Altersvorsorgedepot

Die Regierung hat ihre Pläne zum Altersvorsorgedepot, dem Nachfolger der Riester-Rente, vorgestellt:

Bis zu 540 Euro Förderung pro Jahr. Der Staat legt auf jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro satte 50 Cent drauf, danach 25 Cent bis zur Obergrenze von 1.800 Euro. Wer die Förderhöchstgrenze ausschöpft, bekommt 540 Euro geschenkt – jedes Jahr. Bei Riester lag die Grundzulage bei festen 175 Euro.
Kinderzulage schon ab 25 Euro. Familien bekommen bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr, und zwar schon ab 25 Euro monatlichem Eigenbeitrag.

Die Kosten sind bei 1% gedeckelt und man kann 100% Aktien ohne Kapitalgarantie wählen. Während der Ansparphase findet keinerlei Besteuerung statt. Dafür sind auf die vollen Beträge bei der Auszahlung (mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz) zu versteuern. Es gibt (zum Glück) einen Auszahlungsplan (bis min. 85 Jahren) der dann voll vererbt werden kann.

So weit, so gut.

Was mich überrascht hat, war, dass es wieder eine „Günstigerprüfung“ gibt. Das bedeutet, man kann die Beiträge von der Steuer absetzen, erhält aber nur das an Erstattung, was über die gezahlten Zulagen hinausgeht. Das führt natürlich dazu, dass man mehr Förderung erhält, je höher das Einkommen ist. Mir unklar, warum Spitzenverdiener zusätzlich gefördert werden müssen. Macht auch alles ziemlich kompliziert…

Unklar für mich ist, ob die eingezahlten Beträge auch die Beiträge zu den Sozialversicherungen reduziert. Weiß das jemand?

In der Auszahlungsphase müssen freiwillig versicherte wohl den vollen GKV-Beitrag bezahlen. Pflichtversicherte nichts. So richtig transparente Informationen habe ich bisher nicht gefunden.

Und das ist am Ende meine größte Kritik: Wenn ich mit dem Rechner auf Altersvorsorge-Depot Rechner: Förderung, Kosten und Steuern berechnen rumspiele, dann ist der Vorteil des Vorsorgedepots circa 10% gegenüber „selber sparen“. Das ist nicht sehr viel für die Einschränkungen und sehr wenig, wenn ich am Ende den vollen GKV-Beitrag von 14+% drauf zahlen muss aber keine GKV-Beiträge in der Ansparphase spare…

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Und arme Menschen gar nicht.

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Ab 10€/Monat geht es los.

Würde ich nicht „nichts“ nennen.

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Eher im Gegenteil - wenn ich mit dem von @ThomasAnderson verlinkten Rechner so rumspiele, ist der staatliche Bonus um so größer, je niedriger das Bruttoeinkommen ist. Bei 120k€ Brutto z.B. ist der Vorteil fast nicht mehr existent bzw. wird nahezu komplett wegbesteuert.

Wobei ich das irgendwie noch nicht ganz begriffen habe: Versteuert wird nachträglich, so weit klar. Aber mit welchem “persönlichen Steuersatz”? Der wird bei Entnahme ja deutlich niedriger liegen als jetzt - mal angenommen, ich verdiene jetzt tatsächlich 120k€ brutto, dann wäre mein jetziger Steuersatz sehr hoch. Aber zum Renteneintritt fällt das 120k€ Arbeitseinkommen ja weg und wird durch ein mutmaßlich deutlich geringeres Renteneinkommen ersetzt. Was für einen Sinn macht es dann, die nachträgliche Versteuerung (wie das in dem Rechner scheinbar geschieht) mit dem jetzigen hohen persönlichen Steuersatz durchzurechnen?

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Jemand, der nichts sparen kann, bekommt auch nichts. Oder hab ich da etwas falsch verstanden?

Jeder kann etwas sparen - und sei es ein Teil einer staatlichen Zuwendung. Und wenn deine These nun ist, dass man ja als fiktive Person A arm genug sein kann, um jegliche staatliche Zuwendung sofort wieder zu verkonsumieren, dann entgegne ich, dass diese Argumentation nirgendwohin führt, weil der einzige Weg, das zu beheben, ja weitere direkte staatliche Zuwendungen wären, die aber deiner These zufolge auch direkt von einer fiktiven Person B, die noch ärmer als Person A ist, wieder verkonsumiert werden müssten. Womit wir wieder bei “jemand, der nichts sparen kann” sind.

Können wir vielleicht auch mal anerkennen, dass es eine große Mehrheit in der Bevölkerung gibt, die nicht an der absoluten Bettelarmutsgrenze täglich von der Hand in den Mund lebt, aber auch nicht steinreich ist, und die auch irgendeine Form von Berücksichtigung verdient hat? Und dass das Altersvorsorgedepot vielleicht ein Baustein für diese Zielgruppe sein soll und nicht für jemanden, der verhungert, wenn er auch nur 10€ monatlich beiseite legt?

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Klar. Aber das ist kein Grund, dass man die Menschen, die nicht sparen können, von staatlicher Förderung ausschließt. Wenn ein Fonds so ein tolles Konzept ist, könnte der Staat für diese Menschen ja auch einen Betrag auf ein Depot einzahlen. (Den Tonfall überhör ich mal. Du kannst aufhören, dich lustig darüber zu machen, dass es Armut gibt)
Aber ich halte sowieso nichts davon. Am Ende wird das Geld in klimaschädigende oder Rüstungsfonds angelegt und die Falle schnappt noch mehr zu als eh schon.
Aber egal. Es wird sich angesichts der bevorstehenden Weltwirtschaftskrise sowieso erledigen.

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Sind sie ja nicht. Es gibt eine Menge sozialstaatlicher Leistungen, die stehen sogar ausschließlich Menschen mit sehr wenig Einkommen zur Verfügung.

Die Lösung für den nicht-eigenverantwortlichen Teil der Altersvorsorge ist die normale Rente. Da fließt schon eine Menge Steuergeld direkt rein, um die aufrecht zu erhalten. Ich kann’s schon nachvollziehen, dass man hier bei dem Vorsorgedepot einen zumindest minimalen Anteil an eigenverantwortlichem Beitrag voraussetzt.

Zumal die Idee, mit Steuergeld direkt Aktiendepots zu erwerben, von vielen Leuten auch extrem kritisch gesehen wurde und polemisch kommentiert wurde ala “Staat macht Schulden und zockt damit im Casino”.

Sorry, das ist überhaupt nicht meine Intention gewesen. Der Tonfall war eine zugegebenermaßen etwas frustrierte Reaktion darauf, als ersten Kommentar unter einem Threadstart zur Diskussion eines für mich in der Tat interessant klingenden Altersvorsorgedepots nur ein “Und arme Menschen gar nicht” zu sehen. Das ist schlicht auch kein sonderlich gehaltvoller Diskussionseinstieg, und es ist nicht förderlich, jeden Versuch einer Verbesserung der Altersvorsorgesituation direkt mit “aber es gibt Menschen die davon nix haben” abzuschießen.

Ich wiederum überlese jetzt einfach mal diese merkwürdige themenfremde Prophezeiung des Weltuntergangs, die zumindest mich persönlich im Verständnis des Altersvorsorgedepotaufschlags der Bundesregierung leider auch nicht weiter bringt.

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Würde etwas dagegen sprechen, nur geringe und mittlere Einkommen zu fördern? Ab einer gewissen Einkommensgrenze kann man wirklich selbst vorsorgen. Da braucht es auch den Bonus nicht.
Ansonsten wirkt es besser als die Riesterrente. Da stimmt.
Man sieht in den USA aber auch die negativen Auswirkungen einer am Kapitalmarkt abgesicherten Rente. Große Abhängigkeit vom Aktienmarkt.

Nicht Weltuntergang. Weltwirtschaftskrise.
Wer auf den Kapitalmarkt setzt, könnte Pech haben. Ja, ich weiß, dass das bisher anders war, dass die Kurse auf lange Sicht im Mittel immer gestiegen sind. Ich sehe nur nicht, wie es möglich sein soll, dass das so weitergehen wird. Deshalb ist es auch nicht themenfremd. Aber du kannst das gern überlesen.

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Vielleicht erstaunt es euch, aber es gibt Menschen, die keine 10 Euro im Monat übrig haben.

Wie bereits angesprochen wurde, wird die Förderung bei hohen Einkommen fast vollständig wegbesteuert. Dürfen Gutverdiener auch auf eine stabile staatliche Leistung hoffen?

Wer keine 10 Euro hat, den motivieren die Zulagen vielleicht dazu, sie doch irgendwo zu finden. Und wenn nicht, sind sie nicht die Zielgruppe (und bekommen wahrscheinlich anderweitig staatliche Unterstützung…

Hatte die FDP unter der Ampel geplant. Bin mir recht sicher, dass du da kein Fan von warst.

Eigenverantwortung. Man kann sowohl in ESG Fonds investieren als auch in irgendwelche Zinsprodukte mit 100% Kapitalerhaltungsgarantie stecken. Bei letzteren dann nicht wundern, wenn andere das zigfache rausbekommen.

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Ehrlich gesagt wüsste ich nicht warum.
Für diese Zielgruppe gibt und gab es bereits viele Förderungen von E-Auto über Solar bis Wärmepumpe.

Nicht Weltuntergang. Weltwirtschaftskrise.
Wer auf den Kapitalmarkt setzt, könnte Pech haben. Ja, ich weiß, dass das bisher anders war, dass die Kurse auf lange Sicht im Mittel immer gestiegen sind. Ich sehe nur nicht, wie es möglich sein soll, dass das so weitergehen wird. Deshalb ist es auch nicht themenfremd. Aber du kannst das gern überlesen.

Was ist die Alternative? Weiterhin auf die gesetzliche Rente setzen? Woher sollen die Beiträge kommen, wenn wir über einen sehr langen Zeitraum kein Wachstum haben? Oder die Steuereinnahmen, um die Rente querzufinanzieren?

Davon abgesehen: Eine Weltwirtschaftskrise ist eigentlich das Beste, was einem zu Beginn der Investitionsphase passieren kann - wenn man davon ausgeht, dass die Wirtschaft über kurz oder lang wächst. Aber wie gesagt, wenn man davon nicht ausgeht, dann blickt man echt düster in die Zukunft.

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Viel Glück dabei.

Am neuen Altersvorsorgedepot lässt sich sicher kritisieren, dass die Kosten mit 1 % relativ hoch ausfallen können und die Förderung bei nur 150 Euro monatlich gedeckelt ist. Dennoch ist es ein erster Schritt in die richtige Richtung mM.

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Viel Glück umgekehrt bei der Suche nach wem-auch-immer, der eine reine Umlagerente noch durch Einzahlungen am Leben halten kann, wenn die von dir prophezeite düstere wirtschaftliche Zukunft wirklich eintreten sollte. Das letzte Mal, als ich geguckt habe, gingen diese Einzahlungen von meinem Gehalt für meinen Job in eben dieser Wirtschaft ab und kamen nicht aus einem magischen Topf am Ende eines Regenbogens.

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Ich bin Team Bürgerversicherung für alle, nicht Team Kapitalmarkt.
Letzteres geht aber sicher viel schlechter als dieses Vorsorgedepot.
Es gibt aber keinen Grund, den Boten anzugehen oder lächerlich zu machen. Ernstzunehmende Ökonomen und Politiker warnen vor den bereits jetzt feststehenden wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges. Es ist wie die Flutwelle, die das Ufer noch nicht erreicht hat.
Ich habe den Iran nicht angegriffen. :wink:
Und will auch niemandem die Freude über diese Förderung nehmen. Tut mir leid.

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Ernstzunehmende Ökonomen und Politiker warnen vor den bereits jetzt feststehenden wirtschaftlichen Folgen des Irankrieges.

Wirtschaftskrisen sind keine Ausnahmen, eher die Regel. Nimm jede beliebige Krise: Kuba, Golfkriege, Dotcom-Bubble, Finanzkrise etc. Bei allen haben sich die Märkte wieder erholt. Und selbst wenn du sagst, dass es in der Zukunft anders sein wird, wird dann eine Bürgerversicherung die Flutwelle ebenfalls nicht überleben.

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Ihr müsst mich nicht überzeugen.
Ich glaube an soziale Netzwerke und gegenseitige Hilfe. An Aufnahme statt Abschottung, Kooperation, Kreativität, Kommunikation und kritisches Denken. An Suppkultur und kostenlose dritte Orte. An wenig Ungleichheit und viel weniger Konkurrenz. Regenbogen :wink: Nenn mich naiv. Ich halte den unbegrenzten Kapitalismusglauben für naiv, will aber niemanden missionieren, darf nichtsdestotrotz sehr wohl meine Meinung behalten.

Begonnen hat diese Diskussion nur dadurch, dass ich fand, dass man lieber diejenigen fördern sollte, die nichts haben, als diejenigen, die schon wohlhabend genug sind..

Wie siehst du dabei den Einwand

Und wird die Altersvorsorge gedeckelt oder kann ich jährlich 100.000€+ in einem Depot parken und das wird mir bei der Einkommenssteuer steuermindernd abgezogen?
Hatte bisher dazu nur einen Zeitartikel gelesen, der vom Tenor war: es profitieren vor allem die Reichen, aber das aus den gebotenen Informationen nicht ganz nachvollziehbar war.

edit: Deckelung lt. Artikel im ersten Post bei 6.840€, das ist vertretbar, also 570€ pro Monat.
Gut zu wissen: für den Riester soll es die Möglichkeit eines Übertrags geben.