Ich teile die Einschätzung, dass Zuwanderung hilft. Das ist aber kein Grund, weitere Maßnahmen zu unterlassen. Ich finde die Beharrlichkeit, mit der Deutschland Kapitalmarktgewinne für die Altersvorsorge sausen lässt, fast schon unanständig. Das Altersvorsorgedepot ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber da geht noch mehr, siehe Schweden.
Auch unter den Geflüchteten gab es viele Ärzte. Und natürlich reden wir über moralische Wertungen und Realpolitik hier, juristisch ist eine extrem unfaire, den eigenen Vorteil maximierende Migrationspolitik vermutlich durchaus möglich, es funktioniert nur nicht, wenn alle Industrieländer es tun (siehe nächsten Abschnitt)
Das ändert doch nichts an den Argumenten oben.
Ja, Kanada und Australien fahren eine extrem egoistische Migrationspolitik, die darauf basiert, dem eigenen Land den größten Vorteil zu Lasten des Brain Drain der anderen Länder zu verschaffen. Unter anderem weil Länder wie Kanada, Australien und die USA sich die Rosinen rauspicken, fehlen diese Fachkräfte in der Gesamtmischung. Wenn von 13 Millionen Syrern, die vor dem Krieg geflohen sind, die eine Million hoch begehrten Fachkräfte eben durch diese Rosinenpickerei der „Fachkräftemigration“ aus der Masse der 13 Millionen Flüchtlinge herausgelöst werden, bleibt es nur noch „der Rest“. Und dann zu argumentieren, dass dieser „Rest“ wirtschaftlich nicht tragbar sei, weil sie keine Nettoeinzahler würden, ist absurd. Diese Trennung zwischen „Arbeits- und Fluchtmigration“ ist nicht gottgegeben, sondern dient gerade dazu, dieses Framing der „guten Fachkraft“ und des „teuren Flüchtlings“ zu setzen. Deshalb halte ich diese Aufteilung für sehr problematisch.
Das… hat doch niemand bezweifelt? Der Punkt ist nur: Für die gering qualifizierten Jobs brauchen wir gerade keine Arbeitsmigration, sondern es gibt genug Flüchtlinge, die dafür kommen können. Das löst direkt zwei Probleme - wie gesagt: Es ist ein Win-Win.
Wenn wir nun aber gering qualifizierte Arbeitsmigration für diese Jobs aus Nicht-Fluchtländern zulassen würden und dadurch tatsächlich keine Möglichkeit hätten, schlecht ausgebildete Flüchtlinge zu beschäftigen, wäre das sehr ungeschickt.
Andererseits finde ich diese Diskussion auch irgendwie witzig. Denn darin steckt ja die Wertung, dass der Staat am Aktienmarkt verdienen sollte, weil es sich lohnt. Darin wiederum steckt die Wertung, dass der Staat doch ein ganz passabler Investor sein kann. Warum wird das Thema „Staat legt große Mengen Geld am Aktienmarkt an, um damit Dinge (z.B. Renten) finanzieren zu können“ eigentlich so gezielt nur beim Thema „Rente“ verfolgt? Warum fordert eigentlich niemand, dass der Staat ein paar hundert Milliarden Euro Schulden zu gewohnt-günstigen Zinsen machen sollte, um damit die „Kapitalmarktgewinne“ nicht „sausen zu lassen“?
Also ich bin durchaus nicht gegen eine Aktienrente, ich finde es nur witzig, dass diese Forderung auch sehr stark aus Richtungen kommt, die sonst immer beharrlich argumentieren, dass der Staat ein denkbar dämlicher Akteur auf den Märkten sei und generell alles falsch und ineffizient machen würde. Das passt für mich irgendwie nicht zusammen.
Staatsschulden sind nicht Rentenbeiträge. Schulden aufzunehmen, um Kursgewinne zu erzielen, ist ein ganz anderes Risikoprofil, als Beiträge, die ohnehin gezahlt werden, in ein effizientes Kapitalertragssystem zu investieren, statt sie in einem ineffizienten Umlagesystem zu versenken.
Warum fordert eigentlich niemand, dass der Staat ein paar hundert Milliarden Euro Schulden zu gewohnt-günstigen Zinsen machen sollte, um damit die „Kapitalmarktgewinne“ nicht „sausen zu lassen“?
Habe ich ehrlich gesagt noch nie drüber nachgedacht, aber klingt für mich im ersten Moment sinnvoll. Das größte Problem wird wahrscheinlich sein, dass man bei der Altersvorsorge einen extrem langen Anlagehorizont hat, weswegen sich das Investment am Ende trotz zahlreicher Krisen unterwegs höchstwahrscheinlich lohnen wird.
Würde man jetzt einfach ein paar Milliarden investieren und diese in ein paar Jahren brauchen, könnte man das Pech haben, gerade in einer Krise zu sein.
Norwegen macht ja genau das mit seinem Staatsfonds: Dieser wurde über einen sehr langen Zeitraum aufgebaut und jetzt nutzt man die Erträge. (Obwohl das Geld ja nicht aus Schulden, sondern den Erdölerlösen kommt, also nicht ganz vergleichbar.)
Und auch in Deutschland gibt es bereits einen “Staatsfonds”: den KENFO (Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung).
Ich sehe es so: Wer Flüchtling ist, dem muss Schutz gewährt werden. Grundsätzlich sehe ich ihn dann auch nicht in der Pflicht, sich selbst versorgen zu müssen. Er wurde in Deutschland nicht aufgenommen, weil er hier ein ökonomisch besseres Leben sucht, sondern weil er Angst um sein Leben hat. (Das bedeutet aber auch, dass wir hier wirklich von Flüchtlingen reden, und nicht von Menschen, die zwar ein besseres Leben wollen, aber die keine Flüchtlinge sind.)
Gleichzeitig sollte es für mich klar sein, dass ein Flüchtling Deutschland verlassen muss, sobald der Fluchtgrund nicht mehr besteht. Wer allerdings für seinen Lebensunterhalt sorgen kann (damit meine ich nicht nur den Arzt, sondern auch den Handwerker oder Reinigungspersonal) und in Deutschland bleiben will, sollte meiner Meinung nach unbürokratisch “Arbeitsmigrant“ werden und in Deutschland bleiben. Wer allerdings nicht für seinen Lebensunterhalt sogen kann, muss Deutschland verlassen - auch wenn er lieber bleiben würde.
Ist das egoistisch? Natürlich. Aber warum sollten wir Menschen durchfüttern? Das kann ich nicht nachvollziehen.
Und hier kommt jetzt die Trennung zwischen Arbeits- und Fluchtmigration: Während ich von einem Flüchtling nicht erwarte, dass er sich selbst versorgen können muss, erwarte ich das selbstverständlich von einem Arbeitsmigranten. Jeder, der in Deutschland ein besser Leben möchte, ist herzlich willkommen - sofern er seinen Beitrag leistet. Aber auch hier wieder: Ich sehe nicht, warum wir Menschen durchfüttern sollten.
Ja, Kanada und Australien fahren eine extrem egoistische Migrationspolitik, die darauf basiert, dem eigenen Land den größten Vorteil zu Lasten des Brain Drain der anderen Länder zu verschaffen.
Aber es würde doch weder Kanada noch den Fluchtländern etwas bringen, wenn Kanada jetzt einfach jeden aufnehmen würde? Dass es Kanada nichts bringen würde, ist klar, und auch die Fluchtländer würden ja unter Wegzug potentieller Arbeiter leiden.
Unter anderem weil Länder wie Kanada, Australien und die USA sich die Rosinen rauspicken, fehlen diese Fachkräfte in der Gesamtmischung.
Aber auch das ist doch nicht die Schuld von Kanada, Australien oder den USA? Nur weil sie nicht jeden migrieren lassen, heißt das ja nicht, dass jeder in eines dieser Länder migrieren muss? Selbst wenn sie sich nicht die Rosinen rauspicken würden, würden die Rosinen doch auch in diese Länder migrieren - und nicht etwa nach Deutschland.
Wenn von 13 Millionen Syrern, die vor dem Krieg geflohen sind, die eine Million hoch begehrten Fachkräfte eben durch diese Rosinenpickerei der „Fachkräftemigration“ aus der Masse der 13 Millionen Flüchtlinge herausgelöst werden, bleibt es nur noch „der Rest“.
Wenn Kanada keine Rosinenpickerei betreiben würde, dann würden die eine Million doch trotzdem nach Kanada gehen.
Ich glaube, dein Argument hat da einen Logikfehler.
Der Kern des Argumentes ist:
Eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge wäre gegeben, wenn sowohl die Fachkräfte, als auch die gelernten Kräfte, als auch die ungelernten Kräfte, entsprechend ihres Anteils an der Flüchtlingsgruppe, auf die Staaten verteilt würden.
Eine ungerechte Verteilung ist gegeben, wenn einige Staaten wie Kanada und Australien sich die Rosinen rauspicken und der Rest der Welt dann das Problem hat, die ökonomisch weniger vorteilhaften Flüchtlinge versorgen zu müssen. Deshalb bin ich gegen Konzepte, die darauf ausgelegt sind, explizit nur Fachkräfte zu rekrutieren, vor allem aus Flüchtlingsgruppen. Daher bin ich der Meinung, wenn wir syrische Ärzte und Pfleger wollen, müssen wir auch syrische Analphabeten akzeptieren. Kanada und Australien tun das nicht, dadurch bekommen wir dann weniger Ärzte und Pflege, dafür mehr Analphabeten. Das führt hier wieder zu einer größeren Abwehr gegen Flüchtlinge. Deshalb halte ich die kanadische und australische Einwanderungspolitik für moralisch falsch - und deshalb bin ich dagegen, eine ähnliche Politik in Deutschland einzuführen. Ganz davon ab, dass Australien und Kanada diese Politik nur betreiben können, weil sie von Meer (und den USA) umringt sind, während die EU diesen Vorteil nicht hat (und Deutschland ist hier Teil der Solidargemeinschaft der EU). In diesem Sinne wäre eine Abschottung, wie Australien und Kanada sie praktizieren, für Europa und Deutschland (im Rahmen des EU-Rechts) auch kaum möglich.
Das ist wieder nur eine Frage des Framings. Staatsschulden (z.B. über Staatsanleihen) sind i.d.R. Schulden beim wohlhabenden Teil der eigenen und anderer Länder Bevölkerungen. Eingezogene Rentenbeiträge sind Schulden beim (ehemals) arbeitenden Teil der Bevölkerung. Diesen Unterschied kann man machen, aber er ist kaum zwingend. Hier muss man mal etwas außerhalb des wirtschaftswissenschaftlichen Dogmatismus denken.
Für Staatsschulden verpflichtet der Staat sich, einen teils fixen, teils variablen Zinssatz zu zahlen.
Für eingenommene Rentenbeiträge verpflichtet der Staat sich, eine entsprechende Rente zu zahlen.
Wenn das Argument nun ist, dass das „Risikoprofil“ bei „Rentenbeiträgen“ anders sei als bei „Staatsschulden“, würde ich da ein großes Fragezeichen dran machen. Wenn der Staat die Rentenbeiträge in den Sand setzt hat das vermutlich sogar noch katastrophalere Folgen, als wenn der Staat ein paar Staatsschulden in den Sand setzt…
Deshalb bin ich gegen Konzepte, die darauf ausgelegt sind, explizit nur Fachkräfte zu rekrutieren, vor allem aus Flüchtlingsgruppen.
Aber jetzt bringst du doch schon wieder Flucht- und Arbeitsmigration durcheinander. Natürlich nimmt Kanada Flüchtlinge auf - unabhängig davon, ob diese Ärzte sind oder nicht. Das ist doch auch in Deutschland unbestritten.
Wenn es aber um Arbeitsmigration geht, sollte man sehr wohl schauen, wen man einreisen lässt und wen nicht.
In diesem Sinne wäre eine Abschottung, wie Australien und Kanada sie praktizieren, für Europa und Deutschland (im Rahmen des EU-Rechts) auch kaum möglich.
Na ja, wo ein Wille ist, ist durchaus ein Weg, siehe etwa den EU-Türkei-Deal.
Ich bringe es nicht durcheinander, ich lehne die Trennung ab.
Über Arbeitsmigration können wir sprechen, wenn es um andere Industrieländer geht.
Wenn es um typische „Fluchtländer“ geht führt diese Trennung zwischen Flucht- und Arbeitsmigration zu dem oben genannten Problem: Die Flüchtlingskohorte wird aufgeteilt in „qualifizierte Arbeitsmigranten“, die eine realistische Chance haben, über das System der Arbeitsmigration in viele Staaten dieser Welt zu kommen, und „unqualifizierte Flüchtlinge“. Diese Aufteilung ist das Problem. Deshalb bin ich gerade im Hinblick auf Flüchtlinge gegen diese Aufteilung.
Ich bin aber eigentlich auch grundsätzlich skeptisch, wenn es um Arbeitsmigration im Sinne von „Wir werben Fachkräfte anderer Länder ab“ geht. Einzig, wenn Länder sich darauf spezialisieren, einen Überschuss an spezifischen Fachkräften auszubilden (z.B. IT-Spezialisten in Indien), ist das moralisch in Ordnung. In allen anderen Fällen ist das klassischer „Brain Drain“. Wenn wir versuchen, z.B. aus Polen günstige Krankenpfleger im Rahmen der Arbeitsmigration abzuwerben und diese dann in Polen fehlen, ist das hochgradig unsozial von uns. Diese Fachkräfte werden i.d.R. überall gebraucht. Wir haben z.B. bei Lehrern ja schon innerhalb Deutschlands das Problem, dass einige Bundesländer mit besseren Besoldungen und besseren Arbeitsbedingungen Lehrkräfte aus anderen Bundesländern abwerben. Dieses Problem haben wir bei fast allen Fachkräften auch international. Das ist nichts, was wir fördern sollten.
Oh, stimmt! Die Dividenden habe ich glatt übersehen! Danke für den Hinweis.
Aber im Grundsatz ist nicht falsch, was ich gesagt habe. Denn in einem hochdiversifizierten Aktienportfolio (wie es für ein Alterssicherungsdepot immer angeraten ist) wird die Wertentwicklung überwiegend von Kurssteigerungen getragen. Dividenden spielen für die Performance eine entsprechend geringere Rolle.
Ich habe meine obige Aussage dort korrigiert.
Aber arme Menschen brauchen doch gar keine private Vorsorge, oder? Wer weit unterm Durchschnitt verdient, dem würde man im Alter die private Vorsorge anrechnen und Leistungen kürzen. Unser soziales System, das meine ich gar nicht ironisch, sorgt dafür, dass man gar nicht fürs alter sparen muss.
Ich würde das gar nicht so kritisch sehen. Der Kapitalmarkt ist endlich. Zur Zeit liegt die Performance bei etwa 6 Billionen USD [Quelle] pro Jahr, also weniger als 1.000 Euro pro Jahr und Erdenmensch. Wenn alle Rentner der Erde vom Kapitalmarkt leben würden, dann hätten sie wohl keine 500 Euro im Monat. Das wir am Kapitalmarkt partizipieren können ist wirklich ein First-World-Problem. Vor ein paar Jahrzehnten war es noch undenkbar, dass sich Angestellte jeden Monat Bruchteile von tausenden Unternehmen kaufen konnten.
Genauso ist es mit der umlagenfinanzierten Rente. Eigentlich sind es nur zwei Seiten derselben Medallie, in einem Fall sammelt man Rentenpunke im anderen Unternehmensanteile.
Wer sagt denn, dass die Leistungen unendlich groß sein müssten? Weder bezahlt die Solidargemeinschaft den Zahlern von hohen Beiträgen mehr Gesundheitsleistungen noch müsste sie dies bei den Renten tun.
Ein paar Gesetzesänderungen würden ausreichen und man könnte von allen Menschen x% Rentenbeitrag kassieren und die Auszahlung bei k-tausend Euro deckeln.
Ich bringe es nicht durcheinander, ich lehne die Trennung ab.
Ich schätze, wenn du grundlegende Konzepte ablehnst, dann macht eine Diskussion darüber keinen Sinn.
Davon ab: In deinem zweiten Abschnitt begehst du wieder den logischen Fehler, so zu tun, als ob Migranten in Länder wie Kanada oder Australien immigrieren müssten. Das ist falsch. Es ist letztendlich die Entscheidung der Migranten, in welches Land sie gehen. Dann sind Länder wie Kanada oder Australien nur mittelbar für einen Brain Drain verantwortlich, etwa weil sie einfach attraktive Länder zum Leben sind. Unmittelbar verantwortlich für irgendwelche Brain Drains sind die Migranten, die die entsprechenden Länder verlassen. (Und damit auch die Ursprungsländer, die entsprechende Migranten erst dazu bringen, das Land verlassen zu wollen.)
Diese Fachkräfte werden i.d.R. überall gebraucht.
Richtig. Wenn die Nachfrage hoch ist und das Angebot klein, dann steigt der Preis für die Arbeitskraft. Wenn sich ein Migrant also dazu entscheidet, dass seine Arbeitskraft woanders besser entlohnt wird, ist das doch seine eigene Entscheidung? Genauso im Beispiel mit den Lehrern. Du tust ja so, als ob eine höhere Besoldung alle anderen Lehrer magisch und unmittelbar ins Land zieht, was offensichtlich nicht stimmt. Es ist letztendlich immer die Entscheidung des Migranten oder des Lehrers. Ursprungs- und Zielländer pushen bzw. pullen die Menschen lediglich.
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Das ist nicht völlig falsch. Nur dass man Unternehmensanteile global diversifizieren kann, Rentenpunkte kann ich nur beim deutschen Staat sammeln. Ich kann meine Rentenpunkte nicht ins schwedische, norwegische, italienische, … System diversifizieren, um den Fall abzusichern, dass Deutschland vielleicht mal nicht so die allerbesten Entscheidungen treffen sollte.
Das Wohnen als Rentner in Deutschland und die komplette Abhängigkeit von der deutschen Wirtschaft bzw. der Zahlungsfähigkeit des Landes für den finanziellen Teil ist ein enormes Klumpenrisiko. Unternehmensanteile bieten die Möglichkeit, Letzteres sehr einfach weltweit zu streuen und damit das persönliche Risiko zu minimieren. Das finde ich im Hinblick darauf, dass wir über eine Zeit von 20 Jahren reden, die überhaupt erst in 30 Jahren beginnt, also einen Horizont von 5 Jahrzehnten, in denen eine ganze Menge “unknown unknowns” auf mich bzw. uns warten dürften, nicht ganz unattraktiv. Weil wenn in 50 Jahren die Welt untergeht - dann ist es mir auch egal. Wenn ”nur” Deutschland den Bach runter geht, hätte ich gerne Optionen.
Zum Glück ist das nicht ganz so einfach, da die Rentenanwartschaften unter den Eigentumsschutz fallen und das Bundesverfassungsgericht zum Glück dabei auch die Bedeutung des Äquivalenzprinzips anerkennt:
„1. Die gesetzliche Rentenversicherung ist im besonderen Maße geprägt vom so genannten Äquivalenzprinzip. Nach § 63 Abs. 1 SGB VI richtet sich die Höhe einer Rente vorrangig nach der Höhe des während des Versicherungslebens durch Beiträge versicherten Arbeitsentgelts und Arbeitseinkommens.“
Quelle:Bundesverfassungsgericht - Entscheidung finden -
Davon mal abgesehen, was sollte man als Bürger von einem Staat halten, der seit Jahren ersichtlich notwendige Reformen verschleppt, zusätzlich noch Gesetze erlässt, die die bekannten Probleme verschärfen (Rente mit 63/ Haltelinie), ein Gesetz, welches die Probleme gedämpft hätte wie den Nachhaltigkeitsfaktor aussetzt und dann mit so einer massiven Eingriff um die Ecke käme.
So kann man Politikverdrossenheit auf eine neue Stufe heben!
Eine Kostendeckelung von 1 % beim Altersvorsorgedepot ist deutlich zu hoch und unfair. Es handelt sich um ein rein digital geführtes Depot ohne physische Verwahrung, bei dem die Depotgröße praktisch keinen zusätzlichen Aufwand verursacht. Im Vergleich dazu liegen die laufenden Kosten vieler privater Online‑Depots und ETF‑Sparpläne heute bei wenigen Zehntelprozent oder sogar nahe null auf Depotebene.
Besonders problematisch ist, dass das Altersvorsorgedepot zudem nur eine stark eingeschränkte Auswahl an ETFs erlaubt. Geringe Auswahl, standardisierte Produkte und hohe Skaleneffekte senken die realen Kosten weiter, was eine Gebühr von 1 % umso weniger rechtfertigt. Über lange Laufzeiten wirkt diese Kostenquote wie eine erhebliche Renditebremse und steht im Widerspruch zum Ziel einer effizienten, staatlich geförderten Altersvorsorge.
Kurz zur Altersstruktur, auch mit Kindern und Zuwanderung wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Pyramide in der Altersstruktur geben (sonst bei besten bzw. schlechten Annahmen (Lebenserwartung).
Ich habe die Informationen dazu immer so verstanden, dass der große Buckel das Problem ist, also die umgekehrte Pyramide.
Vielen Dank für die Klarstellung.
Ich frage mich dennoch, ob in der Erklärung nicht noch ein Punkt fehlt.
Klar, Börsenkurse hängen an Erwartungen. Aber beziehen sich diese Erwartungen am Ende nicht doch auf künftige Gewinne, Ausschüttungen, Aktienrückkäufe und allgemein darauf, dass Unternehmen in Zukunft Überschüsse für ihre Eigentümer erwirtschaften?
Dann würde Rendite doch nicht einfach im Markt entstehen, sondern letztlich auf realen Zahlungsströmen beruhen. Und dann wäre für mich weiterhin die eigentliche Frage: Wer erwirtschaftet diese Rendite eigentlich konkret?
Wenn das Altersvorsorgedepot dazu führen soll, dass immer mehr Alterssicherung über Aktienmärkte organisiert wird, heißt das dann nicht auch, dass immer mehr Menschen darauf angewiesen sind, dass irgendwo auf der Welt entsprechende Überschüsse entstehen? Und entsteht daraus nicht ein gewisser Druck auf Mieten, Preise, Gebühren, Arbeitsbedingungen oder öffentliche Infrastruktur – nur eben oft an anderen Orten?
Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich daran skeptisch macht:
Diversifiziert werden nicht nur Risiken, sondern auch die Orte, an denen andere die Rendite erwirtschaften müssen. Wir versuchen unsere demographischen Probleme ins Ausland zu verlagern, da wir nicht in der Lage sind junge Menschen angemessen zu integrieren. Gleichzeitig sorgen wir durch entsprechende Förderung dafür, dass (scheinbar) alle etwas davon profitieren und somit nicht dagegen protestieren.
Zumal es ja heute bereits am freien Markt der Robo-Advisor Lösungen mit deutlich geringeren Kosten gibt.

