Es ist schon mindestens skurril, wenn eine Position, die von fast drei Vierteln der Bundesbürger vertreten wird, eine Position, zu deren Entwicklung und umfassender Begründung eine renommierte Verfassungsjuristin im Rahmen eines Beratungsprozesses aufgefordert wurde, und ferner eine Position, die offensichtliche logische Widersprüche der bisherigen Rechtsprechung auflöst, hier als eine Art abseitige Voreingenommenheit eingestuft wird.
Attribute wie „unsympathisch“ sind des Weiteren ebenso sachfremd wie verräterisch.
Bleibt noch zum einen anzumerken, dass die CDU/CSU öffentlich ihr Gesicht verlieren würde, wenn sie weitere Vorschläge der Mittelinks-Parteien blockierte, weshalb sie sich an der vermeintlich linksliberalsten abreagiert.
Wie z. B. Christoph Ploß (CDU) zu behaupten, dass man den bisherigen Kompromiss zur Straffreiheit bei Schwangerschaftsabbrüchen mittrage, ist heuchlerisch. Denn der schützt das vermeintliche ‚ungeborene Leben‘, um das es - behaupteterweise - den Kritikern geht, keinen Deut mehr als das, was Brosius-Gerstdorf vorschlägt.
Zum anderen finde ich das schmale Zeitfenster, das nun bis zur Schließung des Threads gesetzt wurde, bei einer Diskussion, in die bei Weitem noch nicht alle Argumente oder auch nur Aspekte (z. B. der implizite Antifeminismus) eingeflossen sind, sagen wir mal, unglücklich.
Erwähnenswert ist - neben vielem anderen - z. B. noch:
Brosius-Gersdorf wurde 2015 für neun Jahre zum stellvertretenden Mitglied des Verfassungsgerichtshofs des Freistaates Sachsen gewählt. In der Amtsperiode 2017 bis 2019 war sie Mitglied der Zentralen Ethikkommission bei der Bundesärztekammer.
Ausgerechnet der sächsische Landtag und die Bundesärztekammer müssten, folgte man der Einschätzung der Gegner von Brosius-Gersdorf, dann also Horte des linksliberalen Aktivismus sein.
Als Zwischenfazit bleibt m. E., dass hier mutwillig bewährte Verfahren bei der Besetzung von Verfassungsinstitutionen hintertrieben wurden, um - im Ergebnis - einen Rechtsruck implementieren zu können.
Selbst die rechtsliberale Wirtschaftsjournalistin der konservativen Rheinischen Post Antje Höning, die in Unionskreisen bestens vernetzt ist, mutmaßte - gestützt auf Informationen aus der Fraktion - bei Lanz, dass von einigen eine Öffnung Richtung AgD vorangetrieben werde.
Vielleicht sollte die CDU/CSU mal mit Leuten reden, die sich mit Schwangerschaftsabbrüchen auskennen.