Das klingt ein wenig so, als bräuchten FW, AfD, CSU & Co. solche „Anlässe“. Dem möchte ich deutlich widersprechen. Das Schüren von Ressentiments gegen „die da oben“ gehört seit mindestens 100 Jahren zum Standardrepertoire von dem was man heutzutage Rechtspopulismus nennt - ebenso wie das wettern gegen vermeintlich weltfremde Weltverbesserer aka Gutmenschen, verkappte Kommunisten und andere „Vaterlandsverräter“. Gerade in Krisenzeiten findest sich häufig ein Fünkchen Wahrheit in solchen Denkweisen - zumindest wenn man dieses finden will und es sich nicht mit einer etwas detaillierteren Analyse der komplexen Realität belasten will.
Insofern halte ich es für eine denkbar schlechte Idee, die Beliebtheit solcher Denkfiguren als Argument dafür anzuführen, ihnen nicht zu widersprechen, da sie sonst nur noch beliebter werden. Konkret:
Wenn ein Mensch, der in seiner Jugend mutmaßlich rechtsextreme bis nationalsozialistische Haltungen vertreten hat, nach Jahrzehnten damit konfrontiert wird und ihm dazu nichts besseres einfällt, als in dieser Konfrontation eine „Schmutzkampagne“ und eine „Instrumentalisierung der Schoah“ zu sehen, ist das schon schlimm genug. Wenn ein nennenswerter Teil der Bevölkerung dieses Narrativ von der „verfolgten Unschuld“ unterstützt, ist das noch schlimmer und sagt einiges aus über den Zustand unserer Gesellschaft und insbesondere unserer Erinnerungskultur. Aber eins ist es ganz sicher nicht: Ein Argument dafür, dass diese Leute Recht hätten, nur weil sie vielleicht in der Mehrheit sind.
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