Ja eine andere Quelle habe ich auch nicht gefunden. Zu dieser Quelle (Heath, Warner 2012) muss man allerdings einiges wissen:
- Es ist „nur“ eine Meta-Studie, d.h. die Autoren haben nicht selbst geforscht, sondern sie versuchen, die Life-Cycle-Emissionen anderer wiss. Artikel zu vereinheitlichen und zusammenzufassen.
- Das Bild, das @MarkusS meint, zeigt nur, was sie als zwingende und was als optionale Kriterien in der Metastudie hatten. Soll heißen, sie haben auch Life-Cycle-Werte einbezogen, die die Endlagerung gar nicht einberechnet hatten.
- Sie schreiben selbst, dass die Life-Cycle-Emissionen stark schwanken, je nachdem wie der Energiemix bei der Uran-Anreicherung aussah. Sie gehen selbst aber hier von sehr niedrigem CO-Ausstoß beim Betrieb der Zentrifugen aus.
- Bei der Lagerung von atomaren Abfällen gehen sie nur von 50 oder 200 Jahren aus.
edit:
In dem Paper wird außerdem als Ergebnis ein interquantile range (Wiki) von 12 g/kWh (25%), 17 g/kWh (Median) und 110 g/kWh (75%) angegeben. Und die Autoren (Haeth/Warner) schreiben selbst:
[…] the upper end of the range exhibited in this article
may be closer to the true life cycle GHG emissions than those
estimates at the lower end.
Aber es wird, sowohl bei der IPCC als auch sonst, immer der kleinste Wert von 12 g/kWh aus der Studie genommen obwohl die Autoren die tatsächlichen CO2-Emissionen eher in Richtung 110 g/kWh sehen.
Ich habe außerdem mal in das „Supporting material“ geschaut. Im Grunde erklären Heath/Warner erst dort ihre Methoden genau. (Link).
Auch in diesem erweitertem Dokument, lässt sich nicht erkennen, wie sie den Atommüll genau in ihre Berechnungen einbezogen haben.
In dem „Supporting material“ werden außerdem einige handwerkliche Fehler gemacht, zum Beispiel werden Quellen nicht richtig referenziert. Sowas kann natürlich immer passieren, ABER sowas fällt in einem ordentlichen Peer-Review-Prozess normalerweise auf. Das der Fehler drin ist, hinterlässt den Eindruck, dass die Studie von Heath/Warner eben nicht sauber geprüft wurde.
Leider entsteht bei mir der Eindruck, die (offenbar) einzige Quelle (Heath/Warner 2012) auf die sich das IPCC in ihrem 5. Report bei der Bewertung der Treibhausgas-Emissionen von Atomenergie stützt, ist bei genauerem Hinsehen nicht sehr vertrauensvoll. Man muss sich hier auch fragen, warum das IPCC nur eine Quelle gewählt hat und nicht noch weitere Meta-Studien, von denen es ja einige gibt.
Alternative Einschätzungen dazu hat ja z.B. @panda oben schon verkinkt.