Stromausfall in Berlin - Anschlag auf Infrastruktur

Was wäre denn eine dir genehme Definition von Linksextremismus? Man kann ja gerne kritisch fragen, ob die aktuellen Indizien ausreichend sind, um sicher zu sein, dass es die Vulkangruppe war. Es aber so klar als etwas anderes zu sehen bedarf dann doch mehr als die Verweise auf eine Anfrgae der Rechtsradikalen im Bundestag oder frühere Falschzuweisungen. Gerade bei einer Gruppe, die bislang sehr klar dem linksextremen Spektrum zugeordnet wird.

Man könnte meinen, solange es Tesla und nur ein paar Haushalte und mal eine Notaufnahme betrifft ( Serie von Brandanschlägen: Das ist über die "Vulkangruppe" bekannt | tagesschau.de und https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/verfassungsschutzberichte/2025-06-10-verfassungsschutzbericht-2024.pdf?__blob=publicationFile&v=4) passt es doch sehr gut und wird nicht hintefragt, weil es doch vorwiegend Elon Musk trifft. Da es hier also eine ganze Serie von Anschlägen gab, ist es doch etwas verwunderlich, wieso erst bei einem derartig langanhaltenden Schaden für die Bevölkerung die Hintergründe so stark angezweifelt werden.

Was noch den Bezug zur Anfrage im Bundestag und den Landesparlamenten angeht: Die ist an anderen Stellen viel kritischer (z.B. wo und wieviele Notstromaggregate bei Rechenzentren, Absicherung der Waffenlieferungen an die Ukraine, Drohnenabwehr). Die Informationen zur Energieinfrastruktur sind bereits öffentlich zugänglich. Da braucht man nicht mal die genaueren Netzdaten von z.B. Open-Stree-Map, es reichen schon Bilder von google maps, um möglicherweise kritische Punkte zu identifizieren. Allein beim aktuellen Beispiel kann man sehr gut erkennen, dass vom Kraftwerk eine Brücke über den Kanal geht. Das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Teil der Energieinfrastruktur sein. Ähnlich verhält es sich mit den Leitungen zu Tesla, die waren auch ohne Netzkarte ohne Probleme zu identifizieren.

Von daher sollte die Frage nicht unbedingt sein, woher das Wissen gekommen ist, sondern wie das Netz weiter verbessert werden kann, dass ein Anschlag an einer Stelle nicht so langfristige Folgen hat. Gerade weil man Attacken nicht vollständig verhindern kann, gilt es den Aufwand für eine Attacke deutlich zu erhöhen (bessere Absicherung) und eben Alternativen zu schaffen, dass die Versorgung schneller wieder aufgenommen werden kann.

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Die Schlussfolgerung gilt nur, wenn man das politische Spektrum als einfache Gerade versteht. Die extremen Ränder verschwimmen aber letztlich und nähern sich in ihrer Radikalität, Demokratieverachtung und Menschenfeindlichkeit an. Die Label links und rechts passen auf solche Gruppen (siehe auch BSW) nicht wirklich, bzw. sie bringen den politischen Diskurs nicht voran.

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Auf wen beziehst du dich hier? Ich habe ja explizit geschrieben, dass ich nicht weiß, wer den Anschlag zu verantworten hat. Daher habe ich mich allerdings auch der hier im Thread mehrfahr suggerierten Haltung wiedersprochen, dass die Täterschaft Linksradikaler eindeutig sei.

Auch die Sicherheit und Eindeutigkeit, mit der z.B. der Berliner Regierende Wegner von „Linksterrorismus“ spricht, macht mich persönlich eher skeptisch. Das erinnert schon an die spontanen Schuldzuweisungen etwa nach dem Oktoberfestattentat in München. Und der Berliner CDU würde es einfach super gut in den Kram passen.

Eben. Und ich halte ein sogenanntes Bekennerschreiben und die Einschätzung der Berliner Polizei eben nicht für eine hinreichende Begründung für eine der beiden Hypothesen. Das mögen andere anders sehen.

Warum behauptest du, dass ich daruf nicht eingehe, wenn ich genau dazu schreibe

[quote=„Flixbus, post:28, topic:31236“]
Und dass es in diesen 13 Jahren Hinweise ausländischer Dienste gegeben haben „müsste“, ist ebenfalls nur eine Vermutung.
[/quote]?

Wie schon beschrieben ist auch das nur eine Vermutung und mitnichten eine bewiesene Tatsache. Laut rbb gehen Experten auch eher von einem „losen Netzwerk“ aus - was alles Mögliche bedeuten kann, auch verschiedene Zellen, die - autonom oder als Agenten anderer Dienste - ein bestimmtes Label nutzen.

Gerade Marszalek ist hier kein so gutes Beispiel. Die Erkenntnisse über seine aktuelle Tätigkeit für russische Dienste gehen auf Recherchen von Journalisten zurück und gerade nicht auf Erkenntnisse inländischer oder ausländischer Dienste. Dadurch ist auch bekannt, dass Marszaleks Verbindungen zu russischen Diensten weit in seine Zeit als Top-Manager bei Wirecard zurückreichen. So wie deutsche Ministerien und Behörden diese Firma hofiert und vor Kritik geschützt haben, muss man davon ausgehen, dass die deutschen Dienste entweder keine Ahnung davon hatten oder aber es wussten und gedeckt haben.
Ein weiteres Beispiel wäre der damalige BND-Chef Kahl, der im Februar 2022 in Kyiw vom russischen Angriff überrascht wurde (Quelle). Oder der Fall eines Referatsleiters beim BND, der für Russland spioniert haben soll (Quelle). Und bei den Nordstream-Anschlägen ist immer noch alles andere als ausgeschlossen, dass es sich um eine russische False-Flag-Aktion handelt. Nur ein Indiz: Auch die Leute, die verhaftet wurden, nachdem sie in Polen Anschläge auf Bahnstrecken verübt haben, auf denen Waffen in die Ukraine geliefert werden, hatten ukrainische Pässe. Inwieweit das die deutschen Ermittlungsbehörden auf dem Schirm haben, entzieht sich leider meiner Kenntnis.
TL/DR: Gerade was russische Dienste angeht, sollte man den BND lieber nicht überschätzen.

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Aber nicht in ihrer Zielsetzung.

Wenn wir Linksextreme nicht dem linken Spektrum zurechnen dürfen, mit welchem Recht rechnet man dann Rechtsextreme dem rechten Spektrum zu?

Entweder Extremisten werden auf beiden Seiten ausgeklammert oder auf keiner.

Ich finde es auch durchaus legitim drauf hinzuweisen, dass man weitere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, aber ganz allgemein zu sagen man glaubt nicht an linksextreme Täter finde ich fragwürdig.

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Naja, wenn man die neue Sicherheitsstrategie der USA ernst nimmt, rechte Parteien in Europa zu unterstützen, wäre auch die CIA nicht abwegig…. :wink:

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Auf der anderen Seite gab es auch Anschläge aus dem „links-grünen Spektrum”.
Zum anderen werden sowohl linke als auch rechte Gruppierungen von Russland unterstützt. Damit würde sich der Kreis zu den AfD-Anfragen zur Infrastruktur schließen.
Russland ist nicht wählerisch, wenn es darum geht, wie es Deutschland und die EU schädigen kann. Ob links oder rechts, ob willfährige Idioten, Einmal-Agenten oder Parteien, die ein Problem mit unserem Grundgesetz haben.

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Absolut richtig. Deswegen schreibe ich auch immer wieder, dass Russland auch der Täter sein kann.

Ich finde es nur irritierend wie hier einige sofort versuchen die Einschätzung der Behörden in Zweifel zu ziehen und Russland in den Mittelpunkt stellen. Und das versuche ich zu hinterfragen.

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Das passt m. E. nicht zusammen. Wie komme ich denn zur Möglichkeit einer Täterschaft Russlands, wenn ich die Einschätzungen von Politik und Polizei in Berlin nicht hinterfrage? Selbst die Möglichkeit, dasss sich russische Dienste einer tatsächlich existierenden linksextremen Gruppe bedient haben, schließt die einseitige Festlegung auf ein „authentisches Bekennerschreiben“ und „Linksterrorismus“ ja de facto aus.

Welche Indizien gibt es denn, dass es statt gewöhnlicher Linker nur Russen waren, außer der Hoffnung, dass es Russen waren?

Edit: @Moderatoren, wieso werden meine anderen in den Raum geworfenen möglichen Täter denn wegmoderiert? Wenn es wegen eines Bauchgefühls Russen sein sollen, spricht doch nichts dagegen, dass ich beliebige andere Hüte von üblichen bad guys in den Ring werfe. Die Differenzierung wird mir hier nicht klar.

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In der BPK heute wurde erst einmal zurück gerudert, die Aussage aktuell lautet:
"Die Analyse des Bekennerschreiben „läuft aktuell“ durch das BfV." 41:40

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Merkwürdige Fehler und potenzielle Übersetzungsartefakte im (ellenlangen) Bekennerschreiben zum Beispiel, die hier ganz gut erklärt sind: https://www.berlinstory.de/news/stromausfall-in-berlin-kyrillische-fehler-im-text/

Dass jemand, der gegenderte Sprache verwendet, dann bei solchen Trivialitäten wie den Namen von Javier Milei und JD Vance solche albernen Fehler wie “Miley” und “Vans” reinhauen soll, finde ich in der Tat auch merkwürdig. Die These der Herkunft aus dem Russischen anhand phonetischer Ähnlichkeiten bei eben genau solchen potenziellen Übersetzungsartefakten ist daher für mich als Nicht-Linguist erst mal nicht ganz unplausibel. Zumal sie nicht von irgendeinem Internet-Heino aufgestellt wurde, sondern von Enno Lenze kommt, einem bekannten Journalisten mit starkem Background in diesem ganzen Russland-Ukraine-Kriegs-Komplex. Der ist regelmäßig im Kriegsgebiet vor Ort, hat Connections zu nativen Sprechern des Russischen und dürfte grob wissen, worüber er da redet.

Das ist zumindest schon mal mehr als reines Wunschdenken.

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Das Bekennerschreiben mag beides sein: Authentisch und von einer false flag Aktion gegen „die Linke“ getrieben.

Link auf eine twitter Beitrag, der das Bekenenrschrieben mal analysiert und Ungereimtheiten entdeckt hat:

Ist das Bekennerschreiben aus dem russischen übersetzt?

https://www.reddit.com/r/Staiy/comments/1q4h64a/ist_das_vulkangruppebekennerschreiben_eine/?share_id=xcfNkTqeNadR3oTybK83z

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Gewöhnliche Linke sind es nicht, das müssen zynische, verblendete, extremistische Linke sein. Der Anschlag auf das Stromnetz war ein Bärendienst für den Klimaschutz, der durch Elektrisierung ein sicheres Stromnetz braucht.

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Das könnte durchaus sein, Zynismus passt ja perfekt zu Putin. Das würde auch erklären, warum man die Täter dahinter noch nicht gefasst hatte. Für mich klingt die Reddit-Diskussion sehr stringent und schlüssig. Dem muss nachgegangen werden.

Da zeigt sich vielleicht ein Unterschied in der Form wie wir formulieren und diskutieren.

Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass man die Einschätzung von Politik und Polizei nicht hinterfragen dürfe. Das darf man jederzeit. Man kann aber nicht ohne Indizien auftreten und sagen, man zweifle die Einschätzung der Behörden grundsätzlich an.

Man sollte schon etwas mehr ins Feld führen wie zum Beispiel die von @Slartie erwähnte Analyse wenn man die Einschätzung professioneller Stellen anzweifeln möchte. Bauchgefühl reicht da sicher nicht. Und das sollte auch jedem klar sein, der mal eine Hochschule von innen gesehen hat.

Aufs Alltägliche runtergebrochen, ich finde es oft reichlich irritierend wenn Hans Peter zum Arzt geht, der Arzt sein Nasenbluten als stinknormale Ruptur einiger feiner Äderchen diagnostiziert, aber Hans Peter sich Kraft seiner Wassersuppe selbst mit Krebs diagnostiziert.

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In der Kriminologie ist es üblich zu fragen, a) wer zu einer Tat überhaupt technisch, logistisch etc. in der Lage wäre, b) wer welche möglichen Motive für die Tat haben könnte und ob die Art und Weise in der die Tat verübt wurde (das fängt schon mit Ziel, Ort und Zeitpunkt der Tat an) bestimmte Muster erkennen lässt. Und bei allen drei Fragen kommt Russland zumindest infrage.

Es ist bekannt, dass Russland hybriden Krieg gegen Deutschland führt. Entsprechende Beispiele wurden auch hier im Thread genannt. Dazu gehören

  • Cyberangriffe
  • Desinformation und Propaganda
  • Spionage und verdeckte Einflussnahme
  • Sabotageakte
  • False-Flag- und Proxy-Aktionen

Die Ziele der hybriden Kriegsführung Russlands (u. a.) gegen Deutschland sind auch bekannt. Dazu gehören:

  • Destabilisierung der Gesellschaft und der politischen Ordnung
  • Beeinflussung politischer Prozesse
  • Schwächung kritischer Infrastruktur
  • Stärkung demokratiefeindlicher Kräfte, insbesondere der AfD
  • Unterminierung der Unterstützung für die Ukraine

Vor diesem Hintergrund kann sich ja jeder mal fragen, ob Russland irgendein Interesse daran haben könnte, in einem wichtigen Wahljahr eine Stimmung zu befördern, in der Linke und Klimaschützer als Terroristen wahrgenommen werden, in der die kritische Infrastruktur als vulnerabel erlebt wird und in der sich Regierende als nicht ausreichend handlungsfähig erweisen, auf zentrale Herausforderungen zu reagieren (etwa die Versorgung der Hauptstadtbevölkerung mit Strom und Wärme)?
Wer eine Beurteilung des Falls unter Berücksichtigung dieser Faktoren als reines „Bauchgefühl“ abkanzelt und ihr damit - natürlich ohne Begründung - sämtliche Rationalität abspricht, hat m. E. nicht verstanden, womit wir es hier zu tun haben.
Gegenfrage: Was soll das für eine linke Gruppe sein, die einerseits über mehr als ein Jahrzehnt hochprofessionell und hochklandestin agiert, aber andererseits so weit von jeglichen Diskussionen anderer linker Gruppen und Bewegungen entkoppelt ist, dass sie es selbst nach dem offensichtlichen Scheitern von Gruppen wie „Letzte Generation“ und all den internen Diskussionen darüber, dass sie sich z. B. mit dem Ankleben an Kreuzungen viel mehr Feinde gemacht hat als Sympathien für ihre politische Anliegen zu wecken, es eine gute Idee findet, mitten in einer sehr kalten Winterphase die Stromversorgung für knapp 50.000 Menschen lahmzulegen und damit mittelbar gesundheitliche Schäden oder gar den Tod komplett unschuldiger Menschen zu riskieren.

Was denn nun?

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Ich habe auch nur darauf hingewiesen, dass man nicht vorschnell ein Urteil bilden und sich festlegen sollte, sondern die hybride Kriegsführung immer mit im Blick behalten sollte. Auch eine RAF (die zweite?) wurde mit Geld aus der DDR finanziert. Vieles in dem Zusammenhang macht skeptisch.
Ich hatte zum ersten Mal von der Gruppe gehört, als sie Grünheide lahm gelegt hatten. Kein Journalist, den ich damals las oder hörte hatte die Gruppe als jahrelang aktive Gruppierung auf dem Schirm. Für mich deutet alles auf eine Neuformierung hin und die Nutzung eines alten Namens um sich eine Legende zu geben.

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Das ist ein sehr guter Beitrag von Enno Lenze, der sich mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bestens auskennt und auch die hybride Kriegführung kennt.

Mich würde mal interessieren, welche politischen Diskurse hinter solchem Linksterrorismus stehen. Was wollen sie erreichen, warum glauben sie dass Gewalt dafür ein geeignetes Mittel sei? Ich denke ja eher, dass die kritische Infrastruktur dadurch enger mit den Sicherheitsbehörden verzahnt wird (im besten Fall) oder eigene Befugnisse für Überwachung etc. bekommt (möglicherweise zweifelhaft).

Natürlich kommt es Russland gelegen, wenn hier radikalisierte Linke Blödsinn machen.
Aber erkläre mir doch, wie Russland sicher sein konnte, dass Berlin beim Katastrophenschutz völlig versagt. Es hätte darauf hinauslaufen können, dass Berlin ein großartiges Krisenmanagement hinlegt und das Vertrauen in staatliche Leistung zunimmt.

Frag das doch lieber den Berliner Verfassungsschutz und nicht mich. Wenn du Informationen hast, die dem Verfassungsschutz weiterhelfen oder alles als ein Hirngespinst und russische Sabotage outen, solltest du dort einmal anrufen und ihre Arbeit erleichtern.

Zum Bekennerschreiben wurde sogar noch einmal nachgelegt, dass man keine (armen) Menschen schädigen wollte und nur das Gemeinwohl im Sinn hatte. Wieso sollten Russen sich nochmal dazu einlassen, wenn die Tatwahrnehmung als wahlloser Terrorismus dem russischen Zweck viel mehr dienen würde als ein „wir gegen die da oben“.

Deine Story ist, dass der Anschlag so komplex ist, dass es der russische Geheimdienst sein muss, der dann aber zu blöd für ein vernünftiges Bekennerschreiben ist?

Merkwürdiger, inkonsistenter Schreibstil und absichtliche Fehler können übrigens auch ein Zeichen für absichtliche Verschleierung sein, da man aus vielen Textproben Zusammenhänge oder Rückschlüsse auf Identitäten ziehen kann. Auch linksradikale Germanisten können dann so ein Pamphlet produzieren.

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