Ich hoffe, wir können uns darauf vereinbaren, dass wir uns bei wichtigen Entscheidungen mit Auswirkungen eher gute als schlechte Entscheidungen wünschen.
Was können Kriterien für eine gute Entscheidung sein?
Wohl eher nicht das Ergebnis, dass wir ja grundsätzlich alle demokratischen Parteien bzw. Abstimmungsoptionen akzeptieren wollen.
Ich vermute aber, dass wir eine Entscheidung besser finden, je mehr sie dem wahren Willen des/der Abstimmenden entspricht. Dieser wahre Wille wird sich von einer bloßen Laune oder einer Fehlentscheidung dadurch unterscheiden, dass sie sich nicht mit jedem neuen Argument oder sogar ohne erkennbaren Grund ändert. Typischerweise würden wir davon ausgehen, dass dieser Wille entweder nachvollziehbar dem Interesse der/des Abstimmenden entspringt oder eine bewusste und reflektierte Entscheidung getroffen wurde, anders abzustimmen.
Das alles setzt ein gewisses Verständnis (Wissen) über die vier von mir oben bereits skizzierten Aspekte voraus, aber auch kognitive Fähigkeiten und, dass diese eingesetzt wurden, um die Informationen bzw. die Entscheidung zu durchdringen. (Von daher stimme ich dir voll zu bei deinen Punkt zu Kompetenzen vs Wissen).
Und, wie ich schon geschrieben habe, ist natürlich das Alter eine bloße und letztlich ungerechte Heuristik, aber immerhin entwicklungspsycholgisch begründbar und als Entscheidungskriterium wahrscheinlich trotzdem besser als ein solcher Test. Zumindest weniger aufwändig und potenziell auch weniger willkür-gefährlich.
Bei allem Respekt, aber weder
- mein 11 jähriger Sohn
- noch meine Oma nach ihrem Schlaganfall
- noch meine andere Oma mit Parkinson
- noch die meisten der Schizophrenen in der Werkstatt für Behinderte Menschen, in der ich als Student gearbeitet habe und die Schwierigkeiten hatten, sich auf das Kuvertieren von Werbeschriften zu konzentrieren,
- noch die Klienten, die mein Vater als Betreuer unterstützt,
können bzw. konnten ihr Leben selber regeln.
Es gibt sicherlich Grenzfälle und Fälle, die eigentlich einer Betreuung nicht bedürfen, aber bei diesen Beispielen sehe ich gravierende Schwierigkeit bzgl. der für eine Wahlentscheidung notwendigen Kompetenzen.
Und ja, man kann natürlich darüber sprechen, in solchen Fällen das Wahlrecht wieder zu entziehen. Das kann ja gerne jemand vorschlagen, aber angezettelt wurde die Diskussion von der anderen Seite und erstmal argumentiere ich jetzt dagegen, das Wahlrecht auf Menschen auszudehnen, denen die Fähigkeiten fehlen, sich reflektiert einen solchen politischen Willen zu bilden.