Altersvorsorgedepot

Die Frage ist ja, ob man heute noch so staatliche konstrukte braucht? Also bedarf es den Anreiz, dass man privat vorsorgt? Was ja auch nur bedeuten kann, dass man sich ein bitcoin oder etf Konto anlegt und da immer mal wieder was kauft… bzw. einen Sparplan einrichtet…

Ich mach das so oder so.. eine kleine staatliche Förderung nehme ich mit, aber braucht es die?

Klar. Aber solange die Mitarbeiter nicht 100% der Anteile haben bekommen sie auch nur einen Teil der Wertsteigerung.

Und auch Anteile am Gewinn sind ja nur zum Teil möglich, da ja in der Regel ein Teil des Gewinns reinvestiert wird und damit dem Wachstum und damit der Wertsteigerung zu Gute kommt.

Würde das alles zu 100% an die Mitarbeiter gehen, woher sollte dann das Kapital für eine Wertsteigerung kommen?

So ziemlich vereinfacht skizziert.

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Offensichtlich ja. Sonst würden ja viel mehr Menschen zusätzlich privat vorsorgen.

Wobei der Plan des Altersvorsorgedpot ja auch erhebliche Zuschüsse aus Steuergeldern vorsieht, insbesondere für Menschen mit eher geringeren verfügbaren Einkommen und kindergeldberechtigte Eltern. Insofern ist das eben schon mehr als nur ein “Depot”, sondern auch eine gezielte finanzielle Förderung bestimmter Bevölkerungsgruppen.

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Keine Ahnung, in wie weit eine Förderung dazu anreizt.. also wie viele Menschen sorgen ZUSÄTZLICH vor, durch die Förderung. Getreu dem Motto: ich hab 100€ frei, ich würde das nicht ablegen, aber weil ich jetzt x€ zusätzlich bekomme, mache ich es…

Wer mit jedem Euro rechnen muss, braucht die Motivation, denn da steht im Alter Zusatzrente vs Grundsicherung. Außerdem fressen die Gebühren einen Großteil der Rendite auf. Und das Geld zu sparen, bedeutet echten Verzicht im heute.
Die Zulage garantiert mir eine feste planbare Rendite und deckt die Gebühren.

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Aber genau dem wollte ich mit meiner Antwort ja widersprechen. 10 Jahre ist schon für die Boomer zu kurz gedacht, die müssen ja weitaus länger versorgt werden und gleichzeitig, so El-Mafaalani, stagniert ab da das Verhältnis von Zahlenden zum Empfangenden, sodass es sich also auch nicht mehr entspannt (nur wenigstens nicht noch schlimmer wird).

Genau das soll die Förderung ja eigentlich nicht bewirken.
Sonst werden nicht die Sparer gefördert, sondern die Anbieter :neutral_face:

Mit dem Rechner von Finanztip kann man das anschaulich vergleichen.
Hier mal ein konkretes Beispiel:

Alter: 30 Jahre
Einkommen: 54.000 €
(mittlerer Bruttojahresverdienst 2025 in DE)
Sparrate: 200 € pro Monat

Szenario 1: ETF marktübliche jährliche Kosten von 0,2 %:

→ works as intended

Szenario 2: maximale jährliche Kosten laut Gesetzesentwurf von 1 %:

→ Die Förderung wird durch die höheren Kosten komplett zweckentfremdet und es entsteht sogar ein Nachteil zu einem ETF-Sparplan ohne Förderung.


Der entscheidende Punkt ist also die Kostenstruktur und nicht die Höhe der Förderung an sich. Und umso länger der Anlagehorizont bzw. die Ansparphase ist, desto drastischer wirken sich auch die höheren Kosten auf das Endvermögen aus (Zinseszinseffekt).

Daher sollten die Kosten per Gesetz deutlich niedriger gedeckelt werden (max. 0,5 %).
Aber das Vorhaben geht natürlich tendenziell in die richtige Richtung, auch wenn eine staatliche Anlage für jedes neu geborene Kind weiterhin effektiver, fairer und günstiger wäre.

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Heißer take, der weder logischer noch empirischer Prüfung standhält. 25 Jährige, die kaum lesen, schreiben und rechnen können, werden in Deutschland niemals Nettoeinzahler werden, sondern die Sozialsysteme belasten. Das kann man natürlich trotzdem unterstützen, aber solche Phantastereien machen unglaubwürdig.

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Heißer Take, es gibt Millionen sehr einfache Jobs, für die man nur absolut rudimentär lesen, schreiben oder rechnen können muss. All die Taxifahrer, Bedienungen, Friseure, Reinigungskräfte und etliche andere „leicht anlernbare“ Tätigkeiten, die kaum ein Deutscher machen möchte, weil sie eben so schlecht bezahlt sind.

Diese Jobs müssen von irgendwem gemacht werden. Und wenn die Bezahlung so niedrig ist, dass man dadurch nicht zum „Nettoeinzahler“ werden kann (weil auf ein Jahr Arbeitslosigkeit 20 Berufsjahre kommen müssten…), ist das ein Problem im System, kein Problem der Migranten. Denn wie gesagt: Irgendwer muss diese Jobs machen.

„Kaum“ lesen, schreiben oder rechnen zu können ist kein zwingendes Hindernis auf dem Arbeitsmarkt für geringqualifizierte Kräfte. Ein solches Hindernis sind eher nicht rechtzeitig behandelte Traumata, psychische Störungen oder Behinderungen.

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Du hast ja nicht nur Haltegebühren, sondern auch Einkauf und Verkauf. Und da das die Geringverdiener eher nicht bei Trade Republic o.ä., sondern bei ihrer Hausbank machen, sind die wesentlich höher.
Sparplan ist auch schwierig, wenn man jeden Euro zweimal umdrehen muss. Da ist eher: war ein guter Monat, spare ich etwas.
Versetze ich mich in die Lage - in der ich vor einem Jahrzehnt selbst noch war - scheitert es hier sowieso. Ich kann vielleicht mal etwas zurücklegen, aber es kommen Monate, wo ich das Geld eigentlich bräuchte: Waschmaschine kaputt o.ä. oder auch nur between two jobs, was im Niedriglohnsektor immer wieder passiert, weil die Arbeitsbedingungen einfach unterirdisch sind (cause I can). Und 67%/80% von wenig sind extrem wenig.
Dann ist das Geld in der Altersvorsorge gebunden und ich bekomme finanziell Breitseite.

Ich bin der Meinung, gezielte, qualifizierte Einwanderung würde uns helfen. Durch ausufernde Abgabenlast bei zugleich schwieriger Sprache ist Deutschland aber wenig attraktiv. Die Sprache wird sich nicht ändern lassen, Abgaben sind also der Handlungsraum. Ohne Nettozahler steigen die Abgaben und verschlechtert sich die Situation.

Glaubst du wirklich daran, dass millionenfache unqualifizierte Einwanderung das deutsche Demographieproblem und den Sozialstaat retten können? Für den Sozialstaat zählt vor allem:

  • Beschäftigungsquote
  • Einkommen (wegen Steuer- und Sozialabgaben)

Bezogen auf deine konkreten Vorschläge:

Es gibt keinen Taxifahrermangel in Deutschland und in den nächsten zehn Jahren wird dieser Job durch Robo-Taxis ersetzt.

Friseur-Mangel wäre mir auch nicht bekannt, es gibt eher eine Flut an Barber-Shops mit unterdurchschnittlichem Standard, wodurch enormer Preisdruck auf das Handwerk entsteht. Selbst wenn es einen Mangel gäbe: wäre dadurch konsequenzlos zu beheben, indem Kunden einfach ihre Anzahl der Friseurbesuche pro Jahr von z.B. inzwischen 8 Mal im Mittel auf (wie früher) 6 Mal reduzieren. Hat exakt keinen Einfluss auf Wohlstand und Entwicklung in Deutschland.

Gebäudereinigung ist tatsächlich schwierig, aber der Job krankt vor allem an niedrigem Ansehen, körperlicher Arbeit und zugleich schlechtem Lohn. Ob die Lösung dafür nun Armutsmigration sein sollte, damit die Löhne zuverlässig niedrig bleiben… ich weiß ja nicht…

Bei Bedienungen und Service werden die einfachsten Jobs zunehmend automatisiert werden (z.B. Bestellterminals) und anspruchsvollere Rollen gehen normalerweise mit ordentlichen Sprachkenntnissen einher (oder sind anspruchslos und daher für immer mies bezahlt).

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Der von dir @ipfel genannte Aladin El-Mafaalani war letzten Sommer auch bei der Lage (LdN 441 & 442). Wenn ich mich richtig erinnere hat er das da auch so gesagt, dass man nicht einfach davon ausgehen kann, dass sich das Problem mit der Altersstruktur schnell genug von alleine wieder einpendelt.

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Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Ich meine nicht „von alleine wieder einpendelt“. Ich meinte, dass es 10-15, vielleicht 20 Jahre sind, die besonders herausfordernd sind, aber nicht ewig bleiben.

Nein, die Renditen von Aktien oder Aktien-basierten ETFs kommen nur zu einem geringen Anteil von den Unternehmen, die diese Aktien irgendwann einmal emittiert hatten.

Wenn man mal von Dividenden absieht: Wenn die Rendite realisiert wurde (d.h. die Aktie oder der ETF verkauft wurde), kommt die Rendite vom Käufer dieser Aktie / dieses ETFs. Solange die die Aktie oder der ETF nicht verkauft, steht die Rendite noch virtuell „in den Büchern der Börse“. Sie wird gespeist durch die Veränderungen der Börsenkurse der Aktien bzw. ETFs. Und diese wieder sind gespeist von den Kurs-Erwartungen der Anbieter (Eigentümer) und Nachfragern (potenzielle Käufer) der Aktien bzw. ETFs. Die Kurserwartungen sind wieder gespeist von den Gewinn-Erwartungen dieser Marktteilnehmer in Bezug auf das Unternehmen, das irgendwann einmal diese Aktie ausgegeben hatte bzw. den Unternehmen, deren Aktien sich im Aktienkorb des ETFs befinden. Es gibt eine Korrelation zwischen Unternehmensgewinnen und Kursgewinnen, aber es fließt nur wenig Geld zwischen emittierendem Unternehmen und an der Börse kaufender oder verkaufender Aktionär. Weder als Kurssteigerung, noch als Unternehmensfinanzierung (daher „finanziert“ auch kein Investor, der z.B. Rüstungsaktien kauft, ein Rüstungsunternehmen - trägt aber mit dazu bei, dass sich das Rüstungsunternehmen zukünftig günstiger und leichter finanzieren kann).

[edit: Korrektur wg. Dividendenzahlungen]

Das ist aus dem o.g. Grund ebenso falsch wie das:

Interessanter und sehr wichtiger Gedanke. Das war mir bislang nicht klar, ist aber sofort einleuchtend.

Diese Gedankenexperiment ist super! Werde ich übernehmen! Funktioniert umso mehr, je jünger die Zuwanderer sind und je besser wir sie integrieren.

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I.d.R. auf Kosten der Staaten, aus denen wir die Fachkräfte abwerben.
Klar, die ukrainischen Ingenieure wollen wir gerne behalten, die ukrainischen Tellerwäsche sollen aber nach dem Krieg bitte wieder gehen…

Diese Rosinenpickerei ist das Grund-Übel der Migrationspolitik. Ja, wir können nicht „nur“ ungebildete, ungelernte Arbeitskräfte aufnehmen. Tun wir aber auch nicht. In deutschen Krankenhäusern sind alleine schon fast 6000 syrische Ärzte beschäftigt. Die dürften natürlich bleiben, nur der Rest muss gehen. Sorry, aber so funktioniert das nicht, das ist eine hochgradig egoistische, MAGA-ähnliche Politik. Immer nur auf den eigenen Vorteil schauen, immer nur die Rosinen raus picken und den Rest vor die Hunde gehen lassen.

Sprache war stets im Wandel und gerade im hochqualifizierten Bereich (vor allem in der IT) kann man schon ziemlich gut nur mit Englisch auskommen. Gerade die Alltagskompetenz in Englisch steigt immer weiter und ich hoffe sehr, dass wir irgendwann dahin kommen, Englisch als zweite Amtssprache einzuführen, das würde gerade die Migration deutlich erleichtern. Aber ich bin auch wahrlich kein Freund der deutschen Sprache.

Nochmal: Es geht um ein Gesamtpaket. Es geht darum, dass ich diese Rosinenpickerei ekelerregend-trumpistisch finde. Die tausenden syrischen Ärzte und Ingenieure gibt es eben nur in Kombination mit hunderttausenden einfach ausgebildeten Syrern UND auch hunderttausenden Syrern, die massive Unterstützung brauchen.

Es gibt u.a. einen massiven Bus- und LKW-fahrer-Mangel und ich habe lange keinen „bio-deutschen“ Busfahrer mehr gesehen. Und das ist in Ordnung.

Wow, ich bin begeistert von deiner Ambiguitätstoleranz.

Es wird immer mies bezahlte Jobs geben. Irgendwer muss eben auch die Toiletten putzen. Dass das dann an diejenigen fällt, die keine gute Ausbildung haben, ist natürlich in einer gewissen Weise unfair, aber in einer funktionierenden Gesellschaft muss jeder auf die Art mit anpacken, die ihm möglich ist. Daher von Migranten ohne Sprachkenntnisse und formale Bildung zu erwarten, anspruchslose und dadurch relativ schlecht bezahlte Jobs (kurzum: Mindestlohn-Jobs) zu machen ist natürlich unschön, aber für alle Seiten ein Win-Win, da der Lebensstandard vom Mindestlohn in Deutschland im Vergleich zu den meisten Fluchtländern doch noch ziemlich gut ist. Dass du hier ernsthaft versuchst, gegen Migration geringqualifizierter zu argumentieren, und dazu quasi das Argument nutzt, dass das ja unfair für den Migranten wäre, ist… puh, da fehlen mir die Worte.

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Das stimmt natürlich nur, wenn man (Arbeits-)Migration und Asylrecht zusammenwirft (oder als rein moralische Wertung).

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Exakt. Schaut man sich Länder wie Kanada oder Australien an, sieht man, dass man sich sehr wohl die Rosinen rauspicken kann.

Immer nur auf den eigenen Vorteil schauen, immer nur die Rosinen raus picken und den Rest vor die Hunde gehen lassen.

Wenn es wirklich Flüchtlinge sind (“vor die Hunde gehen lassen“) und diese einen Anspruch auf Asyl in Deutschland haben, dann haben wir eine Pflicht, diesen Schutz zu gewähren, aka Fluchtmigration.

Das heißt aber nicht, dass wir nicht trotzdem entscheiden können (sollten), wer nach Deutschland kommen darf und wer nicht, sofern keine Schutzgründe bestehen, aka normale Arbeitsmigration.

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Oh, spannend! Das musst du mir erklären: wo kommt denn das Geld genau her, das ich von Dividenden ausschüttenden Unternehmen jedes viertel/halbe/ganze Jahr, je nach Ausschüttungskalender, ganz konkret auf mein Verrechnungskonto von meinem Broker überwiesen bekomme - wenn nicht aus dem Cashbestand des Unternehmens, das die Aktien mal irgendwann emittiert hat, die ich da in mein Depot gekauft habe?

Dass Kursgewinne natürlich nicht vom Unternehmen kommen, logisch, geschenkt. Aber in meinem Modell der Finanzwelt sind Dividenden sehr wohl Überweisungen vom Unternehmen an mich (natürlich nicht direkt, sondern über Banken und Broker, welche den großen Geldtopf vom Unternehmenskonto abbuchen und auf alle Anleger verteilen).

Stimmt auch nur, wenn man Aktienrückkäufe ignoriert.

Got me on that one :grinning_face:

Ich hab @TilRq den gegeben weil ich so gespannt auf die Antwort bin, wo das Geld herkommt, das ich da immer wieder auf mein Konto überwiesen bekomme, ohne dass ich Aktien verkaufen muss.