Das Ganze ist doch im Grunde whataboutism.
Ja, man könnte natürlich sagen, dass Berlin in Gebieten, die ausreichend weit von Wohngebieten entfernt liegen, also sehr große Parks (was das Tempelhofer Feld de facto ist) und theoretisch sogar Binnenseen, Windräder bauen könnte. Bei Industriegebieten (Quelle) scheint es auch schon Versuche gegeben zu haben.
Nach dem Ansatz, 2% der (Bundes-)Landfläche für Erneuerbare Energien zu nutzen, wäre das von Seiten Berlins und natürlich auch der beiden anderen Stadtstaaten Hamburg und Bremen, irgendwo auch ein gerechter Ausgleich, könnte man argumentieren.
Allerdings sind Seen und Parks in Städten nun mal Mangelware und für die Lebensqualität sehr wichtig. Nicht zu vergessen, die armen Immobilienfirmen, die die Ränder solcher Flächen mit Schweine-teuren Eigentumswohnungen zubauen möchten
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Somit fällt es natürlich viel mehr ins Gewicht, wenn mitten im Tempelhofer Feld ein rundes Gebiet entsteht, sagen wir mal 200 m im Durchmesser, in dem die Geräusche des Windrades unangenehm sind. Nicht zu vergessen, dass die Fläche für Veranstaltungen und z.B. Drachenflug viel schlechter nutzbar wird.
Daher mein Gegenvorschlag:
Wenn es wirklich darum geht, das Berlin einen Beitrag leistet, dann hätte ich eine Idee.
Statt Grünflächen usw. für Windräder auszuweisen, könnte Berlin sich mit Brandenburg einigen, eine Art Ausgleichszahlung zu leisten. Dafür übernimmt Brandenburg die EE-Flächen:
Brandenburg hat ca. 30.000 km² und Berlin ca. 900 km² Landesfläche. Damit würde die EE-Fläche von Brandenburg lediglich von 2% * 30.000 km² = 600 km² auf 600 km² + (900 km² * 2%) = 618 km² steigen. Also kein allzu großer Anstieg.
Aber anstatt das Berlin einfach nur Geld zahlt, wird mit diesem Geld ermöglicht, dass die Regional-Bahnbetreiber des VBB die Bahnen am Freitag und Samstag in der Nacht fahren lassen. Das passiert aktuell nämlich nicht, da es sich finanziell nicht lohnt. Dadurch hätten die Brandenburger es leichter, am kulturellen Leben in Berlin teilzuhaben.
Das klingt vielleicht erst mal seltsam, nutzt aber die Stärken von städtischen Raum und ländlichen Raum viel besser aus und verzahnt diese zum allgemeinen Nutzen. Denn genau so wie es auf dem platten Land keinen Sinn macht Opernhäuser zu bauen, weil ausreichend Zuschauer fehlen, macht es keinen Sinn in städtischen Parks Windräder zu bauen, weil dort die Flächen zu knapp sind.