Ich denke, dass man das sehr gut als die logische Weiterführung der isolationistischen Monroedoktrin verkaufen kann. Daher ist das in meinen Augen kein allzu großer Widerspruch zu Trumps Versprechen. Außerdem war es militärisch sauber mit (Stand jetzt) keinen Verlusten und eine demokratische Opposition steht bereit die Macht mittelfristig zu übernehmen. Es ist also (anders als in Afghanistan oder Irak) ein großes Potential da, dass hier der Regime Change Richtung Demokratie funktioniert (*wenn das Militär mitspielt!). Trump könnte damit durchaus (positiv) in die südamerikanische Geschichte eingehen, während er gleichzeitig den chinesischen Einfluss eindämmt (Monroedoktrin!). Du kannst nämlich sehr stark davon ausgehen, dass diese Operation in viele viele schlaflose Nächte in Beijing resultieren wird.
Auch wenn ich alles andere als ein Freund von Trump bin, Stand jetzt hat er hoch gepokert und gewonnen.
Wahrscheinlicher als die “Theorie” von Precht ist, dass die Russen keinerlei Kapazitäten haben um Venezuela tausende km auf der anderen Seite des Atlantiks/Pazifiks nennenswerte Unterstützung zu gewähren. Sie konnten schließlich nicht mal ihrem Freund Assad vor einem Jahr helfen.
Das ist sehr unrealistisch. Die BRD ist kein von Korruption und wankenden Loyalitäten (siehe die korrupten militärischen Eliten Venezuelas) zerfressener Staat in dem Drogenkartelle einen erheblichen Einfluss haben. Das würde weder die deutsche Bevölkerung, noch die EU sowei weite Teile der US Eliten mittragen.
Unsere eigene Verteidigung ist allein unsere Aufgabe und ja, dafür müssen wir erhebliche Mittel in die Hand nehmen.
Die Frage ist, wer ist “uns“? Deutschland, Europa oder die restliche NATO? Wenn man das konsequent durchdenkt, müsste die Antwort Deutschland lauten. Wer weiß, wer alles in anderen EU-Staaten in ein paar Jahren an der Macht ist.
Klar, ist in der Form utopisch. Andererseits haben die USA ja klar gemacht, das sie aktiv ihnen genehme „patriotische“ Parteien in Europa unterstützen wollen. Dazu brauchen sie kein Militär, aber das Ziel wäre prinzipiell ähnlich, oder?
Ich will mitnichten gutheißen, was die USA hier gemacht haben. Das war Völkerrechtswidrig und gehört strengstens verurteilt. Wären es nicht die USA wären Sanktionen auch angebracht.
Aber wenn wir mal kurz so tun, als wäre die Aktion der USA gerechtfertigt gewesen (Also abgesegnet vom UN-Sicherheitsrat und im Einklang mit dem Völkerrecht). Dann war die Aktion ziemlich gut durchgeführt. Man hat es schnell durchgeführt, anscheinend gab es wenig Opfer und ein Krieg wurde verhindert. Und das man jetzt kurzzeitig die Führung übernimmt, bis es zu Wahlen kommt, um zu verhindern, dass das Land in Chaos bricht, ist auch nachvollziehbar.
Letztlich war der Ablauf des ganzen gerade das Bestcase Szenario für Trump.
Darüber mache ich mir auch Gedanken. Welche machtpolitischen Fenster sieht China nun in der Taiwan-Frage geöffnet? Sollte China in einer analogen Aktion Taiwan kapern, bedürfte es schon einer großen Phantasie, um einen noch perfekteren Sturm inmitten unserer Zwanziger zu erdenken.
Was mir große Sorgen bereitet: Wir Deutsche, auch wir Europäer, sind in diesem weltpolitischen Spiel kaum mehr als passive Zuschauer, unser europäischer Normativismus scheitert doch gerade offenkundig an der globalen Realpolitik, oder täuscht mich hier mein Eindruck? Beständiges Mahnen, Verweisen auf Werte und Normen, immer schön in ordentlich Moralin getränkt - was ist das Wert, wenn andere längst erkannt haben, wie einfach man Tatsachen mit rohem Stahl schaffen kann? Ich habe das persönliche Gefühl, dass wir uns gerade verzetteln, zu kleinteilig und detailverloren über Sachen und Ideen diskutieren, deren Voraussetzungen in wenigen Jahren überhaupt nicht mehr gegeben sein könnte - wenn die geopolitische Lage in der Dynamik weiter an Brisanz gewinnt. Müsste die Zeitenwende nicht spürbarer sein?
Du hast in der Beschreibung absolut recht. Aber sie unterstellt (zumindest implizit), dass Trump aus “moralischen” Gründen gehandelt hat. Das ist aber vermutlich nicht so. Vielmehr hat er schlicht und ergreifend ein strategisches Interesse an Venezuela. Das hat er glücklicherweise nicht an Deutschland. Ich denke, nur deshalb brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Denn: Deine Beschreibung trifft auch auf Grönland zu. Trotzdem hat Trump zumindest mal “Interesse“ bekundet.
Ich gebe dir absolut recht. Nur ich bin der Meinung, dass der Normativismus nicht aktuell an der globalen Realpolitik scheitert, sondern vielmehr nie funktioniert hat. Die USA haben seit jeher das genommen, was sie wollten - Normen waren da immer schon zweitrangig. Auch Russland hat sich in der Vergangenheit immer wieder in die Belange seiner Nachbarn eingemischt.
Ich will in keiner Weise Trump verteidigen. Aber immerhin ist er gefühlt ehrlicher in seiner Außenpolitik als vorherige Präsidenten. Oder wir bekommen es einfach nur mehr mit, da die Medien generell kritischer über ihn berichten.
Putin und Trump zwingen Xi geradezu, in Taiwan ernst zu machen.
Putin expandiert in der Ukraine, Trump in Mittelamerika, alles klar völkerrechtswidrig. Wie kann China als dritte große Macht diese Chance ungenutzt lassen? Es gab politisch nie eine günstigere Gelegenheit für China, jetzt eine Komplettblockade gegen Taiwan einzuleiten oder gar mit einer eigenen „militärischen Spezialoperation“ die chinakritischen Kräfte in Taiwan anzugreifen.
Das Jahr ist gerade erst drei Tage alt und die USA haben schon den ersten Krieg gestartet. Ich fürchte langsam, dass 2026 noch mal ein Stück schlimmer werden könnte als 2025.
Ich weiß, die Frage ist unbeliebt, aber unterstützt dieser Angriff der USA nicht Putins Argumentation zur Nato-Mitgliedschaft der Ukraine oder westlichen Sicherheitstruppen dort?
Trump konnte diesen Angriff vermutlich nur deswegen so einfach durchziehen weil die USA Streitkräfte in unmittelbarer Nähe hatten. Genauso können NATO-Stützpunkte doch ebenfalls als Ausgangspunkte für nicht-NATO Operationen genutzt werden, egal ob die NATO eigentlich ein Defensivbündnis ist.
Es benötigt anscheinend (im Best Case) nur ein paar Hubschrauber und ein paar Elite-Soldaten vor Ort. Die dürften auf quasi jedem Stützpunkt (NATO oder Friedenstruppen) immer verfügbar sein.
Wie kann man dieser prorussischen Sichtweise (oder besser verlogenen Rechtfertigung) jetzt glaubhaft entgegen treten?
Neben der Verteidigung sollte mMn. 2026 das Jahr der digitalen Souveränität für Europa werden. Die ganzen direkten Abhängigkeiten von den USA müssen so schnell wie möglich abgebaut werden.
Egal ob Paypal, Microsoft, Visa/Mastercard, Apple oder OpenAI: Wir müssen uns darauf einstellen, im Zweifel drauf verzichten zu können.
Dieser Krieg unterstützt generell die Kreml-Sicht auf die Welt in nahezu jeder Hinsicht - das ist ein großes Problem dieses ganzen Krieges. Wie sollen wir nun Südamerika, Afrika, Indien und Asien klar machen, dass Putin der Kriegsverbrecher ist, der er ist, wenn der Chef der westlichen Welt gleichzeitig exakt das gleiche tut.
Wie gesagt, Putin und Trump sind Brüder im Geiste, destruktive Kräfte, die eine Welt schaffen möchten, in der das Recht des Stärkeren gilt.
Sehe ich nicht sorry. Angenommen Putin hätte es im Februar 2022 geschafft schnell Zelensky festzunehmen und einen Regime change durchzusetzen ohne langjährigen Krieg. Hättest du das selbe geäußert ?
Nie wieder möchte ich von der aktuellen Bundesregierung irgendwas von Völkerrecht bezüglich der Ukraine hören. Ab jetzt geht es wirklich nur noch um reine Machtpolitik. Sehr traurig aber da sind wie wohl nun angekommen
Hier wird deutlich, was die Motivation für die Intervention der USA in Venezuela ist:
He then adds, about Venezuela’s vast oil reserves: „We’re going to have our very large US oil companies, the biggest anywhere in the world, go in, spend billions of dollars, fix the badly broken infrastructure, the oil infrastructure, and start making money for the country and we are ready to stage a second and much larger attack if we need to do so. So we were prepared to do a second wave.“
Ein Grund mehr, uns in Europa von fossilen Energieträgern unabhängig zu machen. Da ist mir jedes Windrad in Deutschland lieber, als Öl und Gas aus Russland, Venezuela oder den USA zu beziehen.
Heißt das wir müssen unsere Überzeugung, von NATO Stützpunkten oder solchen ihrer Mitgliedstaaten ginge generell keine Gefahr aus, da die NATO rein defensiv ist, räumen und Putin hier einen argumentativen Punkt lassen?
Falls ja, warum jetzt? Völkerrechtlich illegale militärische Interventionen der USA (und ihrer Verbündeten) hat es die letzten 80 Jahre regelmäßig gegeben. Hätte man das Argument nicht vor 3 Jahren auch gelten lassen müssen.
Zur Klarheit, es geht mir nicht um eine nachträgliche Rehabilitierung der Putin Freunde. Aber ich fürchte zukünftige Argumentationen sind nun nur noch schwer widerspruchsfrei zu führen. Ich fand das in den letzten Jahren schon schwierig, aber jetzt quasi unmöglich.