Doch, das kann ich selbstverständlich als Argument für den Einheitspreis anführen, und ich bin auch nicht der Einzige, der das tut. Erneuerbare sind systematisch was die Grenzkosten angeht billiger, da sie keine Brennstoffkosten haben. Aus diesem Grund gehören Erneuerbare immer automatisch zu den zuerst eingesetzten Quellen beim Einheitspreissystem, bei dem die Beteiligten mit ihren Grenzkosten bieten.
Nein, selbstverständlich arbeiten in einem Pay-as-Bid-System alle Marktteilnehmer mit Preisoptimierung, völlig egal ob sie in der aktuellen Situation gerade 5% oder 500% auf ihre Grenzkosten aufschlagen. Allein schon, weil ihnen niemand garantiert, dass nicht morgen aufgrund Schwankungen der Marktpreise für Brennstoffe, aufgrund Nachfrageschwankungen nach Strom etc. Marktsituationen herrschen, in denen sie statt 5% plötzlich 50% möglicher Gewinnspanne verschenken. Daher wird jeder Marktteilnehmer stets Anstrengungen unternehmen, um seine Preise konstant im jeweils möglichen Rahmen zu optimieren.
Nein, werden sie nicht, denn auch die Gaskraftwerke haben unterschiedliche Lieferanten und Kontrakte für Rohstoffe und daher unterschiedliche Preisniveaus, so dass sie gegen andere Gaskraftwerkbetreiber am Markt antreten und ihre Gewinnspannen entsprechende Optimierungspotenziale bieten, die sie zwingend heben müssen, weil sie sonst von ihren Konkurrenten langfristig verdrängt werden.
Zumal die Situation, dass die Gaskraftwerke den teuersten Brennstoff haben, erst seit kurzem gilt - zuvor waren deren Gestehungskosten im Vergleich relativ günstig. Hätten wir ein Pay-as-Bid-System, hätten die Gaskraftwerksbetreiber also viele Jahre lang mehr als genug Grund gehabt, ihre Preisgebote zu optimieren.
Ein Preisbildungssystem darf nicht nur auf eine Sondersituation wie die aktuelle zugeschnitten sein, sondern muss in einer Vielzahl von Marktsituationen funktionieren. Jegliche Argumentation, die einem Preisbildungssystem einen Vorteil einräumt, der ausschließlich unter der Voraussetzung einer spezifischen Marktverzerrung durch externe Faktoren funktioniert, erledigt sich daher von selbst.
Es ist aber erheblich unwahrscheinlicher, dass es dort geschieht, denn ein Anbieter bekommt nur dann lediglich seine Grenzkosten ersetzt und hat somit minimale Gewinne, wenn er genau derjenige ist, der zum Markträumungspreis angeboten hat. Wann immer er darunter angeboten hat, macht er zusätzlichen Gewinn - aber nur, sofern er zum Zug kommt. Daher ist es am „oberen Ende“ durchaus von Vorteil, möglichst nahe an seinen Grenzkosten zu bieten, denn damit maximiert man die Wahrscheinlichkeit, überhaupt zum Zug zu kommen, ohne dass man durch seine „Bescheidenheit“ was das Preisgebot angeht potenzielle Gewinne abgeben muss - wie gesagt mit der einen Ausnahme, wenn man genau der sein sollte, der den Markträumungspreis setzt. Ob man aber derjenige ist, ist bei Vorliegen von ausreichend vielen Wettbewerbern nur sehr schwer zu prognostizieren.
In Pay-as-Bid hat man den Effekt, dass ein geringeres Gebot zwar auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, zum Zug zu kommen, aber man erkauft sich das deutlich teurer, denn jeder Cent, den man runtergeht, ist ein Cent, den man auch wenn man zum Zug kommt garantiert nicht sehen wird. Das verbessert die Kosten-Nutzen-Abwägung ganz deutlich in Richtung von Geboten über den Grenzkosten.
Auch diesen Punkt erwähnen die Autoren übrigens im Artikel.
Möglich. Mögen die Mitlesenden also jeweils für sich entscheiden, wessen Argumentation mit weniger unbegründeten Annahmen auskommt.
Aber immerhin hab ich das Gefühl, wir hätten uns angenähert 