Sehe ich nicht als legitimen Grund, alles so zu belassen, wie es ist.
Es ist mir schlicht nicht vermittelbar, warum, um es mal zuzuspitzen, alleinerziehende Berufstätige oder Paare, die sich abrackern, um die Last von Carearbeit und Lohnarbeit möglichst egalitär aufzuteilen, mit ihren stetig steigenden Beiträgen dafür sorgen, dass gesunde, arbeitsfähige Ehepartner sich das Leben leichter machen. Jeder kann sich frei gegen Erwerbsarbeit entscheiden - die Kosten soll er oder sie aber bitte weitestgehend selber zahlen.
Strohmann. Ich habe nicht gefordert alles so zu belassen wie es ist, nur dagegen argumentiert, dass alle (vorwiegend Frauen) die zum Teil aus gesellschaftlichen Gründen quasi daheim bleiben mussten in 3 Jahren aus der Familienversicherung fallen sollen.
Edit: Ob mit längerer Übergangsfrist, oder einer Staffelung nach Alter wäre mir dabei egal, aber zumindest sollte es so geregelt sein, dass diejenigen die keine Chance am Arbeitsmarkt haben (z.B. Frauen nahe dem oder im Rentenalter) nicht plötzlich für die Jahrzehnte zurückliegende Lebensentscheidung bestraft werden.
Mir geht es nicht darum die heute 30-Jährigen davon auszunehmen nochmal arbeiten zu müssen, das wäre auch in meinen Augen absolut zumutbar.
Ich finde es offen gesagt nicht vermittelbar, dass ich Bürgergeldempfänger mit meinen Beiträgen kostenfrei mitversichern darf, aber meine eigene Familie in Zukunft nicht mehr.
Wenn Menschen meinen Gleichheit kann nur durch gleiche Erwerbsarbeit gelingen - fine with me. Ich versteh aber nicht wo der Drang herkommt dieses Modell anderen aufzuzwingen.
Menschen über der Regelaltersgrenze für die Rente sind nach dem Gesetzesvorschlag vom Beitragszuschlag ausgenommen. Das gilt auch dann, wenn sie keine eigene Rente beziehen. Es geht hier nur ums Alter.
Der recht gravierende Unterschied ist, dass Bürgergeldempfänger solidarisch in einer Notlage unterstützt werden. Dies ist bei arbeitsfähigen Ehepartnern nicht der Fall. Können sie nicht arbeiten, dann können sie die wege gehen, die jedem nicht arbeitsfähigen Menschen zwecks Unterstützung offen stehen. Oder sich eben vom Ehepartner alimentieren lassen.
Aber meine Solidarität erstreckt sich nicht zur persönlichen Lebensgestaltung innerhalb ihrer Ehe. Sie haben die Freiheit, das zu handhaben, wie sie möchten - ich sehe aber - salopp formuliert - nicht ein, für ihre Frau zu zahlen. Wie sie sich die Lohnarbeit aufteilen ist ihr Privatvergnügen.
Bei Bürgergeldempfängern sieht das anders aus. Sollte ich mal in der Notsituation sein, meinen Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten zu können, so bin auch ich in diesem System abgesichert.
Wobei ich hier definitiv der Meinung bin, dass diese Kosten aus Steuermitteln, nicht aus gKV-Beiträgen bezahlt werden sollten.
Nein. Beide Male sind Leute versichert die selber nicht einzahlen.
Muss sich auch nicht. Ich zahle das durch den Maximalbeitrag schon selber mit.
Da stimme ich zu, aber das ist ja gerade nicht geplant.
Wenn die Beiträge sinken würden, könnte ich auch gut mit einem Ende der Mitversicherung oder der geplanten Anhebung der BBG leben, aber das wird ja nicht passieren.
Es werden nicht “die Frauen” bestraft, sondern der Haushalt wird an den eigenen Kosten beteiligt. Bisher hat der Haushalt sich offensichtlich den Luxus leisten können, dass ein Teil des Haushalts nicht arbeitet. Warum ausgerechnet diese Haushalte auf einmal am Existenzminimum hängen sollten, wenn sie zu zweit nicht mehr nur für eine, sondern für zwei Personen zahlen, ist mir noch zu erklären, zumal der Beitrag für freiwillig Arbeitslose nicht wirklich hoch wird.
Sollen sie doch erstmal in Bäckereien, Supermärkten, Tankstellen, Geschäften, Reinigungsunternehmen etc. schauen und danach können sie sich arbeitssuchend melden; für mangels lokaler Gelegenheit unvermittelbare Fälle lässt sich dann sicher eine Lösung finden. Aktuell sitzen gesunde, arbeitsfähige Menschen freiwillig zuhause rum und ihre Krankenkassenbeiträge werden von denjenigen bezahlt, die arbeiten (müssen).
Demnächst siztzen sie dann zu Hause, und bekommen zusätzlich auch Hartz4 (ja, ich nenne das immer noch so). Denn die Arbeitsplätze, die Du hier unterstellst, gibt es nicht. Jedenfalls nicht auf das ganze Land bezogen (bitte keine Diskussion ala: Aber mein Bäcker sucht dringend noch Aushilfen). Ganz davon zu schweigen, dass Minijobs für den Sozialstaat in den allermeisten Fällen ebenfalls ein Katastrophe sind.
Also meine Schwester hat am Land nach 5 Jahren Arbeitspause (wegen Kindern) 2 Jahre gebraucht um einen Job zu finden und sie hat sich neben Jobs in ihrem erlernten Beruf auch bei genau solchen Stellen beworben.
Bei ihr kam zwar noch dazu, dass einige Sachen zeitlich wegen der Betreuungssituation nicht möglich waren, aber wenn da am Land jetzt alle von 25 bis 65 auf den Arbeitsmarkt kommen die bisher nicht arbeiten, dann sehe ich es als ausgeschlossen an, dass die annähernd alle unterkommen.
Grundsätzlich möchte ich diese Lebensführung auch nicht mit meinen Beiträgen unterstützen und ich habe auch niemanden im engeren Umfeld persönlich der vom Ende der Familienversicherung betroffen wäre (sofern Elternzeit möglich ist), aber ich finde es nicht gerecht wenn Lebensentwurfe, die lange gesellschaftlich auch so gewollt waren dann zu einem Zeitpunkt bekämpft werden wo die Entscheidung so schon getroffen wurde. Ich bin mir sicher viele der Frauen hätten in ihrem erlernten Beruf wieder angefangen wenn diese Änderung bekannt gewesen wäre. Deshalb finde ich es richtig Änderungen so durchzuführen, dass sie nur die betreffen die eben auch noch die Möglichkeit haben ihren Lebensplan entsprechend anzupassen.
Als ob dann alle Hausfrauen die Minijobs stürmen werden, um 200 Euro im Monat zu verdienen. Wer knapp bei Kasse ist, arbeitet doch ohnehin schon, weil man nicht umhin kommt.
Wegen dieser paar Euro, die in die eigene Krankenversicherung investiert werden sollen, sagst du, werden “Lebensentwürfe bekämpft”? Darf ich dann auch sagen, dass mein Lebensentwurf angesichts explodierender Sozialabgaben in den letzten Jahren, bekämpft wird? Sogar direkt doppelt, da wir zu zweit oberhalb der BBG mit hoher Arbeitsbelastung arbeiten.
Selbst bei nur einem Kind wären 7 Jahre komplett kostenfrei Mitversichert gewesen. (Edit, gestrichen)
Es soll übrigens 3,5% kosten, keinen fixen Betrag:
Ab 2028 sollen bislang beitragsfreie mitversicherte Ehepartner in die Krankenkassen einzahlen. Die Kosten sollen 3,5 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens des Hauptversicherten betragen. „Bei kleineren und mittleren Einkommen würde das dann weitaus niedrigere Beiträge bedeuten, als die in den vergangenen Wochen immer wieder spekuliert worden sind“, erklärt Warken.
Gleichzeitig will Warken aber auch Ausnahmen für Kinder, Eltern von Kindern unter sieben Jahren, pflegende Angehörige und Rentner durchbringen.
Da ich ja ausdrücklich sagte, dass ich niemanden kenne der da betroffen wäre könntest du aus der „warnenden Geschichte“ rauslesen, dass ich nicht behaupten wollte, dass sie jetzt zahlen müsste, sondern dass wenn schon jemand nach relativ kurzer Kinderpause nur schwer an einen Job kommt, dass das dann für Frauen die seit 20, 30 oder auch mehr Jahren ohne Berufserfahrung sind nochmal deutlich schwerer wird, zumal die Zahl der Bewerber pro Stelle dann ja auch ansteigt.
Ich wollte lediglich darstellen, dass es in vielen Gegenden, und dort ist noch nicht mal viel Arbeitslosigkeit, es eben nicht mehr so ist, dass man mal so mir nichts dir nichts an einen Job kommt.
Nicht mehr, nicht weniger.
Edit:
Zudem beziehe ich mich nicht auf den Vorschlag mit den 3,5% sondern auf die Aussage, dass ausnahmslos alle Ehepartner den mindestbeitrag zahlen müssten, was eben auch Rentner Beträge und damit einige Härtefälle produzieren würde, weil in der Rente sind 225 € zusätzliche Belastung eben schon spürbar, ebenso für Frauen die eben kurz vor der Rente stehen.
Edit 2:
Zudem halte ich die Ausnahme bis 7 Jahre bei Kindern für unzureichend solange es vielerorts am Land Hortplätze nur für Kinder gibt bei denen beide Eltern arbeiten, man aber wenn man einen Job annimmt erstmal nur auf eine Warteliste kommt.
Du hast recht, das hattest du auch deutlich gesagt.
Es wird fälle geben, die motiviert durch die Kosten Arbeit aufnehmen wollen, aber keine finden. Traurig, wie jeder, der unfreiwillig arbeitslos ist. 3,5% zusätzliche Abgaben wird aber nicht ihre Lebensplanung zerstören.
Ich wäre übrigens dafür, statt fix 3,5% lieber ½×(AN+Zusatzbeitrag) zu sagen. Warum sollte diese Gruppe bei Beitragssteigerungen außenvor bleiben.
(½×(AN+Zusatzbeitrag) wird mehr als 3,5 sein. Das zeigt nur, was für ein Schnäppchen man hier macht. Noch immer wird zuhausebleiben vom Rest subventioniert.)
Mir bereitet vor allem Sorge, dass ich ohnehin gerade am Land auch in Bayern den Eindruck bekomme, dass die AfD massiv Zuspruch bekommt.
Wie gesagt bin ich auch kein Befürworter dieses Familienmodells. Deshalb finde ich es richtig das zukünftig anders zu handhaben. Ich würde lediglich befürworten das so zu handhaben, dass es quasi ausgeschlichen wird.
Nicht nur, dass Beamte den vollen KV-Betrag in der GKV zahlen müssen, sie müssen darüber hinaus auch auf alle ihre Einkünfte GKV bezahlen. Auch auf den Euro aus dem ETF fürs Alter.
Liegt das daran, dass irgendwo gespart werden muss. Oder daran, dass man das Gefühl hat, dass die Politik keinen Plan hat und nur streitet.
Ein vernünftiger und gut erklärter (und fairer) Plan würde so manches AfD-Problem lösen….
Und man bekommt viele Unterstützungen, die für andere Menschen selbstverständlich sind nicht.
Die Lebensunterhaltskosten und die Wohnung für das Studium unseres Sohnes tragen meine Frau und ich vollständig selbst. Viele andere Studenten erhalten BAFÖG und Wohngeld. (Selbst die Fernsehgebühren muss man doppelt zahlen, während BAFÖG-Empfänger befreit sind). Das alles ist steuerlich nicht absetzbar, allein Kinderfreibetrag bleibt erhalten.
Meine Mutter ist 84 Jahre und es geht ihr gesundheitlich zunehmend schlechter. Da sie eine recht geringe Rente hat (als Lehrerin musste sie nach der Wende im Osten wie fast alle Grundschullehrer stark verkürzt arbeiten) zahle ich im Falle einer notwendigen Heimpflege einen nicht geringen Anteil der Kosten. Bei anderen springt der Staat ein.
Manchmal korrelieren hohe Steuer- und Abgabenzahlungen noch zusätzlich mit geringerem Nutzen.
Die beiden oberen Beispiele mache ich gern. Aber wenn man eben Eigenverantwortung für die eigene Familie übernimmt, kann man nicht gleichzeitig unbegrenzt mit dem selben Geld Steuern und Abgaben zahlen.
Ich kann die Argumentation hier gegen die Abschaffung der BBG absolut nachvollziehen, insbesondere wie hier vom Assistenzarzt geschildert.
Dennoch möchte ich mal ein paar Dinge dazu festhalten:
die Haltung nicht mehr als 50% ist eine rein psychologische (Schmerz)grenze. Die gleichen Argumente würden auch mit „bei 49% ist bei mir Schluss“ ziehen oder 48% oder 45% etc. Der Unterschied von 49% zu 50% und von 50% zu 51% ist identisch. Klar bei „bei 0%…“ wird es lächerlich, aber prinzipiell. Am Ende ist es sogar sehr individuell.
die Haltung, dass das Brutto grundsätzlich einem selbst gehört ist schlichtweg frech: Wir haben dem Staat/der Gesellschaft und allen die uns umgeben zu verdanken, dass wir das was wir arbeiten arbeiten können. Insbesondere gilt das für diejenigen die mehr verdienen. Klar gibt es Menschen die gegen tausend Widerstände und Ungerechtigkeiten soetwas erreichen, aber selbst dafür müssen Grundbedingungen erstmal gegeben sein. Außerdem schätze ich, dass gerade diese Menschen dann eher nicht auf Einzelfallgerechtigkeit pochen würden. „Ich hab auch nichts vom Staat geschenkt bekommen“ ist einfach falsch, selbst wenn vieles in Deutschland viel besser laufen könnte.
unklare Definition von „Reiche“ und „besserverdienende Angestellte“: Mühselig mit soetwas zu argumentieren. Wir alle in Deutschland sind im weltweiten Vergleich reich…in sofern müssen wir uns bewusst machen, dass wir auf hohem Niveau klagen. Das ist nicht verboten und unser aller Recht, aber manchmal hilft es einen zu Erden, wenn wir uns größere Relationen zum Vergleich nehmen.
Dass andere Gruppen viel eher noch ihren Beitrag leisten sollten, ist glaube ich auch klar.