicht wie Erdgas heute überall rein gesteckt werden, wo man ihn nutzen könnte. Der direkte Einsatz von Strom hat oft Vorteile (z.B. Effizienz bei Wärmepumpen oder auch bei der Elektromobilität) und Wasserstoff wird dazu auch wirtschaftlich oft nicht die beste Option sein. Der Einsatz sollte sich auf die Sektoren beschränken, wo es keine andere gute Defossilisierungsoption gibt. Selbst Prozesswärme kann oft direkt strombasiert bereitgestellt werden. Es werden nicht überall Hochöfen benötigt, sondern oft auch niedrigere Temperaturen.

Dem liegt die Annahme zugrunde, dass es hier keine Flächen gäbe. Platz ist genug da, es ist eher ein Akzeptanzproblem, wieso es einfach nicht klappt. Zum Wirkungsgrad an sich hat @Lukas ja auch schon etwas gesagt. Aber noch eine Ergänzung, weil das weiter hinten noch mal erwähnt wird:

Das ist von dir unsauber. Bei allen sauberen Betrachtungen wird immer die gesamte Prozesskette betrachtet. Und da ist bei allen Optionen Wasserstoff, egal wo er erzeugt wird, einfach im Nachteil. Vor allem ist der Wirkungsgrad relevant, weil die Verluste beim Transport von H2 nicht eben klein sind. Eine Untersuchung zu genau Nordafrika nennt da 8% pro 1000 km (https://wupperinst.org/fa/redaktion/downloads/projects/LEE-H2-Studie.pdf). Das führt dann dazu, dass zwar 206 TWh importiert werden könnten, dabei aber 60 TWh Verluste entstehen. Nicht gerade wenig und da muss sich der Transport von Strom platt gesagt nicht verstecken bzw. ist bei HGÜ deutlich besser.

Was aber bedenklich ist, weil es in der Diskussion um Batterien und Wasserstoff oft vorkommt ist, dass Wasserstoff quasi das Ressourcenproblem löst. Das ist schlicht falsch und höchstens, wohlwollend eine sehr verkürzte Darstellung. Seltene Erden, Wasser und co. werden in beiden Fällen benötigt. Ich frage mich manchmal, was Menschen glauben, was in so Windrädern und PV Anlagen verbaut ist. Mehr Wasserstoff bedeutet, dass mehr Wind und PV aufbegaut werden müssen und dann an anderer Stelle der Bedarf steigt. So fragwürdig die Praktiken beim Abbau von Lithium von machen Konzernen sind, sie sind nur eben aktuell im Blick, weil es gemacht wird (zumal wie ebenfalls schon angemerkt Batterien auch für viele Wasserstoffanwendungen - gerade in der Mobilität - weiterhin benötigt werden). Wenn wir wirklich mit der Wasserstoffproduktion in der MENA-Region beginnen wird es ebenfalls die gleichen Diskussionen geben. Einfach weil dann Meerwasser für unseren Wasserstoff entsaltzt werden muss aber sehr wahrscheinlich nicht für die Versorgung der lokalen Bevölkerung und Landwirtschaft bereitsteht. Genauso der Punkt, wieso der EE-Strom von dort nicht erst mal genutzt wird, um das lokale Energiesystem umzubauen.

In kurz: Die Wasserstoffoption wird sich oft einfach zu schön geredet, weil man glaubt sich das aktuelle System damit so gut es geht in einer grünen Form zu erhalten. Wasserstoff wird nötig sein, aber eben nicht in dem Ausmaß, wie man es gerne hätte.

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Sieht man auch einfach schon daran, dass H2 aktuell quasi immer als 100% grün, also regenerativ erzeugt hergestellt angenommen wird.
Aktuell wird über 90% des Wasserstoffs aus Erdgas, also Fossil gewonnen. Grün ist an Wasserstoff heute gar nichts. Defacto ist es sogar schmutziger als Diesel. Wenn wir es nicht mal schaffen den Wasserstoff den wir heute brauchen grün zu gewinnen, dann wird das mit der 1.000-100.000 fachen Menge nicht besser.

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Schön zu lesen, dass zwischen Energieerzeugung und Energiespeicherung differenziert wird. Oft wird nämlich einem „pro Windkraft“ Argument ein „pro Wasserstoff“ Argument entgegnet, als ob die beiden etwas miteinander zu tun hätten.

Wir brauchen neue Energieträger, aber soweit ich weiß, ist Wasserstoff keine gute Wahl. Der Wirkungsgrad der Elektrolyse ist gering (60 % bis 80 %) und in der Speicherung gehen noch mal 20 % verloren.
Man kann die Speichereigenschaften von Wasserstoff wesentlich verbessern, indem man Wasserstoff (H2) noch mehr Energie hinzufügt und daraus direkt industriell nutzbare Gase wie Ammoniak (NH3) oder Methan (CH4) erzeugt und diese direkt in der vorhandenen Infrastruktur speichert.
Hierfür wird es in Zukunft garantiert viele Anwendungsfelder geben und ich vermute, dass viele in den Medien, wenn sie Wasserstoffwirtschaft sagen, eigentlich Methan und Ammoniak meinen.

Bezüglich des Stromspeichers Batterie tut sich gerade sehr viel in der Entwicklung. Man kann sich mal das Video von Teslas Battery Day ansehen. Quintessenz bezüglich dem Umweltaspekt:

  • In Zukunft braucht man keine seltenen Erden in Batterien mehr, nur noch Silikon, Nickel, Mangan, Lithium und Eisen.
  • In Zukunft wollen sie Elektroden trocken beschichten, was viel Wasser einsparen wird.

Ein weiterer interessanter Speicher ist das Pumpspeicherkraftwerk im Fundament einer Windkraftanlage, das protorypisch in Gaildorf realisiert wurde. Dort können ca. 4h Windkraft gespeichert werden.

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Ich möchte gerne nochmal etwas tiefer auf die LKW Antriebsform eingehen, da ist meines Erachtens noch nicht alles gesagt.

Betrachtet man die zurückgelegten Strecken von LKW in der EU, so stellt man fest, dass 90% der Trips unter 300km lang sind. Ferner sind 95% aller Trips unter 400km lang. Das hat die European Federation for Transport and Environment in einer Studie erarbeitet.


Hier der Link zum ganzen Paper:

Es wird also geredet von Wasserstoff im LKW, weil die Batterien „es nicht schaffen“, übersehen wird dabei aber, dass zumindest 90%-95% der Trips bereits heute batterieelektrisch erfolgen könnten, aufgeladen an den Depots/Speditionen. Ich denke dass oft übersehen wird, dass der Löwenanteil an LKW Fahrten regional stattfindet. Lieferverkehr in der Stadt oder auf dem Land. Beinahe 70% der Strecken sind unter 100km lang.
Es bedarf hier keiner ineffizienteren Technik, die angeblich einige unbestätigte Vorteile haben soll.
Sprechen wir über die Langstrecke: Was bringt mir denn der Vorteil des „Wasserstoff in 5 Minuten Tanken“ (beim LKW eher 20-30 min) bei den Long-Hauls? Richtig, gar nichts. Die LKW müssen eh ihre Pausen machen. Ich tanke also schnell, dass der Fahrer danach 60 min gesetzliche Pause einhält. Warum nicht gleich laden, während der Fahrer Pause macht? Es dauert nicht nur gleich lange, es spart sogar Zeit, weil man nicht aktive Fahrzeit für das Tanken aufgeben muss.

Reden wir über Packaging/Features:
Batterieelektrischen Trucks können gänzlich anders konzipiert werden. Es bedarf keiner aufwändigen Kühlung mit großen Lufteinlässen, keine sperrigen Brennstoffzellen-Stacks und keine großen, zylindrischen H2 -Tanks. Die Batterien können frei in der Plattform verteilt werden.
Diesen Vorteil nutzt z.B. das Startup Volta Trucks. Sie entwickeln einen Niederflur-LKW, bei dem der Fahrer auf Augenhöhe mit den Passanten ist und somit nicht durch hohes Sitzen vom Geschehen um den Truck entkoppelt ist. Dieser ist explizit für den Urbanen Lieferverkehr auf ca. 200km Reichweite konzipiert.

Die Übersichtlichkeit steigt dramatisch an. Zusätzlich kann der Fahrer einfach auf beiden Seiten aussteigen und muss nicht von oben in den laufenden Verkehr hinab steigen.

Thema Kosten:
Wasserstoff bietet nicht mal einen Kostenvorteil gegenüber Batterien, eher im Gegenteil.
Hier muss ich eine Annäherung vornehmen, da es einfach noch keine realistischen Verbräuche für H2 Trucks gibt.
Der elektrische Schwertransporter von Designwerk verbraucht ca. 150kWh Strom auf 100km. Ein Sparsames Elektroauto liegt bei etwa 15kWh/100km. Ich verwende daher nachfolgend den Faktor 10.
Ein aktuelles Brennstoffzellen-Auto benötigt ca. 1kg H2/100km. Da H2 Trucks ebenfalls Elektrisch fahren kann 15kg/100km im LKW angenommen werden.

150kWh kosten bei 33ct (das zahlt ein Logistiker niemals, aber wir rechnen es mal) ca. 50€/100km.
15kg H2 kosten aktuell subventioniert und steuerbefreit 142,5€. On top kommen Wartung und Dichtigkeitsprüfung für das FC-Stack, Leitungen und Tanks, Tausch der Luftfilter, Erneuerung der Stack-Kühlflüssigkeit. Beim Toyota Mirai (PKW) fällt diese Wartung alle 10-20.000km an (je nach Fahrprofil). Die HV-Batterie und E-Maschinen im Wasserstoff-Truck ist dabei Wartungsfrei.
Gleiches gilt für den Batterietruck. Dieser wird nahezu wartungsfrei fahren können.

Ich sehe ehrlich gesagt keinen einzigen Punkt, bei dem Wasserstoff in der Logistik auf dem Land (Land im Sinne von Land, Wasser, Luft) noch irgendwie überlegen ist.

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Ja, da habe ich mich wohl zu einseitig, bzw. nicht ausreichend informiert. Vielen Dank für die Links. Ich werde mich mal jetzt zu dem Thema aufschlauen. :books: :man_student: :slight_smile:

Mein Anliegen war zu beleuchten, ob denn Wasserstoff auch für die private Mobilität in Frage kommt.

Ausgehend von der Wasserstoffstrategie werden wir am Wasserstoff als Energieträger wohl nicht vorbei kommen. Aktuell wird Wasserstoff auf Basis von Süßwasser erzeugt, die Forschung ist aber dabei, Membranen für Salzwasser zu erforschen. Insgesamt scheint mir da viel Bewegung in dem ganzen Thema Wasserstoff zu sein. Und wenn mal die Distribution etabliert ist, nahm ich an, dass es auch für die private Mobilität eine Alternative sein könnte.

Mich freut es sehr, dass hier so viele konstruktive Posts mit so vielen Links und Informationen zu diesem Themenkomplex eingebracht wurden. Ich habe also viel Lesestoff erhalten. :slight_smile:

Von mir aus kann dieser Post gerne so weiter gehen.

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s. auch

Aus meiner Sicht liegt hier ein grundlegender Verständnisfehler vor. Es geht aus meiner Sicht gar nicht darum, ob Batterie oder Wasserstoff besser ist. Wir werden beides benötigen, denn die beiden Energiespeicher haben völlig unterschiedliche Verwendungszwecke.
In Batterien speichert man kleine bis mittlere Energiemengen kurz bis mittelfristig. Als Wasserstoff speichert man große Mengen langfristig. Heißt konkret eine Taschenlampe wird man ehr nicht mit Wasserstoff betreiben während man eine nationale Gasreserve nicht in Batterien auslagern wird.

Bei Autos ist die Batterie momentan aus meiner Sicht deutlich im Vorteil und ich sehe nicht, dass sich dort Wasserstoff durchsetzen wird, falls nicht noch ein wissenschaftlicher Durchbruch gelingen sollte.

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Ein kleiner Beitrag zu eurer Diskussion. Ihr seid sicherlich die Fachleute und versteht technisch viel mehr von dem Thema.Ich betrachte das aus der Perspektive meiner eigenen Werte und Glaubenssätze.

Konzerne wie Shell & Co. gehören zu den Fürsprechern von Wasserstoff. Sie greifen heute einen großen Teil unserer Einkünfte ab und wollen das gerne auch in Zukunft machen. Wasserstoff mit der ganzen Logistik und den technischen Anforderungen kommen da gerade recht. Und das ist überflüssig. Auch die Infrastruktur wird völlig überbewertet. Das Auto steht 96 Prozent seiner Zeit, da ist es leicht, es immer wieder elektrisch aufzuladen. Mir ist schon klar, warum BP, Shell, Gazprom und Co versuchen unsere Diskussion zu beeinflussen, ich habe fertig mit denen. Wasserstoff - nein danke.

Strom ist aus einem technischen Grund so teuer wie aktuell. Am Markt gilt der Preis des teuersten Kraftwerks, das aktuell zuzuschalten ist. Das ist Gas und das ist teuer. Mit einem zunehmenden Anteil regenerativer Energie wird Strom zur Comodity, deutlich preiswerter für den Endkunden und in viel größerer Menge verfügbar als heute. Gleichzeitig werden Akkus receylbar, effizienter und die Ladezyklen werden kürzer, wenn man mal wirklich - was die Ausnahme ist - einen Schnellader braucht.

Ja, in den Städten besteht ein großer Nachholbedarf an Ladeinfrastruktur. Auf dem Land ist das Thema zunehmend durch. Solar in Verbindung mit einer kleinen Wallbox - Das Tankstellensterben hat schon begonnen. Die sind genauso überflüssig wie die Kohleindustrie.

Lasst uns das Stromnetz belastbar auslegen und Lademöglichkeiten auch für den Laternenparker schaffen. Dazu Car Share Angebote. Die Städter brauchen keinen Schnellader und keinen Wasserstoff und auf dem Land ist das Thema durch.

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Bleibt halt das Thema jahreszeitliche Speicherung, und dafür scheint chemische Speicherung nötig zu sein, also Wasserstoff, eFuels o. ä.

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Nicht zwingend, bzw. höchstwahrscheinlich nicht in den Mengen die den Kritikern heute so vorschweben.

Allerdings hat die Speicherfrage einen oder sogar schon mehrere eigene Threads hier.

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…, oder die E-Mobilität werden als Speicher in einem intelligenten Grid verwendet. Die durch E-Mobilität entstehenden Speicherkapazitäten bieten mE erhebliche Potenziale.

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Das ist ein wichtiger Faktor, allerdings nicht für die saisonale Speicherung. Es sei denn du brauchst dein Auto den Winter über nicht :slightly_smiling_face:

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Bei den Speichern kommen die Vor- und Nachteile von beiden Dingen gut zum Vorschein. Der Umfang, in dem beides benötigt wird hängt aber letztlich stark von der Ausgestaltung des zukünftigen Energiesystems ab.

Wenn auf Batteriespeicher in Autos zurückgegriffen werden kann, dann müssen vermutlich weniger stationäre Batteriespeicher installiert werden. Die sind vor allem für den kurzfristigen Ausgleich notwendig z.B. zur Glättung der PV Produktion über den Tag. Je mehr Batterien existieren, desto eher können sie auch in etwas längeren Bereichen eine Rolle spielen (einfach weil mehr Kapazität mehr Speichervolumen bereitstellt, was dann länger genutzt werden kann). Das wird aber ab einem gewissen Punkt zu einer Kostenfrage. Hier spielt z.B. auch der EE-Energiemix im Stromsektor eine Rolle. Je mehr PV im Vergleich zu Wind ausgebaut wird, desto mehr Batteriespeicher dürften notwendig werden.

Hier kommen dann chemische Energieträger ins Spiel. Kurzfristig hat Wasserstoff gegenüber Batterien keinen Vorteil bzw. dadurch das große Mengen z.B. in Kavernenspeichern (heutige Methanspeicher) „eingelagert“ werden können bietet er sich für den längerfristigen Ausgleich an. Hat aber gleichzeitig das Problem, dass er auch Energieträger für Prozesse in anderen Sektoren sein wird. Je mehr Wasserstoff in anderen Sektoren direkt eingesetzt wird, desto teurer wird es sehr wahrscheinlich.

Je flexibler wir aber das System insgesamt auch auf der Nachfrageseite ausgestalten, desto weniger Wasserstoff wird sehr wahrscheinlich auch für die langfristige Speicherung benötigt. Dazu kommt, dass der Umfang auch davon abhängig ist, wie stark das Stromsystem in Zukunft innerhalb Europas vernetzt ist. Vereinfacht lässt sich sagen, dass eine bessere Vernetzung zu weniger notwendigen Langfristspeichern führt, da „lokale“ EE-Erzeugung leichter aus anderen Regionen ausgeglichen werden kann.


Wenn auch schon etwas älter finde ich, dass die Abbildung die Speicherarten gut gegenüberstellt (Die wichtigsten Energiespeicher-Technologien im Überblick dort entnommen aus Sterner und Stadler (20214): Energiespeicher-Bedarf, Technologien, Integration, Springer-Vieweg)

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Stimmt, besonders diese Diskussion hier, fand ich sehr konstruktiv:

Energiewende: “Dunkle Flaute” / emissionsfreie Speicherung und Wiederverstromung

Die müssen aber erst mal zugänglich werden. Und ob die Besitzer teurer E-Autos bereit sind, den Batterie-Speicher, als quasi das teuerste Bauteil ihres Autos dem Stromnetz zur Verfügung zustellen ist mMn fraglich, selbst mit finanziellen Anreizen.
Dazu kommt, das hatte ich in dem Thread oben mal „überschlagen“, dass man für einen vollen saisonalen Stromausgleich in Deutschland Speicher in der Größenordnung 20 - 30 TWh benötigt.

Selbst WENN wir 40 Millionen E-Autos mit durchschnittlich 100 kWh in D hätten, wären das lediglich 4 TWh Batteriespeicher. Und, wie @MarkusS sagt, deren Speicherkapazität stünde dann natürlich nicht mehr für das Autofahren zur Verfügung, da quasi PV-Strom aus dem Sommer für den Winter gespeichert würde.

Wir brauchen daher in großem Maße stationäre Speicherlösungen und da sehe ich aktuell nur Power-to-Gas, zumal Gas-Speicherung in großem Maßstab seit Jahrzehnten funktioniert und die restlichen Technologien auch vorhanden sind und lediglich hoch skaliert werden müssten.

Wie die gespeicherte saisonale Leistung übers Jahr für 2021 hätte aussehen können, wenn wir 100 EE hätten, hatte ich in diesem Beitrag mal geschätzt:

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