Und das ist wieder diese 100% Schwarz-Weiß-Sicht.
Ja, die Hamas versteckt sich hinter Zivilisten. Ja, die Hamas nutzt tote Zivilisten für ihre Propaganda (wie es übrigens ausnahmslos jedes Land im Krieg tut…). Ja, die Hamas setzt das Leben der Palästinenser nicht als höchste Priorität, sondern setzt die Auslöschung Israels als höhere Priorität an (weshalb die Hamas nie als Regierung von Gaza international akzeptiert werden kann und wird!). Aber daraus zu folgern, dass sich die Hamas nicht für das Wohlergehen der Palästinenser interessieren würde, ist eben auch Propaganda. Ungefähr die gleiche Propaganda, wie zu Corona-Zeiten von Impfgegnern, wenn dem Staat vorgeworfen würde, sich nicht für die Kinder oder alten Menschen zu interessieren, weil er der Eindämmung der Pandemie höheren Wert beigemessen hat als z.B. der Öffnung der Schulen. Diese Denken in Extremen, als gäbe es immer nur „A oder B“, und wenn „B“ priorisiert wird, daraus abzuleiten, dass „A“ irrelevant sei, ist eines der Grundprobleme des öffentlichen Diskurses.
Und nein, das soll keine Verteidigung der Hamas sein. Es ist eine Terrororganisation mit völlig falschen Prioritäten. Ebenso würde ich nicht Russland verteidigen wollen, wenn ich widerspreche, dass Russland das Leben seiner Soldaten „völlig egal“ sei, denn auch das wäre Schwarz-Weiß gedacht. Russland ist das Leben seiner Soldaten nur deutlich, deutlich, deutlich weniger wichtig als anderen Staaten, weshalb der Tod vieler Soldaten für minimale militärische Fortschritte gerechtfertigt wird. Daraus abzuleiten, Russland wären die Soldaten völlig egal, verkennt, dass Russland auf die Soldaten angewiesen ist. Ebenso wie die Hamas auf die Palästinenser angewiesen ist - hinter wem soll sie sich sonst verstecken? Und von wem soll sie sonst ihren Nachwuchs rekrutieren?
Also einfach bitte mal etwas weniger Schwarz-Weiß-Denken. Diese sehr beliebte Phrase „Der Hamas sind die Palästinenser völlig egal“ ist einfach Propaganda, das sollte man bei aller berechtigten Ablehnung der Hamas sehen können.
Also sorry, aber es gab exakt dazu Statements der israelischen Regierung, die genau das sagten - dass man häufig mit „verminderter Effizienz“ vorgehen müsse, weil man in bestimmten Regionen / Tunneln Geiseln vermutet hat. Gerade zu Beginn des Krieges waren die Geiseln ein zentraler Grund, warum manche militärische Opertion weniger hart ausgefallen ist, als sie hätte ausfallen können. Willst du das wirklich bestreiten?
Über die Definition von Flächenbombardements kann man natürlich streiten, aber wenn man sich die Bilder aus dem Gaza-Streifen anschaut, wo wirklich über quadratkilometerweite Felder kein Stein mehr auf dem anderen steht, ist das doch ein sehr akademischer Streit. Wann endet eine Kaskade unzähliger „Präzisionsschläge“ und wo beginnt das „Flächenbombardement“, wenn das Ergebnis hinterher identisch ist…